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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-02-21 · 8 (21.2.1896) · page 23

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
8 (21.2.1896)
Date
1896-02-21
Page
– (sequence 23)
Language
German
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Nr. 8 Dr. Vloch's Wochenschrift Seite 187 Alle lachten nnd der kleine Heinrich rief: „Vaterleben erlaub's. Du wirst auch dabei sein und lachen und die Mutter und die Schwestern wissen ja schon lange Alles." „Nun gehst Du in's Bett, Plaudertasche, Skfka löscht schon aus." Sie nahmen den kleinen Buben an der Hand und gingen. Sefka ging mit der Laterne und traf die Bocherim in hellem Zank. „Hättest erst der Frau Rebbezin sagen sollen, eiferte einer, „Ehret die Frauen, sie flechten und weben, himmlische Kränze ins irdische Leben. Frauen können Alles glatt und eben machen." — „Sefka wirds noch einleiten und der Maler wird helfen", sagten die andern begütigend. — „Ja", sagte die Alte, bte einen schweren Korb voll frischer Barches, Aepfel und Nüsse sich nach Hause trug. „Sefka macht Alles gut, immer nur still — nicht plaudern." — Der Tempel vereinigte am Sabbathmorgen alle zur Andacht. Sie br geisterten sich an dem Vortrag des Rabbiners, der stets erhebend auf sie wirkte und Herz und Gemüth gefangen nahm. Die Bocherim verabredeten eine Zusamenkunft am Nachmittag nach dem Gebet im Geheimen. „Zum Werke, das wir ernst bereiten, geziemt sich wohl ein ernstes Wort", so begrüßte der Triescher die Freunde: „Wir sino eines Herzens, eines Blutes, eines Volkes und einig wollen wir handeln." „Wir wollen zuerst tüchtig lernen, daß der Rabbi staunen soll. Alle müssen zum Schiur. Der Maler schleicht sich daweil in's kleine Nebenzimmer. Die Frau Rebbezin wird schon Alles gut machen später. Wenn's dann zum Weggehen kommt, dann drängt Ihr Euch alle herzu und wir bitten ihm. So gab der Redner verschiedene Anordnungen, dann trennte man sich. — Beim Rabbiner waren inzwischen viele Gäste angelangt. Jeder kam, um einen guten Schabbes zu wünschen. Die Lehrer, die Vorsteher mit ihren Frauen und Töchtern. Sie erzählten Neuigkeiten von draußen, besonders von Wien, von den geschäftlichen Verhältnissen, von der Politik, vom Theater, die Mädchen declamirten im Nebenzimmer mit Begeisterung Schiller's Gedichte und erzählten einander die Sagen, die sie heimlich am Abend gelesen. Dazwischen hörte man lebhafte Dispute über die Predigt, über talmudische Fragen. So kam der Abend heran. Nach der Hewdola nahmen wieder Alle Abschied, um sich von Neuem ihren Pflichten zu widmen. Am Sonntag war man schon im Hause des Rabbiners früh thätig. Der Schiur begann um 8 Uhr. Mutter und Töchter waren emsig beschäftigt, die Zimmer zu säubern. Es sollte Alles pünktlich und besonders gut hergerichtet sein. Sie wollten den theuren Vater in guter Laune erhalten, denn sie waren hier mit im Complott mit der Bocherim. Diese erschienen dann zu bestimmter Stunde vollzählig. Der Rabbi begann mit ernster Stimme den Unterricht und forderte den Triescher auf zum Bortrag. Er entledigte sich seiner Aufgabe ganz besonders gut und die Stunden verflogen schnell bei dem anregenden Studium, so daß unvermuthet die Mittagsstunde herannahte. „Ihr habt heute besonders gut gelernt«, sagte der Rabbi und auch du Kammer, „doch Du bist bleich, fühlst Du Dich krank?" Der Angeredete sagte: „Ich habe mich nur gekränkt, der Rabbi könnte uns böse sein, wegen Freitag Abend". — Doch im Chor riefen die Andern: „Der Rabbi ist nicht böse, er ist mit uns zufrieden und er erlaubt auch das Purimspiel. Der Rabbi wird sehen, wir lernen ebenso eifrig, das soll uns nicht abhalten". Lächelnd sah der Meister auf seine eifrigen Schüler. Er liebte die Jugend und gönnte ihr gern eine Freude. „Laßt es Euch gut schmecken" sagte er, „es sei Euch erlaubt." „Wir danken, wir danken", riefen alle durcheinander und durch den Lärm kamen auch die Frau und die Töchter dazu und neugierig guckte die Magd durch die ThiE Der kleine Heinrich freute sich am meisten. „Wie schön, wie schön wird das sein und ich darf aufbleiben und Alles sehen". Alles drängte sich zur Thür, auch der Maler und nun setzte man auf der Gasse die Berathungen und Aeußerungen der Freude fort. Es war eine recht fröhliche Stunde, eine würdige Einleitung zum Feste des Frohsinnes und der Heiterkeit. Der Maler bat die Bocherim, ihm in sein bescheidenes Stübchen zu folgen. Hier entrollte er die eben gemachte Skizze des Rabbiners. Alle fanden dieselbe sprechend ähnlich. „Nicht nur meine Kunst", sagte der Maler, nein, Liebe und Dankbarkeit helfen mir, so schnell ein Bild des verehrten Mannes zu machen, der mir keine Sitzung gewähren wollte. Ihr, meine Lieben, habt mir unbewußt geholfen, meinen Herzenswunsch zu erfüllen. Dankt mir nicht. Bis zum Purimspiel will ich fertig werden mit dem Bilde, dann gehe ich von Euch. Nie werde ich Euch vergesien und in meiner schönen, sonnigen Heimat erzählen, welch' treue, ehrliche Herzen ich unter Euch Juden gefunden. Die Zeit bis zum Purimseste wurde nun fleißig gearbeitet. Der Triescher im Verein mit dem Ofner hatten die Dichtung vollendet, die Rollen eingetheilt. Durch die Verwendung der Frau Vorsteherin wurde ihnen der Sitzungssaal der Gemeinde bewilligt und alle waren den eifrigen Schauspielern zur Seite, um das Werk zu fördern. Das Theaterstück stellte die Geschichte von Purim dar. Der König sitzt auf kostbarem Thron und Haman der Böse klagt die Juden in Susan an. Ein Edict wird ausgegeben, sie zu vernichten. Nun folgen die Vorgänge genau nach der Geschichte. Alles geht glatt. Der Mikulascher ist ein stattlicher König, der lange Prerauer flößt mit seinen finstern Mienen als Haman Allen Furcht ein. Der zarte Kammer befreundet sich schwer mit der Rolle der Waschti und der sanfte, junge, zarte Krakauer, der noch keinen Anflug eines künftigen Bärtchens hat, sieht als Esther sehr sittsam und bescheiden aus. Er ist das einzige Söhnchen seiner Eltern, die ihm noch als Hofmeister einen älteren Lehrer, Naphtalin, mitgegeben haben, der heute die Stelle des Mordechai übernimmt. — Alles ging herrlich. Der geschickte Maler brachte prachtvolle Costüme aus den denkbar geringstem Material zusammen. Immer mehr wuchs die Begeisterung und das Entzücken. Plötzlich machte sich furchtbare Verlegenheit geltend, rathlos standen alle da, die Scene sollte vorgeführt werden, in welcher Mordechai zu Pferde durch die Stadt reiten und Haman vor ihm hergehen sollte und ausrufen: „So geschieht dem Manne, den der König geehrt wissen will". „Ein Pferd." — „Ein Königreich für ein Pferd", rief Triescher. „Eine Pferdehaut verschaffen", riefen die Andern, „aber wer will hereinkriechen?" Der Triescher öffnete die Thür, er wollte sich Rath holen. Da saß Sefka draußen und nähte emsig an dem bunten Kleide der Königin, während ihr Mann seinen alten Soldatenrock vor Vergnügen hin- und herschwenkte, der jetzt ein neues, nie geahntes Aussehen hatte. Er war ganz mit Perlen und Flittergold benäht und sollte den Königsmantel vorstellen. Als der Triescher Beide sah, rief er ihnen zu: „Löset mir, Graf Oerindur, dieses Räthsel der Natur". „Was gibt's", fragte Sefka ruhig. Sie kannte schon die Sentenzen des tollen Bochers. „Es will keiner in die Pferdehaut und sich von Mordechai reiten lassen", war die traurige, trostlose Erwiderung. — „Ra," erwiderte die Alte gemüthlich. „Na, kann sich mein Mann nicht auf eine Weile Pferd sein. Was is, is sich doch Alles Spaß zu Purim." „O," rief entzückt Triescher. „Was der Verstand der Verständigen nicht sieht, erklärt oft in Einfalt ein kindlich Gemüth". Jubelnd kam er ins Zimmer gesprungen. Sefkas herrlicher Einfall fand allgemeinen Beifall. Alle liefen hinaus, sie dazu zu beglückwünschen und der alte Soldat schwang seinen Mantel und versicherte recht still zu halten und würdig seinen Posten auszufüllen. So nahte denn das schöne Purimfest heran. Die ganze Gemeinde hatte sich darauf vorbereitet. Die Armen wurden in erster Reihe bedacht. Man schickte ihnen nicht nur Geld, Wein und Leckereien, sondern auch Kerzen und Be-leuchtungsmaterial. Ueberall sollte Lust und Freude herrschen. Die Söhne und Töchter durften die Gaben selbst in die Hütten der Armen tragen und tausend Segenswünsche begleiteten sie dann auf dem Heimweg. . Am Abend vorher versammelte sich die ganze Gemeinde zur Megilla und Arm und Reich gaben dem Machzes Hoschickl eine kleine Münze. Alle sollten gewürdigt werden, beizusteuern

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