Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 8 (21.2.1896)
- Date
- 1896-02-21
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3020846-3021115-3021124--05371-3029603- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 8 Dr. Vloch's Wochenschrift. Seite 161 wäre dieser Ort für Rüben-,, sowohl als Rohrzuckerfabrikation ausgezeichnet und in unmittelbarer Nähe der Baron Eduard äs Rothschild'schen Felder und auch an unserer Colonie, die viele für Zuckerpflanzen geeignete Gründe besitzt. Auch für eine Papierfabrik wäre meine Erachtens ein ausgiebiges Feld hier und gibt es schon übergenug Lumpen im heiligen Lande, die zu verarbeiten ein großes Verdienst wäre. Sollten meine Vorschläge irgend welchen Anklang finden, so ist zu ferneren Aufschlüssen gerne bereit, seinem Volke und Lande stets ergebenster Diener Simon Stampfer. Vermischtes. ' Wien. Samstag den 22. Februar 1896. Abends 7,8 Uhr findet im Restaurant Khuner I., Schottenring Nr. 19 die Vereinsversammlung der Oesterreichisch-Jsraelitischen Union statt. Tagesordnung: 1. Mittheilungen des Vorstandes. 2. Besprechung der bevorstehenden Gemeinderathswahlen. 3. Anträge und Interpellationen. Wien. Fräulein Helene Bauer, Tochter des Herrn Obercantors Jacob Bauer hat sich mitHerrn Rabbiner, Dr. Isidor Kahan verlobt. Wien. Die akademische Verbindung „H a sm o n a e a" veranstaltete Sam'tag den 8. d.. M. im Saale der jüdischen Volfsschule einen Vortragsabend, bei welchem das Mitglied der Verbindung staä. zur. Benjamin Ebner über „d i e P a l ä st i n a i d e e" sprach. In der eingehendsten Weise entwickelte der Vortragende die sociale Lage ick sst das beispiellose wirthschastliche Elend der Juden, entwarf ein klares Bild über die Ursachen des immer mehr und mehr zunehmenden jüdischen Proletariats, löste die Phrase vom sogenannten „jüdischen Reichthum" in ihr Nichts auf und besprach dann als Mittel zur Besserung die Colonisationsidee im Allgemeinen und die Colonisation Palästinas im Besonderen. Den äußerst treffenden Nachweis über die einzig zweckdienliche und heilversprechende C o l o n i s a t i o n Palästinas im Gegensätze zu der Argentiniens und Nordamerikas lohnte die zahlreich erschienene Zuhörerschaft mit vollem wohlverdienten Beifall. Wien. Der nächste literarische Nachmittag des literarischen Geselligkeitsvereines jüdischer Mädchen „Moria" findet am 23. d. M., 3 Uhr Nachmittags, I., Schottenring 23, statt. Bortrag. „Die sociale Stellung der jüdischen Mädchen." Gäste (Damen) herzlich willkommen. Anläßlich des Purimsestes veranstaltet der Verein am 29. d. M. ein Costümekränzchen. Wien. Der Frauen-Wohlthätigkeitsverein im Ml. Bezirke veranstaltete am 16. d. M. im Ronacher-Ballsaale ein Elite-Kränzchen, das von der besten Gesellschaft besucht war und einen glänzenden Verlauf nahm. Das Comitß, an dessen Spitze Herr Victor Fuchsbalg, Herr Emil Storch und Herr Isidor Bernfeld standen, kann mit dem Erfolge zufrieden sein, denn das Fest war sehr animirt und wurde mit einer Tanzwuth bis zum grauen Morgen getanzt. — Den Ball eröffneten Fräulein Gisela Beck mit Herrn Dr. Kamilaar, Fräulein Jda Guttmann mit Herrn Weil, Herr Ritter mit Fräulein Brod rc. Um den Blumenverkauf erwarben sich besondere Verdienste Frau Pentlar, Frau Hermine Bernfeld, Frau Johanna Beck, sowie Fräulein Lehr, welche Damen durch ihre Liebenswürdigkeit ein bedeutendes, materielles Erträgniß erzielten. Die bekannte Präsidentin Frau Amalie Beck kann mit dem Erfolge sehr zufrieden sein. Wien. („R udolfsbun d".) Samstag den 15. Februar fand in Bruder Abel's Hotel „Central" das diesjährige Costumefest dieses humanitären Geselligkeits-Vereines statt, welches sich, wie der Besuch des Abends zeigte, einer immer wachsenden Beliebtheit erfreut. Die Musik besorgte die Capelle des Infanterie-Regimentes Nr. 61.' Das Tanz-Arrangement lag in den bewährten Händen der Herren Julius Singer und Gottfried Weiß. Das junge Damen- und junge Herren- Comitß bot bei Eröffnung des Tanzes einen prächtigen Anblick. Die Cotillonquadrille wurde von 120 Paaren getanzt. Die Damenspenden fanden allgemeinen Beifall. Das Reinerträgniß dürfte dem Kinderbekleidungsfoade einen namhaften Betrag zuführen, was diesem Vereine, der die Humanität auf sein Panier geschrieben hat, nur zu ^wünschen ist. Am 21. März d. I. veranstaltet dieser Verein eine streng gechlossene M a s k e n - R e d o u t e und sind die Karten nur auf Namen lautend bei dem Obmann Herrn Josef Pollak, Armenrath und Waisenvater, II., Ferdinandsstraße Nr. 30, sowie bei sämmtlichen Ausschuß- und Comitsmitgliedern erhältlich. Wien. Der humanitäre Gefelligksits-Ctub „Flotte Geister" veranstaltet Donnerstag den 5. März im neuen Prachtsaale des Hotel „Englischer Hof" sein Vll. geschlossenes Costümkränzchen, dessen Reinerträgniß zur Bekleidung armer jüdischer Schulkinder verwendet wird. Wien, 15. Februar. Sehr geehrter Herr Redacteur! In Folge vielseitiger Anfragen und um weiteren Verwechslungen für die Zukunft zu begegnen, ersuche ich Sie freundlichst, in Ihrem geschätzten Blatte zu constatiren, daß als Bertheidiger des Herrn Pfarrers Deck.'rt.Hof- und Gerichts-Advocat Dr. Max Ant o n Loew, I., Führichgasse 10. fungirt hat, während ich, Dr. Julius Loew, feit fast 20 Jahren meine Kanzlei: I., Wollzeile Nr. 3 besitze. Hochachtungsvoll Julius Loew, Hof- und Gerichts-Advocat, 1., Wollzeile Nr. 3. Wien. Bon dem Tempelbav Comite für den X. Gemeindebezirk Favoriten in Wien erhalten wir eine Zuschrift, welche mit großer Anerkennung des Wirkens gedenkt, welches Herr G. Bettelheim, Präsident des Tempelvereines im IX. Bezirk, im Executivcomite für Favoriten entfaltet. Sein fachmännisches Wissen und seine Erfahrungen haben viel beigetragen, zu einer guten Wahl des Bauobjectes, zu einer günstigen Vergebung der einzelnen Arbeiten. Auß rdem unterstützt er den Verein aus eigenen Mitteln und spendete 2 prächtige Candelaber, wofür ihm der Dank ausgesprochen wird. Trieft. ConsulJoseph M o rp u r g o. belgischer Generalconsul, Berwaltungsrath hervorragender industrieller Etablissements und Präsident zahlreicher Wohlthätigkeitsanstalten, feierte dieser Tage in Triest in vollster körperlicher und geistiger Frische seinen 80. Geburtstag, bei welcher Gelegenheit dem verdienten Manne, dessen Wirksamkeit auf dem Gebiete der Philantropie die allgemeine Anerkennung findet, die herzlichsten Beweise der Werthschätzung entgegengebracht wurden, woran sich die officiellen Kreise Triests, sowie alle Classen der Bevölkerung betheiligten. „Herr Schreier, der Antisemit." Unter diesem Titel erschien soeben (Leipzig, Lithogr. Anstalt) eine kleine Dichtung mit Illustrationen von S. W a l t h e r, in welche einehumoristischsatyrische Würdigung des Antisemitismus geboten wird, der in Herrn Schreier verkörpert erscheint. Das witzige Büchlein verdient gelesen und gekauft zu werden. Kostet, den 16- Februar 1896. Mil Wehmuth verzeichnen wir die traurige Nachricht, daß unser braver Volksschullehrer. Herr Moritz Steiner, s. A., in der Nacht des 11. d. M. seinem langwierigen schweren Leiden endlich erlegen ist. Am 13. d. M. haben wir den noch nicht 42jährigen zur ewigen Ruhe bestattet. Ueberaus ergreifend wirkte auf die Zuhörer der Nachruf unseres Herrn Rabbiners Dr. Mandl. So insbesondere die Bitte an die Anwesenden, das Elend der gebeugten Witwe und der vier unversorgten Kinder durch eine Sammlung thnnlichst zu mildern, welche Bitte zu dem schönen Resultate von nahezu 200 Gulden führte. Dankbarst sei schließlich hervorgehoben, wie edelhevzig Herr Landtagsabgeordneter und Bürgermeister Schleymeyer aus Auspitz des armen Verstorbenen sich annahm, indem es nur seiner humanen Verwendung znzuschreiben ist. daß dem Verblichenen eine Erhöhung von 100 fl. seitens des hohen mährischen Landtages bewilligt wuroe. Totis. Am 13. Februar l. I. hielt in der hiesigen Synagoge Herr Rabbiner Dr. A. Tänzer vor einem dichtgedrängten Herren- und Damenpublicum, zu dem die ersten Honoratioren der Stadt gehörten, die Chewra-Kadischa-Festpredigt, die mit stürmischem Beifalle ausgenommen wurde. Troppau. Der Herr Gerichtsadjunct Dr. Eckstein wurde zum Rathssecretär befördert, eine Auszeichnung, die mit allgemeiner Befriedigung ausgenommen wird. Lemberg. Die Versuche, in Angelegenheit des Statutenentwurfes eine Einigung der Parteien herbeizuführen, find leider gescheitert. Das Statut wurde der Statthalterei zur Genehmigung vorgelegt und ein Protest mit 5000 Unterschriften wurde von dem Activcomite der Gemeindemilglieder der Regierung vorgelegt. Dieser Zwist ist recht bedauerlich und verursacht viele Aufregung. J. H. Lemberg, 16. Februar. Bei der heute stattgefundenen XXI. Generalversammlung der ersten jüdischen Volksküche wurde zum Präsidenten Herr Jacob Stroh, zum'.Schriftführer Herr Julius Hochfeld, zu Depositeure Herr Salomon Buber und David Maschler, und als Ausschußmitglieder Dr. Wilhelm Holzer, Dr. Maximilian Sokal, Leo Rosenfeld, Elias Stroh, Jonas Beifer, Jacob Berger, M. S. Goldbaum und Isidor Jmerdauer gewählt. Nach dem von Herrn Jacob Stroh vorgelegien Rechenschaftsberichte wurden im Jahre 1895 an arme Studenten und verschämte Arme ohne Unterschied der Confession circa 31.000 Portionen vertheilt. Als erfreuliches Zeichen, daß es in Galizien auch tolerante Christen gibt, denen das Wohl der Menschen ohne Unterschied der Confession am Herzen liegt, wurde bei der heutigen Generalversammlung die Mittheilung gemacht, daß die verstorbene Gräfin Nezibatowska für die 1. jüdische Volksküche beim hiesigen Landesausschuß deponirte fl. 5000 (fünftausend Gulden) testirt hat