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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-03-06 · 10 (6.3.1896) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
10 (6.3.1896)
Date
1896-03-06
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 10 Dr Blortz's Wochrnfchrist Seite 201 Wien, 3. März. Ein Freund unseres Blattes schreibt uns: Von vielen Seiten wurde der gewiß beachtenswerthe Vorschlag gemacht, die jüdischen Familien mögen den Sommeraufenthaltin jenen Orten meiden, in welchen der Antisemitismus im Winter unverschämt und im Sommer verschämt cultivirt wird. Leider sind sehr Viele gehindert, diesen Vorschlag zu beherzigen, da sie aus verschiedenen Gründen nicht in der Lage sind, die nahegelegenen Sommerfrischen zu meiden. Die „Oesterreichische Wochenschrift" könnte sich aber ein großes Verdienst erwerben, wenn sie eine Liste der en rag i riesten Antisemiten, die in den Wien nahegelegenen Sommerfrischen Villen oder Wohnungen vermiet he n, veröffentlichenwürde. Die Veröffentlichung dieser Zeilen würde gewiß das Resultat haben, daß jene jüdischen Familien, die im vorigen Jahre traurige antisemitische Erfahrungen machten, die Namen der antisemitischen Vermieter mitthellen. Die Veröffentlichung einer schwarzen Liste der edlen antisemitischen Hausherren würde viele jüdische Familien im kommenden Sommer vor Schaden und Verdruß schützen. Wien, am 1. Mär; 1896. (G e n era ln e r sa m m l u n g des S y n a g o g e n - B e r e i n e s „B e t h Israel" nach Poln i s ch-s ü d i s ch em R i tu s in Wien.) Am 16. Februar l. I. bat eine sehr zahlreich besuchte Generalversammlung des Synagogen- Vereines „Beth Israel" stattgefunden. Als Delegirter der Wiener Culiusgemeinde erschien der k. k. Baurath Herr Wilhelm Stiaßny. Der Obmann Herr S. Weisels eröffnet? um 3 Uhr Nachmittags die Versammlung und begrüßte in längerer Rede die Anwesenden. Der Schriftführer Herr Ignatz Zolles erstattet dann den Rechenschaftsbericht, welcher unter großem Beifalle zur Kenntniß genommen wird, und spricht hierauf die Versammlung dem Vorstande durch Erheben von den Sitzen den Dank für die erfolgreiche und umsichtige Vereinsleitung ans und ertheilt demselben einstimmig das Abiolutorium. Herr S. Weisels wird per Acclamation wieder zum Obmann einstimmig gewählt. Hierauf ergriff das Ehrenmitglied dieses Vereines Herr Baurath Wilhelm Stiaßny das Wort, um namens der Culiusgemeinde die Befriedigung und die Anerkennung über das Emporblüheu und Gedeihen dieses Vereines auszusprechen. Es folgte sodann mittelst Stimmzettel die Wahl des Vereins¬ und Cultus-Borstandrs, der Rechnungs-Revisoren sowie Schiedsrichter. Als gewählt erscheinen: In den Vereins-Vorstand: die Herren Bernhard Brauner, Julius Brecher, S. Deiches, A. S. Diamant, Max Hescheles. Jgnetz Jolles. B. Landau» S. Landau, Arthur Edler von Mises, A. M. Opper, Max Rosenfeld und C. Schlesinger. In den Bethaus-Borstand: die Herren Jacob Axelrad, I. M. Bels, Albert Kahane, David Kolieb, Alexander Landau und I. Mahler. Bei der am 22. Februar l. I. stattgehabten constituirendeu Vorstands-Sitzung wurden die Herren Arthur Edier von Mises zum Obmann-Stellvertreter, Ignatz Jolles zum Schriftführer und A. M. Opper zum Cassier gewählt. Ung.-Hradisch. 26. Februar. Von hier erhält die „Wochenschrift" nachstehende Mittheilung, die wir unter Reserve in der Hoffnung, daß ein ausreichendes Dementi erfolgt, plubliciren: „Am 29. v. M. fand in Ilng.-Hradisch ein Purim-Kränzchen statt, das doch den Namen nach nicht für die Antisemiten veranstaltet wird. Bei dem hier in Garnison befindlichen Jäger-Bataillon Nr. 25 sind ca. 8 bis 10 Unterosficiere mosaischer Confession, bezüglich welcher das Comitß des Purim-Kränzchens einigemal zusammenberufen werden mußte, um zu entscheiden, ob es nicht herablassend wäre, erwähnte Unterosficiere zu laden, umsomehr als daß die hiesige haute volee, darunter sehr viele Antisemiten dieses Kränzchen mit ihrem Besuche beehren durften. Wir glauben daher, daß das Comite besser gethan hätte, ihre glaubensverwandten Unterosficiere zu laden, als sich durch die an die Antisemiten gesandten Einladungen lächerlich zu machen." Innsbruck, den 27. Februar 1896. Aus Innsbruck wird uns geschrieben: Die Firma Herrburger u. Rhomberg Dornbirn und Wien, hat auch hier eine Fabrik, woselbst ein Verwandter der Chefs. Namens F. Wilh. Rhomberg, als Fabriks- Director angestellt ist. Dieser Herr Rhomberg benützt jede Gelegenheit, um sich öffentlich als Radau-Antisemiten zu documentiren, beschimpft die Juden, wo er nur kann und ist hier als einer der Haupthetzer bekannt. Nachdem nun die Firma H. u.R. sehr zahlreiche Juden-Firmen zu ihren Kunden zählt, so fragt es sich, ob sich die Israeliten nicht überlegen sollen, ihr Geld einer Firma zuzutragen, welche derartige öffentliche Ausschreitungen eines ihrer Angestellten duldet, denn so lange sie es thut, muß man annehmen, daß sie selbst diese verhetzenden Tendenzen billigt. Krakau, 25. Februar. Der galizische Landesschulrath hat soeben die Delegirung von Seite der hiesigen Cultusgemeinde, des Präsidiums der israelitischen Cultusgemeinde in Krakau Dr. Leon Horowitz in den Bezirks sch ulrath Krakau zur Kenntniß genommen und denselben in dieser Function bestätigt. — Die Strickschule in Chozanow, die die jüdischen Abgeordneten ins Leben gerufen haben, entwickelt sich Dank dem energischen und thatkräftigen Mitwirken des hiesigen Comites und hoffentlich wird diese Schule die Erwerbsquellen der armen Bevölkerung vermehren. Die Oswiecimer Cultusgemeinde hat sich an das Comitemitglied, den Vice-Präses der hiesigen Cultusgemeinde Herrn Hirsch Landau, mit der Bitte gewendet, auch dort eine solche Schule zu errichten. Man hofft, daß so bald als möglich eine solche Schule dort errichtet werden wird. — Am 15. März wird hier die Hochzeit der Tochter des Herrn Dr. Horowitz, Präses der Cultusgemeinde, mit Herrn T. Epstein stattfinden. Mistelbach. Am 25. v. M. fand unter großartiger Betheiligung der gesammten Bevölkerung ohne Unterschied der Confession die feierliche Einweihung des neuerbauten israelitischen Tempels in Mistelbach statt. Seitens der Behörden erschienen der Herr k. k. Beziikshauptmann Johann BaLant persönlich mit den sämmtlichen Beamten der Bezirkshanptmannschaft, dann die Beamten des Bezirksgerichtes, des Steueramtes und der sonstigen Bezirksbehördcn sowie die Lehrerschaft, an deren Spitze der k. k. Bezirks-Schulinspector Trciutzl mit den Herren Bürgerschul-Directoren Glier und Lana. Bon der Cultusgemeinde Wien bttheiligle sich eine Deputation mit dem Landesschulrathe und Borstandsmitgliede Dr. Gustav Kobn und Secretär Dr. Lieben; weiters waren die Rabbiner und Deputationen der Cultusgemeinde» Nikolsburg, Floridsdorf Koste! :c. anwesend. Nach Schlüsselübe: gäbe durch den Baumeister Dunkl bat Cultnsvorsteher Abeles den Herrn Bezirkshaupttnann, zum Zeichen des dem Banthause zu gewährenden Schutzes der hohen Regierung die Pforten des Hauses eröffnen zu wollen, welcher Bitte der Bezirkshauptmann nach einer feierlichen Ansprache, in welcher derselbe betonte, daß die Regierung in Beobachtung der Staatsgrundgesetze allen Bürgern ohne Unterschied der Confession den Schutz, gewähre, entsprach. Die Festpredigten hielten Bezirksrabbiner Sor, dann Dr. Feuchtwana ans Nikolsburg und Dr. Mandl aus Kostet. Den gesanglichen Theil der Feier besorgte in gewohnter meisterhafter Weise Obercantor Goldstein aus Wien mit dem Gesammtchore des Leopvldstädter Tempels. Die Feier im neuen Bethause endigte mit dem Kaisergebete und der Absingiing der Volkshymne. An dem Festmahle betheiligten sich mehr als 100 Personen und war die Stimmung bei demselben eine umso cehobenere, als Herr Bezirkshauptmann Barant und die Spitzen der Schulbehörden an» wesend waren. Der Cultusvorsteher brachte den Kaisertoast aus. worauf Advocat Dr. Franz Schmitz in einer länaeren Ansprache die Liebe und Verehrung der Bevölkerung für den Bezirkshouptmann. welcher das Ideal eines unparteiischen Hüters der Gesetze, eines Pflegers der Vaterlandsliebe und Kaisertreue, der Moral und Religion in sich verkörpert, zum Ausdruck brachte. Umjubelt von den Anwesenden dankte der Bezirkshauptmann und beg'ückwünschte die Cultusgemeinde zu ihrem rührigen und opferwilligen Cultusvorsteher, indem er neuerlich versicherte, daß die Regierung keinen Unterschied in der Confession bei Behandlung der Bürger mache. In erhebenden Worten feierte Herr Landesschulrotb Dr. Gustav Kohn die Bezirkslehrerschuft und an bereu Spitze den Leiter des Bezirksschulrathes Bezirkshauptmann Bc-L.int und den Bezirks-Schulinspector, worauf Letzterer und Director Glier in entschiedener Weise betonten, der Lehrerschaft sei das Wohl der ihr anvertranten Schulkinder ohne Unterschied der Confession am Herzen gelegen und sie dulde keinen Racenhaß in der Schule. Herr Dr. Feuchtwang sprach auf die Schöpfer des Baues Architekt Schön, Baumeister Dunkl und Ingenieur Edelstein, worauf Architekt Schön mit einem Toaste ans das Baucomite antwortete. In gewohnt herzlich humorvoller Weise sprach Herr Brod ans Wien auf die Festgenossen. In später Morgenstunde endigte das Fest mit einem Militürconcerte und Kränzchen ohne Mißton, wenn es auch aufsiel, daß die antisemitische Gemeindevertretung der Stadt Mistelbach dem Feste gänzlich ostentativ ferne blieb, nbwohl der Bürgermeister die Betheiligung c> fficiell zugesagt hatte. ' Im Tempel ist auch die .Kanzlei der Cultusgemeinde und der große Sitzungssaal, welchen ein lebenstreues herrliches Porträt unseres geliebten Kaisers (gemalt vom akademischen Maler Wilhelm Blatt ans Wien) schmückt. Proßnitz. Sonntag den 16. Februar faß hier in einer großen Hotelgesrllschaft im Gasthause zu den drei Königen ein Wachtmeister, der gegen die Juden recht loszog, dabei^ solche Ausdrücke gebrauchte, wie sie selbst die berüchtigtsten Antisemiten nicht besser zu geben vermögen. Der daselbst anwesende Kanzleibeamte des Advocaten Dr. Haas, Herr Tintner, ein geborener Wiener und Reservelieutenant in Civil, stellte den

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