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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-02-21 · 8 (21.2.1896) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
8 (21.2.1896)
Date
1896-02-21
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nr. 8 Dr. Bloch’s Jahrgang! XIII... Centralorgsn für die gefammten Interessen des Iudenthums. K. k. Vostsparksssen-Amt Clearingverkehr Nr. 810.976. LrLartion und Administration: Wien II .,J0tttm Augarienfirahe la. Telephon-Nr. 6535. Wien, 21. Februar 1896. -4- Erscheint jeden Freitag. s* Wan abonnirt bei allen Vvllanllalirn des In- und Auslandes. Vrrugsvrris für Oesterreich: Halbjährig 4 fl. 3 Ar. Einzelexemplare SS kr. Für'» Ausland: halbjährig S fl. — 10 Ar. ganzjährig 10 „ 20 „ Anzeigen: Die 4mal gespaltene Petitzeile 12 kr. Inhalt: Leitartikel: Der Judenstaat. — Juden in der Geschichte der Nordpolfahrten. — Der deutsch-nationale Guido List als Bibelforscher. — Beitrag zur Geschichte der russischen Juden. — Zur Geschichte der Juden in Prag. — Was wollen wir mit den jüdischen Melodien? — Vom Jahrmarkt des Lebens: Heiteres aus Weinhaus. Untrüglichkeit der Racentheorie. Lueger und Granitsch. Heute mir, morgen Dir! Juden und Junker. Die Lehrer und die Staatsgrundgesetze. Nach Euren Thaten sollt Ihr gerichtet werden. Er kennt seine Pappenheimer. Antisemitische Verlogenheit. Zolldefraudation. Schönerer und Vergani. Bon Stufe zu Stufe. Achtung! Vergani als Wegweiser. Proceß Lina Morgenstern. — Correspond enzen: Wien, Märisch-Trübau, Budapest, Prag, Kolin, Galgocz. Csakaturn, Dtofel, Berlin, Bukarest, Colonie Petach Tikwah. — Vermischtes: Wien, Triest, Koste!, Totis, Troppau. Lemberg, Kojetein, Nachod, Waidhofen a. d. Thaya, Berlin, Palästina, Constantinopel, Australien, London. — Feuilleton: Kinder des Ghetto. — Was mein Mütterchen erzählt. — Briefkasten. — Inserate. Der Judenstaat. Versuch einer modernen Lösung der Judensrage von Th. Herz^l, Doctor der Rechte. Es ist ein merkwürdiges, durch die Kraft der ihm innewohnenden Ueberzeugung wirklich fesselndes Buch, das unter diesem Titel soeben im Verlage von M. Breitenstein (Leipzig und Wien 1896) erschienen ist. Der alte königliche Traum Israels, die alte, nie gestillte Sehnsucht nach dem gelobten Lande, wird da wieder lebendig! Auf dem Boden der modernen Cultur, mit dem Handwerkszeug eines umfassenden juristischen, national-ökonomischen und culturhistorischen Wissens errichtet der Verfasser, ein hervorragender österreichischer Publicist, das Gebäude seiner Phantasie, die deshalb nicht minder Phantasie bleibt, weil sie durch den Verstand gezügelt wird. Die glänzende, mit fascinirendem Geiste geschriebene Schrift wird allgemeine Aufmerksamkeit erregen, sie wird viel gelobt und viel angefeindet werden. Aber auch die Gegnerschaft, die sie nothwendigerweise finden muß, wird nur ihre Bedeutung erhöhen. Noch vor dem Erscheinen seines Buches hat Theodor Herztl den Jdeengang desselben in einem englischen Blatte auseinandergesetzt, und wir glauben unserem Leserkreise die Anschauungen des Autors nicht besser vermitteln zu können, als indem wir diesen selbst überfeinen „Judenstaat" sprechen lassen; „In wenigen Worten soll ich meinen Entwurf vor den Lesern ausbreiten! Ich will es versuchen, obwohl ich dabei Gefahr laufe, in der Eile und Kürze mißverstanden zu werden. Der Spott der Juden wird vielleicht über diese erste unvollständige Veröffentlichung herfallen. Die böse und thörichte Selbstbespöttelung ist eine der Sclavengewohnheiten, die. wir uns in Jahrhunderten der Bedrückung angeeignet haben. Ein Freier findet sich nicht lächerlich und duldet nicht, daß man über ihn lächle. So richte ich meine ersten Worte an die starken, innerlich freien Juden, sie sollen meine ersten Hörer in der Welt und hoffentlich bald meine Freunde sein. Ich bringe ihnen keinen neuen Gedanken, sondern einen uralten. Ja, es ist ein Allerweltsgedanke - und darin ist seine Kraft — alt wie unser Volk, das nie, auch nicht in den bittersten Nöthen aufgehört hat, ihn zu hegen. Dieser Gedanke ist die Herstellung des Judenstaates. Es ist merkwürdig, daß wir Juden die ganze 'Nacht unserer Geschichte hindurch diesen königlichen Traum träumten. Jetzt graut der Tag. Wir brauchen uns nur den Schlaf aus den Augen zu reiben, unsere rüstigen Glieder zu strecken und wir können den Traum zur Wahrheit machen. Der diese Botschaft verkünden kommt, thut es nicht als Prophet mit abenteuerlichen Geberden, ja nicht einmal als Schwärmer. Wohl hoffe und glaube ich, daß eine wunderbare Begeisterung im Judenthum aufflammen wird, aber ich will heute nur mit nüchternen Worten zur Vernunft praktischer, gebildeter und auf moderner Höhe stehender Menschen sprechen. Es wird eine spätere Aufgabe sein, die Aermeren an Geist aufzusuchen, zu belehren und hinzureißen. Diese Aufgabe kann und werde ich nicht allein erfüllen. Ich werde mich nur in Reih' und Glied betheiligen, ganz wie meine Freunde und Mitstreiter, an die zuerst mein Weckruf, mein Sammelruf ergeht. Ich sage nicht: meine Anhänger! Denn das hieße diese Bewegung zu einer persönlichen machen und damit wäre sie von vorneherein lächerlich und verächtlich. Nein, es ist eine Volksbewegung und sie wird herrlich werden, wenn sie von persönlichen Begierden rein bleibt—bestünden diese Begierden auch nur in politischem Ehrgeiz. Wir ersten Männer, welche diese Bewegung beginnen, werden schwerlich ihr ruhmvolles Ende sehen. Aber schon durch das Beginnen kommt ein männliches Glück in unser Leben. Wir pflanzen für unsere Nachkommen, sowie unsere armen Väter die Tradition für uns erhalten haben. Wir stellen nur einen Augenblick in der ewigen Dauer unseres Volkes dar. Dieser Augenblick hat Pflichten. Die Bauzeit des Judenthums ist da. Unsere Väter konnten den Volksgedanken nur erhalten und mit welcher wunderbaren Standhaftigkeit haben sie es gethan! Wir aber dürfen, können, müssen bauen. Das ergibt sich mit Nothwendigkeit aus zwei Erscheinungen: erstens aus der hohen Cultur, zweitens Ms der tiefen Barbarei unserer Zeit. Ich habe dieser Behauptung absichtlich eine paradoxale Form gegeben. Unter der hohen Cultur ist zu verstehen die wunderbare Entwicklung aller technischen Hilfsmittel, durch die wir uns die Naturkräfte dienstbar gemacht haben. Unter der tiefen Barbarei fft zu verstehen der Antisemitismus.

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