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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-03-06 · 10 (6.3.1896) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
10 (6.3.1896)
Date
1896-03-06
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 202 Dr. Bloch's Wochrnschrist. Nr. 10 Wachtmeister darüber zur Rede und befahl ihm. in einem Hotel, wo so viele Israeliten tägliche Stammgäste find, keine antisemitischen Hetzreden zu halten. Da erwiderte der Wachtmeister, daß jeder schäbige Jude Reservelieutenant sein könne, er aber solche Leute nicht als feine Vorgesetzten betrachte. Daraufhin verfügte sich Herr Tintner zum Platzcommandanten, der sogleich den wachehabenden Corpora! ins Hotel beorderte, um den robusten Wachtmeister in die Kaserne zu bringen. Nachdem sich dieser aber weigerte, mitzugehen, wurde eine Patrouille von sechs Mann unter Führung eines Officiers in's Gasthaus gesandt, die den renitenten Wachtmeister festnahm und in die Kaserne brachte. Tags darauf wurde er in den Garnisonsarrest nach Olmütz überführt. Berlin, 25. Februar. Die letzte der Monatsvorlesungen fand gestern im großen Saale der Gesellschaft der Freunde statt. Herr Professor Dr. Gustav Op perl, der lange Jahre an der Universität in Madras lehrte, hielt einen sehr interessanten und belehrenden Bortrag über „jüdische und syrische Colonien in Indien", in dem er die Beni Israel in Bombay sowie die schwarzen und weißen Juden in Kochin aus eigener Anschauung schilderte. Sowohl die geschichtlichen Mittheilungen über die Vergangenheit der letzteren, als auch die Nachrichten über das religiöse und sociale Leben beider Colonien waren von hohem Interesse. So berichtete der Vortragende unter Anderem, daß die Beni Israel zu den tapfersten Soldaten in der Armee des Landes gehören und daß selten einer von ihnen ohne Osficiersrang dieselbe verlasse, außerdem seien sie sehr tüchtige Handwerker und Ackerbauer; daß sie auch an der Universität zu Bombay eine hervorragende Stellung sich errungen, hätte ebenfalls erwähnt zu werden verdient. Dagegen scheint sich die Zahl der Juden in Kochin nach der statistischen Zahl sehr verringert zu haben. Hoffentlich erscheint der Vortrag bald im Druck, so daß wir Gelegenheit haben, noch weitere intereffante Mittheilungen demselben zu entnehmen. Berlin, 26. Februar. Am 22. d. hielt die „Wissensch östliche Vereinigung jüdischerSchulmänner zu Berlin" eine außerordentliche, zahlreich besuchte Versammlung ab, welche theils der Erledigung geschäftlicher Angelegenheiten galt, ihre besondere Aufgabe aber als wissenschaftliche Sitzung zu erfüllen hatte. Zunächst theilte der erste Vorsitzende, Herr Dr. Adler, u. A. die Antwort mit, welche auf die von der Vereinigung an das königliche Prov inz i a l- Schulcollegium gerichtete Petition eingegangen war; sie hat folgenden Wortlaut: „Auf Ihre Eingabe vom 5. November v. I.. betreffend Ertheilung des Unterrichts in Geschichte und deutscher Lectüre in den Berliner Gemeindeschulen seitens jüdischer Lehrkräfte, erwidern wir Euer Wohlgeboren, daß diese Frage durch Erlaß des Herrn Ministers vom 27. December v. I., U. III. D. Nr. 4455 ihre Erledigung gefunden hat. Wo wegen einer erheblichen Zahl jüdischer Kinder die mit Ertheilung des Religionsunterrichts betrauten jüdischen Lehrer und Lehrerinnen angestellt werden, sind sie auch künftig zur Ertheilung des Unterrichts in anderen Fächern heranzuziehen. Wenn in dieser Hinsicht auch keine bestimmten Vorschriften gegeben und die jüdischen Lehrkräfte nicht von dem Unterrichte in gewiffen Fächern ausgeschlossen werden, so wird doch die Erwartung ausgesprochen, daß die mit der Aufstellung der Lections- und Lehrpläne betrauten Personen jüdischen Lehrern und Lehrerinnen nicht solchen Unterricht zutheileu werden, welcher ihnen in ihrem eigenen und im Interesse der Scbule nicht übertragen werden darf. Was die Verleihung eines Ordinariats aulangt, so sind jüdische Lehrkräfte principiell nicht ausgeschloffen. Es soll aber vermieden werden, daß jüdische Lehrpersonen das Ordinariat einer Classe erhalten, in welcher sich keine oder nur ganz wenige jüdische Kinder befinden." Hierauf begann der wissenschaftliche Theil der Sitzung mit dem Vortrage des Herrn Dr. Adler. „Ueber die Lesebuchfrage in jüdischen Schulen". Auf Grund eingehender Studien und eines reichen Materials gab Herr Dr. Adler zunächst eine sehr belehrende Darstellung von der Entwicklung des Lesebuchs für jüdische Schulen, sowie von der Geschichte des deutschen Lesebuchs in den letzten Jahrzehnten bis zur Gegenwart, gruppirte unter ausführlicher Begründung die einzelnen Lesebücher nach dem pädagogischen Standpunkte der Verfasser und wies den Einfluß, den die Zeitströmungen aus die Verfasser geübt haben, im Einzelnen nach. Im zweiten Theile des Vortrages stellte der Referent die Forderungen auf, die an ein Lesebuch für jüdische Schulen zu stellen sind. Dem mit großem Beifall aufgenommenen Vortrage folgte eine recht angeregte Discussion, an der sich fast sämmtliche Vereinsmitglieder betheiligten, und innerhalb deren die verschiedenartigsten Meinungen zur Geltung kamen. Um Mitternacht wurde die Debatte abgebrochen und die Fortsetzung derselben auf die nächste Monatssitzung vertagt. — Der Verein, der seinen Mitgliedern, wie diese Sitzung wiederum bewies, eine Fülle von Belehrungen und Anregung bietet und ihre Interessen nach Kräften wahrt, wird Sonntag, den 8. März im Bereinslocale (Spandauerstraße 11—13) sein erstes Stiftungsfest mit den Angehörigen der Vereinsmitglieder festlich begehen. Wien. Dienstag am 3. März hat die Trauung von Fräulein Luise Bloch, älteren Tochter des ehemaligen Reichsrathsabgeordneten und Herausgebers dieser Blätter, mit Herrn Salo Fingerhut aus Breslau stattgefunden. Wien. (Verlobung.) Fräulein Jda Buchbinder hat sich mit Herrn Julius Schmelz aus Mährisch.Ostrau verlobt. E. B. Wien. (Tod esfall.) Anfangs dieser Woche wurde der Industrielle Herr Julius Mahler, Chef der Firma I. Mahler & Sohn, Vorstanl des Tempelvereines „Beth Israel", unter lebhafter Betheiligung zu Grabe getragen. Der Verewigte war ein guter Talmudist, ein eifriger Glaubensgenosse und hat sich um die Erbauung des Leopoldstädter Tempels nach polnischem Ritus, dessen eifriges Vorstandsmitglied er war, erhebliche Verdienste erworben. Im Hause und am Friedhof brachte der Obercantör des gedachten Tempels Herr M. Schorr unter Begleituug eines Doppelquartetts, die Trauergesänge zum Vortrage. Unter den Trauergästen bemerkte man nebst vielen Vertretern der Wiener City auch mehrere Vorstandsmitglieder der israelitischen Cultusgemeinde mit dem Präsidenten Herrn Gustav Simon, ebenso dem Gesammtvorstand des Synagogenvereines „Beth Israel", geführt vom greisen Obmanne Herrn Meisels, welche dem Verblichenen bis an die letzte Ruhestätte das Geleite gaben. In der Friedhofshalle hielt Se. Ehrwürden der Herr Rabbiner Dr. Schmied! die Leichenrede, in welcher er hervorhob, daß der Verewigte trotz seiner zerrütteten Gesundheit keine Mühe und materiellen Opfer scheute und seine ganze Kraft zur Aufrechthaltung der polnischen Gemeinde einsetzte. Dem Zuge folgte die ganze Versammlung, auch Se. Ehrwürden der Herr Rabbiner Dr. Schmied! ehrte den Todten, indem er sich dem Trauerzuge anschloß, um pietätvoll eine Erdscholle aus den Sarg des Tiefbetrauerten zu legen. Wien. (Todesfälle.) Am 3. d. M. starb hier die städtische Lehrerin Frau Johanna Schulhof, Gattin des in weiten Kreisen bekannten Lehrers und pädagogischen Schriftstellers Hprrn Leopold Schulhof. Die Verblichene- — eine Schwester der kürzlich verstorbenen Frau Paula Frankl von Hochwart — wirkte in verdienstvoller Weise durch mehr als 35 Jahre als Lehrerin, in den letzten 22. Jahren im II. Bezirke und erfreute sich in allen Kreisen der Bevölkerung der höchsten Werthschätzung, wie nicht minder der rührendsten Liebe seitens ihrer zahlreichen Schülerinnen. Am 4. d. M. fand unter zahlreicher Betheiligung von Verwandten und Freunden das Begräbniß des Herrn Bernhard Hohenberg, Disponenten der Firma Hermann Schnabl in Rudolfsheim, statt. Der Verstorbene stand durch fast 25 Jahre im Dienste der genannten Firma und erfreute sich in allen Kreisen wegen seiner Charakter- und Herzenseigenschasten einer wohlverdienten Anerkennung. Wien. (Jüdische akademische Lesehalle.) Samstag 22. Februar brachte uns der bekannte Schriftsteller Herr Eduard Kutte sein neuestes Werk „Ein Vorrecht der Geburt". Der Autor, der auf dem Gebiete der Ghetto-Erzählung schon so Rühmenswerthes geleistet, machte mit seiner neuesten Schöpfung auf alle Anwesenden, untev denen sich auch einige Damen befanden, einen tiefen Eindruck. Die Novelle, die sich den besten Werken Kompert's an die Seite stellen darf, wird sich voraussichtlich im Publicum viele Freunde erwerben. Samstag den 29. Februar sprach Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Gelbhaus über „Das Buch Esther und seine aramäische Paraphrase". Der Vortragende ging von der hohen Bedeutung des Purimfestes aus und zog das Buch Esther mit

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