Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 8 (21.2.1896)
- Date
- 1896-02-21
- Page
- – (sequence 24)
- Language
- German
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Seite 168 Br. Bloch's Wochrnfchrist D?i\ 8 zum Grundstein des Edlen und Guten. Der Reiche nicht mehr als der Arme. Denn Alle sind wir Gott, dem Einig Einzigen gleich. Er ist Vater aller seiner Kinder. Er allein gleicht sie aus alle Schicksale im Leben und vergibt Jedem nach Verdienst. Er nimmt wohlgefällig auch das geringe Opfer der Armen auf, wenn's aus gutem Herzen kommt. Er allein thut Wunder. Er erhebt den Dürftigen und setzt ihn zu den Edlen des Landes. Er allein ist Helfer in jeder Noth. Er befreit die Gefesselten und richtet aus die Gebeugten. Der Hüter Israels schlummert nicht. Wie sie nun alle heimkehrten zum frohen Mahle, da waren die Kleinen schon alle im tollen Mummenschanz, die Mädchen und Knaben. In Schaaren wanderten sie zu dem Rabbiner, wo sie freundlich ausgenommen und beschenkt wurden. Der kleine Heinrich klatschte vor Vergnügen in die Hände und jauchzte vor Lust, wenn er seine Spielgenoffen erkannte. Dann durfte auch er sich maskiren und war höchst befriedigt, da ihm Alle versicherten, daß er von „Niemand" erkannt worden sei. „Heute ist Purim, Morgen ist's aus, gebt's mir 'n Kreuzer und werst's mich hinaus!" so sang das lustige, kleine Volk noch lange in der Gaffe. Purimmorgen brachte Sonnenschein und der letzte Schnee schmolz unter den herrlich warmen Strahlen. Freunde und Bekannte schickten einander Geschenke (Schlach Monah). Im Rabbinerhause war ein stetes Kommen und Gehen. Am Nachmittag rüsteten sich alle zu dem seltenen Genuß des Purimspiels. Der Saal war zum Erdrücken voll, Geladene und Ungeladene strömten herbei. Die Bühne war mit einem rothen Vorhang geschlossen. Zu beiden Seiten standen junge Leute, die den Vorhang aufzogen und den Beginn des Actes meldeten. Endlich löste sich das Stimmengewirr. Lautlose Stille trat ein, Aller Augen richteten sich auf die Bühne. Der Vorhang wird aufgezogen. Stolz sitzt der König in seinem glänzenden Mantel aufi dem Throne. Der Mikulascher nimmt eine königliche Pose an. Alle bewundern ihn. Er schwingt seinen goldenen Scepter. Vor ihm steht Haman mit seinen rollenden Augen, wie er denn seine Befehle unterschreibt. Alles soll vernichtet werden, Männer und Greise erwürgt, ebenso Frauen und Kinder. Endlich berief der König Waschti. Erst nach seinem dritten Befehle erschien sie. Wie Waschti (Kaminer) eintrat, wollten sich Alle ausschütten vor Lachen. Sie sah zu komisch aus. Dann kam die liebliche Esther. Sie saß an der Tafel des Königs. Krakauer hatte feine Rolle prächtig gespielt. Er liest mit feiner Stimme dem König die Chronik vor. Und der König wünscht den Mann geehrt zu sehen, der ihm das Leben rettete. Endlich erscheint Mordechai auf dem Pferde. Der brave Zdenka, der Gatte der Sefka, leistet im Schweiße seines Angesichtes Großes. Alle erfaßte fast ein Lachkrampf bei der Scene. Haman und seine Söhne wurden hinter den Coulissen gehängt. Man sah sämmtliche Satrapen über die Bühne laufen, um allenthalben die Rettung und den Befehl des Königs kundzuthun. Der König und die Königin standen am Tische und helfen schreiben und siegeln. Sie riefen: Licht und Freude kehren ein bei den Gedrückten." Alles klatschte begeistert Beifall. Da gebot man Ruhe. Der Vorhang wurde nochmals aufgezogen. Der Maler hielt das wohlgelungene Porträt des allverehrten Rabbiners in der Hand und der Triescher und Kaminer stützten ihn zu beiden Seiten. Alle machte diese Ueberraschur.g stumm. Der Triescher declamirte: „Größeres mag sich anderswo begeben, Als bei uns in unserem kleinen Leben. Neues hat die Sonne nie gesehen. Sehen wir doch das Große aller Zeiten Auf den Brettern, die die Welt bedeuten, ' Sinnvoll still an uns vorübergeb'n. Alles wiederholt sich nur im Leben, Ew'g jung ist nur die Phantasie." — Sie traten alle drei vor den Rabbi, der Maler sprach: „Verzeiht dem Scheidenden, Rabbi, daß er es gewagt hat, ohne Euer Wissen dieses Bild zu malen. Euch danken für Eure Güte kann ich nicht. Nehmt dies gütig an als ein Liebeszeichen für Eure Kinder und Enkel. Ich gehe in meine Heimat gesund und gekräftigt und werde nie vergessen, was mir die Juden, was mir das Rabbinerhaus gewesen." — Der Morgen graute und alle waren noch beisammen, ganz erfüllt von dem seltenen Genuß froher und ernster Stunden. Jahre sind vergangen. Der Rabbi und all f'ine Getreuen sind todt. Die Schüler zerstreut. Es gibt noch einige Greise, die sich des Edlen erinnern und sein Andenken ehren. Das Bild ist vom Vater auf den Sohn stets übergegangen und prangt noch jetzt in einem Rabbinerhause mit dem Namen des Vaters. Das Beispiel des edlen Seelsorgers hat in der Familie Nachahmung gefunden. Er lebt noch im Geiste seiner Nachfolger. Es heißt, das Purimfest wird ewig gefeiert werden. Doch die Zeiten ändern sich. Biel wird abgestreift, besonders in religiöser Beziehung. Jede neue Epoche findet die gewesene alt, rastlos geht es vorwärts. Doch die Wahrheit, der Glaube an sie, an das ewig Gute, an den ewig einzigen Gott bleibt ungeändert zu allen Zeiten im Glück und Unglück. So lehrt die Geschichte Israels, so lehrt die Weltgeschichte. Ja, einst wird der Tag erscheinen, wo es Licht sein wird in allen Häuiern, in allen Herzen, das Licht der Erkenntniß, des Glaubens und des Wissens. Die Liebe wird einziehen in alle Menschenherzen und sie einen zu einem Bruderbund in Freud' und Leid. Wir, die wir jetzt in der Zeit des Druckes leben, müssen fest und einig zusamm nhalten und unsere Kinder bilden und vorbereiten. Sie sollen die Geschichte unseres Volkes kennen, im Hause und in der Schule sich bewähren, um einst mitkämpfen und Mitarbeiten zu können am großen Werke der Zeit trotz aller Zurücksetzung, die uns zu Theil wird. Wir müssen unser Glaubenspamer Hochhalten, unsere Feste würdig feiern, unsere Gotteshäuser zusammen mit unseren Kindern betreten und stets Liebe und Versöhnung gegen alle üben. Dann werden unsere Feinde ausrufen gleich Bileam: „Ich kam, um dies Volk zu verfluchen — ich muß es segnen. Die Vorbereitung zu dieser hohen Aufgabe liegt in den Händen der Mütter Israels. Alle müssen sie wie die Königin Esther für ihr Volk einstehen mit dem Besten und Theuersten was sie besitzen — mit ihren Kindern. Briefkasten. Alexander B. Warum die „Reichspost" eine Gerichtsverhandlung im Jargon veröffentlicht? Nun, der Chefredacteur dieses Antisemitenblattes wollte einmal in den Tönen sprechen, die ihm aus seiner jüdischen Vergangenheit lieb und vertraut sind. B —Gr. Herr Berg an i zeichnet nicht gerne die Sachen, die er schreibt. Er hat solche Erfahrungen gemacht, daß er jetzt schon sich selbst nichts mehr glaubt. Adolf H. Wenn die antisemitischen Blätter sich selbst gegenseitig der gemeinsten Lumpereien bezichtigen, so dürfen Sie ihnen unbedingten Glauben schenken. B—n. Ob alle Antisemitenhäuptlinge von Juden abstammen? Wenn auch nicht alle, so doch die gute oder richtiger die — schlechte Majorität derselben. Dr. H. P. Wenn Stöcker in Berlin ganz ausgespielt haben wird, dürfte er noch immer hoffen, iu Wien ein Reichsrathsmandat zu erlangen. B—N. (?) In Wien gibt es keine Hammerstein's? Sie irren sich, Berehrtester. Es dauert nur etwas länger, bis man das in kompetenten Kreisen ganz genau erkennt. R— g. Ihre Mittheilung, daß Herr V e r g a n i in der Maske eines biederen Ehrenmannes vom Lande einen Costumeball besuchte, freut uns. Dr. Kaulmann, Virovitica. Der Artikel wird, sobald Raum vorhanden ist, erscheinen. M. Schwarz, Secretär, Essegg. Herzlichen Dank. Louis Taubes, Botofani. Abonnement erhalten, besten Dank. Langjähriger Pränumerant, Paris. So ist's. Jener Staatsmann gelangte vor 2253 Jahren zu seiner wohlverdienten Höhe, zu der ihm ein Jude verhalf. — Ja! am 27. d. M. beginnt die Bürgermeister-Wahl in Wien. N. T. in Brunn. Ester Teinis — am 28. Purim. I D. S. in Preßburg. Walte Gott! M. G. in Prag. Nur zu: Hoch Lueger. Herausgeber n. verantw. Redakteur: Dr. Josef S. Bloch. — Druck v. L. Beck & Sohn, Wien, Yin., Lerchmseldrrstr. 46.