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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-02-28 · 9 (28.2.1896) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
9 (28.2.1896)
Date
1896-02-28
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 9 Dr. Vloch's Wochenschrift. Wenn wir uns und unsere Söhne für diese Aufgabe erziehen, wie es die Thora und das Prophetenthum will, dann werden wir die Menschheit miterziehen, ich sage nicht, zu uns herüberziehen, denn das ist gar nicht nöthig. Daß wir um die Erziehung des Menschengeschlechtes ein großes, wenn nicht das größte Verdienst haben, ist eine unbestreitbare Thatsache, welche das wilde Geschrei der Gegenwart nie und nimmer aus der Welt schaffen wird. Ist es bisher ohne eigentliche Missionäre gegangen, dann wird es auch weitergehen, nur arbeiten wir rüstig an unserer Selbsterziehung, damit man uns absehe und ablerne, was das Judenthum eigentlich ist.Das größte Gebot ist „Kidduschbaschem“, die Verherrlichung des göttlichen Namens. Wird dieses Gebot von uns allseitig in seiner Hoheit und Majestät ersaßt und bethätigt, dann wird unsere Missionsthätigkeit Früchte tragen und der Menschheit zum Heile gereichen. Dafür sind wir unter den Trümmern des Alterthums und des Mittelalters erhalten worden und gleich dem Phönix aus unserer Asche immer neu erstanden. Wir sind also in der Welt noch nöthig und haben noch Etwas zu leisten, wie H e i n r o L h in seiner Anthropologie zwar von einem christlich-gläubigen Standpunkte aus, dem wir den einen od.r anderen Ausdruck zu Gute halten müssen, aber in richtiger Erfassung unserer weltgeschichtlichen Mission anerkannt hat. Ich führe die Stelle auszugsweise an: „Ihre (der Ebräer) Erscheinung in der Geschichte ist zu sonderbar, um nicht zu sagen wunderbar, und das Ereigniß liegt zu faktisch da, als daß man nicht fast gezwungen werden sollte, ihn, eine welthistorische, universelle Bedeutung zu reben . . . Wir müßten eine Vorsehung leugnen, oder die Vorsehung selbst, die sich unter und in ihnen am deutlichsten offenbart, die sie als besonderes Organ ihrer Offenbarung immer im Auge behalten hat, wird sich vielleicht, da es ihr nicht gefiel, dieses abtrünnige Volk zu vernichten, einst noch, wunderbar wie ihre Wege sind, zu ihrer ferneren Verherrlichung unter den Völkern verwenden." Das glauben wir auch, ohne daß wir uns für „abtrünnig" halten, denn das Abtrünnige erhält sich nicht. Unsere Mission wird erfüllt sein an dem Tage, an welchem die Weissagung zur Wahrheit geworden: „Es wird kein Volk gegen das andere das Schwert ziehen, und sie werden ferner nicht Krieg lernen. Es wird voll sein die Erde von Gotteserkenntniß, wie Wasser das Meer bedecken. Es wird der Ewige König sein über die ganze Erde, an dem Tage wird der Ewige einzig und sein Name einzig sein. Mein Haus aber wird ein Bethaus heißen für alle Völker." _ Me „Verjudung" der Universität. In jener vornehmen Form, zu welcher unsere Feinde das Deutschthum zu erziehen bestrebt sind, hat Abgeordneter Hauck die abgestandene Phrase von der Verjudung der Wiener Universität wieder aufgewärmt. Man wird seinen Ausführungen die Anerkennung nicht versagen können, daß sie eine wahrhaft classische Leistung waren — völlig ebenbürtig den übrigen Stimmen aus dem antisemitischen Froschteich. Das Classische besteht nämlich nach seiner elastischesten Definition in der Gleichwerthigkeit von Form und Inhalt, und Form und Inhalt dieser Reden pflegen thatsächlich gleichviel Werth zu sein. Ein leichtsinniger Mensch könnte über den ganzen Jammer von der Universitätsverjudung mit der Bemerkung hinweggehen: Klappern gehört zum Handwerk, und die Herren hallen ja selbst nur ihre Parteigenossen für so dumm, daß sie dergleichen ernst nehmen sollten. Sonst ..würden Denker von Hauck's Tiefe und Bedeutung durch ihre eigenen, unsterblichen wissenschaftlichen Werke die Universität vor Verjudung schützen oder der Nachwuchs der Parteigenossen müßte sich in Schaaren an der Universität habilitiren und damit wieder einmal das Deutschthum dort retten, wo es gar nicht bedroht ist. Oder sollten die Trauben zu sauer sein? Habilitiren heißt nämlich, sich als fähig erweisen, an einer Universität vorzutragen. Doch es ist nicht gut, einen Dolchstoß mit einem Scherze zu erwidern. Und ein Dolchstoß gegen alle Docenten und Professoren jüdischer Abstammung ist hier beabsichtigt. Der antisemitische Terrorismus soll auch in die Wissenschaft eingeführt werden. Nur keine Gerechtigkeit! Das ist das einzige Mittel, um den Juden beizukommen, glaubt Seile 173 der Wackere. Sie irren, lieber Herr Hauck! Die Ungerechtigkeit und Vergewaltigung nützt auch nichts. Sie weckt im Juden erst den Juden und wehe Ihrer ganzen Gesellschaft, wenn einmal alle Juden sich erinnern sollten, daß sie Juden sind! Denn Recht und Wahrheit sind auf ihrer Seite, und an Geist und Klugheit nehmen sie es mit ihren Feinden allenfalls auch noch auf; wie konnten sie sonst an der Universität überhaupt aufkvmmen? Daß nämlich irgend Jemand heutzutage einen Juden vorzuziehen wagen könnte, wenn nicht das einfachste Scham- und Rechtsgefühl ihn dazu zwingt, das glaubt Ihnen, braver Herr Hauck. Ihre eigene Großmutter nicht. „National sein, heißt sein Volk lieben über Alles",__ so lautet das Motto der berüchtigten Schrift über die Zustände der deutschen Universität in Wien. Wenn dies der Fall ist, darf der Oesterreicher überhaupt nicht national sein, da er sein Volk nicht über Alles lieben darf, zum Beispiel nicht mehr als sein Vaterland. Oesterreich ist nothwendig ein Bölkerstaat. Wie sehr bedarf es des Volker- Volkes, des unter allen Völkern verbreiteten Judenthums. Gerade weil die Universität dadurch vor extremen Rationalismus bewahrt würde, könnte man eine stärkere Verjudung der Universität nur als Fortschritt, vom Standpunkte des österreichischen Staatsgedankens, begrüßen. Aber zunächst existirt eine solche Verjudung nirgends. Man kann unter „Verjudung" drei Tinge verstehen. Entweder meint man das Eindringen einer speeifisch jüdischen Weltanschauung oder das Umsichgreifen bestimmter, speeiell jüdischer Handlungen oder das Vordringen des jüdischen Elements im Lehrkörper der Universität. Zwei allgemeine Betrachtungen drängen sich auch tu dieser speeiellen Frage auf, gerade so wie überall, wo die „Antisemiten" ihren „Geist" leuchten lassen. Wie angenehm kann man doch ein Wort verwenden, welches man abwechselnd in verschiedenen Bedeutungen gebrauchen kann! Und wie sehr ist Alles das, was unsere Feinde zu unserer Erniedrigung Vorbringen, geeignet, unser Selbstbewußtsein zu erhöhen! Unter tausend Oesterreichern gibt es 47 Hilden, und die Tausend sollten ängstlich das Vordringen der Siebenundvierzig beobachten! Und mit welchem Eifer spalten sich 95 Pereent der Bevölkerung in feindliche Lager für und gegen die übrigen 5 Perzent! Wahrlich, wenn es möglich ist, den Inden Stolz einzuflößen und das Rückgrat zu stärken, so ist diese Thatsache dazu geeignet. Doch wenden wir uns den drei möglichen Arten der Verjudung zu. Die Verjudung der Weltanschauung ist wohl nur auf dem Gebiete der Religion möglich, da das Judenthum keine andere Chemie, Mathematik rc. besitzt, wohl aber sich weigert, die Religion der Mehrheit zu aeceptireu, also eine grundverschiedene Auffassung der Religion hegt.. So ist eine Verjudung eigentlich nur betreffs der Theologie denkbar, und betreffs dieser ist sie nicht zu fürchten, da in ihr ohnehin von den Psalmen Davids an bis zu den .4etu apoAtolornm Alles die jüdische Ursprungsmarke trägt. Schon im Jahre 591 ist ein getaufter Jude als Bischof von Paris gestorben. Die Verjudung als Verbreitung bestimmter Handlungen könnte nur erwünscht sein, da der einzige gemeinsame Zug der jüdischen Handlungsweise das überzeugungstrene Festhalten an den Traditionen des jüdischen Volksthums ist und zu dem Besten und Schönsten am jüdischen Volksthum von jeher der opferwillige Lerneifer gehört bat, ohne den wir längst zugrunde gegangen wären. Wenn endlich drohend auf die Vermehrung der Inden an der Universität hingewiesen wird, so mag diese rührige Coneurrenz allerdings denen unwillkommen sein, denen Gott sonst im Schlafe ein akademisches Lehramt geben würde. Man kann auch thatsächlich in den glücklicherweise nichthäufigen Fällen des Antisemitismus bei Professoren fragen: Wie heißt der jüdische Coneurrent des Herrn Professors oder wie hat er geheißen?

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