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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-02-28 · 9 (28.2.1896) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
9 (28.2.1896)
Date
1896-02-28
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 9 Dr. VLoch's Wochenzchrifi. Ich glaube demnach in Anbetracht der gegebenen Verhältnisse aus dem Herzen eines jeden Rabbiners zu sprechen, wenn ich es als heilige Standespflicht hinstelle, daß der Gesammtrabbinerstand Oesterreichs zu einer Conferenz zusammentreten soll, um gemeinsamen Protest gegen diese niederträchtigen Beschimpfungen zu erheben und zu berathen, welche Schritte eingeleitet werden müssen, daß der Rabbinerstand in der Zukunft von derartigen frivolen Angriffen verschont bleiben soll. Dr. Bernhard Templer, Rabbiner. Brünn. Zu Weihnachten wurden die Mitglieder des Vereines „Deutsches Haus" in Brünn vom Obmanne dieses Vereines, Friedrich Wannieck, Reichsrathsabgeordneten der Stadt Brünn, mit einer literarischen Weihnachtsgabe bedacht, betitelt: „Walkürenweihe". Ueber den literarischen Werth dieses selbstredend in altdeutscher, überspannt archaistischer Form gehaltenen Merkchens ein Wort zu verlieren, ist überflüssig. Der Verfasser List imitirt und copirt Wagner und Jordan auf das Allergetreueste und folgt der unter den „Teutschen strengster Observanz" herrschenden Richtung, den Asencultus auf das Blödsinnigste zu verherrlichen. Doch nicht von dem Stabreimschneider wollen wir sprechen, sondern von der Thatsache, daß der Verein „Deutsches Haus" seinen Mitgliedern eine literarische Gabe anzubieten wagt, welche direct auf eine Verhöhnung der Juden hinausläuft. In dem Vorgesang, anspielend auf die prähistorische Zeit der Deutschen, findet sich folgende geschmackvolle Stelle: „Und schon bedroben weit widrig're Wühler Mein fürstliches Volk in's Mark zu treffen, Mit galligem Gift, die Gaben zehrend, Die gütige Götter dem Lande verliehen. Doch nimmer in wogendem Ringen der Wahlschlacht, Mit schwirrendem Schwertschlag es wagten die Feigen, Vom treuen Volke das Gut zu er trotzen, Sie kamen geschlichen auf Pascherpfaden, Mit schmutzigem Schacher voll Trug und voll Tücke Die Früchte des Fleißes mit Gier zu ergattern." Es ist notorisch, daß zu den Kosten der Errichtung des „Deutschen Hauses" in Brünn aus jüdischen Kreisen mehr als die Hälfte beigetragen wurde, und es ist fürwahr ein schnöder Undank, die thatkräftige, opferwillige Förderung des Deutschthums in Brünn seitens der Juden durch die Propagirung des Merkchens eines derartigen Dichterlings zu lohnen. Gerade weil das Poem einer hochsinnigen Dame gewidmet erscheint, ist es wenig geschmackvoll, Mitbürgern gegenüber einen derartigen Ton anzufchlagen, zumal die oft verlästerten Juden erwiesenermaßen speciell an der Götterdämmerung und auch an „Wallhalls Zerfall" keine Schuld treffen kann. Kolin, 24. Februar 1896. Löbliche Redaction der „Oesterreichischen Wochenschrift", Wien. Nachdem mein an der Bahre des gottseligen Rabbiners Dr. Gugeuheimer gesprochener Nachruf in der Nr. 8 Ihres Blattes unrichtig citirt erscheint, ersuche ich um Aufnahme der wortgetreuen Ueberfetzung meiner in der böhmischen Sprache gehaltenen Rede. „Aus den Reihen meiner Mitbürger trete ich schmerzerfüllt hervor, um Dir theurer Vater und Lehrer in ihrem Namen den letzten Abschiedsgruß zu geben.. Wenn Dein Geist aus den Himmelshöhen, wohin er stets gestrebt, auf uns trauernde Schüler, die wir in diesem Augenblicke Deine irdischen Ueberreste umgeben, herabschaut, sieht er, welchen Kummer Du uns durch Deinen Abgang bereitet. Und wahrlich es ist der erste Kummer, dessen Ursache Du bist, Du Muster der Duldsamkeit, Du Friedensengel. Wir werden nicht mehr mit gespannter Aufmerksamkeit den geistvollen Erklärungen der heiligen Bücher lauschen, welche Du in vollendeter Form uns zugänglich gemacht, wir werden nicht mehr aus Deiner hinreißenden Beredtsamkeit Stärkung schöpfen auf dem dornenvollen Pfade, den Gott dem Volke Israels durch Jahrhunderte vorgezeichnet, wir werden nicht mehr aus Deinem Munde Beweise dafür hören, wie die Feinde Israels Unrecht thun seiner Lehre, denn Du, der nur der Wahrheit gedient hast, hast aus den Büchern, welche wenigen so zugänglich waren wie Dir, bewiesen, daß die heilige Schrift eine Nächstenliebe predigt, ein'Gott und den Menschen gefälliges Leben verlangt und jedes Unrecht verurtheilt ohne Rücksicht auf Nationalität oder Confession. Seite 181 Aber nicht nur in Worten, sondern Dein ganzes Leben hindurch warst Du das Muster eines Mannes, der nur jenen Pflichten lebt, die das Gottes- und das Staatsgesetz uns auferlegt; keines Fußesbreite bist Du je hievon abgewichen. Nun ist Dein beredter Mund verstummt und uns armen Waisen bleibt nur die dankbare Erinnerung, die wir Dir bis an unser Lebensende zu bewahren feierlich geloben. Ruhe im Frieden." Hochachtend P o d v i n e c, d. z. Cultusvorsteher. Der Berliner Verein zur Abwehr des Antisemitismus. Der Verein zur Abwehr des Antisemitismus in Berlin hat in der abgelanfenen Woche die Neuwahl seines Vorstandes vorgenommen, und zwar gingen ans der Wahl Abgeordneter Ri ckert als erster Archivar, Dr. Winter aus Magdeburg als zweiter Vorsitzender, der frühere Reichstagsabgeordnete L. Jordan als Schatzmeister und der Schriftsteller Dr. L. I a c o b o w s k i als dessen Stellvertreter hervor. Dem Berichte des Vorstandes zufolge hat die Verbreitung der vom Berliner Bureau herausgegebenen „M i t t h e i l u n g e n" erheblich zugenommen. Sie werden zur Zeit in einer Auslage von 7600 Exemplaren gedruckt. Im letzten Jahre sind autzerdem 17.352 Einzelnummern versendet worden. In diesem Wochenblatts wird die Thätigkeit der gegnerischen Presse und der Redner in antisemitischen Versammlungen sorgfältig verzeichnet und vom Bureau durch Correspondenz mit den auswärtiaeu Mitgliedern auf die Richtigkeit der thatsächlichen Angaben und Behauptungen geprüft. Durch diese Thätigkeit ist ein erfreulicher Erfolg erzielt worden. Außerdem wurde eine neben den „Mittheilnngen" wöchentlich erscheinende ..Wocheneorre spondenz für Zeitungsredactione n" veröffentlicht und an circa 300 Zeitungen unentgeltlich regelmäßig verschickt. Ein großer Theil der Presse, und nicht allein der liberalen, pflegt von diesen Richtigstellungen Notiz zu nehmen, ^luch sonst ist das Berliner Bureau nach allen Richtungen hin mit Rath und That den Kämpfern gegen den Antisemitismus zur Seite gestanden, insbesondere bei Wahlen, für welche antisemitische Candidaten in Frage gekommen sind. Eine wichtige und unentbehrliche Thätigkeit hat das Berliner Bureau in Bezug auf die in den Volksvertretungen zur Verhandlung gebrachten Fragen entfaltet. Es bat das historische, juristische und statistische Material beschafft und gesichtet, wobei es von hervorragenden Autoritäten der Theologie, Jurisprudenz und Geschichte unterstützt wurde. Den Geschäftsumfang des Berliner Bureaus mag man daraus ersehen, daß 3533 Briese einoingen, 4148 ansgingen. Es sind an Drucksachen versendet worden u. A : 18.997 Druckschriften, Broschüren und Bücher: 23.150 Flugblätter. Die Zahl der Mitglieder, deren Beiträge vom Berliner Bureau eingezogen werden, hat im Jahre 1895 um 217 zugenommen, um 145 durch den Tod, durch Wegzug :c. abgenommen. Breslau, 17. Februar. Das hiesige jüdisch-theologische Seminar hat, wie alljährlich, so auch diesmal den Geburistag seines Stifters, den 27. Jänner, festlich begangen. Der Jahresbericht enthält zunächst eine sehr werthvolle wissenschaftliche Beilage, die Geschichte der Inden in Schlesien von Dr. M. Braun, auf die wir an anderer Stelle zurückkommen, sodann Nachrichten aus dem Seminar, über die Wahl und Einführung des Dr. Saul Horovitz (bisher Rabbiner in Bielitz) an die Stelle des Dr. Rosin s. A., über die am Stiftungstage entlassenen Candidaten Fabian, Dr. Finkel, Fraenckel, Dr. Pinkuß und Dr. Sander, von denen die drei letztgenannten bereits in amtliche Stellungen berufen wurden (S. als Religionslehrer und stellvertretender Rabbiner nach Karlsruhe. F. und P. als Religionslehrer nach Br., F. als Landesrabbiner nach Meiningen). Von früheren Schülern erhielten Stellen: Dr. Grunwald in Hamburg, Dr. Posner in Danzig, Dr. Cohn in Eschwege. Das Seminar zählt gegenwärtig 35 Hörer. Der Lehmann'sche Preis, der das erstemal einen Bewerber gefunden hatte, konnte diesmal nur zur Hälfte an den cand. theol. Tieberger verliehen werden. Die Preisaufgabe des abgelaufenen Jabres hat keinen Bearbeiter gefunden. Die von Professor Kaufmann begründete Rosin- S tiftu n g hat ihr Statut erhalten und ist ebenfalls zur Belohnung preiswerther Arbeiten bestimmt. Außer den aus fundirten Legaten fließenden Stipendien sind von Gemeinden, Stiftungen und Vereinen Unterstützungen für Seminaristen eingegangen, dagegen hat der am Seminar bestehende Verein im alten Jahre leider eine Abnahme seiner Einnahmen erfahren. Der Appell an die früheren Schüler ist daher ein sehr berechtigter und wird hoffentlich Erfolg haben. Bremen. Die jüdische Religionsgemeinde in Bremen hat vor Kurzem den vr. phil. Leopold Rosenakmit Stimmeneinhelligkeit zu ihrem Rabbi erwählt. Um den Rabbinütsposten hatten sich fünfundvierzig jüdische Theologen beworben, nach der Probepredigt Dr. Rosenak's aber — er war der Sechste

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