Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 7 (14.2.1896)
- Date
- 1896-02-14
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 7 Dr Bloch's Wortzenfitzrifi. Seite 135 meinsamen Einkauf von Kohlen verübte, zu drei Monaten Gefängniß verurtheilt. Er hat im Ganzen 537 Mark 41 Pfennige unterschlagen. Er gab an, er sei zu dieser Thal deswegen veranlaßt worden, weil er durch die großen Ko st en seiner Agitation fürdenconservativen Abgeordneten Schall in Geldverlegenheitgerathenwar. Brüher befand sich Bluhm in ganz geordneten Verhältnissen; lediglich seine politische A g i t a't i o n hat ihn rainirt. Ein Feuilleton des ,,Deutschen Bolksblatt"^ Vor einigen Tagen ist gegen den Herausgeber, den verantwortlichen Redacteur und einen Mitarbeiter des „Deutschen Bolksblatt" beim Wiener Landesgerichte die Anzeige wegen Vergehens gegen das Gesetz zum Schutze des literarischen Eigenthums erstattet worden, deren Gegenstand einige heitere Seiten hat. Es handelt sich um Folgendes: Am 19. December des vorigen Jahres erschien in der „Oesterreichischen Bolkszeitung" ein Feuilleton, dessen Verfasser der Redacteur der ..Oesterreichischen Volkszeitung", Herr Rudolf Kraßnigg, war. Es führte den Titel „Der Erpresser" und war mit der Chiffre K. St. gezeichnet. Am 16. Jänner erschien nun merkwürdigerweise dasselbe Feuilleton im „Deutschen Volksblatt". Das antisemitische Blatt hat das genannte Feuilleton des liberalen Blattes vom Titel angefaugen bis zur Chiffre Wort für Wort nachgedruckt, ohne jeden Hinweis auf die Quelle, der es entnommen worden ist. Herr Rudolf Kraßnigg hat nun durch den Hof- und Gerichtsadvocaten Dr. Schneeberger die eben erwähnte Anzeige beim Landesgerichte erstatten lassen. Auf dem Titelblatte des „Deutschen Bolksblatt" steht bekanntlich die Mahnung: „Kauft nur bei Gesi inungsgenossen"; die „Oesterreichische Bvlkszeitung" hat nun dem „Deutschen Bolksblatt" eine Variante dieses Spruches empfohlen, wllche folgendermaßen lautet: „Stehlt nur bei Gesinnungsgenossen!" In der Noth wissen selbst enragirte Antisemiten die Inden zu finden. Der Thierarzt M e y e n b e r g zu Gronau, welcher als machender Antisemit weit und breit bekannt war, hatte das Pech, wegen Anstiftung zum Meineide zu 1'/, Jahren Zuchthaus verurtheilt zu werden. In seiner Noth ging er zu einem jüdischen Anwalt, dem Justizrath Seckel ui Gottingen. und wirklich gelang es diesem, in Folge eines Formfehlers beim Reichsgericht die Revision und bei der abermaligen Verhandlung in Hildesheim die Freisprechung seines Clienten zu erwirken. Nun kann ja der Herr Meyenberg wieder brav gegen die Juden hetzen! Der Assessor Wöllstein aus Rakel ist seinen im Duell mit dem Gutsbesitzer Ritter davongetragenen schweren Verletzungen erlegen. Der unglückliche Ausgang des Zweikampfes hat. wie dem „Berl. Localanzeiger" gemeldet wird, den Gegner R. in hochgradige nervöse Erregung versetzt. R. war, nachdem der Transport des Schwerverletzten von Rakel in ein Berliner Krankenhaus erfolgt war, nach Berlin abgereist. wo er ernstlich mit Selbstmordgedanken umging. Bevor Wollstein starb, hat noch eine Aussöhnung der beiden Gegner stattgefunden. Arischer Thierschutz. Im October 1895 war gelegentlich einer in Berlin stattgefundenen Hundeausstellung wiederum eine Reihe von Thierkämpfen angeküudigt, bei welchen Hunde auf lebende Füchse und Dachse gehetzt werden. Im Anfänge dieses Jahres ist es den Bemühungen der Thierfchutzvereine gelungen, hie und da im Reiche, auch in Berlin, wenigstens Erschwerungen dieses immer mehr in Mode kommenden „P r e i s s ch l i e s e n" herbeizuführen. Allerdings begnügte sich die Polizei in den meisten Fällen, deu Ausschluß der Oeffentlichkeit und die Ueberwachung dieser nach dem Urtheil von Fachleuten völlig zwecklosen Grausamkeiten zu verfügen. Die jenem unmenschlichen Sport — denn weiter ist es nichts — huldigenden Kreise pflegen es, wie das ..Volk" (5. October 1895) schreibt, so darzustellen, als handle es sich für die kämpfenden Thiere nur um ganz harmlose, ihre Rauflust befriedigende Balgereien. Schon die in den Jagd- und Hundesportzeitungen veröffentlichten Schliesenberichte freilich strafen diese Behauptungen Lügen. Wir lassen den einem Localblatt entnommenen Bericht eines Augenzeugen der letzthin in Düsseldorf abgehaltenen Preisschliesen folgen: „In Hnfeis.nform war ein an beiden Enden offener Canal in den Boden gebaut worden, ein Bursche brachte einen Fuchs, der zwischen Hals und Kopf an einer Zange hochgehoben war; schon diese thierquälerische Art des Transportes mußte sittlichen Abscheu wachrufen. Der Fuchs wurde in die Mündung des Canales gelegt; jetzt wurde der Hund in die Röhre gejagt, der Fuchs suchte sein Leben durch Abwehren und Beißen so theuer wie möglich zu erkaufen; der Eigenthümer des Hundes hetzte denselben um des Preises willen immer wieder von Neuem an, die Gabel wurde aus dem Canal gezogen und es begann ein erbitterter Kampf zwischen Beiden. Hatten sich Hund und Fnchs nicht oerart aneinander verbissen, daß sie weder vor noch rückwärts konnten und der Canal deshalb aufgebrochen werden mußte um die wüthenden Thiere zu trennen, so trieb der Hund den Fuchs am andern Ende des Canals hinaus und der Fuchs lief in der Manege, gefolgt von dem Hunde, so lange umher, bis der Bursche ihn mit der Zange aufgekniffen backe. Zwischen den Zwangselsen gequetscht, lag der Fuchs aldann webrlos, und über ihn fiel der aufgeregte Hund her. Oft hatten sich Hunde und Fuchs derartig ineinander verbissen, daß sie nur mit Stäben und durch Ausgießen von Wasser getrennt werden konnten. So dauerte das Schauspiel vor Frauen und Kindern von Morgens 9 Uhr bis Nachmittags 4 Uhr; immer wieder wurden neue Hunde in den Bau gelassen und halbtodte Füchse durch andere ersetzt. Wir haben Leute gehört, welche den abgesperrten Raum mir den Ausruf verließen: Wie entsetzlich! Sollte nicht Recht, Gesittung und Menschlichkeit es de» Behörden zur Pflicht machen, endlich einmal dem Umsichgreifen dieses grausamen Sportunfuges auf Grund der bestehenden gesetzlichen Bestimmungen Einhalt zu gebieten?" Rembrandt ein Jude! Man wird sich wohl noch des großen Aussehens eriiluern, das vor einigen Jahren das Buch „Rembrandt als Erzieher" machte, in dem der große nordische Miler als der Germane schlechtweg, als Typus der Rrce erschien. Gerade die Racen-Antisemiten waren es, die dieses Buch als eine Art Evangelium ihrer Weltanschauung für sich reclamirten. Es gäbe nun wirklich keinen besseren Spaß und keine gelungenere Satyre auf die Racentheorie als den Beweis, daß Rembrandt selbst ein Jude, ein Bollblutjude gewesen sei. Diesen Beweis hat jetzt ein Amerikaner, der Friedensrichter Osias U. Morary in Boston, allen Ernstes angetreten in dem Buche »Rembrandt a Jew? A critical disqui«ition.« (Boston 1894). Und wenn auch die Beweisführung Morary's — der nebenher bemerkt ein guter Christ und Mitglied der methodistischen Gemeinde von Westhill Square ist — oft sehr künstlich ist, so vermehrt dieses originelle Buch die Reihe der aroßen Namen, die jüdischer Herkunft sein sollen (Napoleon, Pins IX., Reuchlin, Calvin, Garibaldi, Thiers u. A. m.). Jude» als Landwirthe in Amerika. Ueber die jüdische Ackerbaucolonie in Woodbine schreibt die „New-Aorker Staatszeitung" vom 28. October 1895 : Die Ausiedlung von jüdischen Einwanderern behufs Betreibung der Landwirthschaft in diesem Laude bot zur Zeit, als diese Einwanderer in Massen hieher strömten, so viele Schwierigkeiten dar, daß die Herren, welche darin die geeignetste Lösung des Problems der Unterbringung der Einwanderer suchten, fast entmuthigt die Arbeit sinken ließen. Und doch zeigte sich mit der Zeit, daß die Inden für den Ackerbau sich ebenso befähigt zeigten, als für irgend einen anderen Lebensberuf, daß sie eine Thckkrast, eine Zähigkeit u>'d Ausdauer entwickelten, welche einen gesicherten Erfolg nach sich ziehen mußten und daß daher in dieser Richtung segensvolle Resultate zu erwarten seien. Die Woodbine Colanie in New-Jersey, gegründet inmitten einer Wildniß vor einigen Jahre» durch den Moritz von Hii sch-Fonds, eine blühende Ansiedlung jetzt, legt Zeugniß davon ab, wie rasch diese Leute den amerikanischen Geist des rastlosen Auswärtsstrebens durch eigene Arbeit eingesogen haben und mit dem amerikanischen Eulturleben sich verschmelzen. Die Umgangssprache unter den Leuten ist meistens englisch, der Jargon-Dialect ist im Schwinden begriffen. Es wird aber auch bald ein Fabriksstädtchen da entstehen, wie das in allen amerikanischen Landansiedlungen sich so rasch entwickelt. Schon ist eine Mafchinenwerkstätte da, eine dreistöckige Kleiderfabrik, eine Korbflechterei und andere Fabriken. Auch ein Badehaus ist da für kalte, heiße und Douchebäver, eine öffentliche Bibliothek und sonstige Anstalten,um das Leben angenehm zu machen und die Colonie zu einem echten Heim zu gestalten. Ist der Caltusvorsteher eine obrigkeitliche Person? Wien, 5. Februar. Vor dem Obersten Gerichtshöfe unter Vorsitz des ersten Senatspräsidenten Dr. Steinbach gelangte folgende Angelegenheit zur Verhandlung, bei der es sich um eine interessante grundsätzliche Frage handelte. Am 5. September v. I. hielt der Ausschuß der israelitischen Gemeinde Anspitz in Mähren unter dem Vorsitze des Cu'tusvorstehers Jacob Redlich eine Sitzung ab. In derselben erklärtc das Ansschußmilglied Jakob K n ö p f m a ch e r dem Cultusvorsteher, welcher über oessen Bruder geäußert hatte, er habe sich nicht nur keine Verdienste um die Gemeinde erworben, sondern dieselbe sogar geschädigt — dies sei eine gemeine Lüge. Der Vorsteher erstattete nun gegen das Ausschußmitglied bei dem Bezirksgericht Auspitz die Anzeige wegen Amts-Ehrenbeleidigung, eventuell weger privater Ehrenbeleidigung.