Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-02-14 · 7 (14.2.1896) · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
7 (14.2.1896)
Date
1896-02-14
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3020846-3021115-3021123--05343-3029574
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Seite 134 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 7 Hebräische Grabsteine. Ein interessanter Fund von j historischem Interesse, der bei dem Baue der neuen Burg gemacht wurde, ist heute in das Museum der Stadt Wien übertragen worden. Es handelt sich um Bruchstücke von Grabsteinen mit hebräischen Inschriften aus dem 14. und 15. Jahrhundert, von denen die meisten sehr gut erhalten und lesbar find. Bestimmtes über den Inhalt der Grabschriften liegt noch nicht vor, doch wurde constatirt, daß auf denselben noch eine alte mittelalterliche Formel in Anwendung kam. Eines der Bruchstücke läßt vermuthen, daß der Grabstein einer Frau Esther, einer Tochter Jonathan's, eines sogenannten „Hofgawaschers" (?), gewidmet war. Man vermuthet, daß die Bruchstücke sämmtlich Monumenten angehören, die vor 1421, in welchem Jahre die Juden vertrieben und deren Grabstätten demolirt wurden, errichtet wurden und auf dem jüdischen Friedhofe standen, der vor dem alten Kärntnerthor existirte und in dem genannten Jahre zerstört wurde. In dem alten Bürgerspitalsgebäude. welches nach dieser ZeU errichtet wurde, fanden sich ähnliche, mit hebräischen Lettern bedeckte Bruchstücke von Grabsteinen zugleich auf den Stiegen eingemauert und als Baumaterial benützt. Die nun im Museum aufbewabrten Bruchstücke werden noch den Gegenstand eingehender Untersuchung bilden. Aus dem Gerichtssaal. Das „Deutsche Volksblatt" vom 8. Februar 1896 bringt nachstehende zwei Gerichtsverhandlungen, die wir ohne Commentar wiederholen: Die Bedeutung des Wortes „Pfaffe". Am 23. September v. I. fand in der WaUgasse (X. Bezirk) ein Leichenbegängnis statt, zu welchem der mit Berufsgeschästen überbürdete Seelsorger, Cooperator P. Franz H o n c z i k, später, als zur anberaumten Stunde erschien. Als sich dann der Zug in Bewegung setzte, rief die Schlossersgattin Marie P e l i s ch e k unwillig aus: „Einen solchen Pfaffen macht' ich mir nehmen! Wenn ich sterb', könnte der lange warten!" Da diese Worte Aergernis; hervorriefen, wurde die Genannte wegen Religionsstörung an geklagt und zu drei Wochen strengen Arrests verurtheitt. — P. Honczik hatte sich bekanntlich bei der Verhandlung selbst in warmen Worten für die Angeklagte verwendet, allein der Gerichtshof nahm an, dos; das Wort „Pfaffe" nicht nach der Etymologie und nach seiner m i t l e l a l 1 e rlichen Bedeutung, sondern nach dem dermaligen, vulgären Sprachgebrauche zu beurtheilen käme, daher als Spottname bezeichnet werden müßte, umsomehr, als ja die Veructheilte dadurch dem geistlichen Herrn eine Pflichtversäumniß vorwerfen wollte. — lieber die dagegen eingcbrachte Nichtigkeitsbeschwerde fond kürzlich vor dem Caffationshofe unter Vorsitz des Senatsprösidenlen Dr. Ritter von Haslmayer die Verhandlung statt. Gemäß Antrages des Generaladvocaten OLGR. Loren; wurde die Beschwerde zurnckgewiesen. 8 305- Der Kellner Alois Fleischhacker stand vor einigen Monaten als Angeklagter vor dem Erkenntnißgerichte, weil er am Tage der Landtagswahl in der Inneren Stadt vor der „Kugel" Am Hoi gerufen habe: „Die Hebräer müssen veinichtct werden!" Da es sich bei der damaligen Verhandlung herausstellte, daß der Mann sich in einem angeheiterten Zustande befunden hat und infolge einer erlittenen Verletzung leicht erregbar sei, wurde die Verhandlung behufs neuer Erhebungen vertagt. Bei der unter Vorsitz des LGR. Zeisberger durchgeführten Erkenntnißverhandlung wurde der Angeklagte über Antrag seines Vertheidigers Dr. Hoßlinger f r e i gesprochen, da der Gerichtshof annahm, daß der Angeklagte nicht die Absicht gehabt habe, aufzureizen und der Ausruf so zu verstehen wäre, daß der Angeklagte eigentlich meinte, der Einfluß der Juden, und nicht diese selbst, müsse beseitigt werden. „C diese bösen Juden!" Das „Fr. Bl." vom 9. Februar 1896 erhielt aus Guggenthal folgende Zuschrift: „Seit August 1875 ist der Großgrund- und Brauereibesitzer Herr Sigmund H atschek mein Nachbar. Einen besseren und humaneren Nachbarn habe ich noch nie gehabt. Jedem Wunsche und Ersuchen kommt er promptest entgegen, meistens zuvor. Seinen vielen Arbeitern ist er ein wahrer, sorgsamer Vater. Zu Weihnachten werden alle ausnahmslos beschenkt, und wenn Einer erkrankt, steht ihm die Equipage des Herrn zu Gebote. Deshalb ist er auch in der ganzen Gemeinde hocy- <;eachtet und wurde einstimmig in den Gemeinderath berufen. Was ich ihm jedoch zu besonderem Verdienste anrechne, ist seine noble Haltung gegenüber der Kirche. Bei der Gründvermessung hat er großmüthig auf nicht unbedeutende Stücke des ihm gehörigen Grundes zu Gunsten der Kirche verzichtet. Neuestens hat er nun ganz auf seine Kosten die elektrische Beleuchtung der Kirchehergestellt. Dadurchstrahlt so viel Licht, daß die Andächticen ihre Gebetbücher brauchen können und daß auch der Organist auf dem Chore keines weiteren Lichts bedarf. Selbstverständlich habe ich diesem Wohlthäter des Gotteshauses meinen wärmsten Dank ausgesprochen und erhoffe das Gleiche auch von Seite der kirchlichen Behörde. Aber nicht blos der Herr, sondern seine ganze Familie nnd V^rw rndtich ist ist musterhaft. Da könnten sich die Antisemiten ein Beispiel nehmen und sich ihres giftigen Gekläffes wider die Juden schämen. Leider ist bei diesen Leuten Alles umsonst, wie Besessene bohren sie fortwährend in ein und dasselbe Loch. Wozu braucht man in der S a i s o n st a d t wieder ein neues Antii'emitenblatt? In Salzburg, wo höchstens ein Dutzend höchst ehrbarer Israeliten wohnen! Schämt Euch! Dr. Schöpf. Die lieben Arier. In Chicago lockten drei betrunkene Polen einen Hausirer, Abraham Max, in einen Thorweg und begannen ihn zu necken und zu quälen. Einer derselben legte dem armen Juden ein Seil um den Hrls und drohte, ihn aufzuhängen, falls er nicht ein Kreuz mache und ein Gebet, das er ihm vorsagte, nachspräche. Der Jude w.'igrrte sich, und die bestialischen Kerle zogen ihn dreimal empor, so daß er das Bewußtsein verlor und von seinen Peinigern anscheinend tobt liegen gelassen wurde. Nachbarn, die nach einigen Minuten daznkamen, belebten Max. Die U.'belthäter wurden verhaftet. - Ein jüdischer Fabrikant. Die Zeitung „Wochenblatt und Anzeiger für Ecnstthal, Hohenstein, Oberlungwitz" vom 16. November 1895 enthielt folgendes Eingesandt: „Schon seit längerer Zeit geht die Weberei in Hohenstein-Ernstthal so flott, wie es überhaupt noch nie dagewesen ist. Es erscheint keine Nummer dieses Blattes, sowie auch des Hohensteiner Tagblattes, wo nickit Arbeit angeboten wird, und alle Arbeiter möchten Tag und Nacht arbeiten, um die Fabrikanten zufrieden zu stellen. So erfreulich das gewiß für Jedermann ist, so möchte der Schreiber dieses doch auch noch auf etwas aufmerksam machen, was bis jetzt die Herren Fabrikanten vergeffenzu haben scheinen,nämlich eine kleine Lohnerhöhung zn machen, damit die Arbeiter auch einen kleinen Antheil am flotten Geschäftsgang haben. So viel mir bekannt geworden, hat bis jetzt blos die eine Firma P. & M. in Hohenstein eine Lohnznlage von circa 5 Procent gemacht, und zwar schon vor einigen Monaten. Nachfolger haben sich bis jetzt noch nicht gefunden. Es ist sicherlich nicht zu viel behauptet, wenn man sagt, die anderen (christlichen) Fabrikanten könnten auch mehr geben, es ist blos eine kleine Vergeßlichkeit ihrerseits, oder warten sie blos darauf, bis sie daran erinnert werden? Nun, so mögen sie dies Eingesandt als Erinnerung ansehen. Sollten sich die Herren Fabrikanten hiedurch veranlaßt fühlen, das bis jetzt Versäumte nachzuholen, so möchte ich blos noch bitten, nicht blos mit 5, sondern mit mindestens 10—15 Procent anzufangen, es wäre sicherlich keine Sünde. Ein e b e r. Antisemitische Ehrenmänner. Der, wie mitgetheilt, in Wahlau wegen Veruntreuungen verhaftete Postassistent Schulze war ein Specialfreund A h I w a r d t's. Seinerzeit leitete er eine lumnltuarische Ahlwardt - Versammlung in Berlin. Im Zusammenhänge mit diesen Vorgängen stand seine Versetzung nach Frankenstein. Dort begründete er einen antisemitischen Verein nnd plante n. A. ein Gastspiel A h l w a r d t's, das jedoch nicht zu Stande kam. — Ferner wird der „Bresl. Ztg." ans Zittau geschrieben: Eine Größe der hiesigen Antisemiten, der „Gedankenleser" F.A. Geißler, einer der Gründer des hiesigen Rcformvereins, wird seit einiger Zeit von der Polizei wegen Betruges st e ck b r i e fl i ch verfolgt. Die Vergehen, wegen deren das Verfahren gegen ihn eingelcitet Worten ist, liegen über ein Jahr zurück. Die Versolgung Geißler's geschieht aus Requisition der Staatsanwaltschaft in Innsbruck, wo Geißler eine Reihe von Vorstellungen gegeben hat. Wie es heißt, ist Geißler nach Amerika gegangen, und böse Zungen behaupten, er werde dort mit seinem Gesinnungsgenossen Ahlwardt ein Compagniegeschäft gründen. Das Ende eines antisemitischen Agitators. Wiener-Neustadt, 7 Februar. Der bekannte antisemitische Agitator Franz Meitner, ein Badener Schuhmachermeister,der wegen Verbrechens des Betruges und der Wechselfälschung in kreisgerichtlicher Untersuchungshaft ist, i st von Tobsucht befallen worden. Gelsenkirchen, 18. Jänner. Wie wir seinerzeit mittheilten, hat am Abend des 3. Septcmber v. I. eine von antisemitischen Agitatoren aufgestachelte Rotte das Haus des Handelsmannes Block am Vorabend der Hochzeit seiner Tochter durch Steinwürfe arg verwüstet und einen beträchtlichen Schaden angerichtet. Die Menge machte schließlich sogar Front gegen die einschreitenden Polizeibeamten, die der gewaltigen Ueberzahl gegenüber machtlos waren. Nunmehr hat das Essener Landgericht gegen sieben der Unruhestifter verhandelt und drei wegen Landfriedensbruch zu je drei Monaten Gefängniß verurtheilt. Der eonservativ antisemitische Agitator Bluhm wurde kürzlich in Spandau vom Schöffengericht wegen der Deruntreuungen, die er gegenüber seinen Arbeitscollegen beim ge-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.