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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-03-06 · 10 (6.3.1896) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
10 (6.3.1896)
Date
1896-03-06
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 10 Dr. Bloch's Wochrnschrift. Seite 199 semitischer Führer und Parteigenossen mit einem dieselben verherrlichenden Text und wetteiferte in der Rohheit des Tones und der ganzen perfiden Sprache mit den übrigen antisemitischen Preßerzeugniffen. Umgeher hatte vor längerer Zeit ein Volksstück: „Der Herrgottspfänder" geschrieben, welches auf Dr. Lueger bezogen wurde. Als charakteristisch für sein geschäftliches Gebühren wird erzählt, Umgeher habe in der vorigen Woche kein Geld für den Zeitungsstempel auftceiben und deshalb das Blatt nicht drucken lassen können. Um aus dieser Verlegenheit herauszukommen, gab er den Auftrag, einen scharfen Artikel für das Blatt zu schreiben, den der Staatsanwalt gewiß confisciren werde, und ließ nur die Pflichtexemplare drucken. Nun 'and aber der Staatsanwalt keinen Anlaß, das Blatt wegen des erwähnten Artikels mit Beschlag zu belegen. Trotzdem erschien die Zeitung nicht und Umgeher wußte den Anschein zu erwecken, es sei in der That eine Confiscation erfolgt. Ec hatte mehrere Leute scheinbar in der Administration seines Bwttes angestellt und denselben Beträge als angebliche Cautioren entlockt. Umgeher wurde noch am selben Tage dem Landesgerichte eingeliefert. Beschädigte mögen sich im Zimmer Nr. 15 des Stadtcommissariates melden. Antisemitische Ehrenmänner. Der Postassistent Schulze, genannt „Antisemiten-Schulze" in Wob lau, hat einen Selbstmordversuch gemacht und ist seiner Wunde erlegen. Er war vor seiner Versetzung nach Frankenstein und darauf nach Wohlau der Organisator und Führer der Breslauer Antisemiten. Auf Schulze's Einladung kam Ahlwardt nach Breslau, um in einer großen Versammlung unter Schulze's Vorsitz einen Vortrag zu halten. Bis zu seiner Versetzung hat Schulze dann hier die Partei geführt. Ebenso stand er darauf in Frankenstein und jetzt in Wohlau an der Spitze des dortigen antisemitischen Vereins. Schon vor einiger Zeit waren auf dem Postamt in Wohlau mehrfach Unregelmäßigkeiten vorgekommen, ohne daß der Thäter hätte ermittelt werden können. Die jedesmal eingeleitete Untersuchung blieb stets ohne Erfolg. Da wurde vor einigen Tagen mit großer Bestimmtheit aus Wohlau hierher gemeldet, daß Schulze verhaftet worden sei. Die Meldung war verfrüht. Schulze hatte es verstanden, den Verdacht von sich abzulenken. Ec sandte den Zeitungen, die die Meldung seiner Verhaftung verbreitet hatten, scharfe Berichtigungen zu und veröffentlichte in dem dortigen antisemitischen Blatte eine lange Erklärung, worin er seine Unschuld betheuerte. Indessen scheint die Postbehörde an der Unschuld ihres Beamten gezweifelt zu haben, denn die Untersuchung gegen ihn wurde fortgeführt und Schulze sollte in Wohlau verhaftet werden. Ais der Postinspector dem Schulze im Dienstzimmer davon Mittheilung machte, zog er einen schon bereit gehaltenen Revolver hervor und tödtete sich in Anwesenheit des Vorgesetzten. Schulze soll in Wohlau über seine Verhältnisse gelebt und verhältnißmäßig bedeutende Schulden hinterlassen haben. Der bekannte antisemitische Agitator, Buchhändler und Buchdruckereibesitzer Glöß in Dresden wurde vom dortigen Schöffengericht wegen Beleidigung des Kaufmannes Baruch Heller zu drei Monaten Gefängniß, der Redacteur Welcker von der „Deutschen Wacht" zu 200 M. Geldstrafe verurtheilt. Jüdische Kämpfer in Südafrika. Eine recht interessante Notiz fanden wir jüngst in einer Zeitung aus dem Jahre 1846, die wir nnsern Lesern nicht vorenthalten wollen, weil sie beweist, daß es fast kein Land gibt, in dem Juden nicht im Kampfs für Vaterland, Gesittung und bürgerliche Sicherheit ihr Blut vergossen haben. Im Jahre 1846 waren die Verhältnisse in Südakfrika ähnlich den heutigen, nur mit dem Unterschiede, daß damals noch die uncivilisirten Kaffern die Rolle spielten, in der sich in diesem Jahre die civilisirten Engländer gefielen. Damals machte in die nur mit wenigen Bertheidigungsmitteln versehene Kapcolonie ein aufständischer Kaffernstamm einen Einfall. Gegen diese stellten sich eine Anzahl berittener Bürger mit 50 Jnfanteriesoldaten und einer Feldschlange. Die Leitung hatte einer der wenigen Juden inne, die damals am Kap der guten Hoffnung wohnten, der Capitän der Acrmanry und Feldcommantant Josua D. Norden. Norden fiel im Kampfe und sein Leichnam wurde von den Kaffern auf das Furchtbarste verstümmelt. Erst am folgenden Tage gelang es, die Kaffern zurückzutreiben und die Ueberreste des tapfern Capitäns zu sammeln und zur Stadt zu bringen, wo sie unter vielen Ehrenbezeugungen bestattet wurden. Die Protokolle des Elfer-Ausschuffes über die Auseinandersetzungen mit Stöcker werden jetzt in der „Cons. Corresp." veröffentlicht. Sie bringen nur bekannte Dinge und bestätigen insbesondere auch, daß die nächste Veranlassung des Ausscheidens Stöcker's die war, daß er die von Herrn v. Manteuffel vorgeschlagene Erklärung, betreffend das „Volk" und feine ferneren Beziehungen zu demselben, nach Ablehnung der von ihm (Stöcker) selbst vorgeschlagenen milderen Erklärung nicht acceptirte. Warum Herr Stöcker dieselbe nicht acceptirte, hat er im Elfer-Ausschusse gesagt: „Ec erklärte, daß ihm die v. Manteuffel'sche Erklärung zu weit gehe, daß er aber bereit sei, im Elfer-Ausschuß zu versprechen, seine Beziehungen zum „Volk" so lange abzubrechen, als die Haltung des „Volk" der conservativen Partei gegenüber von ihm gemißbilligt werde. In der Oeffentlichkeit möchte er nicht so weit gehen, weil er mit populären Strömungen zu rechnen habe, da es sich um eine Frage der Macht handle, und weil er seinen Feinden auch nicht den mindesten Anlaß zu der Annahme geben dürfe, daß er den Nacken gebeugt habe, da er d a n n ein politisch todter Mann sein würde." I Ein werthvoller Beitrag zur Charakteristik Stöcker's! ) In Verlegenheit. In einer gewissen Verlegenheit bei findet sich dermalen die juristische Facultät der Uni- verfität Bern. Ein Rabbiner aus Osteuropa möchte in Bern j den Doctorhnt holen und hat zu dem Behuf eine Dissertation eingereicht über das Recht auf Arbeit nach dem Talmud. Die Zulassung der Arbeit kann nicht geschehen, ohne daß geprüft wird, ob die wissenschaftlich» Arbeit auch im Einklang stehe mit dem Texte, auf dem sie sich stützt. Der mit der Vorprüfung betraute Rechtsprofessor hätte etwa 40 Bände zu studiren, wollte er sich gewissenhaft überzeugen, ob die Differtation auch quellenmäßig geschrieben sei. Man könnte sich zur Noth für die vorläufige Untersuchung an einen Theologieprofessor wenden oder vielleicht noch besser an einen israelitischen Profeffor der philosophischen Facultät. Während die Abnahme der Differtation zu Bedenken solcher Natur Anlaß gab, drängte der Candidat, ein armer Schlucker, mit umso größerem Eifer auf Zulassung seiner ungewöhn'ichen Arbeit.! Die Juristenfacultät hat noch keinen Beschluß gefaßt; es ist wohl möglich, daß sie die Arbeit nicht annimmt, sondern den Verfasser ersucht, sie an die philosophische Facultät gelangen zu lassen Ein germanischer Pionnier. Zu den Leist und W e h l a u . deren Thaten in Afrika man schaudernd vernommen hat, gesellt sich würdig Herr Karl Peters, der frühere nationalliberabe Abgeordnete, jetziger Vorstand der Deutschen Colonialgesellschaft in Berlin. Herr Karl Peters ist eine typische Gestalt: sein Bericht über die von ihm ausgeführte sogenannte „Emin Pascha-Expedition" enthält nicht Eine bemeckenswerthe Entdeckung. Der Mann hatte sehr gute Repe-! tirgewehre bei sich, und wo die Eingeborenen diesem eindringenden Fremdling nicht völlig zu Willen sind, da knallt er die armen mit Speeren bewaffneten Wilden schneidig nieder. Das drückc dieser Verbreiter christlich-germanischer Civilisation in seinem Werke so aus: Es gelang, im Ganzen bei dem ersten Gefecht sieben von ihnen zu erlegen, und wir hatten bislang noch keinen einzigen Verlust auf unserer Seite. Das Wild, das „erlegt" wurde, sind natürlich Menschen. Oder er schreibt: Zwischen dem Kraal und uns befand sich eine große Heerde, deren Hirte uns im frechsten Ton anrief, wir möchten um die Heerde herumgehen, wir würden sonst das Vieh wegtreiben. Daß wir wenige beabsichtigten, Elbejet anzugreifen, das ahnte der gute Bursche in seinem Dünkel nicht, bis eine Kugel ihm durch die Rippen fuhr und seine freche Zunge zur Ruhe brachte. Und von gleicher Art könnte man einige Dutzend Beispiele anführen, die den Charakter dieses „Civilisators" beleuchten, der durch Afrika trottet und sich einbildet, ein Held zu sein. Seine Spuren sind blutig, und diese barbarisch? Rohheit ist gemischt mit bureaukratischen Narrenspossen; so muß man es bezeichnen, sagt die „Nation", daß er auf englischem Territorium Verträge mit sogenannten Herrschern abschließt. In einem solchen Vertrage, den ein halbes Dutzend Wilde mit ' ihren Handzeichen bestätigen, heißt es:

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