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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-02-07 · 6 (7.2.1896) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
6 (7.2.1896)
Date
1896-02-07
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Dr. Vloch's Wochrnfchrist Seite 114 Nr. 6 weshalb er sich mit seinem Personal Mühe gab, den Thäter zu ertappen. Als am 23. December v. I., Abends halb 7 Uhr, die Gattin des Herrn Kulka im Gewölbe einige Kunden beoiente, sah sie durch die Spiegeltafeln der Auslage den pensionirten Südbahnbeamten, Gemeiuderath, Armenrath und Ausschuß der hiesigen Sparcaffe, Herrn Stefan Krickel, einen Mann von 60 Jahren, welcher zu wiederholtenmalen sich räusperte und die Tafeln anspuckte. Frau Kulka verständigte sofort ihren Gatten, welcher auf die Straße trai und Herrn Krickl zur Rede stellte. Herr Krickl drohte nun dem Herrn Kulka mit Ohrfeigen und sagte: „Er solle schauen, daß er weiter komme." Dieser Vorfall ries auf der Straße Aufsehen hervor. Gegen den Herrn Gemeinde-Functionär erstattete nun Herr Kulka beim hiesigen Bezirksgerichte die Anzeige, und Herr Stefan Krickl wurde der der gestern stattgehabten Verhandlung vom Strafrichter Dr. Rudolf v. K o m o rc z y n s k i zu zwanzig Gulden Geldstrafe, im Nichteinbringungssalle zu vier Tagen Arrests verurtheilt. Budapest, (ll n g a r i s ch e r i s r. L a n d e s f o n d.)W ie w ir mitgetheilt haben, hat die am 5. Jänner abgehaltene israelitische Landesconferenz und Tags darauf die Versammlung der israelitischen Districtspräsidenten die Schaffung ei-es israelitischen Landesfondes beschlossen und mit den nothwendigen Agenden die Borstehung des Budapester VI. israelitischen Gemeindevistrictes betraut. Diese Borstehung hat nun als Fondscommission am 26. v. M. eine Sitzung abgehalten und zu ihrem Cassier Herrn Alexander Deutsch de Hatvan, zum Controlor Herrn Alexander Wahr mann gewählt. Ferner wurde beschlossen, folgenden Aufruf an die vaterländische Judenschaft zu richten: Die ungarische Judenschaft hat das eine große geschichtliche Bedeutung erfaffende Ereigniß, welches unsere uralte Religion in die Reihe der gesetzlich recipirten Religionen erhoben hat, nicht nur mit wahrem Freudegefühl, sondern auch mit thatend.-reitem Pflichtbemußts.in ausgenommen. Indem das in uns stets lebende Gefühl unserer Zugehörigkeit zur Nation durch den Willen des Landes auch durch staatsrechtliche Bande verstärkt wurde, bricht sich nun mit unwiderstehlicher Gewalt der allgemeine Wunsch Bahn, daß die ungarische Judenheit ihre zerstreuten Kräft: zusamenfaffe und daß wir sie zu höheren, aus ihrem eigenen Berufe und aus den idealen Zielen der Nation stammenden Aufgaben fähig machen. Mit der erfolgreichen Verwirklichung dieses öffentlichen Wunsches und dieses Bestrebens wünschen wir unseren Pflichten gegen unsere Confesston, wie unserem Dankgefühle gegen die Nation einen Altar zu errichten, damit wir auf demselben mit dem Geiste der auf 'rem Boden unseres uralten Glaubens gewachsenen Brüderlichkeit und den heiligen Interessen der Cultur gemeinsam opfern können. Wir sind bestrebt, unsere Körperschaften, unsere Schulen, unsere gesammten Institutionen in der Erfüllung ihrer großen Aufgaben mit vereinten Kräften zu unterstützen, damit sie 'gesunde Organe unserer Confesston und werthvolle Bestandtheile der nationalen Cultur werden. Wir wünschen dahin zu streben, daß die in localen Verbänden zu dauerndem Leben nicht berufenen, doch im gemeinsamen Interesse der Confession unentbehrlichen Landesiustitutionen geschaffen werden, solche, welche unseren Rabbinern, unseren Lehrern, anderen hingebenden Mitarbeitern unserer Confession, ihren Witwen und Waisen ein Asyl und eine Stütze bieten sollen. An den Wohlthaten unserer zu schaffenden Stiftungen und Stipendien wünschen wir die Söhne der ungarischen Nation ohne Glaubensunterschied zu betheiligen, einestheils, damit wir unseren' Dank für die in den Lehranstalten der übrigen Kirchen genossenen Wohlthaten beweisen, andercntheils, daß wir, von dem Pflichtgefühle für die idealen Zieleder Nation erfüllt, auch hierin dem Geiste der vollkommenen Gleichheit und Brüderlichkeit den Weg bahnen. Unter der Einwirkung solcher Ideen und Gefühle hat am 5. Jänner die Landesconferenz unter anderen auf. das Wohl unserer Coufession abzielenden Beschlüssen sich auch die Sache des ungarischen öffentlichen Landesfonds zu eigen gemacht. Auf dieser Basis hat die Versammlung der Districtspräffdenten der Unterzeichneten Commission die Aufgabe übertragen, den Landesfond zu Stande zu bringen und dessen Angelegenheiten so lange zu verwalten, bis derselbe in die Hand der berufenen Vertretung unserer Confession niedergelegt werden kann. Indem wir deshalb unsere Cultusgemeinden, unsere confessionellen Vereine und jeden unserer Glaubensgenossen auffordern, mit Rücksicht auf die an diese Angelegenheit geknüpften großen Ziele zur Vermehrung des Landesfonds mit Stiftungen und jährlichen Beiträgen. mit Spenden mit thunlichster Freigebigkeit beizutreten, rechnen wir umsomehr auf die werkthätige Mitwirkung Aller, weil dieser Landesfond die Stütze aller Kundgebungen unseres konfessionellen Lebens, die ständige Hilfsquelle unserer Gemeinden und die erhaltende Kraft unserer gemeinsamen Institutionen sein wird. Glaubensgenoffen! Ergreifen wir die Angelegenheit und beweisen wir aller Welt, daß unsere Confeffion im Besitze ihrer Rechte zur Pflichterfüllung in gesteigertem Maße bereit ist. Und wenn unser Landesfond den öffentlichen Erwartungen entspricht, in würdigen Verhältnissen heranwächst und erstarkt, so werden nicht nur unser Glaubensleben und unsere culturellen B.'strebungen befruchtet einen neuen Aufschwung nehmen, sondern wir errichten auch hiedurch der Gleichberechtigung unserer Confession ein würdiges Denkmal, ein Denkmal, welches an der Schwelle des zweiten Jahrtausends unseres ungarischen Staates unsere Glaubenstreue und unseren Patriotismus den künftigen Geschlechtern verkünden wird. In der Sitzung der Landesfonds-Commission haben Sigmund Kohner 10.000 Gulden. Alexander Deutsch de Hatvan 10.000 Gulden, Berthold Weiß 10.000 Gulden und Carl Svüb 5000 Gulden als Stiftungen angemeldet. Die Sammlung hat in der Hauptstadt ihren Anfang genommen und ist auch im ganzen Lande erfolgreich im Zuge. Aussig a. E. (Dreifaches Jubelfest.) Am Donnerstag den 30. v. M. beging im engsten Familienkreise der hiesige Rabbiner Herr Baß ein seltenes, dreifaches Jubelfest, und zwar das Fest seines 50. Geburtstages, seiner silbernen Hochzeit und das 25jährige Jubiläum als Religionslehrer. Obwohl Herr Rabbiner Baß beschlossen hatte, das Stattfinden der Feier nicht zu veröffentlichen, so gelang die Nachricht davon doch in die Oeffentlichkeit und wurden ihm deshalb zahlreiche Gratulationen und auch werthvolle Geschenke zutheil, und sind diese ein beredtes Zeugniß dafür, daß sich Herr Rabbiner Baß allseits der größten Beliebtheit erfreut. Welch' großer Sympathien und allgemeiner Wertyschätzung und Hochachtung Herr Rabbiner Baß sich allseits erfreut, beweist am besten der Umstand, daß ihm zu diesem schönen und seltenen Feste nicht nur Glückwünsche seiner Glaubens- und Gesinnungsgenossen, sondern auch von zahlreichen Personen anderer Confeffivnen und besonders von Seite der Honoratioren und hochgestellten Persönlichkeiten der Stadt dargebracht wurden. Auch wir schließen uns nachträglich den Gratulanten an und bringen dem Jubilar unsere herzlichsten und innigsten Glückwünsche dar, indem wir hoffen, daß es ihm gegönnt sein möge, auch das-goldene Hochzeitsfest bei gleicher Geistes- und Körperfrische im Kreise seiner Familie begehen zu können. Prag, 3. Februar. (I u n g c ze ch i s ch e T o l e r a n z.) In der Stadt •£., wo in vormärzlicher Zeit blos drei Schutzjuden wohnen durften, domiciliren gegenwärtig ungefähr 70 jüdische Familien, von welchen blos vier daselbst das Heimatsrecht erworben haben. Vor Kurzem wagte es ein jüdischer Fabrikant, der seit einem Vierteljahrhundert in X. wohnt und sich seines biederen Charakters, wie seiner Redlichkeit, Emsigkeit und Thätigkeit wegen der allgemeinen Achtung erfreut, bei der Stadtvertretung um Verleihung des Heimatsrechtes anzusuchen. Er glaubte um so mehr aus einen günstigen Bescheid rechnen z>j dürfen, als er einerseits seit -vielen Jahren so vielen Arbeitern dieser Stadt Bcod gibt, und anderseits für sämmtliche daselbst bestehenden czechischen Vereine stets bereitwilligst die größten Opfer gebracht. Allein gar bald sah er sich in seiner Erwartung getäuscht, bitter getäuscht, denn während das Gesuch eines Thurmwächters, das gleichzeitig mit dem seinigen eingebracht wurde, anstandslos vom Ausschüsse genehmigt worden ist, wurde sein Ansuchen abgelehnt. — Blüht also nicht der Weizen des Antisemitismus auch in Czechien vortrefflich? X. Y. Z. Brünn. (Orig.-Corresp.) Die Antisemiten verschiedener Couleurs, denen die Mittheilungen in der „Oesterr. Wochenschrift" über manche Vorgänge hier recht unangenehm waren, weil sie Licht auf gewisse Persönlichkeiten warfen, die mitunter das discreft Dunkel vorziehen, haben einzelne antisemitische Blättchen iuRaserei versetzt. Namentlich die „OstdeutscheRundschau" weiß nicht, wie sie ihrem Zorn gegen „Rabbi Bloch" Ausdruck verleihen soll, der angeblich ganz Oesterreich in Bewegung setzt, wenn einem Juden ein Leid geschieht. . . . Die „Ostdeutsche Rundschau" hat sich in einem ihrer jüngsten Artikel die bitterschwere Aufgabe gesetzt, der Ernennung des Dr. Hellwig zum Direktor an der Brünner Irrenanstalt ein ganz harmloses Gepräge zu verleihen. Man kann sich aber denken, wie verzweifelt dieses teutonisch-antisemitische Blatt sich winden und krümmen muß, wenn es den Jubelschrei: Hellwig ist ein Antisemit! unterdrücken und wenn es andererseits die Liberalen im mährischen Landtage vertheidigen muß. Die von einer echt orientalischen Phantasie erfüllten Ausfälle, die oer Artikelschreiber gegen den Dr. Bloch führt, der ganze Kriege und Feldzüge gegen Hellwig und Promber inscenirt habe, will ich übergehen. Aber ist cs nicht geradezu heiterkeitserregend, wenn das Blatt eines Schönererknechts in einer ganzen Spalte sich abmüht, den Dr. Hellwig, der ein Schönerianer vom reinsten Wasser ist, von dem Verdachte des Antisemitismus reinzuwaschen? Der arme unschuldige, harmlose Hellwig! Es fehlte nicht viel und die „Ostdeutsche Rundschau" versicherte, daß er in Folge seiner eifrigen wiffenschaftlicheu Studien noch nie dazu gelangt sei, eine politische Zeitung in die Hand zu nehmen und daher gar nicht einmal wiffe, was das Wort Antisemitismus bedeute. Wahrlich, der Antisemitismus hat eine ganz merkwürdige

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