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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-02-07 · 6 (7.2.1896) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
6 (7.2.1896)
Date
1896-02-07
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 6 Seite 115 Dr. Bloch's Wochenschrift charakterbildende Eigenschaft. Er bringt zu Stande, daß seine Anhänger, wenn es das Geschäft, derVortheil mit sich bringt, pro forma den Antisemitismus auch — verleugnen. Die krampfhaften Anstrengungen, den neuen Director der Landes-Jrrenanstalt Dr. Hellwig von dem Verdachte des Antisemitismus zu reinigen, sind der „Ostdeutschen Rundschau" genau so gut gelungen, wie der Versuch, die Unparteilichkeit der Männer zu glorificireu, die den Mitbewerber Hellwigs, den Dr. Kornfeld, ungeeignet für die Stelle eines Directors fanden. Die Keulenhiebe, die Dr. Stransky im Landtage in dieser Richtung geführt, sitzen fest und konnten nicht parirt werden. Dr. St ran sky hat betont, daß Dr. Kornfeld, was Erfahrung, Dienstzeit und wissenschaftliche Tüchtigkeit betrifft, entschieden dem Dr. Hellwig voraus sei. Ec hat, und das mag die Herren, die den Dl. Hellwig jetzt nur als großen Gelehrten und nicht einmal als kleinen Antisemiten verherrlichen wollen, am meisten verdrießen, auf folgende unleugbare und unwiderlegbare Thatsache hingewiesen. Professor Krafft-Ebbing hatte ein wissenschaftliches Gutachten abgegeben, in welchem er mit Rücksicht ans die wissenschaftlichen Qualitäten der Bewerber den Dr. Kornfeld prirno loco vorschlug und er war auch nicht wenig überrascht, als er nachträglich erfuhr, Dr. Hellwig sei zum Director der Anstalt ernannt worden, welcher in-der wissenschaftlichen Welt keine lvie immer g.°e a rteteBedeutunghabe. Für den Unbefangenen ergibt sich sonach deutlich, welche Schlüsse aus dieser Angelegenheit auf den Liberalismus und die Unparteilichkeit jener „liberalen" Herren gezogen werden müssen, deren Verdienst die Berufung Hellwig's ist. llebrigens ist der antisemitische Eifer, den die „Ostdeutsche Rundschau" heldenmüthig eine Zeitlang unterdrückte, zum Schlüsse des erwähnten Artikels in Hellen Flammen ausgebrochen und da zeigt sich am Ende doch sowohl Dr. Promber als Dr. Hellwig in der richtigen Beleuchtung. In den letztenZeilen des Artikels heißt es nämlich: „ . ab'r ebensogut können wir bebanpten, daß an die Spitze einer Landesanstalt schon heute, selbst in Mähren, kein Jude gehört." Aber ein Antisemit gehört dahin? Nicht wahr? Auch wenn er sonst rn jeder Besetzung hinter dem jüdischen Mitbewerber zurückstehen muß. Aus der vornehmen Gesellschaft. Eine Zierde des Brünne r Officierscorps ist uuftreitig ber Dragoner-Oberlieutenam Josef Freiherr v. S u i n i d e l l a P i e 0 e d'A l b i g u o I n, eine in den Brunner Nachtlocalen bekannte Persönlichkeit. Der Mann hat neben seiner Officierscharge auch eine politische „Ueberzeugung", und zwar ist er Antisemit. Als solcher bereitet es ihm ein köstliches Vergnügen, die Juden zu „hänseln"'. Es wäre in Folge seines provocatorischen Auftretens wiederholt zu handgreiflichen Auseinandelsetzungen .mit dem Herrn Oberlieutenant gekommen, wenn bei dem „Zivilpack" nicht immer die kalte Vernunft die Oberhand behalten hätte. Daß er immer glimpflich davongekommen, scheint den Freiherrn v. Suini rc. nur noch mehr zu reizen, so daß es endlich am verflossenen Sonntag im Kaffeehause des Deutschen Hauses zu einem Scandal gekommen ist, der gegenwärtig das Stadtgespräch in Brünn bildet. — Am Samstag gab's im Deutschen Hause einen Ossiciersball, und von diesem Vergnügen mochte der Herr Oberlientenant noch Sonntag Nachts gut aufgelegt sein, denn er prvvvcirte in den geheiligten Bourgeoisräumen des Deutschen Hauses eine Scene, wie sie dort noch nicht da gewesen sein mag. Der Freiherr saß in uniformirter Gesellschaft an einem Tische und gab behufs Frozzelci der Juden das geschmackvo le Couplet „Gcoßwardem" zum besten. Der Obmannstellvertreter des Deutschen Turnvereines, Ingenieur Eduard Lustig, bezog die fortgesetzten Hänseleien des gebildeten Obeclieutenants auf seine Person, stellte den Freiherrn zur Rede, und ehe man es sich versehen konnte, war eine solenne Prü. ge lei fertig, bei der der Herr Oberlieutenant trotz der Hilfe seiner College» schlecht w ggekommen sein soll. Es wurden Ohrfeigen ausgethrilt, die Säbel gezückt und die Fäuste geballt, und wie Augenzeugen versichern, hätte nicht viel gefehlt, und der Herr Oderlieutenant wäre von den Civilisten — zum Fenster hinausceworfen worden. Herr Lustig ist Reservelieuteiicnit und er sowie der geprügelte Freiherr fühltendas Bedürfuiß, ihre schadhaft gewordene „E h r e" am anderen Tage noch m-t dem Säbel zu repariren. Das Duell endete mit einer scheren Verwundung des rauflustigen Oberlientenants, so daß die „Juden" durch einige Zeit von seinen Hänseleien verschont bleiben werden. Der Kcakehler in der Ofsiciersuniform wird durch einige Wachen das Zimmer hüten müssen. — Bezeichnend für die' deutsche Bourgeoispresse ist es, daß sie den Exceß beinahe gänzlich todtschweigt und mit wenig Zeilen darüber hinwegeilt. Es ist das dieselbe Presse, die Zeter und Mordio über bie- „Verworfenheit" der Arbeiter schreit, wenn irgendwo zwei arme Teufel sich gestritten haben. Osficieren gegenüber wagt sie nicht den Mund ausznthnn. So soll es nach einer guten Jnsormativu viel Mühe gekostet haben, daß der deutschtibecale „TageSbore", zu desjeu Berus es gehört, die reichen Juden zu vertreten, von dem Scandal überhaupt kurz Notiz genommen hat. Die Entrüstung über den Exceß hat diesmal selbst die bürgerlichen Kreise ergriffen. Kein Wunder, es war ja kein armer Soldat, der unter den Rohheiten des Freiherrn v. S u i u i d e l l a P i e v e d'A l b i g n o l a zu leiden hatte. I o s e f F r e i h e r r v o n S u i it i dellaPieve d'A atbignola ist überhaupt eine in Nachllacalitäien und bei — Inden allbekannte Persönlichkeit. Bor etwa drei Wochen wurde er bei den „3 Hahnen" arrogant, als auch dort das bekannte „Großwardein- Lied" am Clavier gespielt wurde. Herr Oderlieutenant Joses Freiherr rc. stellte sich bei diesem Anlässe mit den Händen in der Tasche provocatorisch vor einen Tisch, an welchem.eine jüdische Gesellschaft saß, und stimmte hänselnd und jüdelnd das Großwardein-Lied an. Einer aus der Tischgesellschaft, Namens Adolf Frey, apostrophirte den Provocateur in wenig schmeichelhafter Weise, aus „Sanjnd" und ähnliche Ausfälle folgte seitens des Herrn Freu ein Anerbieten zu näherer Berührung, der Wirth der „3 Hahnen," dem es um seine Wurzen zu rhun war, nahm für die Officwre Partei, bis die Geschichte durch Oberlieutenant Laube in sogenannter gütlicher Weise beendigt wurde, allerdings ohne daß dein Freiherrn cc. rc. die „standesgemäße" G'nngthuung zutheit geworden wäre. Josef Freiherr rc. rc. war es auch, wenn wir richtig informirt sind, jedenfalls aber die Cavallerie-Mandarine, die vor einigen Wochen eine rohe Scene im Theater aufführten. Die Ossiciere führten miteinander laute Unterhaltung in einer Loge, während der Chemiker Gustav Spitz im Parterre saß, als ails der Loge ziemlich laut, die allerdings berechtigte Aeußerung fiel; „Lauter Inden!" Herr Spitz replicirte : „Ich bitte um Ruhe, ich bin Reservelieutenant." Joses Freiherr rc.: „Sie Saujud, halten Sie das Maul!" Darauf befiel Herrn Spitz eine Aufregung und ein Unwohlsein und er mußte aus dem Parterre getragen werden. Die Brünner Blätter berichten über dieses Unwohlsein — das andere aber verschwiegen sie in „liberaler" Weise. Horazdiowitz. Aus Horazdiowitz wird uns als Seitenstück zu der in Nummer 5 unseres Blattes gebrachten Notiz: „Der bestrafte Ueberläufer" folgende wahre Geschichte mitgetheilt: Es war im Jahre 1876, in der Garnison zu Jglau» da meldete sich ein Infanterist zum Rapport. Als ihn der Oberst nach seinem Anliegen frägt, sagte er, er sei Jude und wolle sich nun taufen lassen. „Warum denn?" fragte der Commandant". „Weil ich als Christ eher befördert zu werden glaube," antwortete der Tauflustige. „Ja, wie können Sie nur so etwas glauben, nachdem die Juden gerade bei unserem Regiments vom Oberlieutenant abwärts in allen Chargen vertreten sind? Gehen Sie und überlegen Sie sich die Sache noch einmal!" befahl der Oberst. Und alder Soldat nach einigen Tagen erklärte, e^. sei fest entschlossen, sich taufen zu lassen, sagte der Oberst: „Nein, mein Lieber, die Zeit war zu kurz! Ich gebe Ihnen 8 Tage Dunkelarrest, damit Sie Gelegenheit haben, über die Sache gründlich nachzudenken; aber solange ich Commandant dieses Regimentes bin, werden Sie keine Bewilligung zur Taufe erhalten. Herr B. N e u m a n n, Unter - cantor hier, diente damals beim selben Regimente, war Corpora! und Augenzeuge der obgeschilderten Scene. Dukla. Trotz der ungeheuren Schwierigkeiten scheint die Baron Hirsch-Stiftungsschule erfreuliche Fortschritte zu machen. Zu Ende des ersten Semesters hat die Schulleitung eine Einladung zur feierlichen Schulprüsung ergehen lassen. Erschienen waren die HecrenM. H. Reich. Obmann. M. Goldhammer und M. Ch. Ehrenreich, Mitglieder des Local-Comites. ferner die Herren: Abraham Künzler, Moses I. Fink, M. H. Miller. Moses Unger, Ascher Rubin, Leser Rubin, Samson Wasserstrom, Salomon Künzler und Hirsch Ehrenreich. Mit sichtlichem Vergnügen verfolgten sie jede Antwort der Schüler und konnten es gar nicht begreifen, wie in verhältnißmäßig so kurzer Zeit aus vernachlässigten, verwahrlosten, herumvagabundirenden Gassenjungen, solch' aufmerksame, auffaffungssähige und gesittete Schüler wurden. Nach Verlesung der Classification und Bcrtheilung der Zeugnisse, wurden die Schulkinder, 25 an der Zahl, gespeist. Sichtlich befriedigt verließen die Gäste das Schullocal mit dem Wunsche, daß sich die hiesige Schule ebenso wie heute immer mehr neue Freunde erwerbe und daß die Gegner der Schule endlich zur Einsicht gelangen mögen, daß die Baron Hirsch-Schule dem Judenthum nicht zum Nachtheile. sondern nur zum Bort heile gereicht. 6. Lemberg. (Die Sonntagsruhe.) Beider Schaffung des Gesetzes über die Sonntagsruhe hatte man sich im letztem

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