Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 8 (21.2.1896)
- Date
- 1896-02-21
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 160 Dr. Bloch's Wochenschrift. Nr. 8 Unterweisung vorhanden sei, müsse man darnach trachten, dasselbe zu befriedigen. Für unsere Frauen und Kinder, die nicht mehr der hebräischen Sprache mächtig sind, seien synagogale Einrichtungen' nothwendig, die für dieselben eine Theilnahme am Gottesdienst ermöglichen. Was nun die Aufgaben anbelange, die in nächster Zeit der Erledigung harren, so stehe die Rabbinerwahl im Vordergrund des Interesses. Als nothwendig bezeichnet Redner die Wahl eines Rabbiners, der seiner religiösen Richtung nach keinem Extreme huldige, dabei bei hervorragendem religiösen und profanen Wissen über eine reiche rhetorische Begabung verfüge. Die Wiedervereinigung der Reformgemeinde mit der Hauptgemeinde sei eine zweite, schon in nächster Zeit zu erledigende Frage. Die Gemeinde müsse Raum sür alle religiösen Richtungen haben, und darum hoffe er, daß sie auch der Reform ihr Recht werde angedeihen lassen. Ja, er sei überzeugt, daß mit der Zeit auch die orthodoxe Separatgemeinde wieder in den Schoß der Hauptgemeinde zurückkehren werde. Hieraus erfolgte in der üblichen Form die Verpflichtung der neugewählten Repräsentanten durch Handschlag an Eidesstatt. Herr Löwenberg übernahm sodann als Alterspräsident den Vorsitz, um die W a h l e n zu leiten. Zum ersten Vorsitzenden wurde wiederum einstimmig Herr Landsberger gewählt, zum ersten Stellvertreter Justizrath Dr. T i k t i n, zum zweiten Stellvertreter Herr G. Löwenberg, zu m ersten Schriftführer Geheimrath M a r c u s e, zum zweiten S christführer Herr S. Leichtentritt. Zu Mitgliedern des Ausschusses für Steuer-, Etats- und Rechnungswesen wurden gewählt: die Herren Josepb^Fränkel, G. Löwenberg, M. Manheimer, Geheimer SaniMsrath Dr. Marcuse, Leonhard Sachs, Louis Sachs, L. Sieskind, Martin Simon, Stadtrath Dr. Weigert. Zu Mitgliedern des Ausschusses sür Revisionsangelegenheiten: die Herren Professor Dr. Baginsky, I. Bodenstein, Sanitätsrath Dr. Jastrowitz, S. Leichtentritt, Rudolf Mosse, I. Oppenheim, Leonhard Sachs, L. Sieskind, M. Simon. Zu Mitgliedern des Ausschusses für allgemeine Angelegenheiten: die Herren Sanitätsrath Dr. Blumenthal, I. Bodenstein, Geheimer SanitätsrathDr.Kirstein,ProfessorDr.L.LeWin, Geheimer Sanitätsrath Dr.Marcuse,Rudolf Masse,I.Oppenheim Leonhard Sachs, Geheimer Medicinalrath Professor Dr. Senator, Justizrath Dr. Tiktin. Zu Mitgliedern des Petitions- Ausschusses: die Herren Professor Dr. Baginsky, Sanitätsrath Dr. Blumenthal, Geheimer Sanitätsrath Dr. Kirstein, G. Löwenberg, Stadtrath Dr. Weigert. Ferner zum Mitgliede der Sch ätzungscommission an Stelle des Herrn Heilmann, Herr Löwenberg, zum Mitgliede des Curatoriums des Reichenheim'schen Waisenhauses an Stelle des Herrn Dr. Boas Herr Dr. Marcuse, zum Mitgliede der Baucommission an Stelle des Herrn Löwe Herr Leichtentritt, zum Mitgliede der Commission für Festgottesdienste an Stelle des Herrn Dr. Boas Herr Dr. Kirstein, zu Mitgliedern der Commission zur B eschaffung des Kofcherfleisches an Stelle des Herrn Heilmann die Herren Bodenstein und Sieskind, zu Mitgliedern der Commiffion zur Subventionirungvon Religionsvereinen an Stelle des Herrn Heilmann sowie des aus diesem Amte ausscheidenden Herrn Manheimer die Herren Sanitätsrath Dr. Jastrowitz und Professor Dr. Lewin. Damit war die Tagesordnung der ersten Repräsentantensitzung in diesem Jahre erledigt. Berlin, 11. Februar. Gestern Abend fand die fünfte der „M ontagsvorlesungen" im Saale der Gesellschaft der Freunde statt. Herr Dr. N. S a m t e r sprach über „Judenthum und Griechenthum". Der interessante und geistvolle Vortrag wurde von dem zahlreich versammelten Publicum mit lebhaftem Beifall ausgenommen. Der Vortragende führte etwa Folgendes aus: Juden und Griechen sind diejenigen Völker, welchen die Menschheit am meisten verdankt; erstere haben der Welt den Monotheismus, letztere Kunst und Wissenschaft gegeben. Die Juden haben eifr gst die „griechische Weisheit" ausgenommen, aber sie mußten bald die Erfahrung machen, daß dieselbe gar oft dem väterlichen Glauben gefährlich werde. Nach dem Eintreten in das moderne Culturleben zeigte sich dieser Conflict zwischen Glauben und Wissenschaft von Neuem. Gegenwärtig sind gerade unter dem Höchstgebildeten Viele mit dem Judenthum zerfallen. Gleichwohl brauchen wir das Licht der Wiffenschaft nicht zu scheuen, denn selbst hervorragende Männer der Wiffenschaft, welche nicht unserer Glaubensgemeinschaft angehören, bezeugen, daß die Grunddogmen und Morallehren des Judenthums der Prüfung des kritischen Verstandes Stand halten. London. Es wird in den weitesten Kreisen mit Befriedigung vernommen werden, daß Mr. Solomon, I. Solomon in der letzten Sitzung der königlichen Akademie zum Mitgliede der Akademie ernannt wurde. Solomon, 1860 in Southwarth geboren, studirte an der Schule der königlichen Akademie; später erhielt er durch die Güte Prinz Luci'en Bonaparte's eine Empfehlung an Cabanel in Paris, der ihn in sein Atelier aufnahm und von großem Einfluß auf seine Arbeiten wurde. Solomon ging dann nach München, nach Italien, Holland, Spanien und Marokko. Er hat jedes Jahr in der königlichen Akademie ausgestellt; unter seinen Bildern sind besonders hervorzuheben: „Ruth und Naomi", „C a s s a n d r a", „N tobe" (für die er vom Salon 1889 eine Medaille erhielt), „Auf Ihre Gesundheit." (Londoner Berühmtheiten beim Diner.) Besucher der letzten internationalen Kunstausstellung im Künstlerhause werden sich mit Vergnügen des letztgenannten ausgezeichneten Bildes erinnern, das hier gleiches Aufsehen wie in London erregte. Bukarest. (Jubiläum einer österreichischen Famit»ie in Rumänien.) Fast sämmtliche rumänische Zeitungen bringen dieNachricht von der am 19. Februar abzuhaltenden Feier der goldenen Hochzeit des sehr angesehenen und geachteten Rabbiners Aroner Kaßvan zu Rimnic Sarat. Dieses Jubelpaar hat trotz seinem sehr langen Aufenthalte in Rumänien genügende Beweise seiner Sympathie sür Oesterreich in reichem Maße geliefert^ Im Jahre 1866 als die Cholera in seiner Gemeinde Braila verheerend gewütbet und Rabbiner Kaßvan Nächte hindurch am Lager der Cholerakranken geweilt, wo er diesen Trost und Linderung angedeihen ließ, ivar er dennoch des Tages nicht müde, um gemeinsam mit dem Vice-Consul Hans Wenz Sammlungen für die verwundeten Krieger Oesterreichs zu veranstalten. Auch wirkte er mit seinem Rednertalente auf die kriegsfähigen Söhne seiner österreichischen Glaubensgenossen, daß von diesen manche freiwillig in den Krieg zogen. Auch seine Gefährtin Judith hat gemeinsam mit der damals in Braila lebenden Philantropin Louise Löwenthal Leinen gesammelt und in der Nacht zu Charpie zerzupft, wonach diese durch das Cousulat in die österreichischen Militärspitäler befördert wurde. — Die „Egalitatea" schreibt über das Jubiläum Folgendes: Am 7. Februar (a. S.) feiert Rabbiner Aron Kaßvan und Frau das Fest der goldenen Hochzeit. Diese Nachricht ragt weit über den Kreis der Familie Kaßvan hinaus, da Rabbiner Kaßvan einer der berühmtesten Männer ist, der durch seine Wissenschaft, oratorische und schriftstellerische Gabe und insbesondere durch seine Großmuth emporragt. Seit 35 Jahren bekleidet er in vier Gemeinden unseres Landes das Nabbinatsamt, wo er als Freund des Friedens während der Zeit nur Freunde sich erworben. Mit dem Aufgebot aller seiner Kräfte hat er, jede fortschrittliche Bewegung unterstützend, in allen seinen Gemeinden Schulen nach dem neuesten Zeitgeiste errichtet und gefördert. Als (orthodoxer) Rabbiner hat er es in seinem rabbinischen Wissen zu einer Autorität gebracht, so daß seine College», selbst vom Auslande, sein Urtheil über schwerwiegende Fragen sich erbeten und dasselbe als maßgebend anzusehen würdigen. Als Seelsorger war das Leid seiner Glaubensbrüder stets das seinige gewesen und mit aller Energie hat er an jeder Bewegung zur Aushilfe seiner unterdrückten Glaubensgenossen in friedliebender Weise theilgenommen. Die Gemeinde Rimnic Sarat kann stolz sein, einen solchen Mann in ihrer Mitte zu haben, der trotz seines Alters und seiner Orthodoxie an sich nicht den Stempel des Alterthums trägtmit jugendlicher Frische vielmehr für den Fortschritt lebt und strebt. Rabbiner Kaßvan ist zu Sniatyn, seine Frau in Tlumacz (Galizien) geboren, wo auch am 19. Februar 1846 das Ehebündniß geschlossen wurde. Colonie Petach Tiktvah, 1. Februar. Hochgeehrter Herr Redacteur! Die schmählichen Wiener Zustände veranlaßten mich, im Interesse Eines oder des Andern, der vielleicht Kopf und Herz unserer einstigen Heimat zuwenden möchte, um hier fern vom Weltgetümmel, eine unter den arischen Völkern fast unmöglich gewordene Ruhestätte zu finden, gründlich Umschau zu halten, und ich verabredete mit dem mächtigsten und einflußreichsten, auch bei der kaiserlichen ottomanischen Regierung hochangesehenen Scheich, der Besitzer des Audjehflusses längs der Grenze unserer schon feit 1878 bestehenden Ansiedlung, ist, daß er die riesigen Wasserkräfte dieses zweitgrößten Flußes in Palästina, der auch viele Wassermühlen treibt, einer oder mehreren Industrie-Unternehmungen zur Verfügung stellen möchte, worauf er nicht nur auf's bereitwilligste eingehen wM, sondern er will auch seine ausgedehnten Gebäude, wenn nöthig, dazu hergeben und verpflichtet sich auch insbesondere für eine Zuckerfabrik, ein für Palästina und Syrien ausschließliches Privilegium zu erwirken, und auch die zollfreie Einführung sämmtlicher Maschinen rc. zu besorgen und