Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 11 (13.3.1896)
- Date
- 1896-03-13
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 11 Dr. Bloch's Wochenschrift. Seite 215 Der Stamm Wurz. Wien den 9'3 1896. Sehr geehrter HerrDoctor. Seit ich Ihnen meinen letzten Brief, in Welchem ich Ihnen, den Subscriptionsbogen des Holeschauer Pforreis zur Erbauung eines dortigen Katholischen Gesellen-Hcmses einsandte, sammt einen Posterlagschein, der mir zur Bctheiligung an diesem so löblichen Werk geschickt wurde, ist eine geraume Zeit Vergangen. Sie hatten die Eilte diesen meinen Brief unter meiner voller Adresse so unotografisch wie er war zu veröffentlichen. Der Brief hat so manchen jüdischen Gulden in seinem jüoischen Besitzer gelassen, da viele erkannten das Sie richtig nur als W u r z e n behandelt werden, aber die Juden bleiben immer Wurzen, viele darunter spielen die Wurzen aus persöhnliche Reklame, viele weil sie dumm sind, und sich gar keine Ehre daraus machen zum Judenthum zu gehören glauben aber weis Gott, was geleistet zu haben» wenn sie mit F 5—10 bei einer Sammlung, für kristliche Zwecke beiheiligen, und mit diesen Betrag sich auswilrzen lassen — kurz die Sache ist Folgende. Vor 10 Tagen kam in einem jüdischen Bankhaufe, der Jnnhaber Desselben Weiß, ich nicht wie er heißt, und das ganze Ngmt, Deutschmeister hätte nicht Platz wenn es dort in Compagnie Colonen aufgestellt würde, wo dieses Haus der Bank steht, ein Cassier der Jsr. Bruderschaft Ehewera-^adischa, und überreichte dort für das abgelaufene Vereinsjahr dem Herrn Prokoristen der Jude ist eine Quittung über F 5.— Na ich dank dem Cassier gings gut, der Herr v. Wurz sagte demselben, für was soll ich Ihnen F 5 zahlen, seit wann bin ich Miedglied dieses Vereines, Dank für die Ehre — ich zahle nichts, adje! Cassier der Heiligen Bruderschaft wie dieser Verein beim Inden genannt wird verschwindet mit dieser Nase — der Vorhang fällt. Es wird Abend Desselben Tages es wird bei dem selben Haus der Bank geleutet k l i n g - k l i n g. Der Diener meldet, daß zwei Nonen, Schwestern heißen Sie solche bei einen Kathol. Ordens Verein den Chef zu sprechen wünschen, der Oberbnchhalier kein Jude in diesem Judenhaus, ewpsängt Beide. Sie wünschen? Die Schwestern. Wir möchten schön bitten, wir bekommen hier jedes Jahr eine Geldspende für unseren Orden der Barmherzigen Schwestern glaube in Währing ist derselbe. Der Oberbuchhalter so—o—?? Ich werde Nachsehen. Die Schwestern, nein bitte, nicht nothwendig sondern wir möchten gerne den Herrn N. N. Vroc. sprechen, dann bitte zu warten. Buchhalter ab. Beim Proc. Lud. Ax v. Wurz — Bitte draußen im Burec-u warten zwei Schwestern vom Orden $. I. lassen sich nicht abweisen, und bitten ihr Anliegen selbst Vorbringen zu dürfen, soll ich sie herein schicken. Proc. so—o? ich komme selbst. Beide hinaus. Gegenseitige Verbeugung. Proc. mit was kann ich dienen meine l Schwestern. Bum wird der Herr v. Wurz — kristlich angeschnort. Wurz greift in die Tasche nimmt einen schönen Fünfer, fl. 5 heraus und überreicht es den beiden Schwestern vom heiligen Orden mit den salbungsvollen Worten, so meine lieben, ich will auch heuer mein Schärflein Ihnen nicht vorenthalten. Die beiden Schwestern schon draußen am Gang. Diese Juden sind halt doch ordentliche Wurzen, hätte ich bald gesagt, Wolthäter, so lange Sie Angst vor unsere Antisemiten haben, ja wenn der Jud nichts geben soll, wer denn sonnst? Die Christen sind ja eh schon geplündert von Ihnen. Ihr ergebenster Anton Dostal IX. Badgasse 8. Nachschrift. So cben lese ich in der Neustiftgasse 68 hat sich der Tischlermeister Ludwig Pecher in seiner Werkstatt aufgehängt, schlechter Geschäftsgang Motiv. Schade um diesen Mann, das war einer der tüchtigsten Agiotäre bei sämmtlichen Versammlungen der Antisemiten. Ein Busenfreund von Teufling Anton Jacob Singer in der Burggasse Ernst Schneider war für Ihm ein Gott, rc. :c. Bin neugierig was die Witwe dieses Mannes, der ein Opfer der Antisemiten ist, von dieser Brut Pension bekommt, die noch mit zahlreiche unmündige Kinder zurückbleibt. Vielleicht genügt diese Mittheilung, daß die Juden eine Sammlung veranstalten, dazu sind sie da. der Stamm Wurz. Ein christlicher Bierwucherer ist der antisemitische Erste-Wahlkörper-Mann, Hausherr, Hotelier und Restaurateur Karl W i m b e r g e r. Er beweist glänzend, daß Gewinnsucht keine speeifisch jüdische Tugend ist, daß auch Patentchristen an ihren Mitmenschen unchristlicher handeln können als irgend ein Jude. Bor Kurzem fand in dem Saale seines Hotels ein Costümkränzchen der Handschuh- und Bandagenmacher zum Besten der Krankencasse statt. Bei dieser Gelegenheit glaubte der christliche Herr eitlen besonderen „Riß" machen zu müssen und verlangte für das Krügel Bier von den Arbeitern, die sich einmal vergnügen wollten, achtzehn Kreuzer. Wie unverschämt diese Preisbestimmung ist, wollen tvir etwas beleuchten. Lagerbier kommt dem Gastwirthe, bis ins Haus zugestellt, Alles in Allem, auf 14 fl. per Hektoliter zu stehen. Anstatt sich nun mit „bürgerlichem Gewinn" zu begnügen lind etwa zwölf Kreuzer für das Krügel Bier zu begehren, was einem Gewinne von mehr als 70 Percent entsprechen würde, verlangt Herr Wimberger von armen Arbeitern a ch t z e b il K r e n z e r für ein Krügel Bier, das ihm ans sieben K r e n z e r zu stehen kommt, das heißt er nimmt von Arbeitern einen Profit von 157 Percent; das ist doch Wucher. Wucher umsomehr, als Herr Wimberger für sich nicht die Ausrede hat, daß ihn die Saalabnützung, Beleuchtung, Musik rc. so einen großen Betrag kosten, daß er dies beim Bier hereinbringen uruß - nein, der Bierwucherer W i m b e r g e r l ä ß t s i ch siebzig Gulden S a a l m i e t h e v h n e M u s i k f ü r e i n e N a ch t zahlen und nimmt dann beim Bier extra noch einen Profit von 157 Percent. Dann fällt ihm natürlich noch die Garderobe-Einnahme zn, kurz, der christliche Herr versteht es aus dem ff, sich an Arbeitern zn bereichern. s„ Arbeiterzeitung" vom 11. März.) Zwickau, 1. März. Der Volksschullehrer S o b e in Aue, welcher sich als eifriger Anhänger und Wortführ er d e r A n t i s e m i t e n hervorthat, ist vom hiesigen Landgericht wegen schwererSittlichkeitsverbrechen, deren er sich an Schulkindern schuldig gemacht hatte, zu sechs Jahren Zuchthaus und zehn Jahren Ehrverlust verurtheilt worden. Der Samariter ans der Linken Bahngaste. Herr Bergani ist ein herzensguter Mann. Es ist wirklich rührend, wie gut er ist, wie edel, und wie erfüllt von den milden Geboten christlicher Nächstenliebe. Wenn man seine fette Zaubergewalt betrachtet, seine hundert Kilo schwere Grazie, sollte man meinen, daß er so wenig durch ein Nadelöhr gehen könne, als jenes Thier, dessen Wuchs schon in der Bibel für allezeit zn dieser Prvcedur als untauglich erklärt wurde. Aber vielleicht kommt der biedere Pfeidler Gregorig, der ja herniedeu schon so selig arm am Geiste ist, noch recht bald in den Himmel, wer weiß, was dann mit Bergani und dein Nadelöhr noch passirt. Herr Bergani also ist edel und liefert täglich neue Beweise davon. Mau muß diesen Mann schätzen lernen, der soviel Menschenliebe besitzt und so hohe Begriffe von den Aufgaben der Presse hegt. Heute benützt er sein Blatt zn einem wahrhaft frommen Werke. Er bittet um milde Spenden für einen armen Mann. Tie Rvthlage dieses Unglücklichen ist ergreifend geschildert. Er ist Witwer, hat sechs Kinder, außerdem leidet er selbst an einem schmerzhaften Uebel. Bei alledem muß er arbeiten, „obwohl ihm jeder Schritt Schmerzen verursacht", muß er arbeiten, und verdient kaum so viel, daß er davon leben kann. Gewiß, der Mann bedarf dringend der Hilfe. Wer das bis jetzt noch nicht eingesehen hat, wird es sofort begreifen, wenn wir hinznsügen, daß dieser arme Mann — Neda e t i v n s d i e u e r im „Deutschen Bvlksblatt" ist. Und dort läßt man den armen, unglücklichen, von körperlichen Gebresten gepeinigten Mann arbeiten. Während die Federn so vieler ingeniöser und talentvoller Bvrkämpser eifrig über das Papier gleiten, um feurige Artikel, triefende Entrefilets zn sabriciren, in welchen von Nächstenliebe, Mildberzigkeit und ähnlichen Dingen die Rede ist, läßt man einen armen Menschen nm Hungerlohn sich quälen. Man reicht ihm wohl gar die Mannscripte, ans welchen alle die schönen Lehren, wie die „Arier" so gut und die „Semiten" und „Judenknechte" so schlecht sind, gedichtet wurden, und der arme Mann muß mit seinen müden (Gliedern diese Artikel noch in die Druckerei schleppen. Aber Bergani ist edel. Sein Einkommen, welches vom „Reformer" kürzlich aus nicht weniger denn hunderttausend Gulden geschätzt wurde und das ihm wohl die Pflege seines leiblichen Umfanges mit dem besten Material erlaubt, gestattet ihm nicht, dem unglücklichen Diener gründlich beizuspringen - aber er widmet ihm gnädig 50 Druckzeilen. Mögen andere Leute sich des armen Teufels erbarmen. Bergani zieht noch die letzte Arbeitskraft aus diesen morschen Knochen. Er ist ein guter Mensch. Hätte die naive Unverftvrenheit in einem „Judenblatt" gestanden, hätte eine liberale Zeitung für einen ihrer eigenen Angestellten, weit er dem Berhungern nahe wäre, gebettelt, dann würde Bergani haben schreiben lassen: wie dieser von den Inden ausgebeutete Christ, wie dieses vom fremden Capital zu Grunde gerichtete Kind des Bvlkes zu bedauern sei, wie schmählich, daß die Judenschmöcke diesen Diener nicht Helsen, daß sie ihn noch arbeiten lassen, und der Artikel hätte wahrscheinlich geschlossen: „Christliches Bolk, ermanne Dich, wirs das Joch dieser Fremdlinge ab, das Dich erdrückt! Hoch Lueger!" Die Satisfactions-Frage. In den Kreisen der deutschnationalen Studentenschaft herrscht eine große, leidenschaftliche Erregung. Tie „wehrhaften" deutschen Berbindungen tragen sich mit dem Entschlüsse, in Zukunft dem jüdischen Studenten keine Satisfaction „aus Waffen" zu geben, „da er deren unwürdig