Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 9 (28.2.1896)
- Date
- 1896-02-28
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Nr. » Seite 183 Dr. Vlvch's Wochenschrift. I. L. Redlich aus kleinen Anfängen zu einem großen geschäftlichen Wirkungskreise emporgeacbeitet. So errichteten die beiden Brüder in ihrem Geburtsorte G ö d i n g einen ganzen Complex von bedeutenden industriellen Unternehmungen, darunter zwei große Zuckerfabriken; daneben begründeten sie die bekannte Baufirma Brüder Redlich & Berger, die unter der besonderen Leitung I. L. Redlich's eine Reihe der größten Eisenbahn- und Wasserbauten in Österreich durchgeführt hat. Adolph Redlich war ein Mann von schlichtem Wesen und gewinnender Offenheit, den vielen Beamten und Arbeitern, die er beschäftigte, jederzeit ein hilfsbereiter Chef. Em im Borjahre ausgebrochenes schweres Nierenleiden hat nunmehr seinem arbeitsreichen Leben allzu früh ein Ende gemacht. Wien. (C h e s e d s ch e l E m e s.) Der Kranken-, Witwen- und Waisen-Unterstützungsverein „Chesed schel Eines" veröffentlicht soeben seinen Jahresbericht, in welchem die erfolgreiche, von humanem Geiste erfüllte Thätigkeit dieses seit 18 Jahren bestehenden Vereines ihren Ausdruck findet. An der Spitze dieses der Förderung und Unterstützung höchst würdigen Vereines stehen die Herren Leopold Fried und Siegfried Beer. Der Verein hält auch alljährlich einen Gottesdienst mit Gebet für das Seelenheil seiner verstorbenen Mitglieder ab. Wien. (Jewish Colonization Association.) Der soeben in französischer Sprache veröffentlichte Bericht dieser Gesellschaft beweist, daß dieselbe trotz der mannigfachen Hindernisse und Schwierigkeiten, die sich ihr in den Weg stellen, unerschrocken und unentmuthigt an ihrem Colonisationswerke fortarbeitet. Wien. (F a r b e n c om m e r s der Verbindung „I v r i a".) Samstag den 15. Februar 1896 erschien die Verbindung österr.-schles Hochschiller „Jvcia" als erste jüdisch-nationale Verbindung der Wiener Universität in schivarz-gold-blauen Farben bei dem sogenannten „Bummel". Abends wurde dieser äußerst wichtige Schritt in dem Leben eines akademischen Vereines bei einem solennen Festcommers im Restaurant Weiß gefeiert. Nach Begrüßung der zahlreich erschienenen Gäste beleuchtete cand. jur. Karl Kohn, der Obmann der Verbindung, in einer schwungvollen Rede die hohe Bedeutung des Farbentragens, er ermahnte alle Mitglieder des Vereines, das Band mit Muth und Würde zu vertreten, daß kein Fleck und Makel die Tricolore entehre. Weiler führte der Redner aus, daß das Band für jüdische Studenten nicht nur ein äußeres Zeichen eines innigen Zusammenschlusses, sondern auch ein offenes und unumwundenes Bekenntniß der jüdisch-nationalen Gesin'mng bedeute. Nachdem die übrigen Brnderverbindungen der „Jvria" ihre Gratulation entgegengebracht, hielt cand. med. Moritz Ruttin einen geistvollen Bortrag über die Stellung der jüdisch-nationalen Studentenschaft zur Religion. Nach Absingung des Farben- und Bundesliedes begann der inofficielle Theil des Commerses, der die Corona in zwangloser Unterhaltung bis Mitternacht vereinigte. Wien. Im israel. Tempel, XVI. Bezirk, Hubergasse ü, fand wie alljährlich, Donnerstag den 20. d. M., als am Vorabende des 7. Adar ein feierliches Requiem für die verstorbenen Mitglieder der Chewra- Kadischa des XVI. und XVII. Bezirkes statt. Anwesend waren der Cultnsvorstand S. R o s n e r. der Gesammtvorstand der Chewra- Kadischa des XVI. und XIVI. Bezirkes mit dem Präses. Herrn Beruard Trnka, und ein zahlreiches, distinguirtes Publicum. Der choralische Theil wurde vom I. Cantor, Herrn M. Schlesinger auj's Beste ausgeführt; Se. Ehrwürden Herr Dr.M. Deutsch hielt eine sehr treffende Ansprache, welche auf die Zuhörer einen tiefen Eindruck ausübte. Wien. (Verschobenes Kränzchen.) Das Costum-Kränzchen, welches zu Gunsten des Brigittenauer Tempelbaufondes am 27. d. M. hätte stattfinden sollen, ist auf Mittwoch den 4. März d. I. verschoben worden. Wien. Dienstag den 10. März d. I. findet im Saale Ehrbar in den gewöhnlichen Abendstunden (circa T1/» Uhr) der Lieder- Abend derrühmlichstbekannten Opern- und Concert-SängeiinFräulein Grethe Modlinger statt, wobei die Sängerin Lieder von Schubert, Chopin, Schuhmann, Gras Stadion, Braga. Gastaldon und die große Arie aus Meyerber's Afrikanerin zum Vortrage bringen wird. Herr Professor Emil Weeber hat freundlichst das Äecompagnement übernommen. Wien. (Juki l ä u m s - C o n c e r 1.) Im Festsaale des Oesterreichischen Ingenieur- und Architekten-Vereines sand verflossenen Sonntag das von dem bestrenommirten Musik-Pädagogen Herrn Prof. Max Aaler anläßlich seines 25jährigen Künstler-Jubiläums veranstaltete Coneertstatt.welchesvon einemsehr voruehmenPublikumbesuchlwar.Herr Adler erfreute die Anwesenden durch seine feinsinnige, echt künstlerische Wiedergabe von Werken Wieniawski's, Hauser'snnd Nachez'und erntete nicht nur stürmischen Applaus, sondern es wurden ihm für seine trefflichen L'istungen mehrere riesige Lorbeerkränze überreicht. Die Vorträge des Pianisten H-rrn Roderich Bass und d-r Sängerin Frl. Fanceschini erzielten ebenso verdienten als reichen Beifall. Doch den größten Erfolg hatten die von dem Concertgeber arrangirten und von ihm dirigirten Ensembles, welche von den Schülern desselben mit solcher Präcision und Feinheit ausgeführt wurden, wie sie von vollendeten Künstlern nicht besser executirt werden könnten. Insbesondere fielen Helene Lowy und der Solist Bruns Popper angenehm aus. Auch das Doppel-Streichquartett erzielte größte Anerkennung. Die Herren Dr. Josef Deutsch und Hans Löwin besorgten das Accompagnement in feinster und discretester Weise. Das erzielte Reinerträgniß widmete Herr Adler in humaner Weise dem Vereine zur Beköstigung armer Schulkinder. Ein Bortrag über Marokko. Am 20. d. M. hielt im Wissenschaftlichen Club Herr Victor Levy. correspondirendes Mitglied der Handelsgeogrophischkn Gesellschaft in Paris, einen französischen Vortrag über seine Reiser»lebr'sie in Marokko. Photograplien und eine kleine Sammlung marokkanischer Gegenstände bildeten eine sehr werthvolle Illustration des Vortrages, dem Herr Levy durch eine klare Darstellung der in Frage kommenden europäischen Interessen auch ein politisches Relief gab. Es bot sich dem Vortragenden auch Gelegenheit. die cubanische Frage zu streifen, wobei er die Ansicht aussprach, daß vielleicht doch bald ein voller Erfolg die dewunderungswürdigen patriotischen Anstrengungen Spaniens krönen werde. Das distinguirte Publicum nahm den Bortrag mit großem Beifall auf. Mißlitz Einem alten, schönen Brauche folgend, fand über Veranlassung unseres strebsamen Chewra-Kadischa-Vvrstandes» der Herren Salomon Weiniger, Marcus Frost, Adolf Grünbaum, Moritz Kramer und Moritz Winkler, wie alljährlich so auch heuer am 7. Adar eine solenne Gedächnißseier unter zahlreicher Betheiligung der Mitglieder der Chewra-Kadischa und des Cultusvorstandes statt. Se. Ehrwürden unser Herr Rabbiner Dr. Goldschmied hob in schwungvoller Rede speciell die sociaie und hygienische Seite der Lehre Moses hervor, welche sowohl in den gesetzgebenden als auch in den hygienischen Bestrebungen unserer Zeii allmälig zur Geltung gelangen, daran den Wunsch knüpfend, daß der Geist dieser Lehre innerhalb des Judenthums sich neu beleben möge. Die Rede übte eine sichtlich tiefe Wirkung auf die Zuhörer. Aus Grund der hohenorts genehmigten Cnltnsgemeindestatuten sand am 22. Februar d. I. die Constituirung des Cultusvorstandes statt. Herr Adolf König wurde zum Cultusdorsteher, Herr Adolf Grünbaum zum Cultusvorsteher-Stellvenreter und Herr Josef Pollenz zum Beirath gewählt. Dem Ausschüsse gehören an die Herren: Joses Hauser, Salomon König, Theodor Rattinger und Moritz Samstag. Gewitsch. 23. Februar. Am 16. d. M. feierte unser Herr Rabbiner Jsak Weiß im engsten Familienkreise seinen 70. Geburtstag. Aus diesem Anlasse wurden ihm von Nab und Fern, von dem hiesige»' Cultnsansschuß, der Schulleitung, der Schuljugend, von der Direction der Bürgerschule Geschenke und Glückwünsche dargebracht. Am 2. d. M. fand die Cultnswabl statt, wobei folgende Herren in den Vorstand als gewählt erscheinen : Herr Julius Beer, Vorsteher; Nathan V e i t b. erster, und Dr. T. L ö w i 1 zweiter Beirath. Außerdem sind in der» Ausschuß : Herr Joses Beer, I. H. G ä r b e r, Emil Bock und Julius A b e l e s aus Mähr.-Trübau gewählt. Auch Heuer hat Frau Hermine Weiß einen bedeutenden Geld"" betrag zur Anschaffung von Lehrmitteln der deuischen Schule gewidmet, wofür hiermit öffentlich der innigste Dank ausgesprochen wird Budapest. (Israelitischer Landesfond.) Dem ungarisch-israelitischen Landesfoud sind Witwe Abraham Schwarz und Familie mit 10.000 fl., Julius Wolfner und Co. mit 3000 fl. und Morn von Glück und Söhne in Alv'mez mit 2000 fl. als Stifter beigetreten. Kojetein. Unser Rabbiner Herr Dr. Frankl aus Kremsier. hielt auch in diesem Jahre die übliche Gedächtnißrede zur Feier des 7. Adar in unserer Gemeinde und in Tobitschan. Die aus dem Herzen kommenden Worte fanden bei den Zuhörern großen Beifall. Der Vorsteher S. Rosenfeld widmete den in diesem Jahre Verstorbenen, darunter Dr. S. Fuchs, einen warmen Nachruf. Brody. Der bekannte Schriftsteller und Publicist Herr Leo Herzberg-Fränkel begeht am 4. März das 40jährige Dienst« jubilänm als Secretär der Brodyer Handels- und Gewerbekammer. Die Verdienste dieses Schriftstellers auf vielfachen Gebieten des öffentlichen Lebens sind in weiten Kreisen längst bekannt und gewürdigt. Er begeht diese Feier in Wien im Kreise seiner Kinder. Nach 40jähriger Amtswirksamkeit gedenkt Herr Leo Herzb erg-Fränk el in Ruhestand zn treten und von Brody wegzuziehen.