Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 11 (13.3.1896)
- Date
- 1896-03-13
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 216 Dr. Vloch's Wochenschrift Nr. 11 uitb er der Ehre nach deutschen Begriffen völlig bar ist". Wir sind vbjectiv genug, die tiefer liegenden, unausgesprochenen Gründe zu würdigen, von welchen die „wehrhaften" deutschen Studenten geleitet sind. Sie sind gewiß einerseits voll der Anschrunng durchdrungen, daß der jüdische Student einer inferioren, durch Muth- und Kraftlosigkeit gebrandmarkten Race angehört. Schön. Andererseits aber tragen dieselbeir jungen Herren auf ihren werthen Gesichtern die sprechenden Zeichen, daß° diese angeblich muth- und kraftlosen Juden ihnen in zahllosen Fäll e 11 überlege n w a r e n. Ja, mehr noch, es ist an der Universität bekannt, daß den „wehrhaften" deutschen Studenten im Laufe der Jahre von den verachteten muth- und kraftlosen jüdischen Studenten ein solcher Respect eingebläut wurde, daß sie - allmälig in ein böses Dilemma geriethen. Da muß ein Ausweg geschaffen werden! Wenn man sich mit dem Juden nicht schlägt, kann man allerdings von ihm nicht geschlagen werden. Dann leuchtet wieder die Theorie von der Üeberlegenheit der Arier über die verkommene semitische Rare in hehrem Strahleuglanze und Alles ist gerettet. Man muß zugeben, das ist ehrlich, bieder, mit einem Worte, germanisch gedacht. Ter Calcul hat imr einen kleinen Fehler. Die „wehrhaften" deutschen Studenten scheinen zu vergessen, daß nicht sie allein berufen sind, diese Frage zu entscheiden, daß die muthuud kraftlosen Angehörigen der inferioren semitischen Race dabei auch ein Wörtchen darein zu reden haben. Und daß diese sich das Recht nicht nehmen lassen werden, dieses Wörtchen d'reinzuredeu, das mögen die klügeren unter den „wehrhaften" deutschen Studenten heute wohl ahnen. Dr. Ignaz Heumann. Aus Nyiregyhüza kommt eine Trauerkunde, welche nicht ermangeln wird, in weitesten Kreisen aufrichtige Theilnahme hervorzurufen. Der aus dem Tisza-Eszlarer Proceß bestbekannte dortige Advocat Dr. Ignaz H eu m a n n ist kürzlich plötzlich in Folge eines Herzschlages g e st o r b e n. Es sind nahezu dreizehn Jahre, daß dieser große Proceß die Gemüther weit über die Marken des ungarischen Reiches hinaus in fieberhafte Erregung versetzte. Von den Lorbeeren, die sich damals die Fünfmänner- Bertheidigung (Eöivös, Heumann, Friedmann, Funtak und Szekech) geholt, gebührte unstreitig eines der schönsten Blätter dem Advocaten Heumann. Nicht nur weil er sich durch mühevolles Eindringen in die geheimsten Tiefen dieser verwickelten Proceßangelegenheit (der „Leichenschmuggel" war sein souveränes, ureigenes Gebiet) und durch überzeugende Beredtsamkeit auszeichnete, sondern weil er vermöge seines rücksichtslosen Kampfes um Recht und Wahrheit und des geradezu tollkühnen Muthes, mit dem er sich auf den Gegner warf, am meisten unter den Keulenschlägen, sowie unter den Nadelstichen des letzteren zu leiden hatte. Dabei kannten die Selbstlosigkeit und Opferfreudigkeit Heumann's keine Grenzen. Als „Eingeborener", als vielgesuchter Advocat der vornehmsten Familien ließ er seine ganze einträgliche Clientel im Stiche, um sich ein volles Jahr hindurch mit einer Art leidenschaftlicher Hingebung diesem Proceffe zu widmen, der ihm wohl viel Ehr' eingebrocht, aber auch unsäglich viel Kummer und Aufregung verursachte. Selbst als die hochgehenden Wogen der Tisza-Eszlarer Theiß sich längst geglättet hatten, zog sich noch durch alle Instanzen ein Verleumdungsproceß hin, den der Beamtenkörper des Szabolcser Comitats wegen seiner schonungslosen, mannhaften Rede gegen Dr. Heumann angestrengt. Die Zeit heilte übrigens auch diese Wunden und ehe wieder einige Jahre vergingen, war der gründlich gebildete, tüchtige und energische Advocat wieder der Freund und Berather Aller, als ob es niemals eine Esther Solymosi gegeben hätte. Dr. Heumann hinterläßt eine trauernde Witwe, die ihm über ein Vierteljahrhundert in Freud und Leid eine treue, hingebungsvolle Gefährtin gewesen, eine Frau, die durch ihr ungesucht-liebenswürdiges Wesen das „Haus Heumann" zum Mittelpunkte der ungezwungenen, herzlichen Geselligkeit machte, und mehrere bereits herangewachsene Kinder. Das Lüchenbegängniß hat in Nyiregyhaza unter überaus großerBetheiligung von Leidtragenden stattgefunden. Dem mit unzähligen Kränzen geschmückten Sarg folgten die Honoratioren des Comitats und der Stadt mit dem Obergespan an der Spitze, alle Beamten und ein nach Tausenden zählendes Publicum. Der Großwardeiner Rabbiner Dr. Leopold Kecskemeti hielt dem Verblichenen einen ergreifenden Nachruf. Am offenen Grabe verabschiedete Abgeordneter Dr. Ladislaus Mesko den Dahingeschiedenen. Dr. Heumann hinterläßt außer seinen 80jährigen Eltern eine Witwe und vier Waisen. Eine Rede des Reetors der Technik. Der Festcommers, den die deutsch-akademische Landsmannschaft „Markomannia" anläßlich ihres 35jährigen Bestandes Samstag Abends veranstaltete, nahm einen glänzenden Verlauf. Der reich geschmückte Ballsaal des Etablissements Ronacher bot ein prächtiges Bild. Nach Verbindungen geordnet saßen die Studenten, darunter Vertreter der Landsmannschaften „P o s o n i a" (Wien), „S l a v i a" (Leipzig), „A l s a s s i a" (Berlin), „M a r ch i a" (Brünn) und der akademische Verein „Symposion", an langen Tischen. Auch zahlreiche „alte Herren" und eine auserlesene Schaar reizender, junger Mädchen hatten sich eingefunden. An dem Ehrentische hatten der Rector der technischen Hochschule, Regierungsrath Professor Kick und Professor Setz er in y Platz genommen. Der Rector der Universität, Professor Meng er, hatte sein Fernbleiben mit Rücksicht auf seinen leidenden Zustand entschuldigen lassen. Der Vorsitzende, stuck, jur Arthur Robert Kleß, begrüßte die Erschienenen, dann erhob sich Rector Kick zu einem Trinkspruche auf die jubilirende Landsmannschaft. „Ich muß meiner Freude darüber Ausdruck geben," sagte er, „daß es mir diesmal gegönnt ist, zu einer Studentenschaar zu sprechen, von der ich gewiß bin, daß in ihr meine Ausführungen ein lebhaftes Echo finden werden. Wir leben leider in einer Zeit, in dersich die große Menge von den Idealen derFreiheit abgewendet hatund inderklaresDenken nicht zu häufig anzutreffen ist. Deshalb müssen wir uns aber doch sagen, daß wir das Rechte wollen und dürfen uns nicht von Jenen beeinflussen lassen, deren Geister von ganz merkwürdigen Ideen beherrscht sind. Wenn ein Wiener Dichter sagt: „Ist Wissenschaft ein Verbrechen, muß man denn ein Esel sein?", so frage ich: „Ist die Menschenliebe ein Verbrechen, muß man denn ein Hasser sein?" (Stürmischer Beifall.) Ich bin gewiß, daß Sie diese Frage mit einem hundertstimmigen Nein beantworten werden! Man muß für seine ehrliche Ueberzeugung mit Kraft eintreten, denn die Ideen, welche Oesterreich aus der Versumpfung befreiten, sind unvergänglich und werden schließlich doch siegen. Die Bethörten werden erkennen, auf welcherSeite das Heil zu finden ist, und sich wieder den freiheitlichen Ideen zuwenden. Hier muß aber die akademische Jugend mit dem erhebenden Beispiele vorangehen und sich in ihren Bestrebungen weder durch das Gejohle noch durch das Gemurre der Menge beirren lassen. Ich erhebe mein Glas in dem Wunsche, daß die „Markomannia" und die ihr durch Gesinnung verwandten Verbindungen immer voll Energie in diesem Sinne wirken mögen!" Der Rede des Rectors folgte jubelnder Beifall der Studentenschaft. Der Commers währte bis in die Morgenstunden. Heute findet im Saale des „Restaurant Kaiserhof" ein Couleurkränzchen als Abschluß des Stiftungsfestes statt. Dr. Eugen Dühring, der Parteipapst der nationalen Antisemiten, ivird jetzt dem undankbaren antisemitischen Volke auch unangenehm. Da schreibt ein Herr Dr. H. im „Deutschen Bolksrech t" (Nr. 8 n. 9): „Ist cs schon an und für sich unbegreiflich, wie ein Dühring als „deutsch-wissenschaftlicheAutorität" in der socialen und in derHebräerfrage, auf dem Gebiete der National-Occonomie und im Bereiche der Philosophie rc. gelten konnte, der selbst über seine Gedanken so unklar ist, daß er nicht e i n m a l i m S1 a n d e i st, a u ch n u r e i n e n S a tz wirklich „deutsch" und für d i e „D e u t s ch e n" verstandlich zu schreiben, so muß es doch auf das Befremdlichste Wunder nehmen, daß sich gelehrte und gebildete Leute durch die angeblich große Wissenschaftlichkeit eines Dühring konnten verblüffen und täuschen lassen . .. .. . Wenn Dühring sich anmaßt, Christus den „g e k r e u z i g t e n Hebräer" zu nennen, so zeigt das von einem so thörichten Hochmuth und Forscherdünkel, daß diese eine Bezeichnung allein hätte genügen müssen, daß das deutsche Volk in allen seinen Gliedern sich von diesem Manne abwendete. Hätte Dühring auch nur einen annähernd richtigen Begriff von dem Wesen des Racen-Judenthums, vom Talmud und den hebräischen Blutgebräuchen, so müßte er wissen, daß Christus niemals ein Hebräer gewesen ist, weil die unendliche Liebe und Barmherzigkeit, die Selbstlosigkeit, Demuth, Treue und Ehrlichkeit, die in Christus verkörpert ist, niemals auch nur im Geringsten im Blnte eines echten Hebräers liegt." Gleichzeitig steht auch ein Angriff gegen Dühring in Liebermann v. Sonnenberg's „A n t i s. Co r r es p. v. 20. Februar! Darin werden an Dühring's Charakter „bedenkliche Schwächen"