Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 6 (7.2.1896)
- Date
- 1896-02-07
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 6 Dr. Vloch's Wochenschrift. Seite 113 guuntur. Sodann sprachen noch in trefflicher Weise Herr S. Heit. Herr Ingenieur Schefftel, Herr Bez.-A. Wald stein, Herr Sigmund Skrein und — ich nenne das Schönste und Beste zum Schlüsse — die Damen Dr. Fialla und Graf, die eine geistige Phalanx von unbesiegbarer Eloquenz repräsentirten. Den Beschluß des schönen Abends bildete eine ganz prächtige Dilettanten-Vorstellung: „Die schöne Galathee", die mit Grazie zu dem freudigsten Vergnügen .der Jugend, zum Tanze hinüberfühlte. Wie lange dieser Schluß gedauert, will sich Niemand eingestehen. Der zündende Trinkspruch der Frau Antonie Graf möge hier im vollen Wortlaut eine Stelle finden: Ich trete heute vor Sie als Kriegs- und Friedensberichterstatttrin. Meinem werthen College« „Wippchen" gleich, muß ich Sie daher um „Vorschuß" bitten, dermalen allerdings nur um Geduldvorschuß! Wie alle Augenzeugen bestätigten, bot der „verflossene" Kriegsschauplatz der „Ferienheimarmee" ein glänzendes Schlachtenbild und die Strategiker haben olle Ursache, auf den vorzüglich ausgearbeiteten Kriegsplan stolz zu sein: Die Befehle aus dem Hauptquartier wurden stricte durchgeführt und die Truppen hielten sich stramm und tapfer, das Centrum wich nicht, und rechter und linker Flügel griffen im entscheidenden Momente stets richtig ein. Kein Wunder, daß, als die Prolog-Raketten in die Luft flogen, „Miiterwurzer"-Möiser dröhnten, „Türk"-Lesebaße knitterten, „Felix" - und „Brennerberg" - Haubitzen krachten, endlich „Niese"-Kanonen donnerten, es Sturm gab! Alle Herzen wurden gefangen, einige Wenige capitulirten, es war also ein unbestrittener Sieg auf allen Linien „erfochten", in des Wortes weitgehendster Bedeutung! Die Truppen zogen nun unter drn klingenden Taschen des Cassier — pardon — unter klingendem Spiel und wehenden Fahnen (keinen Hasenpanieren *) vom Schlachtfelde ab, auf welchem nur Blumenleichen, zuckende Reste von Spitzen und Bändern, allerdings sehr viele verwundete Herzen zurückblieben! Diese wurden aber sofort an Ort und Stelle verbunden und in die nächstgelegenen Lazarethe „Residenz", Habsburg" überführt und sehen bereits der vollen Genesung entgegen. Die Bulletins der auch im heftigsten Feuer ausharrenden „Kriegscorrespondenten" klangen denn auch nächsten Tages wie wahre Siegeshymnen und entfesselten die Begeisterung aufs Neue! Nach solchem Erfolg e muß ich bedauernd gegen meinen verehrten College« „Wippchen" in Opposition treten. Er tclegraphirte nämlich kürzlich an die Friedensfreunde2) „Friede der Asche des Krieges"! Ich aber kann nur wünschen, daß u n s e r e Kriegsfackel nie verlösche, sondern immerdar lodere und brenne! Es ist aber auch kein blutiger Feldzug, den wir führen; unser Feldzug ist ein strahlender, blühender, zur Sonne, zur Mutter Natur, an deren Herz wir unsere kranken, schwachen, armen Kinder legen wollen, auf daß sie auf ihrem Schooße, Gesundheit, Jugend und Widerstandskraft gegen die Unbill dcs Lebens, gegen die Unbill der Armutb trinken mögen! Die Unbill des Lebens! Vor zwei Jahren erzählte ich bei ähnlicher Gelegenheit meinen freundlichen Zuhörern ein Märchen. Ein Märchen von einem bösen Zauberer, gegen welchen sich eine mächtige Fee mit guten Geistern vereinte, um vor dcm gefräßigen Ungeheuer, welches in dem Märchen „Antisemitismus" hieß, die Kinder, die er in- und auße'halb der Schule verfolgte, zu schützen. Es gelang auch, ihm einige Beute aus dem Wege zu räumen; allein trotz alles Feenzaubers wuchs der Unhold immer größer.und größer, seine Fangarme dehnten und streckten sich immer weiter und weiter aus, ja sogar nach Ihnen verehrtes Akademie-Comit6 3) Schließlich erhob er die geballte Faust, nm sie zerschmetternd auf unsere Häupter niedersausen zu lassen I - — Da! — Ein leuchtender Blitz aus mächtiger Höh'4)- die Faust sank kraftlos nieder — der Arm war gelähmt! Neuer Muth, erfüllte die kleine Schaar, die sich ihm kühn in den Weg gestellt, und der kürzlich errungene Sieg ist die Antwort auf unser Veltrauen in eine gute Sache! Die Unbill der Armnth! Siebenhundert Kinder streckten ihre Händchen bittend im Vorjahre nach uns aus: „ Nehmt mich mit, mich, mich, mich!" Und es war eine schone Stunde der Befriedigung, als der junge Verein sage 328 Kinder wohl ausgerüstet ins Grüne schicken konnte! Es war aber ein schwerer Tag des Schmerzes und des Mitleids, die größere Zahl der Bittsteller abweisen zu müssen, wobei auch der Mangel eines zureichenden Unterkunftsortes ein Hauptfactor war. Mein Märchen schloß damals mit einem Zukunftsbilde, allerdings noch von Nebelschleiern umhüllt: Ein Haus einfach und schlicht, von Wiese und Wald umgeben, bereit, Hunderte und Aberhunderte von Kindern gastlich bei sich aufzunehmen! Mit einem Worte: „Ein Ferienheim"! Heute kann ich Ihnen mit großer Freude berichten, daß der Nebelschleier von dem Bilde gefallen ist und es uns dadurch näher gerückt wurde. 1) Siehe Wr.-Neustädter Pamphlet. 2) Zur Generalversammlung. 3) Verhinderung der Akademie. 4) Nichtbestätigung Lueger's zum Bürgermeister. Besitzen wir auch noch kein eigenes Heim, so besaßen wir doch einen eigenen Herd, in des Wortes realer Bedeutung, der 108 Kindern köstliche Nahlung spendete! Nie und nirgends fühlten sich unsere kleinen Schützlinge wohler tlnd glücklicher als unter der Aegide des eigenen Herdes, der eigenen Löpie! Ihr Glück ließ sich ziffernmäßig conftatiren, und für uns war dieser Versuch der erste Schritt zuni Heimwege! Und so wie unser Verein im Zeichen der Frauen steht, so hatten wir auch unseren eigenen Hero aufgesch.'agen im Zeichen, im Schutze einer herrlichen Frau, einer voitresslichen Mutier, einer großen Kaiserin Maria Theresia. In ihrer Schöpfung Theresienfeld, im fernen Schlosse, schlummern noch unsere nicht geringen Habseligkeilen, har,end des Prinzen „Edelsinn", der sie machküßt, um sie ins eigene Heim zu führen. Für uns aber unverkennbar, führt eine leuchtende Spur von der erhabenen Ahnfrau, deren Verstand und Gerechtigkeitssinn das Dunkel ihres Jahrhunderts erhellte — herüber -- zum leuchtenden Blitz aus mächtiger Höhe! Ein gütiger gerechter Monarch hat unsere bangen Herzen von schwerer Sorge, herben Kummer befreit! Sollen nicht auch wir in unserer Vereinigung hier dafür den Ausdruck des Dankes durch ein bleibendes Werk manisestiren? Ich erhebe also mein Glas und bitte: Möge es heute beschlossen werden, baß im Jube lj ahre 1898, sich, wie die liebenden Arme einer Mutter, die Pforten eines eigenen Heims unseren armen, jüdischen Kindern erschließen und daß es ben schönen, stolzen Namen trage: Franz Jvsef-Ferienheim! (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Herr S. Heit, Herr L. Reichel als Stifter des Vereines, von allem Anbeginn die mildthätigslen Förderer seiner Humanitären Tendenzen, eröffneten fofott die Subscriplion zirr Verwirklichung dieses Gedankens und stellten sich an die Spitze der Retter, die — man darf wohl diese Zuversicht hegen — wobt in Bälde eine Zister ergeben wird, welche zum Beginne des Baues eines „Ferienheim" die Möglichkeit bietet. Hugo Adler. Wien. (ReichsrathsabgeordneterPopper.) Der Vertreter der Bukowinaer Handelskammer im Abgeordnetenhause, Herr Heinrich Popper, ist nach langer Krankheit im 54. Lebensjabre gestorben. Abgeordneter Pcpper,schon seit geraumerZeit von einem schweren Darmleiden gequält, wurde vor ungefähr vier Wochen aus sein er Wohnung in der Bartensteingasse Nr. 6 in ein Sanatorium gebracht, wo er sich Anfangs Jänner einer Operation unterzog. Der operative Eingriff gelang, der Kranke war von den Schmerzen befreit und hätte sehr bald zu seiner Familie zurückkehren können, wenn nicht nachträglich eine schwere Lungen- und Rippenfellentzündung hinzugetreteu wäre, welche sein geschwächter Organismus zu überdauern nicht im Stande war. Heinrich Popper, Chef der Firma H. iind'F. Popper, nahm in der Geschäfts- und Finanzwelt der Bukowina einen hervorragenden Platz ein und stand seit d>m Jahre 1868 an der Spitze einer von der Galizischen Actien-Hypvthekcnbank in Czernowitz errichteten Filiale. Im Jahre l884 wurde er von der Bukowinaer Handelskammer in den österreichischen Eisenbahnrath und ein Jahr später in den Reichsrath gewäh t, wo er sich der Vereinigren Deutschen Linken anschloß, in deren Mitte er sich als eifriges und treues Mitglied bewährte. Seine Hauptthätigkeit entfaltete Popper im Staatseisenbahnrath, hier wurde er wegen seiner hervorragenden Fachkenntnisse mit den schwierig'en Referaten betraut. Im Abgeordnetenhause gehörte er zu jenen stillen, aber emsigen Männern, deren wertbvolle Arbeitskraft vorzugsweise in den Ausschüssen zutage tr tt. Kam es aber darauf an, so stellte er auch im Plenum seinen Mann und das bewies er, als er vor nicht langer Zeit, was wohl noch in Erinnerung sein dürfte, dem Abgeordneten Dr. Znrkan eine kräftige Abfuhr zutheil werden ließ. Popper erfreute sich nicht nur in Abgeordnetenkreisen, sondern auch in der großen Geschäftswelt wegen seines integren Charakters und seines maßvollen und bescheidenen Wesens allgemeiner Hochachtung und die Nachricht von seinem Hinscheiden wird schmerzlich empfunden werden. Wien, 31. Jänner. (B e k e n n t n i ß einer schönen S e e l e.) Das hiesige Organ kür dentschnationale Couleurstudenten legt heute ein beachtenswerthes Geständniß ab. Die Deutschnationalen, sagt es, führen für die Deutschen Oesterreichs einen Befreiungskampf „von dem Capitalismus und Austriacismus der Liberalen". Vielleicht bedient stch das Blatt absichtlich dieser corrumpirten Ausdrucksweise, um seine antipatriotische Unverschämtheit einigermaßen zu verhüllen. Leute die weniger deutschnational sind, aber mehr deutsch können, pflegen einen Befreiungskampf gegen und nicht „v o n" etwas zu führen. Doch das nur nebenbei; verständlich bleibt ja dieses vermauschelte. deutschnationale Kauderwälsch immerhin. Es will besagen, daß die Deutschnationalen daran arbeiten, dem deutschen Volke in Oe st. erreich den österreichischen Sinn gründlich auszulreiben. Das sei festgehalten. Jene Fraetionen aber, welche, unter fortgesetzter Betheuerung ihres schwarzgelben Patriotismus, mit jenen Reichsseinden durch Duck und Dünn marschieren, mögen aus solchen Geständnisten entnehmen, wessen Dienste sie eigentlich besorgen. Mödling, 31. Jänner. (Antisemitische Unarten. Die hiesige Modewaaren-Händler Herr Carl K u l k a entdeckte im Monat December vorigen Jahres zu wiederholtenmaleu, daß irgend ein unbekanntes Individuum die Schaufenster seiner Auslage anspuckte