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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-02-21 · 8 (21.2.1896) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
8 (21.2.1896)
Date
1896-02-21
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 156 Dr. Bloch's Wochenfchrifi Nr. 8 Clienten gewesen. Nun hätte ich gemeint, es werde jeder Liberale, wenn er sonst nicht an grenzenloser Gedächtnißschwäche leiden sollte, der antisemitischen Horde zurufen: ..Euer Führer Lueger hat wie sich dies in dem Procefse Lueger-Scharf ergab, die berüchtigsten Wucherer von Wien vertreten! Welchen Titel verdient nun er dafür?" Die Liberalen schwiegen und ließen Gregorig ungestört und ungehindert einen der ihrigen beleidigen. . . Dieselbe Geistesgegenwart bekundeten sie, als seitens der Antisemiten die freche Pauschalinsulte gegen die jüdischen Aerzte geschleudert wurde, sie taugten nicht zu Irrenärzten, weil sie nicht human wären. Es fiel keinem ein, die Verleumder dadurch verstummen zu machen, daß sie an den Proceß gegen die Alexianer erinnert hätten, der doch vor Kurzem erst stattgefunden und welcher grauenhafte Enthüllungen über die Praxis in einer Irrenanstalt brachte, in der ausschließlich Geistliche wirken. Wenn die Liberalen im Kampfe eine solche Geistesgegenwart und Schlagfertigkeit bekunden, dann sind wahrlich die Siege der — Antisemiten nur zu begreiflich. Heute mir, morgen Dir! Der jüdische Arbeiterführer Dr. Ellenbogen gab jüngst seiner Freude darüber Ausdruck, daß die Antisemiten die liberale Partei erschlagen haben. Nach Dr. Ellenbogen werden Andere kommen, die sich darüber freuen werden, wenn die Antisemiten vor der jüdischen Socialdemokratie nicht Halt gemacht und auch dieser den Todesstoß versetzt haben werden. Es ist die alte Geschichte von dem Ehepaar, das sich gegenseitig mit dem Hausrath oder auch Hausunrath bewirft: „Treff ich mein Weib, freu' ich mich, trifft mein Weib mich, freut sie sich, so leben wir in lauter Freuden!" Juden und Junker. In der Sitzung des niederösterreichischen Landtages vom 13. d. M. riefen die antisemitischen Abgeordneten dem Baron Pirquet, als derselbe Herrn Lueger mit einem Zwischenrufe entgegentrat, zu: „Hinaus mit den Großgrundbesitzern!" „Ihr Judenstämmlinge!" „Das Volk wird Euch Alle hinauswerfen!" — Man weiß, wie das Junkerthum bei uns und anderwärts die antisemitische Bewegung geduldet und gefördert hat, um den socialen Haß von sich auf den alten, weltgeschichtlichen Sündenbock, das Judenthum, abzulenken. Aber es zeigt sich nun. daß der Liebe Müh' umsonst war. Bon den Judenhäusern greift die Flamme des Hasses schon hinüber auf die stolzen Paläste des Adels! Es war auch lächerlich, zu glauben, daß man dem Blitzstrahl eine Grenze setzen könne. Juden und Junker werden heute in einen Topf geworfen und die ahnenreichen Sprossen altarischer Geschlechter müssen sich den Schimpf in's Gesicht schleudern lassen, daß sie „Judenstämmlinge" seien. Das muß weh thun! Die Lehrer und die Staatsgrundgesetze. Im oberösterreichischen Landtage hat am 10. d. M. eine höchst beachtenswerthe Erörterung der Frage stattgefunden, wie sich Antisemitismus und Staatsgrundgesetze zu einander verhalten. Anlaß zu dieser Debatte gab der Antrag Dr. Beurle's, der Landtag möge sich dahin aussprechen, daß der bekannte Erlaß des Landesschulrathes vom November 1895, betreffend die Ausübung der allgemeinen staatsbürgerlichen Rechte seitens der Lehrer eine empfindliche Verletzung der staatsbürgerlichen Rechte bedeute und daher die Zurücknahme des Erlasses fordere. Der Statthalter gab im Laufe der Debatte eine Erklärung ab, die von umso größerer principieller Wichtigkeit ist, als sie klar, unzweideutig und von überzeugender Richtigkeit ist. Er sagte nämlich u. A., daß ein Lehrer, dem ein antisemitischer Wahlaufruf zur Unterschrift vorgelegt werde, sich erinnern müsse, „daß der Antisemitismus mit dem Geiste der Staatsgrundgesetze unverträglich sei." Diese Erklärung ist eigentlich eine selbstverständliche, aber ihre Wirkung wird dadurch erhöht, daß man bei uns in Oesterreich von der Regierungsbank aus niemals dasjenige hört, was selbstverständlich ist. Die Staatsgrundgesetze basiren auf der Rechtsgleichheit aller Staatsbürger, der Antisemitismus strebt die Aufhebung der Gleichberechtigung an, negirt die Bürgerrechte der Juden — kann es da noch einen Zweifel geben, daß zwischen den Staatsgrundgesetzen und dem Antisemitismus eine Kluft gähnt, die durch keine juristische Deutungskunst überbrückt werden kann? Die Erklärung des Statthalters läßt aber auch keinen Zweifel, daß das, was für den Lehrer gilt, auch für jeden Beamten, ja überhaupt jeden Bürger dieses Staates, der dem Gesetze treu ist, wichtig sein muß. Der Antisemitismus lebt nur von der Negation des Rechtes und des Gesetzes; er ist gewesen, wenn Recht und Gesetz zur Geltung gelangen. Nach Euren Thaten sollt Ihr gerichtet werden. Man citirt von Seite der Antisemiten so gerne gegen uns die Ausrottungsgebote, welche die Bibel gegen die Götzendiener enthält. Nun ist vor wenigen Tagen der Kellner Fleischhacker, der den Ruf: „die Hebräer müssen vernichtet werden", ausgestoßen hat, mit der Begründung freigesprochen worden, daß er diesen Satz nur bildlich gemeint ha. Es ist schwer, sich vorzustellen, wie diese „bildliche Vernichtung" der Juden vor sich gehen soll. Wenn aber der Ruf dieses Kellners nur bildlich gemeint war, um wie viel mehr müssen die erwähnten Ausrottungsgebote bildlich genommen werden, denn die Bibel pflegt sich meist bildlicher auszudrücken als Wiener Kellner. Man kann ja die Leute nie nach Worten beurtheilen, sondern nur nach Thaten. Es ist auch ein Gebot des Christenthums. „Nach Euren Thaten sollt Ihr gerichtet werden!" Was aber die Thaten betrifft, so steht fest, daß Niemand so viel Andersgläubige gemordet hat, wie der europäische Arier, während in Palästina Andersgläubige nicht behelligt wurden. Es steht daher den Antisemiten schlecht an, aus den Worten der Bibel einen Strick für die Juden zu drehen. Er kennt seine Pappenheimer. Aus einer Rede des Abgeordneten Dr. Lueger in der Landtagssitzung vom 13. d. M.: „Es wird ohnehin kein Jude angestellt; die geheimen Antisemiten werden dafür sorgen." Der Führer der christlichsocialen Bewegung kennt die Herren Weitlof und Consorten ganz genau. Diese Herren schwiegen zu diesem Peitschenhieb Lueger's, wie sie ja jeden Hohn während der ganzen Landtagsseffion ruhig über sich ergehen ließen. Wir wissen wohl warum! Antisemitische Verlogenheit. Nur frech lügen, es bleibt schon etwas hängen. Das ist zweifellos die Parole unter welcher alle antisemitischen Blätter segeln, mögen sie ansonsten sich untereinander noch so sehr bekämpfen. Da schreibt die „Ostdeutsche Rundschau" eine giftgeschwollene Notiz, in welcher die jüdischen Mediciner sammt und sonders beschimpft werden. Weshalb? Hofrath, Professor H o f m a n n hatte, nachdem er vorher wiederholt seine Schüler gebeten, wissenschaftliche, interessante Fälle nicht in den Tagesblättern ausschroten zu wollen, neulich eine Ansprache mit den Worten geschlossen: „Ich hätte es nie geglaubt und bedaure es, daß sich ein Mediciner soweit vergessen konnte, einiger Kreuzer wegen das Ansehen der Wissenschaft in Tagesblättern zu profaniren", woran er die Mahnung knüpfte, daß er sich auf's Entschiedenste die Wiederholung solcher Vorkommnisse verbiete. Die „Ostdeutsche Rundschau" ist sofort mit der Bemerkung bei der Hand, daß das bei den jüdischen 1 Hörern nichts nützen werde. Das Blatt thut nämlich so, als ob die Ausführungen des Professors H o fm ann auf die That eines jüdischen Mediciners sich bezögen. Das ist eine dreiste, freche Lüge. Wie wir auf Grund authentischer Informationen mittheilen können, war es vielmehr ein arischer, christlicher Student, der trotz der vorangegangenen Ermahnungen des Professors dem Drange, „ein paar Kreuzer zu verdienen", nicht widerstehen konnte, und wie die „Ostdeutsche Rundschau" so schön sagt, durch „seinen Geschäftsgeist die Wissenschaft beschmutzte". Wir glauben nun zwar auch, daß der antisemitische Geschäftsgeist, der einfach Alles, was unschön und gemein ist, den Juden in die Schuhe schiebt, die Wahrheit beschmutze, aber wir begreifen es, daß die antisemitischen Journalisten, wenn sie ihr Geschäft nicht überhaupt aufgeben wollen, auf diese Praktiken nicht verzichten können. Zoll-Defraudation. Die „U. D. W." schreiben : „Durch Zufall gelangt der Verfasser dieser Zeilen in den Besitz der Nr. 1 des „S t. Angela-Blattes" vom Jahre 1896. Da stehen nun theils sehr „auserbauliche Sachen" drinnen, theils aber auch Verlautbarungen. Auf Seite 6 sind einmal „Die vier großen Heiligthümer in Aachen". 1. Das Kleid (vielmehr Hemd) Mariens, 2. die Windeln des Jesuskindes, 3. das Tuch, in dem die Leiche Johannes des Täufers gelegen, 4. das Lendentuch Christi, beschrieben. Diese vier Gegenstände sind auf Seite 7 abgebildet. S e i t e 8. In der 127. Versammlung des „A p o st o l a 1 e s der christlichen Töchter bei der heiligen Ursula in Währing" beantlvortete ein Herr Canonicus eine Anzahl Fragen, darunter auch folgende: „18. Jst's erlaubt, etwas Steuerbares zu schwärzcn? (Ist nicht zu rathen.)"

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