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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-02-21 · 8 (21.2.1896) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
8 (21.2.1896)
Date
1896-02-21
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 8 Dr. BlorVs Wochenschrift Seite 147 Unsere ersten „IIusLilleäs" bauen nach einem von vornherein feststehenden Plan Straßen, Brücken, Bahnen, Telegraphen, reguliren die Flüsse, errichten sich selbst und unseren Beamten die ersten Heimstätten. Ihre Arbeit bringt den Verkehr, der Verkehr die Märkte, die Märkte locken neue Ansiedler heran. Denn Jeder kommt freiwillig, auf eigene Kosten und Gefahr. Die Arbeit, die wir in die Erde versenken, steigert den Werth des Landes. Die Inden werden schnell einsehen, daß sich für ihre bisher gehaßte und verachtete Unternehmungslust ein neues, dauerndes Gebiet erschlossen hat. Denn das gelobte Land ist in uns, in unserem Capitel, in unserer Arbeit und in der planvollen Verbindung Beider. Die bisherigen Judencolonisations-Versuche gingen von einem wunderlichen Jrrthum aus. Der Jrrthum bestand in der Kleinheit und in der Verwendung unmoderner Mittel. Es ist thöricht, den Juden zu einem Bauer machen zu wollen. Aber der Jude kann ein mit Maschinen arbeitender kleiner oder großer Landwirth werden. Und wenn man heute ein Land gründen will, darf man es nicht in der Weise machen, die vor tausend Jahren die einzig mögliche gewesen wäre. Es ist thöricht, auf alte Culturstufen zurückzukehren, wenn man Neues schaffen will. Wenn wir beispielsweise in die Lage kämen, ein Land von wilden Thieren zu säubern, werden wir es nicht in der Art der Europäer aus dem fünften Jahrhundert thun. Wir werden nicht einzeln mit Speer und Lanze gegen Bären ansziehen, sondern eine große fröhliche Jagd veranstalten, die Bestien zusammentreiben nnd eine Melinitbombe unter sie werfen. Und wenn wir Bauten ausführen wollen, werden wir nicht hilflose Pfahlbauten an einen Seerand stecken, sondern wir werden bauen, wie man es jetzt thut. Ja, wir werden kühner und herrlicher bauen, als es je vorher geschehen ist. Denn wir haben Mittel, die in der Geschichte noch nicht da waren. Unseren niedersten wirtschaftlichen Schichten folgen allmälig die nächsthöheren hinüber. Die jetzt am Verzweifeln sind, gehen zuerst. Sie werden geführt von unserer überall verfolgten mittleren Intelligenz, die wir überproduciren. Unsere Techniker, Juristen, Beamten aller Art sind das Officierscorps der IlnskUleäs. Natürlich werden wir auch Militär zur Aufrechthaltung der Ordnung nach Innen und Außen haben. Die Familien unserer Officiere und Beamten aller Art eröffnen den Zug des Mittelstandes nach dem neuen Land. Ihr Erscheinen bringt feinere Bedürfnisse, feineren Verkehr, feinere Märkte^ Kunst und Industrie hinüber. Unsere Seelsorger, an die vor Allem unser Ruf ergeht, werden sich mit Macht in den Dienst unserer Idee stellen. Dabei wird ihnen von vorneherein klar gemacht, daß wir keine Theokratie gründen, sondern einen modernen, duldsamen bürgerlichen Staat. Aber wir werden den Tempel wieder aufbauen, als leuchtende Erinnerung an den Glauben unserer Väter. Unsere Seelsorger werden uns zuerst verstehen. Wird es unter ihnen welche geben, die uns nicht verstehen, so gehen wir über diese hinweg. Denn der Widerspruch einzelner Individuen ist gleichgiltig. Wir denken nicht daran, eine Abstimmung einzuleiten. Wer nicht mit will, möge da bleiben. Wir rollen die neue Fahne des Judenthums auf. Sie hat ein weißes Feld mit sieben goldenen Sternen. Das weiße Feld bedeutet unser neues reines Leben, die sieben Sterne sind die goldenen Stunden des Arbeitstages. Denn im Zeichen der Arbeit gehen wir in das gelobte Land. Wer mit will, stelle sich hinter unsere Fahne und kämpfe für sie in Wort, Schrift und That. Ich rechne auf unsere ganze aufstrebende Jugend, die man jetzt überall am Emporkommen hindert. Rousseau glaubte, der Staat sei durch einen Vertrag der Bürger entstanden. Das glaube ich nicht. Mir scheint, der Rechtsgruud des Staates ist negotiorum gestio. Wenn das Gut eines Behinderten in Gefahr ist, darf Jeder hinzutreten und es retten. Das ist der Gestor, der Führer fremder Geschäfte. Er hat keinen Auftrag, das heißt keinen menschlichen Auftrag. Sein Auftrag ist ihm von einer höberen Nothwendigkeit ertheilt. Allerdings wird aber der Gestor die äußerste Sorgfalt aufbieten müssen. So brauchen wir auch zur Führung der politischen Judensache einen Gestor. Das Judenvolk ist gegenwärtig noch durch die Diaspora verhindert, seine Geschäfte selbst zu führen. Dabei ist es auf verschiedenen Punkten in schwerer oder leichterer Bedrängniß. Es braucht einen Gestor. Vor allem Anderen muß also ein solcher entstehen. Dieser Gestor darf nun freilich nicht ein einzelnes Individuum sein. Ein Individuum, das dieses Riesenwerk unternähme, könnte ein Wahnsinniger oder ein Betrüger sein. Darum ist es für die Reinheit der Idee und die Kraft ihrer Ausführung unerläßlich, daß das Werk unpersönlich sei. Der Gestor der Juden muß, wie der juristische Ausdruck lautet, eine „moralische Person" sein. Aus dem Kreise der wackeren englischen Juden, denen ich in London den Plan mittheilte, wird sich diese moralische Person bilden. Sie heißt „Society of Jews" und ist von der früher erwähnten Jewish Company deutlich zu unterscheiden. Die Society of Jews ist die Centralstelle der beginnenden Judenbewegung. Die Society hat wissenschaftliche und politische Aufgaben. Die Gründung des Judenstaates wie ich mir sie denke, hat moderne wissenschaftliche Voraussetzungen. Wenn wir heute aus Mizriam wandern, kann es nicht in der naiven Weise der alten Zeit geschehen. Wir werden uns vorher anders Rechenschaft geben von unserer Zahl und Kraft. Meine Staatsschrift soll die allgemeine Discussion über die Judenfrage eröffnen. Freunde und Feinde werden sich daran betheiligen — ich hoffe nicht mehr in der bisherigen Form wüster Beschimpfungen und sentimentaler Vertheidigungen. Die Debatte soll sachlich, groß, ernst und politisch werden. Die Society of Jews wird alle Kundgebungen der Staatsmänner, Parlamente, Judengemeinden, Vereine, die in Wort und Schrift, in Versammlungen, Zeitungen und Büchern Hervorkommen, sammeln. So wird die Society zum erstenmal erfahren und feststellen, ob die Juden schon in's gelobte Land wandern wollen und müssen. Die Society wird von den Judengemeinden in aller Welt die Behelfe zu einer umfassenden Statistik der Juden erhalten. Die späteren Aufgaben, die gelehrte Erforschung des neuen Landes und seiner natürlichen Hilfsmittel, der einheitliche Plan zur Wanderung und Ansiedlung, die Vorarbeiten für die Gesetzgebung und Verwaltung rc. sind aus dem Zweck vernünftig zu entwickeln. Die Juden, welche sich zu unserer Staatsidee bekennen, sammeln sich um die Society. Diese erhält dadurch den Regierungen gegenüber die Autorität, im Namen der Juden sprechen und verhandeln zu dürfen. Geräth nun die Weltdiscussion der Judenfrage in Fluß und zeigen sich die Mächte bereit, uns die Souveränetät eines neutralen Landes zu gewähren, so wird die Society über das zu nehmende Land verhandeln. Zwei Gebiete kommen in Betracht: Palästina und Argentinien. Bemerkenswerthe Colonisirungsversuche haben auf diesen beiden Punkten stattgefunden, allerdings nach dem falschen Princip der allmüligen Infiltration von Juden. Die Infiltration muß immer schlecht enden. Entweder die exportirten Juden gehen gleich zu Grunde — oder sie gedeihen und im letzteren Falle erzeugt ihr Wohlergehen den Antisemitismus. Bei der Infiltration kommt immer ein Augenblick, wo die Regierung auf Drängen der sich bedroht fühlenden Bevölkerung den weiteren Zufluß von Juden absperrt. Die

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