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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-02-28 · 9 (28.2.1896) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
9 (28.2.1896)
Date
1896-02-28
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 9 Dr. Bloch's Wochenschrift. Seite 177 gabung in die geistige Sphäre drängt und in der eigenartigen Kraft der Gedanken und Denkrichtung sich offenbart. Den freien Geist und den klaren durchgeistigten Charakter erzieht nur der im Geiste des Judenthums gelegene Geist der freien Erziehung. Wenn wir nur verstünden, die dem Gedanken innewohnende göttliche Kraft erziehend wirken zu lassen — daß wir es wüßten, daß wir den Gedanken entseelen, des belebenden Gefühls berauben, indem wir ihn in der Form des Unterrichtsmaterials einkerkern —! Wenn das todte Gedankengerippe im innern Wesen sich einsargt und die Kraft des festgefügten Unterrichtsstoffes dem sogenannten gebildeten Menschen den zeitgemäßen Charakter verleiht, und aus der Fäulniß der Menschennatur die gebildete Charakterlosigkeit aufsteigt, dann erhebt sie sich aus der Gemüthsverwilderung, den untern rohen Volksschichten, als der modernen Gottheit. Und wenn diese modernen Götter der Volkslaune im Schoße des Judenthums ihnen ebenbürtige Götter finden, dann erdreisten sie sich, dem Geiste des Judenthums zuzurufen: „Das sind Deine Götter, Israel — „£uf dem Boden Eures Unterrichtsmaterials sind sie groß gewachsen; Euer System einleitender Gedanken hat sie herangebildet — das sind Eure Götter —" antwortet der Geist des Judenthums — „es sind einleitende Gedanken, die um das Vorrecht ringen". (Fortsetzung folgt.) Vom Jahrmarkt des Lebens. Die Druckschriften des Pfarrers Deckert. Das Amtsblatt vom 20. d. M. enthält folgende Kundmachung: Das Landesgericht Wien als Prcßgericht hat aus Antrag der Staatsanwaltschaft erkannt, daß der Inhalt des Druckwerkes mit dem Titel „Der wahre Israelit vor den Wiener Geschworneu" vom Pfarrer Dr. Josef Deckert, Wien, Verlag des „Sendboten des heiligen Josef", Weinhaus, XVIII., in Commission bei H.Kirsch, I., Singerstraße 7, l896,Mechitaristen- Buchdrnckerei, Wien, VII., in den Stellen: 1. von „Zum Schlüsse möchte ich" bis „hinreißen lassen" (Seite 60 bis 61), 2. von „Ich habe diese" bis „abgestandenes Fischblut" (Seite 67 bis 69), 3. von „Diese Charakteristik" bis „menschlichen Fehlern" (Seite 75 bis 76), 4. von „Damit ist ein großer Theil" bis „unlerdrückungslustig" (Seite 79 bis 80) und 5. von „Das ist wie gesagt" bis „schon lange genug Amboß gewesen" (Seite 81) das Vergehen nach § 302 St.-G. begründe und es wird nach § 493 St.-P.-O. das Verbot der Weiterverbreitung dieser Druckschrift ausgesprochen, die von der Staatsanwaltschaft verfügte Beschlagnahme nach Z 489 St.-P.-O. bestätigt und nach Z 37 Pr.-G. auf die B ern i ch tu n g d e r s a isirten Exemplare erkannt. Die Juden als Wurzen. Zu Pfarrer Deckert's Broschüren. Geehrter Herr Redacteur! Mit Bezug auf „Pfarrer Deckert's Broschüren" gestatte ich mir, Sie auf ein Paradoxon ganz eigener Art aufmerksam zu machen, welches auf das Vorgehen der Herren Antisemiten ein grelles Streiflicht wirft. Während die hochwürdige Mechitaristen-Congregation die genannte Broschüre, welche durch ihren Inhalt dem Staatsanwalte verfiel, in Commission nimmt, versendet sie gerade in diesen Tagen an s ä m m t l i ch e Einwohner Oesterreichs ohne jedweden Unterschied der Confession — auch mir wurde das beiliegende.Exemplar zutheil — einen „Aufruf an edle Menschenfreunde" zur Unterstützung und Rettung der im Elend befindlichen armenischen Christen. Wie stellen sich die hochwürdigen Herren dieses Rettungswerk beiläufig vor? Vielleicht sollte der Erlös aus dem Vertriebe des Pfarrer D ecker t'schen H etzb u ch es mit zur Erreichung dieses hehren Zweckes dienen? Die Herren könnten sich zu ihrem eigenen Nutzen das Sprichwort in Erinnerung rufen: „Was Du nicht willst, daß Dir geschieht, das thue auch einem Anderen nicht!" Wenn dieser menschliche Grundsatz auf Erden Geltung hätte, dann könnte Pfarrer Deckert sein Buch nicht schreiben und der „Aufruf" wäre nicht nöthig! Hochachtungsvoll S. Köpper. Aufhängen oder Arrshrrirgerr». In Galizi.n hat sich unter dem Namen „Asemiten" eine neue Partei gebildet, deren sogenanntes Programm sofort den Ursprung erkennen läßt. Die Asemi-en erklären den Antisemitismus und die damit verbundene Verfolgung der Juden für unchristlich und wrabscheuungswürdig, sie sind entschiedene Gegner des Hängens, verdammen in ihrer Menschenliebe sogar das weniger unangenehme Köpfen und plaidiren blos für ein ganz schmerzloses Aushungern der Juden. Die Juden sollen nach dem asemitischen Programm-einfach für Luft erklärt werden. Für Schule und Amt dürfen sie nicht existiren, Handel und Gewerbe muffen ihnen verboten werden, ebenso wie jeder immobile Besitz, und wer mit einem Juden auch nur ein Wort wechselt, begeht ein Capitalverbrechen. „Sonst" dürfe man aber die Juden in keiner Weise verfolgen, denn das Gebot der Nächstenliebe schließt jeden Haß aus. Die antisemitische „Reichspost" findet dieses Programm natürlich zu zahm. Das katholisch sein sollende Blatt schreibt: i„.. „In Galizien, wo die eigenartigen politischen und socialen Verhältnisse recht sonderbare Parteibildnngkn zutage fördern, hat sich kürzlich wieder ein Pflänzchen dieser Art gezeigt. Die neue „Partei" der Asemiten mag wohl zisjermäßig sehr, sehr bescheiden sein, trotzdem scheinen aber die Asemiten die Hoffnung zu hegen, daß ihnen die Zukunft gehöre. Was ist also der Asemitisnius, aus den die Asemiten schwören? — Die Sache ist rasch erklärt. In Galizien ist das Wort „Anti" verpönt, seitdem Graf Badeni dem Antisemitismus den Krieg erklärt hat. Nachdem aber den galizischen Polen die Zweckdienlichkeit eines gesunden Antisemitismus eingeleuchtet, so waren sie darauf bedacht, für denselben einen neuen Ausdruck zu finden, der harmloser lauten würde, als das „fürchterliche" Anti. Sie fanden ihn in dem Ausdruck „Asemiten", der ähnlicher demjenigen der An—alphabeten klingen soll. Die Asemiten selbst geben allerdings eine andere Erklärung. Sie sagen, der Antisemitismus sei wegen seiner Kampf» tendenz gegen das Judenthum durch das Christenthum nicht gestattet (?). Nachdem aber gegen die Juden doch irgend ein Mittel angewendet werden müsse, so könne dasselbe nur in der vollständigen Jgnorirung der Juden seitens der Christen liegen, welche durch die christliche Religion nicht verboten ist. Die polnischen Asemiten glauben, daß sie durch völlige Jsolirung der Juden aus Politischem, socialem, besonders aber dem wirthschaftlichen Gebiete dieselben zur Auswanderung zwingen werden. — Nachdem die Berechtigung des Antisemitismus durch die berufensten kirchlichen Autoritäten zugegeben wurde, ist der Antisemitismus nur durch unsere früher angeführte Erklärung begründet." Der Redactions-Pole der „Reichspost" hat da seinem Blatte einen argen Streich gespielt. Er hat nämlich verschwiegen, daß der „Asemitismus" eine urkatholische Gründung ist, zu welcher der bekannte Jesuitenpater Morawski in Krakau durch eine Broschüre die Anregung gegeben und dann auch die Ausführung überwacht hat. Nun ist der Streit im eigensten Lager entbrannt: Die «Reichspost" meint, das Gebot der Nächstenliebe verlange das Aufhängen der Juden, die Krakauer Jesuiten finden nur das Aushungern für zulässig. Wer mag da wohl im Rechte sein? Egidy über seine Stellung zum Antisemitismus. In Berlin hielt kürzlich Herr v. Egidy einen Vortrag, in welchem er sich über seine Stellung zum Antisemitismus aussprach. Es gebe, führte er aus, abgesehen von dem schmutzigen Geschäftsantisemitismus, über den er nicht reden wollte, drei Arten, drei Standpunkte, von denen aus die Abneigung gegen die Juden begründet werde. Zuerst sei es der confessionelle Standpunkt. Verschwände, wie er (Egidy) es verlange, die Confeflion überhaupt aus unserem öffentlichen Leben, um einer wahren Religiosität Platz zu machen, überließe man es dem Einzelnen, wo er die Wurzeln seiner sittlichen Kraft fände, bei Buddha, bei Moses oder bei Jesus, urtheilte man allein nach dem Satze: „An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen", so gäbe es nach der Seite keinen Antisemitismus. Ernster sei die Frage vom Racenstandpunkt aus. Da stände der Arier dem Semiten nicht gegenüber (denn das Wort auti, das die Gegnerschaft bedeutet, sei doch des vernünftigen Menschen, geschweige denn des Christen unwürdig), sondern neben ihm. Als Deutsche haben wir allerdings das Recht, unsere Einrichtungen nach unserem eigenen Empfinden zu gestalten, aber kein Jude wird sich diesem Wandel in unseren Zuständen auf Grund seines Judenthums widersetzen. Haben wir Einrichtungen, wie er (Egidy) sie erstrebe, so gehe die Judenheit von selbst in der Cultvrwelt auf. Gäbe es dann allerdings noch Juden die Werth darauf legten, nur Juden und nicht Deutsche zu sein, dann müßten sie sich gefallen lassen, nicht unfreundlich, aber als Gäste, >. ls Fremdlinge betrachtet zu werden. Wer heute durch die Bersaffung Deutscher sei, könne sich weiter als Deutscher betrachten, wer sich heute Jude nenne, könne bestimmen, ob er Deutscher sein wolle, oder sich selbst als Fremdling fühlen. Der dritte Standpunkt sei der: gewisse üble Eigenschaften, die man besonders entwickelt bei den Juden annimmt, bekämpfen zu wollen. Da sei es doch erst zu entscheiden, ob

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