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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-02-28 · 9 (28.2.1896) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
9 (28.2.1896)
Date
1896-02-28
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 9 Dr. Bloch's Wochenschrift. Seite 179 hat den Vorfall dem Kriegsministerium zur Kenntniß gebracht und dort Genugthuung für die ihm zugefügte Dlffamirung verlangt. Im allgemeinen Interesse wäre es zu wünschen, daß diese peinliche Affaire durch entsprechende Remedur seitens der höchsten Militärbehörde einen begütigenden Ausgang nähme. Indem wir einer hochgeehrten Redaction für die gütige Veröffentlichung dieier Zeilen im Namen des Kaufmännischen Vereines, wie auch im Namen der Gesammtheit der hiesigen Bevölkerung im Vorhinein unfern innigsten Dank aussprechen, zeichnen wir hochachtungsvoll ergebenst Dr. Emil Blumenfeld, Landesadvooat in Jaroslau als Obmann. Dr. Samuel Nebenruhl, Landesadvocat in Jaroslau, Obmann-Stellvertreter." Cardinal und Bildhauer. Seit einigen Jahren weilt in Rom der Bildhauer Moses Ezechiel aus den Vereinigten Staaten. Er hat in Cardinal Hohenlohe einen großmüthigen Protector gefunden. So verschaffte ihm der Cardinal ein Atelier in den Thermen des Diocletian und im Sommer gewährte er ihm Gastfreundschaft in seiner Villa zu Tivoli. Ezechiel hat jetzt für das Waisenhaus in New-Iork ein Monument dessen Gründers, des Bankiers Seligmann, vollendet, das von den römischen Blättern als ein Meisterwerk geschildert wird. Statistisches. Das neunte, soeben erschienene Heft der amtlichen „Oösterreichischen Statistik" entwirft ein Bild von den Resultaten der Strafproceßpflege im Jahre 1892, welches unbedingt als ein Ehrenzeugniß für die vielgeschmähten Juden bezeichnet werden darf. Unsere Glaubensgenossen stehen, was die Zahl der Delicte betrifft, wesentlich hinter dem Percentsatz zurück, der auf sie vermöge ihrer Anzahl fallen würde. Sie bilden 4'8 Percent der Bevölkerung Oesterreichs, es müßten also von den 30.867 Verbrechen, die in diesem Jahre bestraft wurden, 1482 auf 'sie fallen, während tatsächlich ihre Betheiligung an den Delicten um 15 Percent weniger ist. An diesem günstigen Berhältniß participiren insbesondere die Juden in Galizien, was umso hervorhebenswerther ist, als ihre große, drückende Armuth nur zu sehr das Begehen gewisser Delicte erklärlich machen würde. Die Fälle von Betrug haben im Jahre 1892 gegen das Vorjahr eine Steigerung erfahren, aber auch bei diesem Delict ist die Z a h l der bestraften christlichen Kaufleute gewachsen, während bei den Juden trotz der absolut höheren Ziffern ein Rückgang des relativen Satzes zu verzeichnen ist. — Das sind unwiderlegbare Ergebnisse der amtlichen Statistik. Es wird aber Niemanden überraschen, wenn die Schneider und Consorten ganz unbekümmert darum fortfahren werden, mit ihren erlogenen und erfundenen Zahlen gegen die Juden zu Hetzen. Der wegen der Beschäftigung und Anstellung von jüdischen Lehrkräften an den Berliner Gemeindeschulen unterm 27. December v. I. an den Magistrat ergangene Erlaß des Cultusministers und die demselben Gegenstand betreffende Verfügung des königlichen Provinzial-Schulcollegiums vom 29 Jänner 1896 unterlag am Dienstag unter Vorsitz des Stadtverordneten Gerstenberg der Berathung des Ausschusses, welchen die Stadtverordueten-Versammlung über den Antrag des Stadtverordneten Dr. Preuß, betreffend die neuerdings von den Staatsbehörden in Bezug auf das Communal - Schulwesen erlassenen Anordnungen niedergesetzt hat. Allseitig war man der Meinung, daß dieser Erlaß nicht ruhig hingenommen werden dürfe, seine Beseitigung vielmehr mit allen nur irgend zulässigen Mitteln angestrebt werden müffe. Eine bezügliche Resolution soll gefaßt werden, der Ausschuß hat aber die specielle Feststellung des Wortlautes bis zur nächsten Sitzung Vorbehalten. Blutaberglaube in Frankreich. Jüngst hielt der französische Romanschriftsteller Jules Bois, wie die „Franks. Ztg." vom 14. Februar berichtet, einen Vortrag über „Schwarze Messe und Verhexung". (Unter schwarzer Messe versteht man eine uuzüchtigeund frecheParodie auf die heiligeMeffe.) Jules Bois begann mit der Widerlegung der Zweifler, die die „schwarze Messe" ins Reich der Fabhl verweisen. Schwarze Meffen würden gelesen und fänden auch heute noch statt, denn wozu würden sonst so häufig Einbruchsdiebstähle in den Kirchen stattfinden, wo nichts als die geweihten Hostien weggenommen würden, deren Profanirung zur schwarzen Messe nöthig ist? Eine historisch beglaubigte Messe ist nach Jules Bois diejenige, welche Madame de Montefpan lesen 4ieß, um sich die Liebe Ludwigs XIV. zu erhalten. Ein Abbe Guibourg celebrirte sie. Die Montespan wohnte ihr unbekleidet unter einem schwarzen Tuche bei und das Sühneopfer sei ein neugeborenes Kind gewesen, (!) dessen Blut in den Kelch gegossen wurde. Eine arische Heiratsannonce. In sogenannten „christlichen" Blättern wird gelegentlich nach unsittlichen Heiratsannoncen gefahndet, in denen Jemand seinen Wunsch ankündigl, in ein Geschäft „h inei nzuheir ate n". Derartige Inserate sollen nach der Versicherung arischer Tugendbolde natürlich nur in der sogenannten „Judenpresse" Vorkommen. In Vieser Woche stand in der neuesten Nummer des Organs des Bundes der Landwirthe folgende Annonce: „Ein junger Landwirth. Besitzer eines kleinen, hübsch gelegenen Landgutes und bedeutenden Baarvermögens, wünscht fein kleines Landgut gegen größeres zu vertauschen oder auf größeres Gut einzuheiraten." — Man sieht, die Liebe kann auch in arischen Kreisen Geschäftssache fein! Arischer Thierschutz. Nicht weniger als 731 Stierkämpfe fanden im Jahre 1895 in Spanien, Portugal und Frankreich statt. Die Zahl der gelödteten Stiere belief sich auf 3657, die der dabei zerfleischten Pferde auf 8000. Correspondenzen. Wien. (Politischer B o l k s v e r e i n.) In der zahlreich besuchten Plenarversammlung dieses Vereines vom 20. d. M. referirte in Vertretung des Vereinspräsidenten, Herrn Hof- und GerichtsadvocatenDr. Hermann Fiall a, das Vorstandsmitglied Dr. Marcell H offmann über die politische Lage und die Bttheilignng der Bereinsmitglieder an den bevorstehenden Gemeinderathswahlen. Hierauf hielt HerrUniversitäts-Docent vr. jur. et phii. Sigmund Feilb ogen den angekündigten Vortrag über „Tas Judenthum in Oesterreich und die Mittel zu seinem Schutze". Der Vortragende erörterte die Bedeutung des Judenthums für Oesterreich vom religiösen, nationalen und wirthschafttichen Standpunkte. Die Juden haben nur, entwickelte der Redner, Ein religiöses Merkmal gemeinsam, nämlich die Scheu vor Verleugnung ihrer Ueberzeugung, nur Ein religiöses Interesse, nämlich den Kampf für die Gewissensfreiheit. Vom nationalen Standpunkte seien sie als weltumfaffendes ethisches Gebilde von jedem Chauvinismus frei. Als volkswirthschastliches Element gehören sie, selbst nach Ansicht der Gegner, zu den betriebsamsten Pionnieren des Fortschrittes. In allen diesen Beziehungen seien sie gerade in Oesterreich, das noch lange nicht mit der wirthschafttichen Energie von Westeuropa concurrnen könne, besonders wichtig und ihr Schutz auch e:n eminentes Staatsinterefse. Die wichtigsten Schutzmittel liegen nach Ansicht des Redners zunächst im S e l b st s ch u tze. Individuell in der Festigung der Selbstachtung und des Selbstvertrauens gegenüber den wahnwitzigen Unterstellungen und Verleumdungen seitens der Gegner; national in der Erziehung der Kinder zur tieferen Erkenntniß des Judenthums und seiner erhabenen Literatur und Geschichte, sowie in der Förderung der akademischen Jugend in ihrem hohen geistigen Streben, wie dasselbe beispielsweise in der „Jüdischen akademischen Lesehalle" und anderen akademischen Verbindungen zutage trete. Als äußere Mittel zum Schutzs der jüdischen Staatsbürger empfiehlt der Vortragende unter Anderem die in Frankreich längst bestehende Unterdrückung der dem Geiste auch unserer Staatsgrundgesetze zuwiderlaufenden Constatirung der C o nf e s s i o n in allen öffentlichen Documenten, Listen, Zeugnissen, Anmeldungen. Qualificationstabellen und dergleichen und das Minoritäts - Wahlrecht, durch welches auch eine Vertretung der den speciellen Angriffspunkt der Reaction bildenden jüdischen Interessen geschaffen werden könnte. Bor Allem aber sei es nothwendig, Alles umsichtig und rechtzeitig vorzubereite i, was politisch wichtig ist, zum Beispiel schon jetzt die Reichsrathswahlen zu organisiren; auch in der Politik führe nur Arbeit und nicht Indolenz zum Zi le. Nach einer lebhaften Discussion, welche sich an diese mit stürmischem Beifalle aufgenommenen Ausführungen anschloß, wurde die Versammlung in vorgerückter Stunde geschloffen.

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