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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-03-06 · 10 (6.3.1896) · page 19

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
10 (6.3.1896)
Date
1896-03-06
Page
– (sequence 19)
Language
German
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Nr. 10 Vr. Blortz's Wochenschrift. blätter, der von der ergreifenden Gestalt des Greises sagt: er murmelte mit blödem Ausdruck die gewohnten Gebete, deutet die Aufschrift: „Die Hoffnung auf Wrederaufrichtung von Zion verschwindet ftr, einem letzten im Elend verkommenen Rest des jüdischen Volkes, repräsentirt durch eine Schaar polnischer Juden." Wer aber mit eigenen Augen den Jammer unserer Nation gesehen, wer da selbst im Herzen ein Neuerstehen jüdischen Volksthumes erhofft, eine Zeit, da fanatische Tyrannei unsere Brüder nicht mehr wie nutzloses Wild vertreibt und leiden läßt, deni ist der Name „Jerusalem" nicht eine Abkehr von unserer alten Heimat, er lenkt vielmehr beim Anblick des Elends unser Sinnen auf Zion zurück, wohin dereinst — wie der hoffnungsstrahlende Blick des Jünglings es ausdrückt — die zerschlagenen Reste unserer Nation geeinigt werden. Nur das kann ans der ganzen Charakterisirung die rechte Deutung der Vision des Dichters sein. Hoffen wir, daß der großartige Erfolg dieser Schöpfung auch andere jüdische Künstler anregt, die reizvolle Poesie des Ghettos, jene seltsam düsteren Leidensgestalten im Bilde zu bannen. Die Mauern des Ghettos für die Juden in Deutschland sind gefallen - aber durch die Schöpfungen Oppenheimer's ist der Culturgeschichte das Leben und Treiben für ewig erhalten. Bald wird auch die unaufhörlich mehr zur Freiheit ziehende Zeit die düsteren Ghetto des Ostens sprengen. Es wäre ein arges Vergehen an unserem Volke, wenn jüdische Meister jetzt, wo noch wunderbar seltsames Leben im Ghetto pulsirt, wo es eigene Leiden, eigene Freuden, eigene Menschen schafft/nicht ihre Kunst^der Darstellung unseres Volkslebens weihten. Ein Pfalmencommentar auö dem Vi. Jahrhundert. Von Dr. Ludwig Lazarus. Im Jahre 1869 erwarb der Universitätsprofessor Bickell von dem Chor-Episcopus von Mossul, dem späteren Erzbischof von Damascus, käuflich das Fragment eines syrischen Psalmencommentars. Nachdem Bickell über dieses interessante Manuskript bereits in seinem bekannten 6an8peotu3 rei 8^rornm literariae die ersten Mittheilungen gemacht hatte, stellte er es Herrn Dr. Lazarus zur Verfügung, der nun in einem selbstständigen Werke, das zuerst in der Zeitschrift für die Kunde des Morgenlandes IX. Band erschien, eingehende Untersuchungen über dieses merkwürdige Dokument angestellt hat, die zu überraschenden Resultaten führten. Vorerst gelang es dem jungen Gelehrten, festzustellen, daß die Hundschrift ein Theil jenes dem David von Calach (um 700 vor Christi) zugeschriebenen Psalmencommentars ist, von welchem ein Theil in der Vaticana, ein Theil im brittischen Museum und der Schluß (wenngleich nur in arabischer Uebersetzung) zu Berlin vorhanden ist. Lazarus weist nun in fesselnder beweiskräftiger Schlußfolgerung nach, daß uns in dem Commentar kein syrisches Original, sondern nur eine Uebersetzung respektive Umarbeitung eines ursprünglich griechischen Psalmencommentars vorliegt. Als Autor desselben bezeichnet Lazarus mit Recht, wie selbst Bickell einräumt, den monophysitischen Patriarchen Severus von Antiochien, welcher^ 643 vor Christi gestorben ist und dessen dogmatische Anschauungen sich ganz mit denen des Commentars decken. Lazarus weist ferner nach, daß der Verfasser an mehreren Stellen genaue Bekanntschaft mit der jüdischen Schrifterklärung und Kenntniß der hebräischen Sprache verräth; mit besonderer Sachkenntniß hat Lazarus hiebei die Parallelen aus der jüdischen Exegese zusammengestellt. Der Commentar, der vorzüglich eine mystisch-symbolische Deutung des Schrifttextes beabsichtigt, enthält so manche, speciell dem jüdischen Gedankenkreise entlehnte Ueberlieferungen, die immerhin beweisen, daß selbst im 6. Jahrhundert die Kirchenliteratur von jüdischen Einflüssen noch nicht ganz frei war. Wir hoffen, daß der junge Gelehrte, der seine Studien am Berliner Seminar absolvirt hat und heute,schon den Rang eines bedeutenden Semitisten einnimmt, uns öfters Anlaß geben wird, von seinen Geistesproducten Notiz nehmen zu können. Zur Geschichte der Juden tu Mähren und Oesterreichisch - Schlesien mit Rücksicht auf Oesterreich - Unyarn überhaupt und die Nachbarländer, von Chrtstian Rrtter d'E l v e r t, k. k. Hofrath, Brünn 1895. 269 Seiten, Groß- Oktav. Der Autor dieser hier bezeichneten Schrift, die den vierten Theil seiner Beiträge zur österreichischen Rechtsgeschichte und den 30. Band der Schriften der historisch-statistischen Sektion der k. k. mährischen Gesellschaft zur Beförderung des Ackerbaues, der Natur- und Landeskunde bildet, gehört unstreitig zu den fleißigsten und bedeutendsten Sammlern historischer Quellen. Ritter d'E l v e r t hatte Alles, was, von jeher über die Geschichte der Juden in Mähren, Schlesien rc. geschrieben wurde, gesammelt und, wie aus der in Rede stehenden Schrift zur Genüge erhellt, sorgfältig verwertet Seite 2o7 und verwendet, daher wir dieses vorzügliche Sammelwerk allen denen, die sich für die Geschichte der Juden in Mähren, Schlesien u. interessiren, als eine überaus lehrreiche interessante Lektüre wärmstens empfehlen. Briefkasten. Josef Kellner, Essegg. Die Schrift des Dr. Theod. Herzel ist in der Buchhandlung M. Breitenstein, IX., Mähringerstraße 5 zu haben und kostet 60 kr. I. W. in P. Dr. Theod. Herzel wohnt: Wien, IX., Pelikangasse 16. I. Sachs, Dwinsk und M. Maidansky, Ekaterinoslaw Wir bestätigen den Empfang des ganzjährigen Abonnementsbetrages. D. K. in W. Der Ausgang hat unser Verhallen gerechtfertigt. Eine leere Vergeudung der Kräfte ohne Aussicht auf Erfolg konnten wir nicht empfehlen. W. in Wien. Dr. Friedmann in Berlin gehörte dem arischen Bekenntnisse an, das sollten Sie nicht vergessen. K. Wien. Wir können Ihnen nur antworten, daß wir es für unangemessen und unter nuferer Würde erachten, gegen den tendenziös gefärbten und entstellten Berhandlungsbericht vom 3. d. M. zu polemisiren. lieber Antrag des Herrn Dr. Bloch, welcher für seinen, dem Lemberger Agenten gebrauchten Vorwurf des Schwindels und über die volle Unwahrheit des von dem letzteren behaupteten Geschäftes den gerichtlchen Wahrheitsbeweis angetreten hat, wurde die Vorladung der von Dr. Bloch namhaft gemachten Zeugen beschlossen und zu diesem Behufe die neuliche Verhandlung vertagt. Wir werden nicht ermangeln, über das Ergebniß des demnächst stattfindenden Abschlusses dieser Verhandlung mit großer Genugthunng unseren Lesern zu berichten. B. S—d. (Brünn). Was Dr. Lueger heute antwortete wenn man ihn an sein Wort erinnert, nur ein Trottel oder ein Lump könne ein Antisemit sein, das wissen wir nicht. Aber Dr. Lueger darf mit Stolz darauf Hinweisen, daß diese seine einstige Meinung heute noch von sehr vielen braven Chri st en getheiltwird. Arthur L—sohn. Staatsbeamte, die gegen die Staatsgrundgesetze demonstriren — sind in der Thal eine merkwürdige Erscheinung, Vielleicht heißt es nächstens, daß auch die Staatsgrundgesetze — verjndet sind. Benno M. Wenn Schneider selbst seine Qualifikation zum Scharfrichter constatirt, so ändert das nichts an der Thatsache, daß Mancher das umgekehrte Berhältniß für das Rischtigehält. G. B. Der k. k. Rechnungsrath Herr Kränzl ist Christ, Arier und Alles eher als ein Philosemit. Aber heutzutage muß es sich Jeder, der nicht in der Unanständigkeit ein Programm erblickt, gefallen lassen, wenn man ihn „Jud" nennt. Für die — Juden liegt darin nichts Beleidigendes. Dr. Berthvld S. Danken bestens; erscheint demnächst. H—d. Durch die Lectüre des „Deutschen Bolksblatt" können Sie ersehen, daß diese Deutschen in der That besser „jüdeln" als deutsch schreiben. Nemo. Lassen Sie doch den Kläffer bellen. Das entspricht seiner Natur und seiner Bestimmung. L. Es ist geradezu naiv, zu verlangen, daß die Antisemiteu- Blätter nicht lügen sollen. Verlangen Sie lieber gleich, daß sie zu erscheinen aufyören. 3. Lueger liebt jetzt in der That ausfallend die blutrünstigsten Bilder. Er spricht von den „Beamten mit dem Dolch im Gewände" und jubelt dann: „Badeni liege, von tausend Dolchen dmchbohrt, auf dem Boden." Und da sind es doch nur die Juden, die von — Christenblut träumen. B—er. (III. Bezirk.) Wenn man diese Expektorationen Schneidens liest, so weiß man nicht, ob der Ruf nach Krasfr- Ebing oder der nach dem Staatsanwalt der berechtigtere ist. „Mühldorf". Was wollen Sie, der Mann kann doch nicht täglich eine Defraudation begehen. Er hat es ja auch heute nicht mehr nöthig. Ihre Äkeinung, daß Mancher im „Unnumerirten" fährt obwohl er in den'Schiebkarren gehört, ist nicht ohne. Adam. Diese Lügenblätter wissen es ja ganz genau, daß die standhaftesten Freunde des Direktors Müller-Guttenbrunn gerade Juden sind, das hält sie aber doch nicht ab, von dem „jüdischen Terrorismus" zu faseln, dem er angeblich zum Opfer gefallen sei. Dr. Blumenfeld, Jaroslau. Wir bestätigen Ihnen rechgerne, daß der Artikel in der Nummer der „Oesterreichischen Wochenschrift" vom 22. Februar, betreffend die Vorgänge in dortigen Officierskreisen, der „Wiener Allgemeinen Zeitung" vom 22. Februar 1896 ent nommen ist. Alois Witrofsky, Brünn. Die Miltheilung entspricht nicht den Thatsachen. Der Betreffende ist längst Professor und eine Auszeichnung irgend welcher Art hatte er in der letzten Zeit nicht erhalten. Moritz Weil, Humpolez. Wir danken herzlich für die gesendeten Exemplare. I. A. H. Mechanicus Schneider hat wiederholt Stampiglien gefälscht, daher die Bezeichnung Stampiglius. Laureol (Reines Pflanzenfett) rituell erzeugt, auch für Ostern, zu haben in Wien in der Niederlage II., Große Schiffgaffe 4 beim Vertreter Julius Freuden. Provinzordres direct bei der Fabrik von Julius Moll & Cie., Wien, Rndolfsheim. Näheres siehe Inserat.

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