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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-02-14 · 7 (14.2.1896) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
7 (14.2.1896)
Date
1896-02-14
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 138 Dr Bloch's Woi^rnfchrist. Nr. 7 In eindringlicher Weise richtete zunächst P e ß l (Graz) an die Gastwirthe den Appell, jedwede Politik im Gewerbe zu vermeiden. In Folge der nationalen und konfessionellen Wirren gehen in Wien jährlich Hunderte von Gastwirthen zu Grunde. Dies müsse in Graz vermieden werden. (Lebhafte Zustimmung.) Gemeinderath Braun aus Graz macht auf die großen Gefahren aufmerksam, welche dem Wirthsgewerbe in Folge der geplanten Biersteuer-Erhöhung drohen, und beschloß die Bersam r!lung unter stürmischem Beifalle einstimmig, an das Parlament, die einzelnen Abgeordneten und die Handelskammern mit der Bitte heranzutreten, damit die Biersteuer- Erhöhung unterbleibt. U^ber Antrag des Hoteliers Daniel (Graz) beschloß die Versammlung einstimmig, sich telegraphisch an den Referenten über die Regelung des Detailhandels, Reichsrothsabgeordneten N e u b e r, wegen Ausscheidung des Handels mit geistigen Getränken aus den Befugnissen der Gemischtwaarenverschleißer zu wenden. Der weitere Verlauf der Versammlung gestaltete sich zu einer entschiedenen Kundgebung gegen den Antisemitismus und den Führer der Grazer Antisemiten Feichtinger (den sogenannten „Grazer Lueger"). Gemeinderath Braun besprach die verhetzende Thätigkeit eines Theiles der Presse und f-rderte unter demonstrativem Beifalle auf, Blättern, welche zersetzend wirken, jede Unterstützung zu entziehen. (Zwischenrufe: Der Feichtinger ist ein Feind unseres Gewerbes!) Petzelt (Graz) verlangt die Boykottirung des antisemitischen „Grazer Extrablatt", welches die Gastwirthe schwer schädige. Ueber Antrag des Vorstehers der Gastwirthe-Genossenschaft, Felix K l a m l e r, wurde schließlich dem Referenten Braun und dem Belegirten des österreichischen Gastwirthe- Verbandes, Kammerrath B e y f u ß aus Wien, für deren gewerbliches Wirken einhellig der Dank votirt. Prag. Sehr geehrter Herr Redacteur In der Nummer vom 31. Jänner 1896 Ihres geschätzten Blattes brachten Sie unter der Chiffre E. B. Wien eine Not'z unter dem Titel: „Jndenhetze in einer Prager Bahnhosrestauration", welche ich nachstehend mir zu berichtigen erlaube, ohne in den sonst üblichen Berichtigungston zu verfallen: Der in der beregten Notiz erwähnte Vorfall hat sich allerdings zugetragen, ohne daß jedoch weder mich, noch sonst auch die Beaufsichtigungsorgane ein Verschulden, geschweige der Borwurf einer Gutheißung trifft. Es hat im Restaurationslocale III. Claffe allerdings ein Mann Geige zu spielen begonnen und als ich nur die ersten Töne vernommen hatte, eilte ich vom Schankzimmer, das sich neben dem Restaurationslocale befindet, sofort hinaus und verbot jedes weitere Spiel. Ein anderes Einschreiten — trotzdem dies, wie Sie selbst , ersehen werden, meinerseits geschah — liegt eigentlich mir, als Restaurateur nicht ob. umsoweniger, als sich der Spieler mit einer Passagierkarte III. Claffe nach Nimburg legitimirte. Ich bin nun, da der Spieler sich nichts sagen lassen wollte, sofort auf die Bahnhospolizeiabtheilung „eigenfüßig" gelaufen und brachte den k. k. Oberwachmann Anton Blüml mit, der dem Manne, der sich noch überdies mit einer Spiellicenz auswies, das Spielen verbot, worauf dann Ruhe eintrat. Bon einem Einsammeln ist weder mir, noch dem Wachmanne etwas bekannt. Ich ersuche um Aufnahme dieser meiner Zeilen und zeichne hochachtungsvoll Karl Gütling. Prag, am 8. Februar 1896. Budapest, 9. Februar. Auf Antrag des Vorstandes der Pester israelit. Cultusgemeinde hat der Ausschuß dieser Gemeinde in seiner am 6. d. M. unter Vorsitz des Präsidenten Herrn Sigmund Kohner stattgehabten Sitzung mit Stimmeneinhelligkeit beschlossen, dem ungarisch - israelitischen Landes-Fond ein für allemal den Barbetrag von 10.000 (zehntausend) Gulden zur Verfügung zu stellen, ferner zu Gunsten desselben eine Stiftung im Betrage von 100.000 (hunderttausend) Kronen zu errichten. Die näheren Modalitäten dieser Stiftung sind in einem Stiftungsbriefe festzustellen, der dem Ausschüsse zur Gutheißung vorgelegt werden wird, doch wird beschlossen, daß die 4percentigen Zinsen dieser Stiftung im Betrage von 2000 Gulden schon in's diesjährige Budget einzustellen seien. — Es steht zu erwarten, daß diesem Beispiele auch die übrigen israelitischen Gemeinden des Landes Folge leisten werden. Lemberg, 8. Februar. Von einem berühmten Professor, der an der Spitze einer großen Anstalt in Wien stand, erzählt man sich eine interessante Anecdote. Eine der höchsten Persönlichkeiten des Staates richtete an ihn eines Tages die Frage: „Sagen Sie, lieber Herr Professor, warum spricht man von Ihrer Anstalt immer als von einer jüdischen?" Der Professor antwortete: «Weil die Juden das Geld geben und die Christen den Nutzen davon haben". An diese Anecdote wird man leider gar oft erinnert, wenn es sich um Wohlthätigkeitsacte handelt. Die Juden sind stets bereit, Geld für edle Zwecke zu geben — ohne Unterschied der Confession. Bei der Vertheilung kommt aber dann nur allzusehr der Unterschied der Confession zur Geltung. Bei der Vertheilung von Stipendien für Schüler aller Kategorien, die der Landesausschuß aus öffentlichen oder von Privatleuten gestifteten Fonds vornimmt, die seiner Verwaltung unterstehen, finden wir diese traurige Wahrnehmung bestätigt. Auch Heuer befand sich unter den circa 1000 Bedachten — Alles in Allem — ein Jude! Dabei kommt doch noch in Betracht, daß die überwiegende Mehrheit der Juden hier sehr arm ist und der Percentsatz der jüdischen Schüler an den Mittelschulen ein überaus großer ist. Ist es da nicht dringend an 1 er Zeit, daß die Juden auch beim Geben in erster Reihe — an ihre Glaubensgenossen denken, an die von anderer Seite zuletzt oder auch gar nicht gedacht wird? Krakau. Der Abgeordnete Dr. Rapoport Edler von Porada, der stets reges Interesse unserer Stadt entgegenbringt. hat den Betrag von 200.000 fl. für hiesige wohlthätige Zwecke gespendet und hat hier ein Comits zur Berathung, auf welche Weise die Zinsen hievon verwendet werden sollen, eingesetzt. An der Spitze des Comitss stehen der Präsident der israelitischen Cultusgemeinde Gemeinderath Herr Dr. Leon Horowitz und der Bicepräsident der Cultusgemeinde, Handelskammerrath und Gemeinderath Herr Hirsch Landau. Vorige Woche hat sich das Comilö constitüirt und:über Antrag des Herrn Hirsch Landau beschlossen, vorläufig Handwerker bei Meistern unterzubringen und Krämern, sowie Hausirern re. unverzinsliche Darlehen zu Erwerbszwecken zu ertheilen. Die diesbezügliche Ausführung wurde dem Herrn Hirsch Landau, der ein genauer Kenner der hiesigen Verhältnisse ist, übertragen. Die Deputation der hiesigen Cultusgemeinde, bestehend aus den Herren Dr. L. Horowitz und Hirsch Landau, hat bei der am 8. d. M. erfolgten Ueberreichung der Dankadresse dem Abgeordneten Dr. v. Rapoport für diese namhafte und hochherzige Spende den Dank der hiesigen Gemeinde ausgedrückt. Melnik. Es sei mir gestattet, zu der Notiz, daß der rumänische Generalkonsul in Antwerpen, Herr Gustav M e n d l, von Sr. Majestät mit dem Orden der Eisernen Krone ausgezeichnet worden ist, einige biographische Ergänzungen zu bringen. Herr Mendl verdankt seine Stellung ausschließlich seiner Energie, seiner Solidität bei beispielloser Bescheidenheit. Ein Sohn des verstorbenen hiesigen Stadt- und Gerichtsarztes, Emanuel M e n d l, kam er^ in jungen Jahren — er zählt jetzt erst 43 Jahre — nach Rumänien. Schon dort bethäligte er eine patriotische Thätigkeit. Vor etwa zwölf Jahren übersiedelte er nach Antwerpen und gründete daselbst ein Exporthaus. Die rumänische Regierung wurde bald auf ihn aufmerksam, errichtete daselbst ein Consulat, dessen erster Consnl er wurde. Nach kaum 2 Jahren tourde er zum Generalconsul ernannt. Ergründete daselbst einen österreichisch-ungarischen Unterstützungsverein, dessen Fond er einen hohen Betrag zuwendete und dessen Präsident er seit Beginn ist. Auch der engeren Heimat vergaß er nicht. So sandte er seinerzeit für die Ueberschwemmten im Elbethale 2000 Francs und gelegentlich der Laibacher Erdbebenkatastrophe für die Unglücklichen nahe an 7000 Francs. — Neben dem Orden der Eisernen Krone besitzt Herr Mendl noch 5 ausländische Decorationen. Dessen Bruder, Herr Siegfried Mendl, Chef eines GroßhandlungshauseS in Marseille, wurde schon vor längeren Jahren iür seine patriotische Thätigkeit mit dem Franz Josef-Orden ausgezeichnet. An den Herren bewahrheitet sich der Satz: Maase owos jorschu bonim. Was der Vater dieser Herren während der kurzen Zeit, als er Vorsteher der Cultusgemeinde war, geleistet, wird unvergessen bleiben. Durch seine Energie wurde hier ein Friedhof angelegt und der dem Einsturze nahe Tempel restaurirt, wozu auch Se. Majestät 200 fl. spendete. Der größte Theil der nöthigen Beträge wurde von dem Verewigten durch Sammlungen aufgebracht. Noch kurz vor seinem Tode spendete er zur Verherrlichung des Gottesdienstes ein Harmonium. Durch 10 Jahre wirkte er auch ersprießlich als Ortsschulausseher der

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