Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 7 (14.2.1896)
- Date
- 1896-02-14
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 7 Dr. Bloch's Vochenfchrtfi. Seite 133 schicken. Sie aber erwiderten: Wir wollen Euch Alles thun, was Ihr von uns verlangt, aber in dieser Angelegenheit können wir Euch nicht im Mindesten helfen; renn erst gestern ließ er einen Soldaten hängen, dessen Bruder in unserem Orden ist, und wir schickten sechs der Unsrigen hin, daß sie um seines Bruders Willen für sein Leben bitten. Er aber antwortete uns zornig: Geht in Eure Kirche und kein Wort weiter! Wer es wagt, für ihn zu bitten, wird neben ihm gehängt! Und so wurde der Soldat auch hingerichtet. — Trostlos gingen nun die Vorsteher zu anderen Herrschaften, bis ihnen endlich ein hoher Herr, dessen Namen Graf Ungwal und der der Zweite nach dem Grafen war, den Bescheid gab, ihn für zehntausend Goldgulden anszulösen. Indessen war der Befehl gegeben, daß der Henker zu dem Manne ins Gefängniß gehe, die beiden Hunde mit sich nehme und ihm die Hände auf den Rücken binde. Dies geschah auch und der Arme saß mehr als zwei Stunden, die Hände gebunden und die Hunde neben sich, bis der Profoß kam und dem Henker befahl, ihm die Hände loszumachen und mit seinen Hunden nach Hause zu gehen. Er (R. Josef) müsse jedoch noch im Gefängniß bleiben, bis die Juden sein Lösegeld gebracht hätten. So saß er also noch den ganzen Mittwoch und die folgende Nacht hindurch. Donnerstag gegen Abend brachten die Vorsteher das Geld in schöner Münze (Doppelgulden), und als sie zum Grafen kamen, fragte er sie: „In welcher Münzsorte bringt Ihr das Geld?" Sie zeigten es ihm; da fuhr er auf und schrie sie zornig an: „Packt Euch mit dem Gelde nach Hause und bringet mir das Geld in lauter Groschenstücken." Die ganze Nacht arbeiteten die Vorsteher, um das Geld umzuwechseln und gaben es in Säcke zu 1000 Gulden. Am Freitag Morgens kamen die Vorsteher und Gemeindedeputirten zum Grafen und als dieser sah, daß sie das Geld in Körben derdeckt brächten, schrie er mit Erbitterung: „Ihr feigen Inden, warum verdeckt Ihr das Geld, als ob ich es als Bestechung von Euch nehmen würde!" und er befahl ihnen, daß ein jeder von ihnen einen Sack auf die Schultern nehme und ihn über die Brücke durch den Altstädter-Ring in das Rathhaus trage, wo sie es einem bezeichneten Manne übergeben sollter. Jetzt erst am Freitag Abend wurde der Mann frei und „man zog den Josef aus dem Kerker". Und Gott schicke uns in Barmherzigkeit seinen Gesalbten, wie es wünscht Dein Chanoch Sohn des Moses, Gemeindediener in Prag. (Fortsetzung folgt.) Vom Jahrmarkt des Lebens. Noch einmal eine dringende und ernste Frage an die Kirche. Im niederösterreichischeu Landhause ist die jüdische Race von den Antisemiten in menschenschänderischer und gotteslästerlicher Weise charakterisirt worden. Es war von den Ohren, den Knochen, den ansgebogenen Beinen der Inden die Rede; wer vermöchte bei nur einiger Gesittung all' beit Unflath anfzulesen, der dort abgelagert wurde. Wir fragen vielmehr, um von Jesaias, David u. s. w. ganz zu schw igen — und. Jesus? Die Jungfrau Maria? Johannes der Täufer? Petrus? Jcicobus? Paulus? Alle waren sie von dieser öffentlich und laut geschmähten Race. Sie hatten nicht nur jüdische Großväter gehabt; sie selbst waren noch Juden. Laut und unzweideutig, unableugbar und nicht wegdeutbar ist der Gott der gesammteu Christenheit in nächster Nähe und unter dem Beifalle katholischer Geistlichen geschmäht, gelästert, mit Schmutz beworfen worden. Mit heiliger Zornesgluth im Herzen werden wir die edlen Kirchenfürsten an der Seite autoritativer, sachverständiger Künstler in die Kirchen, in die Bilder- und Kunstgalerien geleiten und auf das Urtheil der Sachverständigen lauschen, ob nicht allüberall die besten Bilder von Jesus, Maria, Paulus, Petrus, aus der Hand ver vornehmsten Künstler, den Lieblinaeu der Kirche, klar und deutlich den Typus dieser jüdischen Race bekunden. Und doch geht kein Schrei des Entsetzens durch die ganze Christenheit? Sv seelenruhig wird da die Gotteslästerung angehört? Vergeblich wird es sein, wenn die Wortführer der Kirche die Ausflucht erheben, daß diese unbesonnenen Christen an Jesus und Maria gar nicht dachten, welche von dem Steine getroffen wurden, den die eifrigen Verfechter des Christenthumes doch eigentlich gegen die Juden schleudern wollten. Denn sie wurden ja immerhin getroffen und stehen beschimpft da vor aller Welt! Bedarf es keiner Sühne? Erkennt die Kirche nicht daran, daß mau nicht nur Juden, sondern überhaupt Menschen nicht schänden kann, ohne Gott zu lästern? Der neueste Judenhaß hat nun auch schon den Judenhaß des grausigen Mittelalters überboten. Damals wurden die Inden verbrannt, gefoltert, znrückgesetzt. weil sie als diejenigen, die man zunächst berufen hielt, Jesus nicht genug verehrten; heute wird Jesus gelästert, um die Juden verbrennen zu können. Vergeblich wäre auch die Ausflucht, daß sich die Juden um die Haltung der Kirche gegenüber Jesus nicht zu kümmern braunen. Tenn wir haben sehr wohl Grund und Recht, uns darum zu kümmern. Wie sehr wir auch darum leiden mochten, war es doch ein Ruhm, ein Stolz für uns, daß Kinder unseres Stammes so verehrt in der Welt waren, daß diese durch solche große Gedanken unserer Lehre, durch die Ideen der Nächstenliebe und der höchsten Moral die große Welt verklärten und unserem Fühlen näher brachten. Jetzt, da wir diese gelästert, beschimpft sehen, von seinen eigenen Bekennern, ist es ja doch unser Blut, unser Bruder, ein Kind Abrabam's, Jsal's und Jakob's und cs geht uns an's Herz. Das junge Christenthnm sucht lange genug mit einem Fuße in dem gesitteten Boden des Judenthumes wurzeln zu bleib.n, während es schon den andern in die fremde Welt gesetzt hatte; gleichsam als ob es geahin hätte, daß man unter den Seinigen selbst besser geschützt ist als unter den Fremden, die auch einen Gott leicht im Stiche lassen. „Ehe der Hahn kräht, werdet ihr mich dreimal verleugnet haben!" Aber nicht nur als Inden, sondern als Menschen überhanpi, haben wir Giund und Recht, uns darum zu kümmern, wie es mit der Moral und Sittlichkeit einer Religion, sei diese welche immer, bestellt sei. Darum richten wir ernst und dringend die Frage an die Kirche, wie denkt sie über die jüdische Race, welcher Jesus, Maria, Puulus, Petrus, Johannes, Jcsaias, David, Moses. Abraham, Jsak und Jakob angebören? Keine Antwort wäre hier so klar und bestimmt, wie welch' lanre Antwort immer. Sollte aber die Meinung vorherrschen, daß man einer Minorität nicht Rede stehen müsse, so wollen wir getreulich die Erscheinungen der Zeit und die Aeußerungen, welche diese hervorgernsen haben, verzeichnen, um sie alle dereinst vorzuhalten, wenn Wahn und Rausch wieder vorüber sind und die Vernunft und Gerechtigkeit berufen sein werde», die große Rechnung zu machen. Dr. M. L. Stern. Dr. Lueger über die Autonomie Wiens. Dr. Lueger vergißt Krokodikslhtänen, daß die Stadtgemeinde Wien die Autonomie verloren bat. Jnsolarge die Liberalen im Gemeinderaihe über die Majorität verfügten, wurde Lueger nickt müde, nach dem Regierungscommissär zu rufen. Ta die Bevölkerung ein kurzes Gedächtniß hat, so müssen die Daten immer wieder zur Erinnerung aufgefrischt werden. Am 19. Tecember 1892 declamirte Lueger in „Elterlein's Casino": „Der Statthalter soll doch endlich gegen den Gemeinderaih einschreiten!" Zehn Tage darauf drückte er sicb in der öffentlichen Gemeinderathssitzung noch deutlicher aus: „Ter Stall- Halter soll Gemeinderath und Stadtrath davonjagen!" Am 12. December 1891 batte Schneider bereits im Landtage verlangt: „Wiens Gemeindeverwaltung ist bankerott; sie soll unter Curatel gesetzt werden! Als G.-R. Stiaßny, vorausahnend, am 24. November 1891 die Ansicht aussprach, die Antisemiten würden es noch so weit bringen, daß die städtische Autonomie gefährdet würde, antwortete Lueger im Gemeinderath am 27. November 1891 wörtlich: „Man bat uns mit Auflösung des Gemeinderatbcs gedroht. Es gibt kein größeres Glück für Wien als daß wir Alle nach Hause gingen!" Auf die Frage Stiaßny's, ob denn di" Herren glauben, daß alsdann die Steuerträger weniger zahlen, entgeguete Howranek schlankweg: „Die befürchtete E i n s e tz u n g eines kaiserlichen Commissärs würde der Commune weniger Kosten verursachen als die Amtirnng durch den Stadtrath.'" — Am 29. April sagte Lueger den Hernalser Wählern: Der Gemeinderath ist schwer krank; damit er gesund werde, bedarf er einer Roßenr. Vielleicht verstand Lueger unter „Roßcur" das Walten einer antisemitischen Gemeinderathsmehrheit. Als in der Sitzung des Gemeinderathes vom 28. Mai vorigen Jahres Friedjung erklärte, er wolle noch die Vorlage über die Krankenversicherung von 4200 städtischen Arbeitern erledigt sehen, ehe es etwa zur Auflösung des Gemeinderathes komme, erhob sich demonstrativer Beifallssturm auf den Bänken der Antisemiten. „Auflösen sollte man den ganzen Gemeinderath! schrie. Purscht, als er (28. October 1892) von Dr. P r ix gemaßregelt worden war. „Es ist verfluchte Pflicht und Schuldigkeit der Statthalterei, Stadtrath und Gemeinderath auf die Finger zu klopfen! hatte Schneider vor zwei Jahren schon im Landtage gefordert. Wozu nun der Lärm? Ist es doch noch in Aller Gedächtniß, das Wort Luegers: „Her mit dem kaiserlichen Commissä r"! Nun Lueger hat es erreicht.