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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-02-28 · 9 (28.2.1896) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
9 (28.2.1896)
Date
1896-02-28
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 180 Dr. Bloch's Wochenschrift. Nr. 9 Wien. (Der Gründung scom in ers der akademischen Verbindung „Kadimah"), der am 20. Februar in Ronacher's Ballsaal stattfand, gestaltete sich zu einer imposanten Kundgebung der jüdisch-nationalen Studentenschaft und Intelligenz. Der Saal und die den Damen reservirte Galerie waren bis auf's letzte Planchen gefüllt, so daß die später Erschienenen keinen Einlaß mehr gewinnen konnten. Unter den Anwesenden bemerkten wir Landesschulrath Dr. G. Kohn, die Cultusvoistände Salo Kohn und Dr. Alfred Stern, die Schriftsteller Dr. Theodor Herzel und Mathias Ascher a. H., den Vorstand des „Zion" Paul Löbl und Dr. Kokesch a. H, Rabbiner Dr. Taglicht und Dr. Reich, Dr. Ellbogen, Vertreterinnen des literarischen Geselligkeitsvereines jüdischer Mädchen „Moria", viele alte Herren und Förderer, die zum Theile aus weiter Ferne sich zu dem Feste eingestellt hatten. Studentische Gäste aus den befreundeten Verbindungen hatten sich eingefunden aus Czernowitz, Prag, Graz und Berlin. Die Wiener Verbindungen „llnitas", „Jvria", „Ganiala", „Libanonia", „Theologia" und „Jüdische Lesehalle" waren corporativ erschienen. Nach der Begrüßung und Eröffnung durch den Senior Med. Gerbel ergriff der erste.Präses der „Kadimah" a. H. Dr. T. Sch nie rer das Wort, um in einer längeren, geistreichen Rede die Entwicklung der „Kadimah" von ihren ersten Anfängen bis zum heutigen Tage, sowie ihre Existenzberechtigung und ihre Bedeutung für die jüdisch-nationale Idee darzulegen. Nach dieser mit großem Applaus aufgenommenen Rede und nach Absingung des, Bundesliedes erhielt der Altbursch der Verbindung Med. I. S ch a l i t das Wort zur Tendenzrede. Mit beredten Worten schilderte er die mißliche Lage der Juden, geschaffen durch ihre eigene Indolenz, geißelte mit beißender Ironie ihr ganz kindisches Gebühren und ihre allzu naive Stellungnahme zu allen politischen Fragen und predigte als einziges Hilfs. mittel den nackten, unverhüllten. von keiner Rück- und Vorsicht geleiteten Radicalismus. Die Schlußconclusion zu der der Redner gelangte: „Der Zionismus, das Streben sür einen selbstständigen Boden für unseren selbstständigen Volkskörper, sei allein im Stande einem jämmerlichen Goluselende zu steuern und die Juden wieder zu dem zu machen, was sie einst gewesen, zu einer glorreichen Nation, einer Nation von gefahrvoller Gegenwart, aber einer herrlichen Zukunft", begeisterte die Zuhörerschaft und riß sie zu stürmischen nicht endenwollenden Beifall hin. Den Höhepunkt des Festes bildete der vom Präsidium äußerst stramm commandirte Kaisersalamander, dem dann einige Liedervorträge der Gesangssection der jüdischen Lesehalle folgten. Hierauf ergriff der gewesene Gemeinderath Dr. Stern das Wort, um die Jugend zu ermuntern, sie aber auck gleichzeitig zur Vorsicht zu mahnen. Cultusvorstand Salo Kohn brachte seine Sympathie zum Ausdruck sür eine Verbindung, welche mit ihrem Blute die Jntereffen der Ju>enichaft vertritt. Landesschulrath Dr. Gustav Kohn, der jüngst ernannte Ehrenphilister der Verbindung, beglückwünschte die „Kadimah" zu ihrem Erfolge und hieß sie weiter fortfahren auf diesem Wege des Ruhmes und der Ehre. Dr. Theodor Herzel, von stürmischem Applaus begrüßt, schilderte, wie er Zionist wurde und Gezeichnete sich als unbedingten Anhänger des Zionismus. Nach einem humoristisch gehaltenen Damentoast des Med. Armin Meyer und einem Toaste aus die Verbindungen des Med. S. K r a u s z sprach Dr. Ellbogen, welcher an der „Kadimah" gerade ihr rücksichtsloses Vorgehen gegen alle Gegner rühmte. Es sprachen noch Med. Neuberger auf die^lma muter, Med. Wassermann auf die alten Herren, die Schriftsteller Dr. K u l k e und Mathias Asche r, welcher die „Kadimah" aufforderte, nicht den Beschwichtiguugshofräthen zu folgen, sondern sich allein von ihrer jugendlichen Begeisterung führen zu lassen, und als letzter im Reigen Med. A. Donreich einen äußerst warm empfundenen Trinkspruch auf die Gäste. Es braucht nicht weiter erwähnt zu werden, daß trotz der Würde und des liefen Ernstes des Festes die Fidelität auch zu ihrem Rechte kam und eine feuchtfröhliche Tafelrunde bis zum frohen Morgen vereinigte. Der Cammers gab ein imposantes Zeugniß der Popularität und'des allgemeinen Ansehens der „Kadimah", und wir können nur wünschen, daß nach wieder 25 Semestern die „Kadimah" mindestens so stramm und stark dastehe, wie heute. Baron Hirsch-Stiftung. Das Curatorium der Baron Hirsch-Stiftung zur Beförderung des Volksschulunterrichtes in Galizien und in der Bukowina veröffentlicht soeben seinen Bericht. Derselbe umfaßt den Zeitraum vom 1. Jänner 1894 bis 31. August 1895. Die Berichte werden fortan nicht wie bisher zu Ablauf des Kalenderjahres, sondern zu Ende des Schuljahres erstattet werden. Aus dem vorliegenden Berichte, der über alle Details mit schätzenswerther Klarheit sich ergeht, ersehen wir, daß die Männer, welche berufen sind, diese den edelsten Zielen gewidmete Stiftung zu leiten, unermüdlich bestrebt sind, im Geiste des hochherzigen Stifters zu arbeiten und zu schaffen, und daß das Werk der Aufklärung und Volksbildung immer mehr Fortschritte und Erfolge aufwiegt. Die Mittheilungenüber die Fortschritte der Schüler in den verschiedenen Schulen sind sehr befriedigend. An Stelle des verstorbenen Dr. A. Jellinek wurde Herr Oberrabiner Dr. M. Güdemann in das Curatorium cooptirt und in der Plenarsitzung vom 27. März zum Bicepräsidenten gewählt. Wien. (Das israelitische Taubstummen« I n st i t u t i n Wien.) Der Rechenschaftsbericht, welchen der Vorstand dieses Institutes, das auf große, ruhmreiche Verdienste Hinweisen kann, veröffentlicht, erregt getheiltc Gefühle. Kein Zweifel, die Wirksamkeit der Anstalt ist so segensreich und verdienstlich wie je. die Zahl der Unglücklichen, welche ihr ein menschenwürdiges Dasein danken, ist eine stets größere aber — die materiellen Zuflüsse haben eine Abnahme erlitten. Die Verwaltung sah sich in Folge dessen genöthigt, eine 3000 fl.- Rente aus dem Stammvermögen der Anstalt zu veräußern. Diese Thatsache ist ungemein betrübend! Es bedarf wohl keiner Beredtsamkeit, um die unendliche Wohltbat zu schildern, welche durch diese Anstalt jenen Unglücklichsten der Unglücklichen erwiesen wird, die stumm und ohnmächtig in den Kampf ums Dasein geschleudert wurden. Ein solches Institut muß in hervorragendster Weise die Sympathie und das herzliche Wohlwollen aller Menschenfreunde erregen, und wir hoffen, daß diese Zeilen mit dazu beitragen werden, ein Echo in den Herzen zu erregen, welche nicht stumm bleiben, wo es sich um edle Ziele handelt. Der nächste, es wird der dreiundvierzigste Bericht sein, wird, das hoffen wir, nicht mehr auf die ebenso traurige als beschämende Thalsache Hinweisen, daß das Stammkapital angegriffen werden mußte, um die Bedürfnisse des Jahres zu decken. Wie«, 25. Februar. Der Eislausplatz Bodensteiner. VI., Mariahilferstraße 79, zählt ca. 700 Saisongäste, deren Hälfte Israeliten sind. Dies hindert jedoch den Besitzer nicht, wenn sich Gelegenheit bietet, von „echt jüdischem" „hebräischem" Benehmen zu reden, und es für gut zu befinden, daß eine Drehorgel, welche ton ihne gemiethet ist, jeden Abend nur den Lueger-Marsch spielt. Daß sich bei einem solchen Benehmen des Besitzers einige Buben herausnehmen, dabei immer Brcvo zu schreien, ist erklärlich. Vielleicht trägt dieser Appell in Ihr em sehr geschätzten Blatte dazu bei, diesen Eislausplatz von den dem Besitzer unangenehmen Hebräern zu befreien; umsomehr als in Mariahilf und Neubau auch anständigere Eislausplatz- Besitzer existiren. j. k. Neutra. (Der israelitische Fr a u e n v e r e i n) versendet gegenwärtig seinen Jahresbericht, dem wir folgende bemerkenswerthe Daten entnehmen. Mit Zuziehung eines Caffasaldos von 245 fl. 22 kr. betrugen die Einnahmen 2169 fl. 68 kr., welcher Betrag abzüglich einer Einlage von 600 fl. und eines Cassavortrages von 153 st. 88 kr. verausgabt wurde. Das Vereinsvermögen betrug 5780 fl. 83 kr. Sonderbarer Weise vermissen wir unter den Einnahmen die Zinsen nach den eingelegten Capitalien ausgewiesen, welche allein über 200 fl. ausmachen mußten, ebenso fehlen auch die Coupons nach den verschiedenen Losen vereinnahmt, welche 16 fl. repräsentiren. Stylarisch ist auch Manches in dem Ausweise zu beanständen; so z. B. ist der Neutraer Bischof keine „Excellenz", jedoch ist er „Herr" Emerich v. Bende. Die Kranzablösung sür weil. L. Salvendy soll richtiger heißen für weil. „Frau Lenke Salvendy". Bei dem Spendenausweise der hiesigen Institute fehlt überall die Bezeichnung „Neutraer". Der Verein sollte doch bedenken, daß der Ausweis auch von solchen Personen gelesen wird, welche an höfliche Umgangsformen gewöhnt sind und den deutschen Sprachgebrauch kennen. Miihr.-Aussee, 16. Februar. (Ein Wort an die ehrwürdigen College n.) Wenn es noch eines Beweises bedurfte, daß wir bei der jetzigen. Alles zersetzenden und in's barbarische Mittelalter hinschielenden Strömung auf die eigene Selbsthilfe angewiesen sind, so haben ihn die allerjüngsten niederösterreichischen Landtagssitzungen auf das Unwiderleg« barste geliefert. Unsere Antisemitenhäuptlinge, die in diesem Jahrhundert der Erfindungen die größten und die bestbezahlten Erfinder sind — allerdings erstreckte sich ihr Erfindungstalent lediglich auf das Gebiet der Verleumdung und Niedertracht — fanden es in einer der letzten Landtagssitzungen für angemessen, den Gesammtrabbinerstand Oesterreichs in einer solchen ordinären und frechen Weise änzugreifen, daß man annehmen müßte, daß unsere Liberalen — richtiger Scheinliberalen — es endlich der Mühe werth finden werden, ihrer Entrüstung gemein« samen Ausdruck zu geben. Aber weit vorgegriffen!! Sie begnügten sich vielmehr damit, daß einer der Ihrigen -auf die Thatsache hinwies, daß die Staatsgrundgesetze noch auf dem Papiere stehen.

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