Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 6 (7.2.1896)
- Date
- 1896-02-07
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 118 Dr. Blvch's Wochrnptzrifi. Nr. 6 Wien. (Verlo b u n g.) Herr Gabriel Schlein aus Sniatyn hat sich mit Fräulein Ernestine Berger, Tochter des Herrn Adolf Berger in Proßnitz, verlobt. Wie«. Sonntag am 16. Februar 1896, 2V» Uhr Nachmittags, findet im israelitischen Tempel der Seitenstettengasse die Trauung von Fräulein Emma Südfeld, Tochter des Herrn Herm. Südseld, mit Herrn Julius Kleemann statt. Wien. (Oesterreichisch-Jsraelitische Union.) Samstag den 8. Februar 1896, Abends halb 8 Uhr, findet im Restaurant Khuner, I. Schottenring 19. eine Vereins- Versammlung statt. Tagesordnung: 1. Mittheilungen des Vorstandes. 2. Vortrag des Herrn Med. Dr. Jos. M. L o e b l: „Die sociale Stellung der jüdischen Frau im Alterthum". 3. Anträge und Interpellationen. Wien. (Spende.) Von N. L. in Rußland sind uns für die Talmud-Thora 3 fl. zugekommen. Wie«. (Jüdische akademische Lesehalle.) Am Samstag den 1. Februar hieltHerr Dr. Bernhard Münz einen lehrreichen, zugleich von Humor sprühenden Vortrag über „Tie Logik des Kindes". An demselben schloß sich eine lebhafte Discuffion, an der sich u. A. Herr Universitäts-Docent Dr. Max Herz, ferner die Herren Benesch. Berg Friedrich und Spitz betheiligten. — Der nächste Vortrag findet Samstag den 8. Februar, 7 Uhr Abends, statt. Wien. (Akademischer Verein ,,G am al a".) Samstag den t. d. M. hielt im Vereinslocale Beieinsmitglied phil. M. Berka w i c z einen Vortraa über „S. D. Luzzatlo". Der Vortragende entwarf ein treffliches Bild von diesem bedeutenden Manue, der als ein nachahmenswertbes stttliches Ideal in der jüdischen Geschickte dasteht und schilderte hierauf seine erhabene Auffassung des Judenthums und seiner Ethik. Der nächste Vortrag findet Freitag den 7. d. M. statt. Gäste herrlich willkommen. Der Israelitische Frauenverein im 18. Bezirk, Wäbring veröffentlicht soeben den Jahresbericht für das Jahr 1895, welcher ein Bild des humanen Wirkens des Vereines bietet. Der Verein, welcher namentlich die Bekleidung von armen Kindern zu seiner Aufgabe gemacht, verdient alle Förderung. Bei der am 29. Jänner 1896 stattgehabten Generalversammlung wurde sowohl dem Vorstande, als den Herren Rabbiner Sor, Cultusvorstand Emanuel Hoffmann und dem Amtsleiter Max Peterselka der Dank für ihr opferwilliges Wirken ausgesprochen. Wien. 30. Jänner 1895. (graue n-W ohlthätigkeitsverein im 8. Bezirk.) Der überaus Humanitär wirkende Frau en- Wobltbätiqkeitsverein im 8. Bezirk, an dessen Spitze die im Dienste der Humanität unernrüdliche Prädsidentin Frau Amalia Beck steht, veranstaltet am 16. Februar d. I. im Ballsaale des Etablissements Nonacher ein El ite - Kr än z ch en. Die Oberleitung des bestes, deffen Erträgniß bestimmt ist, die Noth non den hilflosen Witwen und Waisen zu lindern und arme Kinder mit schützender und wärmender Kleidung zu versehen, haben die Herren Victor Fuchsbalq (Obmann). Emil Storch (Obmann-Stellvertreter), Dr. Kamilaar (Schriftführer) und Isidor Berns e ld (Cassier) übernommen. Die Ballmusik wird die treffliche und populäre Capelle Ziehrer besorgen. Dem Comite gehört überdies eine stattliche Anzahl von Damen und Herren aus den besten Kreisen der Gesellschaft an, so der bekannte Gewerbefreund Herr Adolf Beck der ehemalige Reichsrathsabgeordnete und Herausgeber der „Oesierreichischen Wochenschrift" Herr Dr. I. S. B l o ch. der verdienstvolle Armenrath S. Brod, der allseitig verebrte Architekt Max Fleischer, der ehemalige Gemeinderath Theodor Ritter von Goldschmidt, der unermüdliche Arrangeur Leopold G u t t m a n n, d>'e Bezirksausschüsse Heim und W a l d st e i n. der Redacteur Sigmund S k r e i n. Dr. I. H a h rc. Es verdient hervorgeboben zu werden, daß dieses Comits'so viele und aediegeneKünstler in keiner Mitte aufweist, daß jede Comils-Sitzung. so auch die am 4. d. M. im Hotel Müller abgehaltene, zu einem wahren Cabiaetsstücke von wusikalisch-declamatorischen Familienabenden sich gestaltet. Möge auch der Erfolg des Festes ein den vorbereitenden Schritten und dem edlen Zwecke, dem der Reingewinn zugeführt werden soll, entsprechender sein. Wien. (Eine polnisch-jüdische Versammlung.) Um das Elend der jüdischen Einwohnerschaft der Brigittenau theilweise zu lindern, wurde vor vier Monaten ein humanitärer polnisch - jüdischer Bethaus - Verein „Bikur Cholim" ins Leben gerufen, der auch für die religiösen Bedürfnisse der Brigittenauer Bevölkerung Sorge tragen will. Da der israelitische Cultusvorstand diesem Vereine die Bestätigung versagte, so fand Mittwoch den 21. Jänner im Restaurant Fischer eine Versammlung der Proponenten statt, in welcher gegen den Vorstand eine Resolution beschlossen wurde. Das Geburtsfest des Sultans. Im Tempel der türkischen Gemeinde fand anläßlich des Geburtsfestes des Sultans Abdul Hamid ein feierlicher Gottesdienst statt. Zu demselben erschienen: Der türkische Geschäftsträger Nasri Bey mit sämmtlichen Herren der türkischen Botschaft, Polizeibezirksleiter Obercommissär Kenda, der Secretär der israelitischen Cultusgemeinde Dr. Lieben, ein Mitglied des Convents der Barmherzigen Brüder, Baurath Stiaßny, der frühere Gemeinderath Seiler, der Präses der Gemeinde Marco Russo mit seinem Stellvertreter Licco Adutt, die Mitglieder des Vorstandes und der türkisch-israelitischen Colonie. Der Vorstand begrüßte den Boischaftsrath Nasri Bey, nach dessen Erscheinen der Gottesdienst um halb 12 Uhr Vormittags seinen Anfang nahm. Die Feier begann mit der Aufführung eines Festpsalmes durch Obercantor I. Bauer "mit Chor, Orgel- und Harfenbegleitung. worauf Rabbiner Papo die Festrede hielt. Mit der Absingung der türkischen Hymne schloß die erhebende Feier. Wien. Am 28. Februar d. I. beg-ht der hier wohnende Gekehrte Herr Samuel Mo dlinger seinen siebzigsten Geburtstag. Ueber seine schriftstellerischen Arbeiten wird uns geschrieben: Unlängst veröffentlichte Herr Modlinger einen hebräisch aeschriebenen Artikel über eine Stelle in der ältesten rabbinischen Urschrift, Titel: Ediot (8. 4.) wo durch dessen Erklärungen viel Jrrtbnm zum Erstaunen der gelehrten Rabbinen beseitigt wird. (Siebe „Ost und West" Hebr. Heft 1.) Sein 1889 hier in Wien französisch und deutsch gedrucktes Werk: „Der rabbinische Rationalismus" enthält die Lösung vieler biblischen und talmudischen Probleme, wo auch auf die Quellen des sogenannten Racenhasses hingewiesen und der Satyre anheimgestellt wird. Im Jahre 1883 gab er ebenfalls hier in Wien sein größeres hebräisches Werk: „Das Leben des Aristoteles und seine Philosophie" (Wien 1883) heraus, worin die äußerst schwer zusammenzuklaubende und zusammenzufügende Philosophie des Stagiriten in seltener Klarheit vorgetragen und abgewickelt wird. Dabei vergaß Herr Modlinger nicht, den Schwerpunkt der Kant'schen Philosophie zu kennzeichnen, der allen älteren Systemen ein Ende machte und der Metaphysik neue, nie geahnte Bahnen brach. In der Behandlung der aristotelischen Poetik zog er die^rs poetiea von Horaz herbei und bearündete damit eine Dichterschule für hebrä'sche Poeten. Die Lectüre dieser der Dichtkunst gewidmeten zwei letzten Abschnitte des M o d l i n g e r'schen Werkes läßt einen nachhaltigen Eindruck zurück. Merkwürdig ist seine originelle Benrtüeilnng der biblischen Bücher Rnt und Hiob. Der originelle Forschergeist unseres Modlinger zeigte sich auch in sehr bedeutender Weise in seiner Schrift „Lessing's Verdienste um das Jndeutbum" (Frankfurt am M. 1869), eine aeistvolle Abhandlung über Lessing's „Nathan" und dessen Drama, ..D e r I u d e". Es soll auch von ihm ein deutsches Merkchen, Titel: „Reminiscenz an Munk" (Lemberg 1867) existiren. das ich jedoch nicht aeseben habe. Als sunger Mann gab er ein hebräisches Werk, heraus, Titel: „Blicke in die Urgeschichte des israelitischen Volkes" (Lemberg 1861), worin er vermittelst der ibm bekannt gewordenen Hieroglyvhen-Entzifferungen des französischen Champollion und des Italieners Rosselini, mit Zuziehung biblischer Daten, eine neue Chronologie über den Ausrug der Juden aus Eoppten, die Herrschaft Josefs und das Eintreffen Jacobs in diesem Lande arithmetisch nnd synchronistisch geordnet vorträgt. Wahrlich ein unsterbliches Werk, das sich mit der Zeit in die Wissenschaft hineinleben muß. Von M o d l i n g e r's vielen, in periodischen Schriften zerstreuten Aufsätzen ist sein kritisch-qsogravbischer Aufsatz über den Zug der Jayeten nach Europa und über das im Propheten Abadia (1 80) erwähnte sepbardische und zarfatische Exil verdienstlich hervorzuheben. (Siebe säe Zofim Lemberg 1860). Das ist der simple Mann, der am 28. Februar sein siebzigstes Jahr erreicht. 8. Aus Tulln wird gemeldet : Der Secretär desBezirksarmenratbes. Nestler, wurde nach vorangegangener Cassenrevision, die vom Landesausschusse vorgenommen wurde, wegen Defraudation von Armengeldern verhaftet und dem Gerichte übergeben. Nestler war ein eifriger Anhänger der antisemitischen Partei. Das Manco übersteigt bisher vierhundert Gulden, ist aber bedeutend höher. Die Untersuchung wegen Amtsveruntreuung wurde eingeleitet. Waidtzofen a. d. Thaya.' Unsere Cultusgemeinde hat Herrn Dr. Kahan aus Leipzig einstimmig zum Rabbiner gewählt. Mährisch-Ostran. Im 94. Lebensjahre starb Hanna v. L ö w und wurde am 30. Jänner zur ewigen Ruhe bestattet. Die Heimgegangene war eine wohltbätige Frau, die namentlich arme Studenten unabläffig unterstützte, so daß viele angesehene Männer ihre Existenz der verstorbenen frommen Frau verdanken. Sie besuchte die armen Leute, um denselben zu helfen und ihre Herzensgute war sprichwörtlich. Mistelbach. Die Tempeleinweihung wird Dienstaa den 25. Februar stattfinden und dem Fest wird sich ein Wohlthätigkeits-Elitekränzchen anschließen. Ein Comite, bestehend aus den Herren Ludwig Pisk, Siegmund Riesenfeld, Alfred