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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-02-21 · 8 (21.2.1896) · page 21

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
8 (21.2.1896)
Date
1896-02-21
Page
– (sequence 21)
Language
German
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Nr. 8 Dr. Vloch's Wochrnfchrifr. und icherikst es weg! Wenn Du ein guter Vater wär'st, würdest Du Hanna's Mitgift zusammengespart haben, statt Dein Geld Vagabunden und Schnorrern an den Hals zu Wersen. Ab r auch so kann ich ihr eine schöne Ausstattung geben. Es ist eine Schmach und Schande, daß Du noch keinen Mann für sie gefunden hast! Für anderer Leute Töchter kannst Du schnell genug Männer finden!" „Ich fand einen Mann für die Tochter Deines Vaters," sagte der Rabbi mit einem schelmischen Glanz in den braunen Augen. „Wirf mir das nicht immer vor! Ich hätt' es besser treffen können, und meine Tochter müßte sich jetzt nicht schämen daß sich Niemand findet, der sie heiraten will. In Polen wären die jungen Leute in Schaaren herbeigelaufen, weil sie eines Rabbis Tochter ist; sie hätten es für eine Ehre gehalten, der Schwiegersohn eines Rabbis zu werden. Aber in diesem gottlosen Land! In meinem Dorf hat die Tochter des Oberrabbiners, die so häßlich war. daß man vor ihr ausspucken konnte, den schönsten Mann im ganzen Bezirk bekommen." „Aber Du, meine Simcha, hattest es nicht nöthig, mit Rabbinen verwandt zu sein." „Ja, ja, spotte nur!" „Ich spotte nicht. Du bist wie eine Lilie von Saron." „Willst Du noch eine Taffe Kaffee. Salomon? „Jo, mein Leben. Hab' nur noch etwas Geduld und Du wirst unsere Hanna unter der Chuppe sehen." „Hast Du Jemai dem im Auge?" Der Rabbi, nickte geheimnißvoll mit dem Kopse und blinzelte, als hätte er etwas darin. „Wer ist's Vater?", fragte Levi. „Hoffentlich ist er was Feines und kann ordentlich Englisch sprechen." „Und sei nur recht liebenswürdig zu ihm, Hanna", sagte die Rebbezin. „Du verdirbst durch Dein dummes, steifes Benehmen alle Partien." „Hör' auf Mutter!", rief Hanna, heftig ihre Tasse von sich stoßend. „Ich will gar nicht heiraten. Ich will nicht, daß Eure dummen Jungen Herkommen und mich untersuchen wie ein Pferd, und wissen wollen, wieviel Geld Ihr mir mitgibt. Laßt mich in Ruh'! Ich will ledig bleiben! Das ist meine Sache und nicht Eure!" „Was Hab' ich Dir gesagt, Schemuel! Sie ist meschugge- Frisch und gesund und meschugge!" „Ja, Ihr werdet mich noch verrückt machen!" rief Hanna wild. „Laßt mich in Ruh'! Ich bin zu alt, um einen Choßen zu bekommen, so laßt mich in Ruh'! Ich kann mir immer mein Brot verdienen". „Hörst Du, Schemuel?", stöhnte Simcha. „Siehst Du, was ich leide? Siehst Du, wie schlecht unsere Kinder in diesem gottlosen Lande werden!" „Laß sie in Ruh', Simcha, laß sie in Ruh'!" sagte der Rabbi. „Sie ist noch jung. Wenn sie keine Neigung dazu hat. . „Und wozu hat sie denn Neigung?! Eine schöne Geschichte! Will sie ihre Mutter zum Gespött machen? Sollen Frau Jewes und Frau Abrahams mir mit ihren Enkeln die Augen ausstechen? Sie kann genug junge Leute haben, sie ist blos zu hochnäsig! Man könnte meinen, sie hat einen Vater, der jährlich 500 Pfund verdient — statt dessen verschleudert er sein halbes Gehalt an schmierige Schnorrer!" „Sprich nicht wie ein Apikoires!" mahnte der Rabbi. „Was sind wir denn Alle, als Schnorrer, abhängig von der Gnade des Allerhöchsten — gelobt sei sein Name? Was haben wir uns selbst geschaffen? Fall' lieber nieder und danke ihm für seine Güte, die so groß ist, daß er uns gestattet, an Anderen Wohlthaten zu üben". „Aber wir arbeiten!", sagte die Rebbezin. „Ich reibe mir die Knie mit Scheuern wund". - Der äußere Schein deutete eher auf eine Defrication der Nase. „Aber, Mutter, wir haben ja ein Dienstmädchen für die grobe Arbeit", siel Hanna ein. „Ja. Dienstmädchen!" rief die Rebbezin verächtlich. „Wenn man nicht über ihnen steht, wie die egyptischen Aufseher über unseren Vorfahren, so machen sie nicht das Geringste, außer daß sie Geschirr zerbrechen. Lieber fege ich ein Zimmer selbst, als daß ich zusehe, wie eine solche Person eine Stunde herumfährt und zuletzt allen Staub auf den Fensterbrettern und den Winkeln am Kaminsims liegen läßt. Und was die Seite 165 Betten anbetrifft, so glaube ich nicht, daß die Mädchen sie je aufschütteln. Wenn es nach mir ginge, würde ich Allen das Genick umdrehen". „Was nützt das immerwährende Klagen!", sagte Hanna ungeduldig. „Du weißt, wir müssen ein Christenmädchen halten wegen des Sabbathfeuers. Die Frauen oder die kleinenJungen, die man von der Straße hereinruft, können nichts. Wenn man einem kleinen, barfüßigen Gaffenjungen sagt, er soll das Feuer schüren, dann sieht er Einen an, als ob man nicht recht gescheit sei. Außerdem findet man nicht immer einen". Der Rabbi hatte es gern warm. Wenn das Feuer am Sabbath ausging, konnte er dem Mädchen nicht befehlen, nachzulegen, aber er rieb sich die Hände und bemerkte gelegentlich, so daß sie es hören konnte: , Huh, wie ist das kalt!" „Ja", sagte er jetzt. „Ich friere am Schabbes immer, wenn Du Dein Mädchen wieder einmal weggeschickt hast. Deinetwegen erkälte ich mich monatlich einmal". „Meinetwegen?!", rief die Rebbezin. „Wenn Du in der Wiiterkälte in Hemdärmeln nack Hause kommst?! Dann werde ich Dir Umschläge und Senfpflaster machen müssen und dann soll ich Geld genug haben, um einen Dienstboten zu halten? Wenn mir noch einmal einer von Deinen Schnorrern herkommt, werfe ich ihn hinaus misSack und Pack!" Diesen Augenblick erkoren die Vorsehung und Melchifedek Pinkas für den Eintritt des Letzteren. (Fortsetzung folgt.) Was mein Mütterchen erzählt. Eine Purimgeschichte von Jda Oppenheim. Es war zu Anfang der Vierziger-Jahre. Die Juden lebten noch immer im Druck, aller Menschenrechte beraubt. Doch in ihren Familien und Gemeinden festigten sie sich und schlossen sich aneinander umso inniger an. Der Rabbiner war der Mittelpunkt der Gemeinde, der Lehrer der Jugend, der Richter in allen Streitfragen, der Anwalt für die Armen, kurz Alles, was die Herzen der Mitglieder seiner Gemeinde bedrückte, trug man zu ibm. Obgleich jene Seelsorger fast nie aus ihren Zimmern herauskamen und nie mit der Außenwelt in Verbindung traten, so gab es doch viele unter ihnen, deren Blick weit in die Zukunft reichte, die an den Fortschritt, an eine bessere Zeit glaubten. Alle waren von dem Geiste beseelt, Wiffen, Erkenntniß und Gottesfurcht zu verbreiten. Sie hofften, daß das Gute und Wahre sich Bahn brechen würde, daß einst Enkel die Früchte genießen werden, die die Ahnen mit ihrem Blute erkauft. Größere Gemeinden sparten keine Opfer und richteten Jeschiwos, das heißt Hörsäle, für junge Leute ein, die lernen sollten bei den großen Meistern. Mag auch der Unterricht damals einseitig gewesen sein, ein ideales Streben, ein Wissensdurst wohnte in Allen. Nicht die Hoffnung auf Gewinn und Erwerb ließ sie studiren, sondern ein ideales Bedürfniß zwang sie zum Lernen. So widmeten sich die Söhne der Meisten bis zum zwanzigsten Jahre dem Studium des Talmuds, gleichviel welchem Berufe sie sich wählten. In Mähren, Ungarn, Böhmen, ebenso in Preußen und Polen gab es solche Jeschiwos und viele Schüler strömten zusammen. Die Armen wurden unterstützt mit Kosttischen und freien Wohnungen und Jeder machte es sich zur besonderen Ehre, einen solchen Jünger im Hause zu haben. Die jungen Leute waren dann gewöhnlich die Prnvailehrer der Kinder des Hauses, denen sie die Anfangsgründe beibrachten. Freilich waren diese Lehrstunden nicht ganz in regelrecht pädagogischer Weise abgehalten und der Stock spielte nicht selten die Hauptrolle, wenn das kleine Hirn des Lernenden etwas nicht fassen konnte, dennoch gingen ganz ungewöhnlich viel geistig hochbegabte Kinder aus diesen kleinen störrigen Burschen hervor. Mit dreizehn Jahren waren meist ihre Köpfe im Denken bis auf die äußerste Stufe gebracht, ihr Körper litt darunter. Aber eine seltene Energie, einen Drang nach Wiffen, einen festen Willen nahmen sie Alle mit in's Leben hinaus. Die Schüler in den Jeschiwos nannte man nicht nach ihren Familien-, sondern nach den Namen ihres Geburtsortes. So zum Beispiel gab es da „den Leipniker, den Mikolafcher, den Boskowitzer" und Andere. Trotz der Zurücksetzung nach Außen waren es glückliche Jahre, die die Kinder und Jünglinge in Gemeinschaft verbrachten und

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