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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-03-20 · 12 (20.3.1896) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
12 (20.3.1896)
Date
1896-03-20
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 12 Dr. Bloches Wochenschrift Seite 233 nungsmäßige Beweise erbracht werden. Aber vielen hundert jüdischen Studenten den größten Schimpf, den es überhaupt geben kann, in's Gesicht schleudern, das scheint ihnen, im Hinblicke auf den Ausgang der im ersten Bilde geschilderten Vorgänge, weniger bedenklich. Der akademische Senat hat vorläufig über diesen Schritt der Burschenschaften seine schärfste Mißbilligung ausgesprochen, sich weitere Maßnahmen vorbehaltend. Also unser zweites Bild ist unvollständig und harrt der Ergänzung. Wir wollen ihr, auch uns Weiteres vorbehaltend, nicht vorgreifen und fügen nur ein Wort zur Vergleichung der beiden Bilder hinzu. Dort wurden Studenten, weil sie, in ihrem Ehrgefühl verletzt, dagegen öffentlich Protest erhoben hatten, „der Beunruhigung der Studentenschaft" schuldig gesprochen und mit der schwersten akademischen Strafe belegt. Hier wirft eine kleine Schaar von Burschenschaftern vielen Hunderten ihrer jüdischen Collegen pauschaliter den ärgsten Schimpf in's Gesicht. Das sollte mit einer platonischen Mißbilligung, die die Betroffenen lachend abschütteln, ausreichend gesühnt sein? Semitische Feigheit — arische Tapferkeit. Ein Blick auf die an Märtyrern ihres Glaubens so reiche Geschichte der Juden belehrt den Geschichtskundigeu, was die feigen Semiten an Tapferkeit geleistet haben. So haben im elften Jahrhundert, in dem kurzen Zeiträume von zwei Neonaten mehr als zwölftausend Inden in den Rheinstädten den Märtyrertvd ihres Glaubens erlitten, und die tapferen Helden, die über wehrlose Frauen und Kinder herfielen, waren — tapfere Arier, Teutonen, die den Muth mit Löffeln gefressen haben. Und wer das zweite Capitel in Zuuzens Syuagogaler Poesie liest, wer diese ununterbrochene Kette der Verfolgungen, Plünderungen, Vertreibungen und Ermordungen sich vergegenwärtigt, die „wahrhafte" deutsche Männer gegen „wehr- und ehrlose" Juoen unternommen haben, der wird die Größe germanischer Tapferkeit unbedingt anererkennen und der Feigheit der Juden, die sich für eine Idee hinschlachten ließen, die ganze Wucht seiner Verachtung zuwenden müssen. Die Bewunderung für deutsche Ehre und Tapferkeit wird aber noch mehr wachsen, wenn man di' Ursachen dieser Judenverfolgungen erforscht, welche von frommen, gottesfürchtigen Kreuzzüglern veranstaltet wurden. Allerdings heißt es, daß die begeisterte Schaar kreuzfahrender Ritter vorerst mit den Ungläubigen in ihrer eigenen Heimat anfräumen wollte; aber die Erpressungen, Schuldenerlässe und sonstige Beneficien, durch welche die frommen Ritter ihre leeren Säckel gefüllt haben, zeigen uns, wie fadenscheinig der Glorienschein dieser Glaubenshelden war. Wie anders erscheint uns die so hochgeprieseue deutsche Treue, wenn wir jene hündische Demuth betrachten, in der die deutschen Fürsten unter der Peitsche Napoleons sich gebeugt haben. Hat doch Friedrich August, der König des christlichen Sachsenlandes, aus Furcht und Feigheit sich nicht entschließen können, ob er es mit seinem kaiserlichen Patron halten oder sich an dem heiligen Kriege der coalirten Fürsten betheiligen soll. Und jenes häßliche Schachern und Feilschen um den Länderbesitz, das wir bei den deutschen Duodez- Fürsten jener Tage sehen können, steht in der ganzen Weltgeschichte vereinzelt da. Eine solche Ehre und eine solche Tapferkeit ist dem jüdischen Wesen allerdings fremd, und die tapferen wehrhaften Studenten haben allerdings recht,, wenn sie behaupten, daß der jüdische Student „der Ehre nach deutschen Begriffen völlig bar ist." Wie anders, um wie viel tapferer und mannhafter erscheint uns jener Muth, mit welchem die Juden selbst unter der Schreckensherrschaft der Revolution für ihren Glauben eingetreten sind. Als nämlich, nach Abschaffung aller Culten durch den Convent, die Religion der Vernunft eiugeführt wurde, als Priester und Laien an diesem thörichten Treiben des irregeführten Menschengeistes regen Antheil nahmen, da besaßen die Juden den Muth und die Feigheit, für ihren Glauben einzustehen. So ließen z. B. die Juden von Nancy ein Circular unbeachtet, das Bigerot, der otficier municipal „aux republicains et philosophes de la ci-devant religion juive“ an sie gerichtet, und in welchem er sie aufgefordert hat, ihren alten Aberglauben abzuschwören, die heiligen Schriften auszuliefern und die kostbaren Ornamente zu übergeben. Sie leisteten mnthigen Widerstand und hielten an dem ererbten Glauben ihrer Väter fest. Wie anders benahm sich eine Frau Hamadard aus Metz, die zur Zeit der Schreckensherrschaft das Passahfest durch die Anfertigung ungesäuerter Brode gefeiert und diese Sitte vor dem Proconsul tfjier Stadt damit erklärt hatte, daß sie ihrem Herzen so theuer ist, weil sie uns an die Freiheit erinnert! Freiheit, Glaube, Treue, all jene Güter, welche zu den idealsten Bestrebungen der Menschheit gehören, sie alle wurden von den Juden hochgehalten, und der unverbrüchliche Muth, mit welchem sie an ihrem ererbten Glauben festhielten, für ihn eintrateu und Gut und Leben opferten, dieser Muth zeigt uns, wie es um die Feigheit der Inden bestellt ist. Nicht nur die Deutschen, auch wir hatten unseren heiligen Krieg, doch wir fechten seit Jahrtausenden für unsere gerechte Sache und unser Krieg wurde nicht wie jener Deutschlands gegen Frankreich durch eine gefälschte Depesche heraufbeschwört. Unsere Staatsmänner hielten eine Fälschung selbst dann für feige und verachtnngswerth, wenn sie auch von einem Bismarck begangen und durch eine günstige Wendung für den Unternehmer vortheilhaft ausgefallen ist. Die wehrhaften deutschen Studenten haben recht, der Begriff, den nur Juden von der Ehre haben, vertrügt sich nicht mit jener, den sie sich von ihr bilden, denn wir halten es für ehrenhafter und tapferer, für unseren Glauben einzustehen, als für unsere beleidigten Hühneraugen zur Waffe zu greifen. Und wie groß auch die semitische Tapferkeit sein mag, mit der Feigheit jener re nvmmirenden Wichte vermag sie sich nicht zu messen. M i ß l i tz. Rabb. Dr. Leopold G o l d s ch m i e d. Unsere „Grotzen". Die „Neue Freie Presse" vom 15. Marz 189(5 dringt folgenden Artikel: „Ein angesehenes Mitglied der Börierammer wollte aus dieser Körperschaft scheiden. Die Gründe seines Entschlusses verdienen erzählt zn werden. Die Stelle eines Com cipisten war zu besetzen, und es fanden sich zahlreiche Bewerber, darunter auch ein junger Mann mit vortrefflichen Zeugnissen und tadelloser Lebensführung. Tie Kammer entschied sich >edoch für einen Anderen, dessen Würdigkeit genüg nicht angezweiielt werden soll. Mr die heimlichen Gründe der Abstimmung wurden^gesprochen, weil sie die Ursache des Zwiespaltes und der Demission geworden sind. Tie inneren Motive eines Ja oder Nein lassen sich nicht beweisen, aber es wird behauptet, der unterlegene Bewerber habe das Unglück, eine Nase zu besitzen, die jener des olympischen Zeus tvenig gleicht, und ans einen Namen zn hören, den ein Dichter seinem Helden kaum geben würde. Dagen lvir das Schlimmste, er heiße Pnlverbestandtheil oder Bratenfleck. Ein Bratensleck als Concipist der Kammer! - Das schien unmöglich. Deshalb soll ein tüchtiger, achtnngswerther und vermnthlich mit der höchsten Mühe die rauhe Bahn hinansteigender Candidat zurückgewiesen worden sein? Wir können nicht daran glauben, denn eine solche Schwäche würde zeigen, daß der Muth, die bürgerliche Gleichberechtigung zu vertheidigen, selbst dorr fehlt, wo sie nicht blos als sittliche Schutzwehr, sondern auch als wirrh schaftliche Nvthwendigkeit wie der Augapfel behütet werden müßte. Nichts ist schädlicher, als die Verirrung der Reichen, dieZmeinen, sie könnten einer gesellschaftlichen Gefahr entfliehen, indem sie ihre Ohren zustopfen, sich in ihren Prachträumen ver-

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