Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 6 (7.2.1896)
- Date
- 1896-02-07
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 6 Seite 117 Dr. Bloch's Wochenschrift bedeutende Aenderung in der Haltung des russischen Hofes gegen die Juden im Allgemeinen zu erhoffen. Als ein günstiges Zeichen betrachtet man unter diesen Umständen die Einsetzung einer neuen Commission zur Prüfung der jüdischen Frage. Auch hofft man, daß in Anbetracht des etwas umwölkten politischen Horizonts die russische Regierung sich der Bedeutung, von der die Versöhnung eines so großen Theiles der russischen Bevölkerung doch unzweifelhaft wäre, nicht verschließen wird. Der Patriotismus hat sich in Ländern, in denen sie politische und bürgerliche Rechte genießen, immer bewährt, und so werden auch die russischen Juden ihrem Baterlande zur Ehre gereichen, wenn die weise Mäßigung, welche die gegenwärtige Regierung kennzeichnet, fortbestehen wird. Eine Gelegenheit, den russischen Juden die Bürden, die so schwer auf ihnen lasten, zu erleichtern, wird sich bei der Krönung des Czaren ergeben, welche im Mai stattfindet. London.. Es wird Ihre Leser sicher interessiren, zu erfahren, wie judenfreundlich der soeben verstorbene Präsident der königlichen Akademie, der edle Lord Leighton, gewesen. Als Mr. Joseph Sebag Montefiore in seiner Eigenschaft als oberster Richter von Kent (High-Sheriff) dem Erzbischof von Canterbury ein Fest gab, war Lord Leighton unter den Gästen. Er Unterzeichnete auch die Adresse an den Lord Mayor Joseph Savory, in Folge deren am 10. December 1890 die Versammlung in Guildhall einberusen wurde, welche gegen die Verfolgung der Juden in Rußland protestirte. Aus derselben Zeit liegt ein Brief an Mr. Simon vor, in dem er der ernsten Hoffnung Ausdruck "ibt, daß diese Versammlung gute Früchte für die russischen Juden tragen möge, in dieser Zeit der schweren Prüfungen und eine Erleichterung ihrer Leiden herbeifuhren möge, der Leiden, welche so viele nichtjüdksche Herzen mit Mitleid und Entrüstung erfüllt haben. Nicht nur die Kunst hat einen herben Verlust durch den Tod Lord Leighton's erlitten, unter den Leidtragenden befinden sich viele, deren Bewunderung er durch seine edlen Herzens- und Geisteseigeuschaften gewann. Fast gleichzeitig wird der Tod Sir Joseph Barnby's, des Directors der Guildhall Musikschule, des Leiters des berühmten Gesangsvereines in der Albert-Hall, gemeldet. Dieser Künstler war ebenfalls ein Judensreund im edelsten Sinne des Wortes. Erst jüngst ist ein kleines jüdisches Mädchen, das durch seine bedeutende Begabung Aufsehen erregt hat, Gegenstand seines besonderen Interesses gewesen, und unter seinen Gästen an jedem Sonntaguachmittag befanden sich viele unserer Glaubensgenossen. London. (Die jüdischen C o l o n i e n t rt Arge utinien.) Wir entnehmen dem Berichte des Berwaltungsrathes des Vereines für jüdische Colonisation für 1895 folgende Daten, die ein sehr erfreuliches Bild des neu entstandenen und stets neu entstehenden jüdischen Gemeindewesens in Süd- Amerika gewähren. Außer den früheren Ansiedlern, die sich in den Colonien von Mauricio, Mosesville, Clara und San Antonio niedergelassen haben, sind in den letzten zwei Jahren 14 Colonistengruppen entstanden, von denen jede ungefähr 50 Familien zählt. Zehn dieser neuen Gruppen waren im Laufe des Jahres 1894 fast vollständig eingelebt, die 4 neuen sowohl als auch die Nachzügler der ersten 10 kamen im letzten Jahre dazu. Die Uebersiedlung und Niederlassung dieser Familien ging in sehr methodischer Weise vor sich, so daß aller Grund vorhanden ist, mit den unmittelbaren Resultaten zufrieden zu sein. Im Ganzen befinden sich in den argentinischen Colonien jetzt 1222 Familien. Der größte Theil der Colonisten zeigt wirklich gute Anlagen und Lust und Liebe zum Ackerbau und jeder damit in Verbindung stehenden Arbeit. Andererseits sind wir zu constatiren genöthigt, daß sich unter den früheren Colonisten noch immer Elemente befinden, die unfern Erwartungen nicht ganz entsprechen. Diese Elemente, die aber nur 5, höchstens 10 Percent sämmtlicher Ansiedler ausmachen, müssen entfernt werden und die Direction in Buenos - Ayres hat zu diesem Behufs auch schon Instruction.n erhalten, ist aber noch nicht im Stande gewesen, sie vollständig auszuführen. Das Sanitätswesen ist in folgender Weise organisirt: In Mauricio befindetZich ein Spital mit einem Doctor und einem Krankenwärter. In Mosesville, in welchem bis nun ein Arzt aus der Umgebung die nöthigen Besuche machte. haben wir nun auch einen Doctor angestellt. In Entre Rio leitet ein Arzt aus Clara die sanitären Angelegenheiten. Er hat 4 Hilfsärzte, von denen einer in San Antonio, der zweite in Basavilbaso, der dritte in St. George sich befinden; der vierte assistirt im Spual, das einige Krankenwärter und einen Pharmaceuten beschäftigt. Die Direction in Buenos-Ayres hat in Verbindung mit der Alliance Jsraelite hat bereits Schulen errichtet in Mauricio, Clara und Mosesville. Mauricio hat 2 Schulen, eine in Agorobo, die andere in Alice, welche im August des abgelaufenen Jahres von 100—110 Schülern besuchtwurden.DieKinder werden von dem Leiter, Mr. Benlolo und zwei Lehrern des Hebräischen unterrichtet; die Anzahl der Schüler, die sich als sehr fleißig erweisen, wächst von Tag zu Tag. die erzielten Resultate find im Allgemeinen befriedigend. In der Schule zu Clara, die von Mr. Sabah geleitet wird, befanden sich im Monate August des Jahres 1895 109 Schüler, 57 Knaben und 52 Mädchen. Auch in dieser Schule sind die Leistungen zufriedenstellend. Die Kinder gehen offenbar mit großem Vergnügen zur Schule — unter den Knaben befinden sich 6 Katholiken — und ihr Benehmen ist ein musterhaftes. In Mosesville unterrichtet einer der von der Alliance Jsraelite dahingesendeten jungen Profefforen, wie auch einige Lehrer russischer Nationalität; ein detaillirter Bericht über die in dieser Schule erzielten Resultate ist uns bis jetzt noch nicht zugekommen. Dasselbe ist der Fall in der Schule zu San Antonio, in welcher eine Lehrerin und zwei Lehrer des Hebräischen unterrichten. Der Bau der Damvfmühle in Claru, dem Mittelpunkte der Entre Rios-Colonie. schreitet seiner Vollendung entgegen und wird selbe in kurzer Zeit zu arbeiten beginnen. Die Colonisten haben das Mehl bisnun sehr theuer bezahlen müssen und erwarten nunmehr bedeutend billigere Preise. Die Ziffern der Bevölkerung stellen sich wie folgt: 1894 1895 Zunahme Ahn ahme Mosesville 49 Familien 90 Familien 41 Familien — Mauricio 213 ., 208 „ — öFamil. Clara 245 „ 481 „ 233 Fannlien — San Antonio 56 „ 68 „ 12 „ — Gruppen 206 „ 375 „ 169 „_— Summa 769Familien 1222Familien 458Familien 5 Famil. Das bebaute Land in den Colonien hatte eine Ausdehnung von: 1894 1895 Weizen, Anderes Getreide. Weizen, And. Geireide. Mosesville 1.882 Hekt. 400 Hekt. 1.790 Hekt. 1.361 Hekt. Mauricio 5.328 “ „ 269 „ 2.291 „ 18 „ Clara . 5.402 „ 519 5.467'/. „ 844V... San Antonio 1.189 „ 52 „ 875 „ 354'Z., Gruppen _ 3,714 ,, 1.495 „ 13.801 Hekt. 1.240 Hekt. 14.137'/. H. 4.O727.Hekt Der Verein besitzt gegenwärtig in Argentinien in dem Gebiete von Entre Rios ., „ „ „ Santa Fee ,, ,, ,, „ Buenos-Ayres 150.786 Hektar 13.237 ' „ 25.000 Summa 189.023 Hektar von denen die Colonisten 90.000 Hektar innehaben. Aus dem Berichte von Canada ist zu ersehen, daß die Verhältnisse der dortigen Hirschh'chen Colonie eine Wendung zum Bessern genommen haben, dank der gründlichen und sorgfältigen Ausscheidung. Nicht nur hat die außerordentlich günstige Ernte die Erhaltung der Colonisten und ihrer Familie bis zum nächsten Jahre gesichert, sie ermöglicht es ihnen auch, m ihre landwirthschaftliche Ausrüstung zu vervollkommenen U' ihren Vorrath an Vieh zu vergrößern. Das St. Petersburger Hauptcomite sowohl als auch ' localen Comites setzen ihre Bemühungen fort. Ihren Anstrengun n ist es zu verdanken, daß die Beförderung ruffischer Auswandererfamilien nach Argentinien auch im verfloffenen Jahre in befriedigender Weise vor sich gegangen ist. Wien. (Verlobung.) Fräulein Ernestine P o l l a k Tochter des seligen Rabbinats-Affessors der israelitischen Cultus gemeinde, Herrn Rabbiner M. P o l l a k, hat sich mit Herr Michael Kunstadt, in Firma I. Kunstadt, Wien verlob