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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-02-21 · 8 (21.2.1896) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
8 (21.2.1896)
Date
1896-02-21
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 168 Nr. 8 Dr. Vloch's Woi* rnfchrift Es ist \ ies auch ein kleiner Beitrag zur Lharakterisirung der jetzigen Zustände. Wegen der Belästigung meiner Zeilen um Entschuldigung bittend, zeichne ich Hochachtungsvoll: Adolf Pollak VI., Windmühlgasse 3. Mährisch-Trübau. (Ein mysteriöser Fall.) Unter diesem Titelbrachte das „Deutsche Volksblatt" am 13. d. M. eine Correspondenz aus Mährisch-Trübau, in welcher ein Langes und Breites über die Anzeige der bei dem hiesigen jüdischen Tandler Moriz Möller bedienstet gewesenen Mädchen Emilie Schwab und Sophie Nemlouvil, daß ihnen bei Möller Blut abgezapft worden sei, erzählt wird. Ich berichte Ihnen über die Angelegenheit in vollkommen objectiver Weise nach den Ergebnissen, welche die bisherige gerichtliche Untersuchung zu Tage gefördert hat und aus welchen zu ersehen ist, daß die ganze Sache, wenn nicht böswillige Anstiftung dabei im Spiele ist, auf einem blöden Geschwätz beruht. Die Emilie Schwab gab bei ihrer protokollarischen Einvernahme an. daß sie seit 1. October v. I. bei Herrn Möller im Dienste sei. Bei ihrem Eintritte war daselbst auch eine gewisse Philomene Waclavek bedienstet, die mit ihr bis 1. November, an welchem Tage sie austrat, zusammen diente. Die Schwab deponirte nun, daß sie 14 Tage nach ihrem Eintritte eines Morgens Mattigkeit in den Gliedern verspürte und am Arme drei Stiche, anscheinend von einer stärkeren Nähnadel herrührend, bemerkte. Ihre Genossin Philomene, bei der sich angeblich dieselben Erscheinungen zeigten, sagte ihr, das komme daher, weil Herr Möller den Mädchen Blut nehme. Ihr (der Waclavek) sei das früher öfters schon geschehen und sie gehe deshalb aus dem Dienste. Nach dem Austritte der Waclavek kam ein zweites Mädchen, namens Sophie Nemlouvil. Acht Tage vor Weihnachten habe diese sowie auch sie selbst (die Schwab) wieder Stiche, und zwar die Nemlouvil unter dem Kniegelenke, gehabt. Ein drittes Mal sei dieselbe Erscheinung vor 14 Tagen bei Beiden aufgetreten. Die Sophie Nemlouvil sagte gleichlautend aus. Beide erklären, sie seien niemals erwacht, als ihnen die Stiche beigebracht wurden, es haben sich Blutspuren weder am Leibe, noch am Hemde, noch an der Bettwäsche vorgefunden. Sie schlafen in einem Bette, gehen immer gleichzeitig zur Ruhe, haben niemals Herrn Möller in der Nacht im Zimmer gesehen. Beide erklären, selbst keinen Grund zu der Behauptungzu haben, daß ihnen Möller Blut nehme, und stützen dieseBermuthungnur auf die Mittheilung des früheren Mädchens. Befragt, ob sie beschwören könnten, daß ihnen Möller Blut nehme, verneinten sie e s. Befragt, warum sie den Dienst nicht verlassen, obwohl ihnen der Arzt Dr. Czerny dies gerathen, erklärte die Eine, es gehe ihr sonst ganz gut. während die Andere gar keinen Grund angeben konnte. Thatsächlich waren dieselben im Haute, bis Herr Möller sie wegschickte. Vorher ließ er sie vom Stadtarzte Dr. Tichtl untersuchen, welcher constatirte, daß sich weder Wunden noch Narben vorfinden. Im Uebrigen sehen die Mädchen blühend aus. Für die Annahme einer Blutabzapfung fehlt demnach jeder Untergrund und das Bezirksgericht ist thatsächlich in Verlegenheit, unter welchem Namen es den Act der Staatsanwaltschaft übermitteln soll. Mit der Führung der Untersuchung wurde der getaufte Jude, Bezirksgericht Ädjunct Dr. Fritz Eisler betraut. Sofort, nachdem dies bekannt geworden war, begab sich der Vorsteher des israelitischen Cultusvereines, Herr Julius A b e l e s , zum Leiter des Bezirksgerichtes, Herrn Landesgerichtsrath Makos sky. mit dem Ersuchen, die Erhebungen a"deren Händen anzuvertrauen, da zu befürchten stehe, daß. wenn die Untersuchung gegen Möller, wie nicht anders zu erwarten, die Grundlosigkeit der Beschuldigung vorweisen wird, unsere Gegner sagen werden, das war vorauszusehen, da ein getaufter Jude die Untersuchung führte. Diesem Wunsche wurde nicht willfahrt, da Herr Dr. Eisler erklärte, es als eine Beleidigung ansehen zu müssen, wenn ihm diese Untersuchung abgenommen würde. Jme Befürchtung hat sich inzwischen als gerechtfertigt erwiesen, da die ^Ostdeutsche Rundschau" bereits in diesem Sinne eine Mittheilung brachte. — Zu der Erhebung einer Anklage gegen Möller dürfte es nicht kommen, da absolut jedes Substrat zu einer solchen fehlt, wohl aber werden die Mädchen wegen Verleumdung an geklagt werden. Budapest. W.—sen. Endlich hat einmal der „Beglücker des christlichen Volkes in Wien", Dr. Lueger die Wahrheit gesprochen, als er im niederösterreichischen Landtage die Worte ausrief: „Es muß Jedem, der nur halbwegs österreichisch gesinnt ist, die Schamröthe ins Gesicht steigen, wenn er über die Zustände in Ungarn spricht!" DieHerren Lueger und Genossen selbst habei allerdings längst das Ecröthen erlernt und ihre wahrhaft österreichische Gesinnung ist in der letzten Zeit durch mehrfache Vorfälle in sehr eigenthümlicher Weise illustrirt worden. Aber wer sein Oesterreicherthum nicht nach dem ihm von der antisemitischen Hetzbande vorgezeichneten Muster auffaßt, dem muß ein Vergleich zwischen den Zuständen, wie sie in unserer und in der österreichischen Reichshälfte herrschen, wirklich die Röthe der Scham in's Gesicht jagen. Gestatten Sie mir eine kleine Gegenüberstellung! Am 8. d. M. brachte das „Deutsche Volksblatt" zwei Gerichtsverhandlungen. In der einen wurde die Schlossersgattin Marie P e l a s ch e k zu drei Wochen strengen Arrestes verurtheilt, weil sie sich im Privatgespräche geäußert hatte: „Einen solchen Pfaffen möchte ich mir nehmen!" In der anderen wurde der Kellner Alois Fleischhacker, der auf der Straße gerufen hatte: „Die Hebräer müssen vernichtet werden!" — freigespr o ch en. Bei uns in Budapest, ii: der Residenz der „Asiaten", hatten wir vor 14 Tagen eine Gerichtsverhandlung von großem Interesse. Ein Hetzcaplan, Namens Josef Kn e z i c s, hetzte durch Brandreden gegen die Juden und die kirchenpolitischen Gesetze. Da ihm die Polizei auf den Fersen war, berief er nach Deckert'schem Muster seine Anhänger in die Kirche und setzte dort seine Hetzereien fort. Er wurde sofort wegen Religionsstörung angeklagt. In der Verhandlung fragte ihn der Präsident: „Haben Sie, Angeklagter, schon je einen Geistlichen in der Kirche so sprechen gehört? In der Kirche soll man beten!" Darauf erwiderte der Herr Caplan de- und wehmüthig: „Ich werde, löblicher Gerichtshof, in Zukunft die kirchlichen und weltlichen Gesetze in gleichem Maße respectiren." Das U rtheil lautete auf sechs Monate Gefängniß und 250 fl. Geldstrafe. DieseSentenz erschien jedoch dem Staatsanwalte — man höre: dem Staatsanwalte! — zu milde und er — appellirte! So wird bei uns, im Reiche der „Asiaten", Recht und Gesetz gehandhabt. Ungarn ist thatsächlich ein Rechtsstaat, und dieser Zustand ist wirklich geeignet, unsere Brüder jenseits der Leitha schamroth zu machen, aber nicht über die Verhältnisse in Ungarn, sondern über jene ln Oesterreich. Budapest, 14. Februar 1896. (Eine neue Cultusgemeinde) hat sich hier unter dem Namen „Pester israelitische Status gaa-Gemeinde" gegründet. Dieselbe hielt am l2. d. M. ihre constituirende Generalversammlung ab. Bon den 450 Anhängern respective Mitgliedern dieser Gemeindewohnten etwa 220 bis 230 der Versammlung bei. Nach der Rede des Vorsitzenden Moritz Witz gelangte der aus 36 Paragraphen bestehende Statuten-Entwurf zur Vorlesung, welcher en bloe angenommen wurde. Bei der hierauf stattgefuudenen Wahl wurde Moritz Witz zum Präsidenten, Samuel Kramer zum Vicepräsidenten, Julius Steinitz zum Controlor gewählt. In den Ausschuß wurden zehn Mitglieder gewählt. Prag. (Isr a e l.M a t r i k en f ü h r u n g ) Bon der Statt- Halterei wurden mit der Matrikenführung für die Sprengel der betreffenden israelitischen Cultusgemeinden betraut die Herren Rabbiner I. Singer für Deutschbrod, Rabbiner und Religionslehrer Leopold Brandeis für JungwoLitz, Rabbiner Siegmund Fischel für Neugedein, Rabbiner und geprüfter Bürgerschul, lehrer Albert Munk für Tuöap. Widmung von 20.000 Gulden für eine Brautausstattungs-Stiftung. In Laun begingen diese Woche der Privatier und frühere Oeconom Herr Joseph Glaser mit seiner Gattin das seltene Fest ihres vor 50 Jahren geschlossenen Ehebundes. Aus diesem Anlasse hat das Ehepaar eine Brautausstattungs-Stiftung gegründet, zu welcher es 10.000 fl. widmete, während die Verwandten hiezu weitere 10.000 fl. beisteuerten. Die eigentliche Fei>.r fand in Prag im Restaurant Robitschek statt; Herr Dr. Eduard Bacher, Chefredakteur der

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