Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 9 (28.2.1896)
- Date
- 1896-02-28
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 182 Dr. Vloch's Wochenschrift Nr. d in der Reihenfolge — wurde den Uebrigen abgeschrieben. Dr. Leopold Rosenak ist ein Ungar, der nach Absolvirung der Preßburger Rabbinerschule die philosophische Faeultät der Berliner Universität bezog. Der erst 26jährige junge Gelehrte promovirte vor einigen Monaten zum Doctor der Philosophie und fast gleichzeitig erfolgte seine Erwählung in Bremen. Ein Bruder des jungen Rabbi, Dr. Maximilian Rosenak, ist Secundararzt im Spital der Pester israelitischen Religionsgemeinde. Sofia. 22. Februar. Bulgarien, welches unaufhörlich für die Anerkennung seiner Rechte kämpft, geht damit im eigenen Lande nicht mit gutem Beispiele voran. Nach der Verfassung sind alle Bürger dieses Staates, und als solche sind die Juden anerkannt, gleichberechtigt, aber in Wirklichkeit besteht, was die Juden betrifft, eine Kluft zwischen Theorie und Praxis wie — nun wie auch in anderen größeren Staaten. In Bulgarien leben mehr als 30.000 Juden, von denen sehr viele sich durch Intelligenz und bürgerliche Tugenden auszeichnen. Aber kein Jude ist Mitglied der Sobranje. Als unter dem Regime Stoitow's ein Jude Peter Gabe in einem Wahlbezirke nahezu einstimmig gewählt wurde, ruhte die Regierung nicht eher, als bis sie dessen Wahl — unter allerlei Vorwänden — aruiullirte. Aehnliche Erfahrungen machen die Juden auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens, sie werden überall verdrängt und als Rechtlose behandelt. In Sofia leben nahezu 10 000 Juden, die in hervorragender Weise zu den Staats¬ und Communalsteuern beitragen, aber im Uebrigen als Bürger zweiter Claffe behandelt werden. Kaum daß einer im GemeinderaH sitzt, kaum daß ein jüdischer Arzt eine öffentliche Anstellung erlangt, die Juden sind auch vom Banksyndicat ausgeschloffen und die Möglichkeit, Grund und Boden zu erwerben, ist für sie gleichfalls nicht gegeben, denn bei dem Ankauf derartiger Mobilien wird stets der bulgarische Bauer berücksichtigt. Diese Umstands geben die beste Erklärung dafür, daß zahlreiche jüdische Familien im Begriffe stehen, das Land zu verlaffen, um nach einer neuangelegten Colonie in Palästina zu übersiedeln. London. (Die Juden als Colonisten.) Letzten Samstag gab der Verein der Makkabäer ein Festdiner zu Ehren seines Gastes Sir Saul Samuel, des Gesandten von New-South-Wales in London. Unter andern hervorragenden Persönlichkeiten waren anwesend: Mr. W. A. Baillie Hamilton, der Seetionschef für australische Angelegenheiten im Colonial- Ministerium; Sir James Garrick, der ehemalige Gesandte von Queensland; Mc. Walter Peace, Gesandter von Natal; Mr. Spencer B. Todd, Gesandter der Cap-Colonie. Oberst Goldsmid, der Bicepräsident der Makkabäer, welcher diesmal den Vorsitz führte, gab in einem Toast auf Sir Saul Samuel et ic kurze Biographie des gefeierten Gastes, der wir folgende interessante Daten entnehmen: Unter der Regierung Georgs IV. geboren, wanderte er nach Australien aus. als William IV. zur Regierung kam. Er begann seine öffentliche Laufbahn als Richter. 1854 wurde er Mitglied der Gesetzgebenden-Bersammlung und etwas später-, als New-South-Wales eine der unsrigen ähnliche Verfassung mit Oberhaus und Unterhaus erhielt, wurde er ins Parlament gewählt. 1859 wurde er das erstemal Minister und verblieb seither — mit ein oder zwei Ausnahmen — immer im Cabinet, bis er nach England kam. Er war Finanzministrr, als Queensland von New-South-Wales getrennt wurde, und als solchem war die finanzielle Seite des Ausgleiches ihm anvertraut. Später wurde er Generalpostmeister und führte einen Postdienst zwischen New-South-Wales und England über San Francisco ein. Das war im Jahre 1873, und kurz darauf erhielt Sir Saul Samuel den St. Michael- und St. George-Orden. 1880 kam er als Gesandter nach England und ist jetzt der Rangälteste unter sämmtlichen.Gesandten der Britischen Colonien. Während er der Regierung von New-South-Wales angebörte, regte er mehrere wichtige Vorlagen an und brachte sie in beiden Häusern durch, so z. B. das Postsparcassen- und das Schifffahrtsgesetz. Auch ist es ein offenes Geheimniß. daß durch seinen Einfluß allein die Truppen von New-South- Wales am englischen Feldzug im Sudan sich betheiligten. Dafür, wie für andere Dienste wurde ihm der Bath-Orden zutheil. Srr Saul Samuel ist nicht der erste Jude, der sich in den Colonien ausgezeichnet und sich um England die größten Verdienste erworben hat. Unter den allerersten Pionnieren europäischer Civilisation in Amerika, Südafrika und Australien fanden sich Juden in großer Zahl. Es ist ein Jrrthum, zu glauben, die Juden hätten mit ihrer Einwanderung nach Victoria und New South-Wales gewartet, bis in Australien städtische Gemeinwesen entstanden waren und sich gedeihlich entwickelt halten. Juden gehörten vielmehr zu den frühesten freien Ansiedlern des fünften Welttheils. Es gibt jüdische Familien in Adelaide, deren Ansiedelung aus einer Zeit datirt, da diese volkreiche und blühende Stadt noch ein Dorf war, und das Gleiche gilt nicht nur von dem ganzen australischen Continente. sondern von den meisten Centren des Handels und der Industrie in Neuseeland. Wieviel Südafrika den Juden verdankt, ist bei mehr als einer Gelegenheit von unparteiischer Seite anerkannt worden. Die Berichte von den Handels- und Forschungsreisen, welche N athanielJsaacsvor einem halben Jahrhundert in Natal und im Zululande unternahm, gehören zu den spannendsten Reiseschilderungen unserer Zeit. Abgesehen von anderen Namen, welche in jüngster Zeit gelegentlich der aufregenden Ereignisse in Südafrika genannt wurden, seien hier nur die der Familien Mosenthal und de Paß erwähnt, welche sich um die Entwicklung jenes vielversprechenden zukunftsreichen Landes die größten Verdienste erworben haben. London. 22. Februar. (Original-Correspondenz.) Der Passus der Thronrede, welcher einen Gesetzentwurf gegen die Einwanderung Unbemittelter ankündigt,richtet sich in seinen voraussichtlichen Folgen auch gegen die Zulassung russisch-jüdischer Einwanderer. Die von egoistischen Interessen erfüllten englischen Arbeitskreise haben längst ein solches Gesetz gewünscht, und es ist charakteristisch für die englische Engherzigkeit, daß an der Spitze dieser Agitation der Präsident des Colonialamtes Herr Chamberlain steht, welcher in Transvaal so vehement für das Recht der Ausländer — weil sie Engländer waren — eintrat. Das ist die alte Geschichte. England will Freiheit und Freiheiten, wenn es selbst dabei einen Bortheil hat, aber es ist sofort auch für die Unterdrückung, wenn es dabei einen Profit erzielt. London. 22. Februar. Drumont's Geist fängt auch hier an.zu spuken. Die „Quarterly Review", eine Zeitschrift, die nur no h von dem Ruhme ihrer Vergangenheit zehrt, veröffentlicht in ihrer letzten Nummer einen Artikel: ..Der moderne Jude", welcher an Infamie, Frechheit und Verlogenheit kühn mit allen Producten antisemitischen Schmähgeistes concurriren kann. Der Artikel machte Aufsehen und die Tagespreffe hat denselben in entsprechender Weise abgefertigt. Perth (Australien). Die jüdische Gemeinde sandte eine Deputation an den neuen Gouverneur von West-Australien, die ihm eine Adresse überreichte. In seiner Antwort theilte Seine Excellenz der Deputation mit, daß er die größte Sympathie für die Juden habe, von denen er viele persönlich kenne und hochschätze. Zum Schluffe sagte der Gouverneur: „So oft Sie meines Rathes und meiner Hilfe bedürfen, bitte ich Sie, sich nur getrost an mich zu wenden, ich werde Ihnen Beides nach Kräften zutheil werden lassen. Melbourne. Herr Alexander Marks, der japanische Consul für Australien, ist von einem Besuche in Japan nach Melbourne zurückgekehrt. Der Mikado hat ihn freundlich empfangen und ihm einen Orden verliehen. Jerusalem. In der Hauptstraße des jüdischen Viertels in Jerusalem ist ein türkisches Postamt eröffnet worden, mit deffen Leitung ein Jude, Namens Elias Honig, betraut wurde. Das Postamt ist am Sabbath geschloffen und alle dort aufgegebenen Briefe tragen in hebräischen Lettern den Stempel „Jerusalem". _ Vermischtes. Wien Rabbiner Juda Sofer, Herminengaffe Nr. 6, Sohn das berühmten Rabbiners aus Pacs, wurde in Szökelyhid als Oberrabbiner accept'rt. Wien. Am 20. d. M. Abends verschied nach langem Leiden Herr Adolf Redlich, Chef der Firma Brüder Redlich und Berger, im Alter vom 58 Jahren. Der Handelskammerrath Adolph Redlich hatte sich in Gemeinschüft mit seinem vor mehreren Jahren verstorbenen Bruder