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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-02-28 · 9 (28.2.1896) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
9 (28.2.1896)
Date
1896-02-28
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 174 Dr. Vloch's Wochenschrift. Nr. 9 Jeder Versuch, die angebliche Verjudung der Universität zu verhindern, würde nichts hemmen als die freie Bewegung, deren der Geist bedarf, um zu siegen. Es ist im Leben häßlich eingerichtet, daß die Begabung nicht an den Heimat- oder Taufschein gebunden ist. Hätte man von der Wiener Universität Alle, außer den racenreinen Deutschen, als Fremdlinge fernhalten wollen, so hätten die Slavenstämmlingc Rokitansky, Skoda, Miklosich ihre weltberühmten Schulen nicht gründen, die Judenstämmlinge Uuger und Glaser die Verjüngung der. österreichischen Jurisprudenz gar nicht versuchen können. Die Forderung, die Universität Wien solle sich Denjenigen, welche nicht racenreinc Deutsche sind, verschließen, ist gerade so abenteuerlich wie die Vorstellung, unsere Residenzstadt soll keine Weltstadt, sondern eine deutsche, d. h. im Sinne dieser Herren, eine alles Nichtdeutsche verfolgende Stadt sein. Es ist kein Zufall, daß auch unter den 12 Doctoren der Theologie, welche im letzten Jahre au der hiesigen Universität promovirt wurden, nur vier weder aus Ungarn, noch aus Galizien stammen, woran die Juden doch gewiß nnschuldig sind. Der deutsch-österreichische Stamm ist blos ein Ausläufer des großen deutschen Volkes und kann nicht die ausschließliche Basis einer Universität bilden. Er bedarf beständig der Auffrischung und des Zuzuges aus den Sudeten- und Karpathenländern. Es ist dies auch die höchste Mission Oesterreichs, die Cultur des Westens nach Osten zu tragen. Oesterreich sollte die Nichtdeutschen zum Deutschthum erziehen; bei wem gelingt dies besser als bei dem Juden mit seinem notorischen Assimilationstalente! Wenn es aber gelingt, entsteht das Geschrei über Verjudung. Will übrigens der Herr Abgeordnete mehr christliche Docenten an der Universität sehen, so sorge er dafür, daß die Docentur nicht zu den undankbarsten Berufen zähle. Wie vielen Jahren der Sorge, welchen Aengsten und Zweifeln, welchem Hangen und Bangen demüthigendster Art. muß sich der Bewerber um eine Docentur unterziehen und was wird ihm dann zu Theil? Eine Ehrenstellung mit gewaltigen Anforderungen an seine Arbeitskraft. Das Avancement ist in einem Grade, wie in keiner anderen Laufbahn, von der Gunst der Schüler, der Lehrer, des Ministeriums, kurz von tausend Factoren und subjectiven Eindrücken abhängig. Man verbessere und sichere die Lage der Docenten, und es wird, dessen möge Herr Hauck gewiß sein, ein ganzes Heer christlicher Docenten die „Verjudung" der Universität hintan halten. Es ist sicherlich nicht die Schuld der Juden, daß die Herren „Arier", die etwas sind und können, oft viel zu bequem sind, um sich diesem Dornenwege auszusetzen. Sie treten lieber in ein Amt ein, auf daß es ihnen wohlergehe auf Erden, und wieder ist es nicht Schuld der Juden, wenn ihren Glaubensgenossen dieser Weg thunlichst verlegt wird, so daß sich die Besten von ihnen der Docentur zuwenden. Diesen Besten wünschen wir von ganzem Herzen so viel Glück, wie sie auf chrem beschwerlichen Wege zu dem erhabensten aller Ziele, zur Aufklärung der Menschheit durch Forschung und Lehre, verdienen. Soviel, wie sie ver dienen! Nicht mehr! Sie haben, Gott sei Dank, keine Protection; sie brauchen aber auch dieses Lotterbett der Faul heit und Dummheit nicht, um zum Erfolge, zum wahren Erfolge, zu Forschergröße und Schriftstellerruhm, zu ge langen. Möge die Fülle jüdischen Geistes, welche einst aus den Werken Spinozas die Welt erleuchtet hat, durch die Werke eines neuen Spinoza zur Erhellung des Geistesdunkels unserer Finsterlinge beitragen! Mögen aus dem rastlos arbeitenden Nachwuchse Israels der ganzen Welt Lehrer uud Meister erstehen, und wenn dann das Unglück wollen sollte, daß ein solcher gerade unserer Universität auf der ganzen bewohnten Erde zu erneutem, unsterblichen Ruhme verhelfe, so wird außer der bekanntlich durch jeden Geistessieg seit Pythagoras erschreckten Ochsenschaar Niemand etwas gegen eine derartige Verjudung der Universität einzuwenden haben. Or. 8. Die moderne Frauenbewegung Lichte des Iudenthums. nn Bon Dc. Heinrich G o t t l i e b. Eines Tages erscholl in Hellas ein großes Wehklagen,^— durch Fluren und Haine — von den Usern des wild schäumenden Peneios bis zu den breit dahinfließenden Wassern des heiligen Eurotas — widerhallend in den Bergen und in den Wäldern: „Der große Pan ist tobt!" Und die Menschen standen erschrocken still und wußten nicht, woher der Ruf ertönte, aber er tauchte tief in ihre Herzen und die Menschen erblaßten und erbebten, denn sie fühlten, daß die Welt jetzt kahl geworden und entgöttert, daß Liebe, Lust und Rausch dahin und daß nur Alltagskleid und bleierne Alltagslangweile geblieben. So hallt auch jetzt durch die Welt ein großes Wehklagen : „Das Weib ist nicht mehr" — die Göttin, die wir angebetet, ist vom Thron, den wir ihr auf dem Buch der Lieder errichtet, auf dem sie ruhte, reizvoll und beseligend, freiwillig herabstiegen, hinab in das Gewühl des socialen Interessenkampfes, sie will um das tägliche Brot im häßlichen bitteren Daseinskampf ringen, sie will in öffentlichen Versammlungen und Körperschaften neben uns und gegen uns den körperlich und geistig aufreibenden Meinungs- und Parteienhader auskämpfen. -Haben aber etwa die Frauen mit ihren Emancipationsbestrebungen nicht Recht? Ist nicht ihre bisherige Stellung in der modernen Cultur eine einzige große Lüge? War und ist nicht der Thron, auf dem das Weib sitzt, ein Schwindel? Der Thron, die aparte Stellung im Salon und in der Gesellschaft, die ritterliche Anbetung, Alles zusammen ist theils Rausch des Mannes, theils von ihm gespielte Comödie.'. Mit Recht sagt Margarethe bei Goethe zu Faust, nachdem^sie ihn erkannt: „Heinrich! mir graut vor dir." Man möge die modernen bürgerlichen Gesetze durchblättern, sie strotzen auf jeder Seite von Unrecht gegen die Frau, von rechtlicher Minderwerthigkeit derselben.! Sie wird behandelt theils wie eine Unmündige, theils wie eine Rechtlose, ^ie Ehe ist für sie eine Löwengrnbe, Alles führt und lockt hinein, aber nichts führt hinaus. Hat sie eine schlechte Wahl getrosten, so ist ihre Eristenz für immer verloren. Der Verführer braucht einer Verführten blos die Kosten der Entbindung zu zahlen. Das Kind braucht er nicht nach seinem Stande, sondern blos nach dem niederen Stande der Mutter^zu alimentiren, es ist yicht sein Kind, sondern blos ihr Kind^ * Der Code Napoleon, das Gesetzbuch des ritterlichsten Volkes, geht noch weiter in der Rücksichtslosigkeit, es verordnet, daß das Nachforschen nach dem Vater eines unehelichen Kindes verboten ist. Also die ritterlich Verehrte und ritterlich Verlockte wird sammt dem Sprößling der Noth und Schande preisgegeben und der Ritter macht sich aus dem Staube, um bald eine Andere ritterlich anzubeten und zu Grunde zu richten., ^Die modernen Emancipationsbestrebungen sind sonnt nicht nur in der Natur der Sache gerechtfertigt, sondern namentlich auch formell berechtigt, indem die Frau die mit ihr gespielte Comödie endlich einmal ernst nimmt. Das Weib sagt: „Ich will nicht eine blos im Liede besungene Königin sein, ich will wirklich und nicht blos zum Schein selbstständig und unabhängig sein, ich will das lernen, wisten und verstehen, was der Mann lernt und erkennt^ ^Die Frauenfrage ist heute eine der brennendsten Zeitfragen und wurde schon von allen möglichen Standpunkten aus, vom Gesichtspunkte der Religion, der Moral, des Rechts, der Sociologie, der Philosophie, der Politik, der Hygiene, des Raceninteresses rc., behandelt. Wir wollen es versuchen, sie vom Standpunkte des Judenthums zu beleuchten^ ^Das Wesen der Frauenfrage besteht nicht darin, daß die Frau Aerztin, Advocatin rc. werden will, sondern im Kampfe der weltgeschichtlich unterdrückten schwächeren Hälfte der Menschheit gegen die stärkere, welche bisher alle Gesetze, Civil-, Straf- und politische Gesetze und alle socialen Einrichtungen zu ihrem eigenen Bortheil und Uebergewicht ohne Rücksicht auf das Jntereffe der schwächeren Hälfte gemacht und die Weltgeschichte allein gespielt hat. Die Frauenbewegung bezweckt also Abschüttelung eines Joches, Erlangung von Rechtsgleichheit^ '-In Hinsicht des Schutzes der Frauen steht der Mosälsmus höher als die Gesetzgebung nicht nur der übrigen alten, sondern auch der modernen Völker. Wir erinnern nur an die Bor-

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