Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 9 (28.2.1896)
- Date
- 1896-02-28
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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Seite 184 Dr. Vloch's Wochenschrift. Nr. 9 Lemberg, 24. Februar 1896. Bei der heutigen unter dem Vorsitze des Herrn David Maschler stattgefundenen Generalversammlung des Vereines „Kimche de Pische“ zur Vertheilung von Osterbroden für verschämte Arme wurden gemäß vorgelegten Rechenschaftsberichtes im Jahre 1895 an 1800 Familien 319 Centner Osterbrode und im Baarem fl. 1824 vertheilt und verblieb ein Cassastand als Reservefond pro 1896 der Betrag von 2366 fl. 66 kr. Als Ausschußmitglieder wurden die Herren Jacob B. Dische, Dr. Wilhelm Holzer, Oscar Rosner, M. S. Goldbaum, L. W. Kunzer, M. Polturak, Jonas Beiser, zum Präsidenten David Maschler, als Schriftführer Julius Hochfeld gewählt. Dieser gemeinnützige Verein findet für sein wohlthätiges Wirken allgemeine Anerkennung. 8 Malaczka. Hier versuchten Sonntag die Herren Simon und Adolf Spitzer einen Gewaltact auszuführen, den ich seiner Curiosität halber berichten will. Für Sonntag war nämlich hier die Kreisrabbinerwabl festgesetzt und wurden die Wahlberechtigten sowohl aus den zu Malaczka gehörigen Ortschaften, wie auch aus Malaczka selbst zu diesem Zwecke eingeladen. Als Candidaten waren Herr Dr. Steiner und Herr Dr. L e w i n aufgestellt. Als nun Herr A. Spitzer bemerkte, daß sein Candidat Herr Dr. Lewin stark in der Minorität bleiben würde, da sämmtliche Auswärtigen und ein großer Theil aus Malaczka für Herrn Dr. Steiner waren, theilte er dem Ausschuß aus Malaczka mit, daß Herr Simon Spitzer bereit sei, die Schuld der jüdischen Gemeinde Malaczka im Betrage von 4300 fl. aus eigenen Mitteln zu tilgen und dafür verlange, daß Malaczka sich von den übrigen Gemeinden lossage (?) und den Herrn Dr. Lewin zum Rabbiner nehme. Trotzdem gegen dieses Geschäft selbst aus dem Malaczkaer Ausschuß gewichtige Stimmen (4 gegen 6) Stellung nahmen, verhinderte Herr Adolf Spitzer jedwede Abstimmung und proclamirte Herrn Dr. Lewin als Rabbiner. Gegen dieses sonderbare Vorgehen reichten zahlreiche Wähler einen schriftlichen Protest ein. — W. — Austerlitz. Ein genußreicher Abend wurde am 16. d. M. den Mitgliedern unserer Chewra-Kadischa geboten. Es fand nämlich das Brudermahl an diesem Abende statt, dem Se. Ehrwürden Herr Dr. Weiß. Rabbiner in Ncu-Rausnitz, als Gast beiwohnte. Nach vorhergegangenem Gottesdienste wurde unter zahlreicher Betheiligung der Mjjgljederschaft in Kraus' Restauration das Mahl abgehalten, nach welchem Herr Dr. Weiß das Wort ergriff. In einer sehr beifällig aufgenommenen Rede bespricht Redner den Antisemitismus, welcher zu jeder Zeit, in der es Juden gab, existirte und so lange es Juden gibt, auch nicht aufhören wird, es uns Juden jedoch mehr fronimt. uns nach innen durch Vereinigung zu kräftigen. Herr Dr. Weiß hob schließlich das wohlverdiente Lob unseres verehrten Vereinsobmannes, des Herrn Dr. E h r e n z w e i g, und seine Verdienste um die nützlichen Institutionen in unserer Gemeinde hervor. Sodann erhielt Mitglied des Vereinsvorstandes und Schriftführer, Herr Ignaz Krampflieek das Wort. Der Redner bespricht in sinnreicher Weise und mit homiletischer Redegewandtheit das gesellschaftliche Leben im Judeuthume und das den Juden innewohnende Solidaritätsgefühl, gibt sodann seiner Rede mit dem Lehrsatz: „Verschaffe Dir einen Lehrer und erwirb Dir ihn zum Genoffen", eine geschickte Wendung, um unter lautem, anhaltenden Beifalle der Anwesenden auf den ehrwürdigen Gast zu toastiren. Veceinsobmann Herr Dr. Ehrenzweig nimmt das Wort, um auf die erhabene Person unseres allgeliebten unh erlauchten Monarchen, dessen gutes Herz alle seine Unlerthanen mit gleicher Liebe umschließt und der nur das Gute fördert, ein dreifaches Hoch auszubringen. Lang anhaltende und brausende Hochrufe folgten seinen begeisterten Worten. Herr Cantor Regner trug einige schöne Lieder vor, der gräfl. Kaunitz'sche Brauereipächter Herr Johann Für st toastirte auf den Vereinscassier Herrn Edm. Huth. Ein großer Antheil zur Erheiterung und Hebung der Stimmung gebührt dem Ausschußmitgliede Herrn Mor. H e r z k a, welcher durch seine scherzhaften Verse und gelungenen, komischen Vorträge Lobenswerthcs leistete. Podgöxze, 23. Februar 1896. Der Ausschuß des neugegründeten Unterstützungsvereines für arme jüdische Gymnasialschüler in Podgürze veranstaltete am 22. d. M. im Sokolsaale einen musikalisch.declamatorifcheu Festabend. welcher Dank der bewährten Thatkraft und Umsicht des Präsidenten des Vereines, Großindustriellen Herrn Jacob Geißler, glänzend ausgefallen ist. Eine Zierde des Abends bildeten ein Vortrag des hiesigen Advocaten, Affeffors und Stadtsyndicus Dr. Marcus Peiper und das Clavierspiel der Frau Kahany. Unter den geladenen Gästen bemerkte man den k. k. Bezirkshauptmann Jakubowicz, Gymnasial-Director Soltysik, Landesgerichtsrath Dr. Gärski, ten Bürgermeister und Bicebürgermeister, Ober- Polizeicommisiär Kostrzewski und viele Andere. Das Reinertragniß beläuft sich auf fl. 250. Paris. Aus Paris wird berichtet: Unter den neuernannten ausländischen Otüeiers d’Academie befinden sich der österreichische Componist Richard M a n d l, unter den Otüeiero de l’Instruction publique die ehemalige Opernsängerin Gabriele Krauß. Berger. Aus dem Ungarischen übersetzt von Jenny Mandl-Ehren Wald. Als der alte Adolf Berger den Adel (mit dem Prädikate: de Szentjob) erhielt, da lachte Alles im Cvmitate. Unser Cvmitat war eine berühmt adelige Gespanschaft. DieKörvely's, Perecz's, Kamzsay's, Dandüt's, Pokob's dünkten sich von viel edlerem Geblüte, als die vornehmsten Magnaten-Familien. Nirgends im Lande gab es soviel Kleinadel') (ganze Dörfer voll), wie bei uns. Dann gab's eine ganze Reihe von Familien, welche einst große Rollen spielten, dem Lande auch von der Geschichte verzeichnte Helden gaben, später aber verarmten und verbauerten. Andere verharrten, wenn auch bettlermäßig, auf ihrer aristokratischen Laufbahn. Jbr ganzes mobiles Vermögen bestand in vier Pferden, einem gelben Kutschirwagen, einem Diener auf dem Bock, ein gutes Gewehr, sonst nichts, Der (Gamaschen-)Diener hatte sogar noch gelbe Gamaschen, denn dies erheischte bei uns so der von ton. Adolf Berger de Szentjöb war eine komische kleine Figur, in unserer besonders kleinen Gemarkung, dort zwischen den Darüczer blauen Bergen und dem Gewässer der Szitnya. Ehedem fühlte sich der alte Berger nicht besonders zu uns hingezogen. Anderswo hatte er seine Güter, in Budapest seine Häuser; bei uns errichtete er blos eine Zuckerfabrik und kaufte jährlich für's theure Geld von den Comitatsherren die Rübe zusammen. Er selbst aber war kaum unter uns zu sehen. Höchstens zweimal im Jahre konnte man ihn im Comitatsstädtchen sehen. Er kehrte im Hotel ..Hungaria" ein, besuchte einige Rechtsanwälte, besichtigte die Fabrik; dabei fuhr er in einem morschen Fiaker hin und her, was bei uns nur die commis voyageurs zu thun pflegten. Niemand grüßte ihn, Niemand nahm von ihm Notiz. Das erste große Erstaunen trat damals ein, als Berger (und dies schlug wie ein Blitz im Comitat ein) das Ahnengut der Darüczh's ankaufte. Erst dann fingen die Herrschaften an, wahrzunehmen, daß auch er auf der Welt sei. Darücz war seiner Ausdehnung nach der dritte Besitz im Cvmitate. Ein Schloß, eine Capelle, eine Bildergalerie, eine Waffenkammer, dann ein Teich und ein riesiger Park. Warum dies Alles dahinschmolz, das wüßten die unter der Erde ruhen' den Darüczys zu sagen, die bei den Petersburger, Pariser, Londoner Gesandtschaften oder bei der Wiener Leibgarde angestellt waren. Unseren noch lebenden Darüczys blieb, um aus der Klemme zu kommen, nichts anderes übrig, als das kostbarste Familiengut, den Ahnensitz, zu verkaufen. Es muß nicht erst gesagt werden, daß die öffentliche Comitatsmeinung darob Zeter und Mordio schrie. Er soll nicht retiriren, soll warten, bis die Ruinen über ihm zusammenbrechen und ihn unter sich begraben werden. Das Odium jahrhundertelanger leichtsinniger Wirthschaft wurde auf seine Schulter gewälzt, auf die Schulter Desjenigen, der das Ahnennest so unbarmherzig verlicitirte. Mehr als einmal hörte ich selbst den Vicegespan sagen: „Ja, die Familie Darüczy gleicht der Erdäpfelpflanze; ihr Bestes ist unter der Erde". Und daß der Rüben-Berger es wagte, das Gut zu kaufen, wurde ganz einfach als Unverschämtheit erklärt. Was wird denn der mit dem Schloß aus dem XV. Jahrhundert anfangen? Rein lächerlich. Allgemeine Freude verursachte es. als man erfuhr, daß Berger verpflichtet wurde, auf eigene Kosten um das Schloß herum eine zwei Klafter hohe Steinwand aufführen zu lassen, und daß außer dem Grafen Darüczy Niemand dort eintreten darf. Die Gemälde wurden mit Segeltuch überzogen/- die Fenster mit Brettern verschlagen, die Thüren versperrt, so stand das Schloß still und finster inmitten des Parkes, als letzter Besitz der Darüczh's im Lande. Berger baute für sich -^nf dem Hügel, im Garten seines Wirthschaftsbeamten ein bescheidenes Hans. Die alten Beamten *) „Bocskoros nemes“ — Sandalen-Adel.