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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-02-28 · 9 (28.2.1896) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
9 (28.2.1896)
Date
1896-02-28
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Seite 176 Dr. Bloches Wochenschrift Nr. 9 schriften über Ehescheidung, über die Pflicht, die kinderlose Bruderwitwe zu heiraten, über die strenge Strafe wegen Verführung unter Zusage der Ehe, welch letzteres heutzutage blos als leichtes Vergehen geahndet wir^) Maßgebend für die jüdische "Auffassung auf allen diesen Gebieten ist die Lehre der Bibel von der Schaffung des Weibes. Nach der Erzählung der Bibel wurde das Weib aus der Rippe des Mannes geschaffen; Die Bibel sagt dabei ausdrücklich, daß das Weib deshalb^„Männin" heißt. Daher ist Mann und Weib als ein Wesen, Beide zusammen als der im Ebenbilde Gottes geschaffene Mensch zu betrachten, während in der Schöpfungsgeschichte der Jndogermanen und Griechen die Geschlechter getrennt, Männer und Weiber, gerade wie männliche und weibliche Thiere geschaffen wurden.? ^Das Weib ist laut der Bibel aus Fleisch und Blut und Geist des Mannes hervorgegangem/ Sie ist also nicht ein Sonderwesen und noch weniger ein Gegenwesen und idie Bibel kennt nicht den heute beliebten Gegensatz eines männlichen und weiblichen Prineipes^ Tl Consequenz dieser Auffassung lebt und wirkt der Mann sowohl für sich als für die Frau und ebenso die Frau sowohl für sich als für den Mann, da sie Beide ein Wesen bilden.? Hierdurch ergibt sich die sociale Stellung der Frau als Genossin des Mannes in Arbeit, Freud und Leid, als Gehilfin zu Hause und im Erwerbsleben, als mitberathend und mitdenkentz.;i"Allein und getrennt vom männlichen Theil des Menschengeschlechtes oder gar gegen den Mann feindlich gesinnt, kann das Weib nach dieser Auffassung gar nicht gedacht werden.Mie arbeitet und wirkt zu .demselben Zweck hin. wie der Mann, als Gattin, Mutter, Tochter, Führerin des Haushaltes, Mitarbeiterin in Gewerbe und Handel? Wiermit ist dieMolle der Frau in der Geschichte des Judenthums gegeben) Wir erinnern an Rachel, die Stammmutter Israels. Kcinem Dichter, und mö .e er Shakespeare oder Goethe heißen, ist es gelungen, in seinen Idealen edler Weiblichkeit an Rachel heranzureichen^ Was ist Ottilie oder Klärchen oder sogar Iphigenie gegen die liebe- und schmerzensreiche Rachel, an deren Grabe die Engel weinen. Welche Literatur der Welt hat eine Gestalt aufzuweisen wie Jephta's Tochter, und eine Erzählung wie die von ihrem tragischen Geschick, ^Läßt sich an edel M.nschlichem hiemit die griechische Antigone auch nur entfernt vergleichen, deren Schicksal an ein blos nationales Pflichtgebot — oder Oedipus, defsm Tragik blos an eine bizarre unmenschliche Fatumslaune sich kettet? ' In welcher L teratur, sei es Volksdichtung. sei es Kunstpoefie, gibt es Etwas, das heranreichen würde an die Idylle von Ruth und Boas oder an das hohe Lied. Zehren und leben nicht von Letzterem mittelst Nachbildung die Dichter aller Völker?' ^Auch starke Frauen und Heldinnen an Geist und Thatkrafk kennt die jüdische Geschichte (Mirjam, Deborah). aber niemals drängt das jüdische Weib sich vor, um die Männer zu ersetzen, oder ihre Rolle zu übernehmen, wie die Amazonen oder wie die griechischen Orakel-Pythien, oder wie die römischen und gallischen Priesterinnen^oder wie die social führenden Hetären in Athen und Lesbos^ Tritt einmal eine Frau in Israel zu sehr in Politik eingreifend auf, wie Jsebel, so wird dies in der Bibel gerügt und das Strafgericht bleibt nicht aus,'' Nirgends und niemals kennt die jüdische Geschichte ein Verderben bringendes Bordrängen der Frau, wie bei den Gothen und Germanen (Nibelungenlieds Ein Kreuzzug von Frauen oder Kindern, eine Maffentheilnahme von Frauen wie der Damen der Halle bei der Hinrichtung des unglücklichen Ludwig war und ist bei Juden undenkbar. Mit dem Worte der Bibel: „Sie soll heißen Männin, weil sie aus seinem Fleisch und Blut hervorgegangen", ist die Emancipationsfrage der Gegenwart gelöst. Es ist hierdurch selbstverständlich, daß der Mann nicht Herr der Frau ist, sondern ihr gleichgestellter Genosse, sie aber nicht Göttin, nicht Herrin nach Art der Ritter-Minne, sondern seine Arbeitsgehilfin und Leidensgefährtin auf der Bahn des Lebens^ Ist also in der Gesellschaft eines Landes eine Anzahl von Frauen geblieben, die nicht im Beruf der Gattenschaft und Vaterschaft des Mannes Männinnen, das ist Gattinnen und Mütter sein können, so sind sie vollauf von selber berechtigt, in anderer Hinsicht Männinnen zu sein, also gleichberechtigte Bolksgenofsinnen im socialen und Wicthschaftsleben der Nation, also sowohl im ärztlichen als im technischen Berufszweig, im Handwerk, Handel und Gewerbe. Was Weib' braucht seine Berechtigung hiezu nicht erst speeiell zu erbringen, da derlei auch vom Manne nicht gefordert wird. Auf alle diese Fragen gilt als Antwort der Satz der Bibel: „Daher wird sie heißen Männin, da sie aus seinem Körper entstanden ist." '"Zu solcher Comödie wie die ritterliche Frauenverehrung bei den germanischen Völkern kann die mosaische Auffassung niemals führen. Auf dem Bod'n dieser Anschauung wird der Mann wohl nicht liebeberauscht sein, wie Petrarca gegenüber Laura und Faust gegenüber Margarethe, aber er wird seine Margarethe nicht so schnöd verlaßen, auch wird er kein Verstäudniß haben für Amazonen, Heroinen und für Blanstrümpse. B.sonders aber kann Schiller's Wort: „Weiber werden zu Hyänen, treiben mit Entsetzen Spiel" niemals auf jüdische Frauen Anwendung finden.) Cultus Steuer. Es ist eine allgemein bekannte Thatsache, daß, wenn es heißt eine wie immer namenhabende Steuer zu entrichten, der Zahlende nicht gerade mit Enthusiasmus in die Tasche greift. Das hat zunächst seinen Grund darin, daß sich die Meisten nicht immer die Gegenleistung vor Augen halten und daher am liebsten die Steuer als lästig umgehen möchten. Wie soll aber ein großes Gemeindewesen anständig verwaltet werden, wenn es an der Opferwilligkeit der Mitglieder fehlt? Mit lebhaftem Bedauern mußten wir kürzlich in diesen Blättern lesen, daß unsere Gemeinde an einem Deficit laborirt, welches vorläufig noch nicht beseitigt werden kann, weil eben noch keinerlei Maßnahmen ergriffen werden konnten. Werden wir uns nur erst über das Wesen der Cultussteuer klar. Bei Bielen scheint der Gedanke festgewurzelt zu sein, daß diese Steuer eigentlich etwas Willkürliches ist, sie entziehen sich derselben nur deshalb nicht, weil sie es als eine Art Almosen betrachten. Alles, was zu unserem Cultus gehört, Gotteshaus, Religionsunterricht, Friedhof rc. re., soll in würdiger Weise gepflegt und erhalten werden. Was vor 50 Jahren mit Leichtigkeit erreicht wurde, ist heute sehr schwer geworden. Damals waren es einige hochherzige Familien, welche 'ür die Bedürfnisse der Gemeinde Vorsorge trafen; es spielte sich Alles eu famille ab, weil eben die Gemeinde klein und leicht zu übersehen war. Wie hat sich das alles seitdem verändert! Heute ist die Gemeinde groß, die Ansprüche sind enorm gewachsen, die Beitragsleist uug aber ist nicht besonders gestiegen. Wenn man bedenkt, daß die Durchschnittsziffer der Cultussteuer 10 fl. per Jahr, also nicht einmal 3 Kreuzer Per Tag, beträgt, wird man es begreiflich finden, daß das Auslangen mit den gegenwärtigen Eingängen nicht gefunden werden kunn. Die Humanität und Nachsicht, welche bei Eintreibung der Steuer geübt wird, geht weit über das Maß des Zuläffigen hinaus; Alles muß eine Grenze haben, namentlich da, wo es sich um die Selbsterhaltung handelt. Um dem Uebel zu steuern, gibt es kein anderes Auskunftsmittel, als eine ergiebige Erhöhung der Steuer, zu welcher die Gemeindemitglieder herangezogen werden können, wenn man in Betracht zieht, daß hier eine Existenzfrage auf dem Spiele steht. Wieviele Kreuzer werden im Jahre unnütz ausgegeben, welche, wenn gesammelt, am Schluffe desselben schon etwas ausmachen. Warum sind wir freigebig bei Sammlungen aller Art? Warum tragen wir unser Schärflein zu allen gemeinnützigen Werken bei? Nur die Cultussteuer sollte uns ernste Schwierigkeiten bereiten? Das kann doch unmöglich der Fall sein. Als man uns brandschatzte und uns Contributionen auferlegte, da gab Mancher sein Letztes hin, nur um im Gemeindeverbande zu bleiben, die Gemeinde zu erhalten. Dank den Errungenschaften einer neuen Zeit, wo man mit Derartigem an uns nicht herantreten kann, sollten wir ins Extreme ver fallen und gleichgiltig dem Begetiren der Genninde zusehen? So unlogisch und gefühllos wird kein Jude denken. Sagen wir es frei heraus, in Bezug auf die Cultussteuer herrschen bei uns noch patriarchalische Zustände. Was auf Verhältnisse vor 50 Jahren gepaßt hat, ist heute nicht mehr anwendbar, es nützt nichts, die Steuer muß bedeutend erhöht werden, scheut man sich doch nicht von staatswegen eine andere erst kurze Zeit eingeführte Steuer aufs Fünffache hinaufzusetzen.

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