Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 10 (6.3.1896)
- Date
- 1896-03-06
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 200 Dr. Vlortz's Wortzrnfrtzrist. Nr. 10 Die Gallas erkennen Dr. Karl Peters unbedingt als ihren Herrn an. Dazu muß man sagen: Wenn schon! Das werden sich wohl auch die Gallas in ihrer Sprache gesagt haben. Hierauf geht der unbedingte Herr der Gallas, der eine hübsche Anzahl seiner neuen Unterthanen niedergeschossen hat, weiter; die Wildniß schlägt wieder hinter ihm zusammen; er läßt nichts zurück als den Glauben bei diesen Eingeborenen, daß solche Weiße weit schlimmer als die wilden Thiere sind. Dr. Peters bildet sich ein, irgend etwas geleistet zu haben und posirt als kaltherziger Held in seinem Buch, das nur komisch sein würde, wenn diese Komik nicht mit Menschenblut ausstaffirt worden wäre. Und dieser Mann ist der Leiter der deutschen Colonialbestrebungen! Jüdische Arbeitsgeber. Am 15. vorigen Monats feierten Herr Johann und Frau Josepha Lachmayr im Hotel Rabl, I., Fleischmarkt 16, ihre silberne Hochzeit, zu der sämmtliche Verwandte und Freunde geladen waren. Außerdem sandte die Firma S. Kary u. Comp., I., Morzinplatz Nr. 3, bei welcher Lachmayr schon über 25 Jahre als Geschäftsdiener angestellt ist, Herrn Moriz Rosenberger als Vertreter der Firma und eröffnete dieser dem Jubelpaare, daß es der Chef nicht Unterlasten kann, des Wackeren zu gedenken. Dem Jubilar wurde aus Anlaß seiner 25jährigen Geschäftstätigkeit von Seite der Firma S. Kary und Comp, eine Tausendgulden- Rente zum Geschenke gemacht. Ferner erschien gleichzeitig auch ein Abgesandter des Personales der Firma, Herr Stephan Mathies und erklärte dem Jubilar, daß auch die Collegen es nicht Unterlasten können, des langjährigen Freundes aus Anlaß seiner 25jährigen Thätigkeit zu gedenken, und überreichte ein österreichisches Bodencreditlos, sowie einen prachtvollen Diamantring. Bei diesem seltenen Feste hielt Herr Emil Rosenberger im Aufträge der Firma S. K a r y u. Comp, an den Jubilar eine herzliche Ansprache. Correspondenzen. Wien. (Festseier des „C honen D a l i m".) Am 1. März d. I. feierte der Humanitätsverein ,,Chonen Dalim" im Hotel Continental die Feier seines fünfzigjährigen Bestandes. Wenigen Vereinen ist eine so lange Lebensdauer beschieden, und es ist ein Beweis nicht nur von der Unerschütterlichkeit unserer Glaubensgenossen in der Bethätigung der Nächstenliebe, sondern auch von der Tüchtigkeit des Vorstandes des obgenannten Vereines, unter der Leitung des Herrn Eduard Sach», wenn dieser heute noch nach 50 Jahren gesund und kräftig seiner geräuschlosen aber ersprießlichen Thätigkeit nachgeht. Eine stattliche Zahl von Ehrengästen und Vereinsmitgliedern hatte sich zu einem Festbankette vereinigt im großen Spiegelsaale des Hotel Continental, bei welchem das Vereinsmitglied Herr T o n e l l o, ein äußerst feines Menu lieferte. In Verhinderung des greisen Ehrenpräsidenten kaiserl. Rathes Joel Deutsch eröffnete Herr B. Kanitz die Festversammlung und begrüßte die erschienenen Ehrengäste Oberrabbiner Dr. Güdemann, Cultuspräses Gustav Simon, die Cultusvorsteher Moritz Karpeles und Dr. Josef G r ü n f e l d, den ehemaligen Abgeordneten Dr. Bloch und den Senior der Gemeinde Nikolsburg Herrn Moses Feßler. Unter den Anwesenden sah man roch Männer, welche dem Vereine seit seiner Gründung angehören, so zum Beispiel Herrn Leopold Wagner, einen bekannten Wiener Industriellen, dessen Vorfahren seit 150 Jahren in Nikolsburg ansässig waren und in hohem Ansehen standen. Den Kaisertoast sprach Herr Oberrabbiner Dr. Güdemann. Er sagte unter Anderem : Das Fest, an welchem theilzunehmen wir die Freude haben, ist ein durchaus jüdisches Fest. Die Feier des 50. Jahres ist bereits in der Bibel durch das Gotteswort geheiligt. Das ist das Jubeljahr, welches auch diesem Vereine vergönnt ist zu begehen. Es ist eine historische Thatsache, daß in einem solchen Jubeljahre der Unterschied zwischen dem Reichen und dem Armen ausgeglichen, daß alle Verbindlichkeitsverhältnisse, alle Schulden aufgelöst wurden. Und das israelitische Volk hat den Ruhm, diese wahrhaft schöne Idee der Ausgleichung der Gegensätze, der Classen- und Standesunterschiede nicht blos im Munde geführt, sondern auch durchgeführt zu haben. Nun, meine Herren, eine solche Ausgleichung, wie sie auch heute immer als ein Desideratum in der Welt dasteht, das aber, wie wir es jetzt erleben, nur Gelegenheit gibt, zur leeren Phrase, um noch dazu gerade das Gegentheil von dem zu bewirken, was man eigentlich will, — ich meine diese wirkliche Ausgleichung war nur möglich durch die Anregung der Menschenliebe, des Bestrebens, dem Nächsten beizustehen, und wo dieses Bestreben nicht vorhanden war, da wurde eben mit dem Eintritte des Jubeljahres nachgeholfen. Der Zweck Ihres Vereines nun, er liegt ja in seinem Namen ausgedrückt. Es ist ein Verein, der dem Armen Gutes erweisen will und auch wirklich erweist. Ein solcher Verein hat gewiß das Recht, ein Jubeljahr zu feiern, denn er ist ja immer mit der Wirksamkeit des Jubeljahres beschäftigt. So lange dieser Verein besteht, hat er immer dahin gewirkt, nach Möglichkeit die Unterschiede zwischen Arm und Reich aufzuheben, indem er dafür sorgte, den Leidenden in ihrem Unglücke beizustehen. Nachdem der Redner die Wohlthätigkeitsliebe des jüdischen Stammes besprochen hatte, schloß er mit folgenden Worten: Es gibt aber meine Herren noch eine andere angestammte Tugend unserer Gemeinschaft, die mit der ersteren zusammengeht. Das ist die Ehrfurcht vor der von Gott gesetzten Autorität. Wir haben immer zu Demjenigen gehalten, auf welchen die göttliche Hoheit und Majestät sich herabgesenkt hat. Wir haben Broche gemacht über Denjenigen, welcher die göttliche Hoheit und Majestät unter den Menschen vertritt und widerspiegelt, und so sind wir Israeliten überall in jedem Lande treue Unterthanen des Herrschers gewesen, wir sind es auch in Oesterreich, wo unsere Vorfahren seit urvordenklichen Zeiten eingewandert sind, die Schicksale des Landes mitgemacht haben neben ihren so traurigen Schicksalen. Sie hatten keinen Grund, Jubeljahre zu feiern und sich des aufgehobenen Unterschiedes unter den Menschen zu freuen; sie waren immer die Ausgestoßenen, die Zurückgesetzten, bis Seine Majestät, unser jetziger Kaiser Franz Josef der I., erschienen ist, der ja auch fast an der Pforte seines Jubeljahres steht, und diese Unterschiede aufgehoben hat, so daß auch wir die gleichberechtigten Bürger des Staates sind, und dankbare, treue Unterthanen unseres Herrschers, zu dem wir in dieser schweren Zeit, meine Herren, seiner eigenen Versicherung nach, mit Vertrauen aufblickendürfen.Ich eröffnedeshalb die Reihe der Toaste mit der Aufforderung, meine Herren, die ich un Sie richte: Unser gütiger, gnädiger Kaiser, der die Unterschiede zwischen den Confessionen, zwischen den Bürgern aufgehoben hat, der nach seiner eigenen Worten alle Bürger seines Staates mit gleicher Liebe umfaßt, Seine Majestät unser Kaiser lebe hoch! Die Versammlung, welche die letzten Worte stehend anhörte, stimmte in ein stürmisches dreifaches Hoch ein. Nachdem noch Herr B. Kanitz den Manen der heimgegangenen Mitglieder, Gründer und Förderer des Vereines dankbare Worte der Erinnerung gezollt hatte und Herr Dr. Adolf Herzfeld auf die neu eingetretenen Mitglieder, Herr Dr. Alfred Kanitz auf den bewährten Vorstand des Vereines, Herr Dr. Bloch auf die Cultusgemeinde, ihre geistlichen und weltliche Führung, Herr Cultusvorsteher Moritz Karpeles auf die Einigkeit«ber Mitglieder dieses Vereines und Herr Dr. Sigismund Feßler auf eine frohe Zukunft in Wien und Oesterreich und auf eine Besserung der jetzigen Situation toastirten, sprach Herr Obercantor Goldstein mit gewohnter Meisterschaft das Tischgebet, worauf die officielle Feier ihren Abschluß fand. Es folgten sodann einige wildelaunige ToastevondenHerren König, Moses Feßler, Redacteur Herrnfeld und Anderen, worauf sich die Gesellschaft in animirtester Stimmung, vielen glücklichen Jugend-Erinnerungen bis in die späte Nachtstunde hingab. F. Wien. (D i e Barmherzigen Brüder) versenden soeben den Ausweis über ihre Wirksamkeit in ihrem Hospital im Jahre 1895. Die ehrwürdigen Brüder heben in dem Begleitschreiben hervor, daß ihr Humanitätsinstitut, unberührt vom Streite politischer, nationaler und confessioneller Gegensätze bestrebt war, in reinem Geiste der Humanität zu wirken. Dieses edle Streben verdient umso mehr anerkannt zu werden, als die Barmherzigen Brüder mit dieser Gesinnung sich von so vielen anderen katholischen Orden unterscheiden, die die christliche Nächstenliebe darin erblicken, daß man die Juden Haffe und verfolge. So wie die Barmherzigen Brüder bei ihrem I edlen, humanen Wirken keinen Unterschied der Confession kennen, so sollte ihnen auch die Förderung aller Menschenfreunde, ohne Unterschied der Confession, im reichen Maße zutheil werden.