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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-02-21 · 8 (21.2.1896) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
8 (21.2.1896)
Date
1896-02-21
Page
– (sequence 2)
Language
German
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©eite 146 Dr. Vloch's Wochenschrift. Nr. 8 Beide Gruppen meiner Argumentation deute ich hier nur kurz an. Man kann sie, wie alles Uebrige ausgeführt finden in meiner Staatsschrift. Dieses Jahrhundert hat der Welt eine köstliche Renaissance gebracht. Ein Mensch von 1795, der wiederkäme, würde die Erde nicht mehr erkennen. Das Wort „Unmöglich!" existirt beinahe nicht mebr für unsere Techniker. Wo wir Modernen mit unseren Hilfsmitteln erscheinen, verwandeln wir die Wüste in einen Garten. Zur Errichtung von Städten genügen uns jetzt ebensoviele Jahre, als man in früheren Epochen der Geschichte Jahrhunderte brauchte — dafür hundert Beispiele in Amerika. Die Entfernungen sind als Hinderniß überwunden. Die Schatzkammer des modernen Geistes enthält schon unermeßliche Reichthümer, die den vorigen Menschen märchenhaft Vorkommen müßten. Jeder Tag vermehrt sie. Hunderttausend Köpfe sinnen, suchen auf allen Punkten der Erden und was einer entdeckt hat, gehört im nächsten Augenblicke der ganzen Welt. Nun meine ich, daß das elektrische Licht durchaus nicht erfunden wurde, damit einige Snobs ihre Salons schöner beleuchten — sondern damit wir bei seinem Scheine die Fragen der Menschheit lösen. Eine ist die Judenfrage. Die Judenfrage besteht. Es wäre thöricht, sie zu leugnen. Sie besteht überall, wo Juden in merklicher Anzahl leben. Wo sie nicht ist, da wird sie durch hinwandernde Juden eingeschleppt. Wir ziehen natürlich dahin, wo man uns nicht verfolgt; durch unser Erscheinen entsteht dann die Verfolgung. Das ist wahr, muß wahr bleiben, überall, selbst in hochentwickelten Ländern — Beweis Frankreich — so lange die Judenfrage nicht politisch gelöst ist. Ich glaube den Antisemitismus, der eine vielfach complicirte Bewegung ist, zu verstehen. Ich betrachte diese Bewegung als Jude, aber ohne Haß und Furcht. Ich glaube zu erkennen, was im Antisemitismus roher Scherz, gemeiner Brodneid, angeerbtes Vorurtheil, religiöse Unduldsamkeit — aber auch was darin gerechte Nothwehr ist. Wir haben überall ehrlich versucht, in der uns umgebenden Volksgemeinschaft aufzugehen und nur den Glauben unserer Väter zu bewahren. Man läßt es nicht zu. Vergebens sind wir treue und an manchen Orten sogar überschwängliche Patrioten, vergebens bringen wir dieselben Opfer an Gut und Blut wie unsere Mitbürger, vergebens bemühen wir uns, den Ruhm unserer Vaterländer in Künsten und Wissenschaften, ihren Reichthum durch Handel uud Verkehr zu erhöhen. In unseren Vaterländern, in denen wir ja auch schon seit Jahrhunderten wohnen, werden wir als Fremdlinge ausgeschrieen; oft von Solchen, deren Geschlechter noch nicht im Lande waren, als wir da schon seufzten. Und wir sind trotz alledem gute Patrioten, wie es die Hugenotten waren, die man zu wandern zwang. Wenn man uns in Ruhe ließe .... Aber ich glaube, man wird uns nicht in Ruhe lassen. Der Antisemitismus wird fortbestehen und wachsen, weil seine Gründe nicht behoben, nicht behebbar sind. Die causa remota ist der im Mittelalter eingetretene Verlust unserer Assimilirbarkeit, die causa pioxima unsere Ueberproductiön an mittleren Intelligenzen. Wir sind ein Volk, — der Feind macht uns ohne unseren Willen dazu, wie das immer in der Geschichte so war. In der Bedrängniß stehen wir zusammen, und da entdecken wir plötzlich unsere Kraft. Ja, wir haben die Kraft einen Staat, und zwar einen Musterstaat zu bilden. Wir haben alle menschlichen und sachlichen Mittel, die dazu nöthig sind. Ich will sie jetzt nicht herzählen. Das geschieht in meiner Staatsschrift, die eine constructive Widerlegung aller mir bekannt gewordenen Einwendungen gegen den Plan ist. Ich habe meinen Plan schon Politikern, Theologen, Soldaten, Gelehrten, Künstlern, Technikern, Geschäftsleuten verschiedener Zweige und namentlich Finanzmännern vorgelegt. Das Ganze ist in seiner Grundform unendlich einfach, und muß es ja auch sein, wenn es von allen Menschen verstanden werden soll. Man gebe uns die Souverünetüt eines für unsere gerechten Volksbedürfnisse genügenden Stückes der Erdoberfläche — alles Andere werden wir selbst besorgen. Ich erwarte bestimmt, daß jedes Wort dieses Satzes, und in jedem Worte jeder Buchstabe von Spöttern und Zweiflern zerzaust werden wird. Sie mögen es mit einiger Vorsicht thun, wenn sie selbst sich vor der Lächerlichkeit fürchten. Das Entstehen einer neuen Souveränetät ist nichts Lächerliches oder Unmögliches. Wir haben es doch in unseren Tagen miterlebt bei Völkern, die nicht wie wir Mittelstands- — sondern ärmere, ungebildetere uud darum schwächere Völker sind. Uns die Souveränetät zu verschaffen, sind die Regierungen der vom Antisemitismus heimgesuchten Länder lebhaft interessirt. Diese Regierungen werden der Sache umso sympathischer entgegenkommen, als durch die Judenbewegung, die ich meine, keine wirthschaftlichen Krisen entstehen, solche Krisen, die im Gefolge von Judenhetzen überall kommei? müßten, würden durch Ausführung meines Entwurfes vielmehr verhindert. Ja, eine große Periode der Wohlfahrt würde in den jetzt antisemitischen Ländern beginnen. Denn ich schlage eine innere Wanderung der christlichen Staatsbürger in die langsam und planvoll evacuirten Positionen der Juden vor. Wenn man uns nicht nur gewähren läßt, sondern geradezu hilft, so werden wir eine Vermögensübertragung von Juden an Christen bewerkstelligen, wie sie in diesem Umfang, in dieser Friedlichkeit in der Geschichte noch nicht da war. Dabei wird Alles unter Schonung erworbener Rechte in vollster Gesetzlichkeit, frei und offen, am Hellen Tage, unter den Augen der Behörden, unter der Controle der öffentlichen Meinung vollzogen. In einem Vergleich läßt sich das kurz und deutlich sagen: wir übergeben unser altes Haus Anderen und bauen uns ein neues, schöneres. Wie die Uebertragung, wie der Neubau auszuführen sein wird, das schildere ich in meiner Staatsschrift. Es wird für die im Princip einfache, in der Durchführung complicirte Aufgabe ein Actienunternehnien mit großen Geldmitteln, die Jewisli Company, geschaffen. Die Jewisli Company besorgt die Liquidirnng aller Vermögensinteressen der abziehenden Juden. Den Abzug der Juden darf man sich nicht als einen plötzlichen vorstellen. Es wird ein allmüliger sein und Jahrzehnte dauern. Zuerst werden die Aermsten gehen und das Land urbar machen. Wir haben Massen von ..unskilled labourers" in Rußland, Rumänien, Ungarn, Galizien und sonst noch zer-. streut in aller Welt. Die Auswanderungs- und Zionsvereine, die schon bestehen, werden sich uns unterordnen müssen, weil unser Zweck größer ist, weil wir die gesammte Volksidee repräsentiren. Ich rechne bestimmt auf die Mitwirkung dieser Vereine, die wir übrigens nicht brauchen. Wohlwollende Männer haben sie gebildet. Sollten sich unter ihnen dennoch Engherzige, Bornirte oder Eifersüchtige befinden, werden wir über sie hinweggehen und ihre eitlen Unternehmungen verdorren machen. Wer nicht mit uns, der ist gegen uns. Die Jewisli Company wird ohnehin aus ihren riesigen Geschäftsgewinnen die Mittel, haben, den Aermsten Reisekosten und Arbeitsbehelfe vorzustrecken. Sie zahlen in Arbeit. Wir werden den siebenstündigen Arbeitstag einführen, und darin gleich einen socialpolitischen Versuch zum Wohle der ganzen Menschheit machen. So werden wir ja in Allem auf der Hohe des modernen Bewußtseins stehen. Hier möge diese Andeutung genügen.

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