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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-03-13 · 11 (13.3.1896) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
11 (13.3.1896)
Date
1896-03-13
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr 11 Br. VLoch's Wochrnfchrist Seite 213 In derselben Selichoth-Ausgabe Capitel II. übersetzt Christlieb beit Satz »seli selak v'selak l’mulak, l'mnlak naesar lak“ mit den Worten": Was mein ist, das ist auch dein; was aber dein ist, das hat der Molech, und mit dem Molech verachten sie Dich. Sehr treffend bemerkt zu dieser lächerlichen Uebersetzung Christlieb's Baumgarten, daß, wenn der Apostat selbst einen unpunktirten Text vor sich gehabt hätte, er schon durch den Keim auf die richtige Leseart, daß es nicht „l’mölak“ sondern „l’mulak“ heiße, was nicht Molech, sondern „dir gegenüber" bedeute, hätte aufmerksam werden müssen. Als Michaelis nachwies, daß Satz für Satz in der Christlieb'schen Selichot-Uebersetzung erlogen ist, da erwiderte der Renegat in einer zweiten Schrift Michaelis Folgendes: „Es sind genug jüdische Bücher vorhanden, darin der Name Christi, seiner Mutter und der christlichen Religion ausdrücklich genennet und mit den ärgsten Lästerungen beleget werden." Er sucht diese Anklage mit Thatsachen zu begründen, berief sich Christlieb, wie es bei allen antisemitischen Ignoranten der Fall ist, ans Eisenmenger's „Entdecktes Judenthum." Gewiß eine verläßliche Quelle für die ckoctores ignorantiae und für die Meineid-Professoren! Interessant ist die Antwort Baumgarten's, die er Christlieb entgegenschleudert. Wir wollen sie hier wörtlich citiren. Baumgarten sagt: „Was diese Antwort Christlieb's entscheiden solle, ist beinahe unbegreiflich. Sollte etwa daraus geschlossen werden, daß in allen öffentlichen jüdischen Gebetbüchern Lästerungen Vorkommen, weil dergleichen Eisenmenger behauptet? Da nun kaum zu glauben ist, daß der Verfasser gedachter Schrift lChristliebi seinen Lesern solche Folgerungen mit einiger Hoffnung eines Beifalls zumnthen könne; so ist wohl unleugbar, daß er w i s s e n t l i ch von der Streitsrage abgegangen und in Ermangelung einer wirklichen Beantwortung etwas vorgebracht, was zur Streitfrage nicht gehöret." Nachdem Baumgarten dem Cvnvertiten in so gründlicher Weise heiingeleuchtet hatte, verließ Christlieb Eisenmenger's „Entdecktes Jildenthum" und versuchte es mit primären Quellenangaben zu flunkern, selbstverständlich stand ihm keine Quelle zur Verfügung, aus welchem Grunde er sich veranlaßt sah, Handschrift etwa aus dem Monde zu citiren. Er fuhr daher, das Jndenthnm verdächtigend, fort: „In den cockicibns manuscripiis der jüdischen Gebete, ingleichen sogar in den alten gedruckten Büchern wird oft genug der Name Christi und der christlichen Religion genannt." Von Michaelis aufgefordert, solche Codices doch einmal der Facultät vorzulegen, antwortete Christlieb wahrhaft elastisch: „Alte gedruckte und zumal polnische Bücher würden gewiß nicht von solchen offenbaren Lästerungen frei) seyn, wenn ich nur solche Bücher bey der Hand hätte." Ter Hohn und Spott, den Christlieb hierdurch auf sein Haupt lud, veranlaßte ihn endlich, doch sich auf eine bestimmte Quelle zu berufen. Er berief sich daher auf die in Amsterdam 1629 erschienene „teutsche Bibelübersetzung", in der „Lästerungen gegen Jesum" enthalten seien. Banmgarteu erwiderte hierauf, er habe die Amsterdamer „teutsche Bibelübersetzung" Wort für Wort genau ftndirt, aber kein Anstößiges darin gefunden. Die gegentheilige Auffassung der Inden von der Bedeutung derjeuigen Schriftworte, die gemeiniglich auf die Mission Jesu Hinweisen, dürfe mau doch ihnen nicht zum Vorwürfe machen, da Juden eben nicht daran glauben, woran Christen glauben. Sollte man die Juden für die ewigen Wahrheiten des Christenthums gervinnen wollen, so sei dies gewiß nicht der Weg, den Christlieb einschlug, denn er stehe auf „unchristlichem" Boden. Als Banmgarten der Thatsache Erwähnung that, daß er bei den Hallenser Juden eifrig Nachfrage hielt, ob bei ihnen keine Gebetbücher im Gebrauche wären, die für die christlichen Mitbürger etwas Verletzendes enthielten, und daß diese ihn (Baumgarten) auf das Heiligste versicherten, daß mau selbst nach der leisesten Spur einer Anspielung in den jüdischen Gebetbüchern auf die christliche Religion vergebens suchen würde, antwortete Christlieb in seiner verschmitzten Weise, den Juden dürfe man keinen Glauben schenken. Die Entgegnung Baunigarten's auf diese cvlossale^ Verschmitztheit des Cvnvertiten Christlieb ist für uns so interessant, auf gewisse Personen die eine klägliche Vertheidigerrolle im Gerichtssaal des Wiener Landesgerichts in neuester Zeit zu spielen pflegen, so passend, daß wir uns das Vergnügen nicht versagen tonnen mit diesen goldenen Worten Baumgarten's unsere Zeilen zu schließen. Sie lauten: Gesetzt, man darf keinem Inden glauben; nur darf aber Christlieb nicht vergessen, daß, wenn man schon dem Juden nicht glaubt, man dem getauften Juden noch weniger glaubt. Das Iudenthum und die stttlichreligiöse Erstehung. Von Oscar Waldeck. V. „Erdensohn" nennt die Bibel den Menschen, das ist E i n Wort voll schöpferischer Kraft, gesättigt vom lveitausholenden Weltgedanken. Wie eine geistige Wurzel umschlingt dieser Eine Gedanke das All und saugt aus dem Weltgefühl geistige Nahrung, die das geistige Leben durchglüht und die Flamme der Begeisterung nährt, den Wissensdrang durch alle Nervenfasern zieht. Dieses Eine Wort erschöpft das Wissen, saugt auf alle Quellengebiete der Erkenntniß. Jedes Atom im menschlichen Organismus ist der Erde entlehnt, ist Träger des Weltgefühls, der durch das Wort geistigen Odem empfängt, in der Bereinigung der Atome zu einem harmonischen Ganzen, zum Weltorgan, erhebt sich der Erdensohn zum „beseelten Thier" — wie wir sagen — zur kleinen Welt in der großen Welt — zum Ebenbilde Gottes. Drei Buchstaben — „Adam" — genügen der Bibel, um den Forschungstrieb aller künftigen Generationen bis ins Unendliche zu beschäftigen, zu beseelen und den Gedanken mit verjüngter Kraft auszustatten. Welcher Chemiker ist dem Inhalt dieses Wortes auch nur nahe gekommen —? Welcher Anatom hat mit dem Secirmeffer auch nur ein Atom aus einer Zelle herausgeholt; und welcher Physiologe hat das Verwandtschaflsgefühl der einzelnen Atome im Erdensohn mit den verwandten Atomen der Erde zu entdecken versucht? Wie unendlich lveit sind wir selbst in diesem Jahrhundert, das sich das Jahrhundert der Cultur und Wissenschaft nennt hinter diesem Einen Gedanken, in dem alles Wissen latent liegt, zurück, wie unendlich weit. Das ist Unterrichtsmaterial, das ist geistige Nahrung, aus der jede Anlage den bildenden und erziehenden Stoff frei sich herausholt, ohne Furcht vor dem Notiz- und Classenbuch des Lehrers, ohne Paragraphenschlüssel und ohne die qualvolle geistige Dressur. Wie sich dieser Eine Gedanke in geistige Elemente auflösen läßt, ohne in Paragraphenformen sich festzufügen, als seelisches Gebilde auf dem Boden der Anlage auszugehen und sich zu entfalten, um im geistigen Leben einer ganzen Generation zu verwachsen zu einem Bolksgedanken. Wer dem Gewirre von Systemen einleitender Gedanken sich entringt und den natürlichen Regungen seines ureigenen Kraftgesühls sich anvertraut, dem rufen die dressirten Gedankengaukler zu: „Seht, dort kommt der Träumer". Ja es ist ein Traum ln düster schwüler Nacht, die die bessere Natur in uns verhüllt, in der das Gespenst des Geistes durchs Teleskop bewundert und das vermoderte Gerippe in der Paragraphenmaske als Ebenbild Gottes vergöttert wird. Der weise Sokrates, der sich der geistigen Knechtschaft der einleitenden Gedanken entwunden und nach sittlich-religiösem Boden unter sich geforscht hat, mußte den Giftbecher leeren und als Verführer der griechischen Jugend sterben. Dafür erhielt er in der Geschichte der Philosophie den ersten Platz. Weise war Sokrates, auf rein sittlichen Gefühlen ruhte auch sein Geist; allein er mühte sich ab, nach Begriffen die ethischen Wahrheiten zu ordnen und seine Begriffe füllten seine eigenen Gefühle aus, für oie Schule aber blieben es jeere Schemen. Ihm fehlte das Endziel alles Strebens, das höchste Ideal, das Ideal der Vollkommenheit, ihm fehlte der geistige Boden, aus der die Triebkraft geistige Nahrung sich holt, um zur Erkenntniß des höchsten Ideals sich emporzutragen. Und so steht vereinzelt diese Gestalt in der Geschichte der Philosophie, an der ie nach der Kraft des einleitenden Gedankens große und kleine Philosophen vorüberziehen; festgefügt steht diese Gestalt in der Geschichte der Philosophie; aber der sittlich-religiösen Erziehung hat Sokrates keinen erziehenden und bildenden Stoff zurückgelassen, dagegen Begriffe für Denkformen, für die philosophische Zungenfertigkeit Worte, Lautgebilde. Wie ein Zwerg, wie ein winzig kleiner Zwerg erscheint uns dieser weise Sokrates, wenn wir ihn auf das Gebiet des echt jüdischen Geistes, des Geistes der ewigen Offenbarung versetzen, wo die heilige Schrift in wenigen Zügen das Weltgefühl uns zuflüstert — „Du Himmel, höre, ich will sprechen; Und horch auf meine Worte, Erde — Wie Regen fließe meine Rede, Mein Wort, das rinne wie der Thau, Wie Regenströme auf das Gras, Wie Regengüsse auf das Kraut, Den Namen Gottes ruf' ich an — Erkennet unsres Gottes Größe —". Erhabene Gefühle und nicht philosophische Gesprächsformen leiten hier den Jdeengang ein. Aus Regungen und den Verbindungen der Atome fließen zusammen di? Empfindungen zur Lebensspannung, die das biblische Wort erlöst und in der sittlichen Größe zur Hoheit der Gesinnung sich entfaltet —.

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