Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 6 (7.2.1896)
- Date
- 1896-02-07
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 112 Dr. Vloch's Woi^enschrtst. Nr. 6 land. Wladislaus IV., König von Böhmen (1471—1516), aus dem Hause der Jagellonen, die alle den Juden nicht ungeneigt waren, bestätigte den auf dem allgemeinen Landtage im Iah re 1501 vom Adel, der die Verdienste der Juden um die Hebung der Industrie zu würdigen gewußt, gefaßten Beschluß, daß die Juden zu ewigen Zeiten bei der „Cron Boheims geduldet und wenn Einer oder der Andere aus den Juden wider die Landesgesetze sich vergehen sollte, nur allein der Thäter bestraft, dasselbe Verbrechen aber keineswegs an der ganzen Judenschaft gerächt werden soll." König Wladislaus bestätigte nicht nur diesen Beschluß, er ließ auch einen Majestätsbrief den Juden ausfertigen, in welchem ihnen alle die von früheren Regenten und Ständen des Königreiches verliehenen Freiheiten und Rechte auch für die Zukunft zugestanden wurden. Auch Ferdinand I., der im Februar 1527 in Prag zum böhmischen König gekrönt wurde, bestätigte die den böhmischen Juden von Wladislaus verbrieften Freiheiten und Begnadigungen. Die Prager Juden haben ihn bei seiner Krönung (1527) einen feierlichen Aufzug bereitet. In einem diesbezüglichen Berichte heißt es : „Als königliche Majestät in der Ordnung auf den Platz kommen, sind gestanden ob denn mehr als tausend Juden mit einem großen schönen Fahnen. Sie haben auch einen Himmel gehabt, daran eine Tafel gehangen und darauf die zehn Gebote auf's zierlichste geschrieben, in Willen, Seine königliche Majestät unter den Himmel einzuführen. Seine königliche Majestät hat aber solches keineswegs gestatten wollen. Darnach haben sie Seine königliche Majestät auf's unterthänigste gebeten, daß Seine königliche Majestät sie bei den zehn Geboten ihrem Glauben und dem Alten Testamente (als frumme Juden) wöll bleiben laffen. Solches hat ihnen königliche Majestät Zusagen laffen und daß er wöll ihr gnädigster Herr sein." Daß Ferdinand I.,einfinsterer.Zöglingdesstarrsinnigen Franziskaners nnd Cardinals Amens, trotz der den Juden anfangs verliehenen Rechte kein sonderlicher Judenfreund war, ist aus folgendem Briefe, den er vierzehn Jahre später (1541) von Linz an seine Kammerräthe geschrieben hatte, klar und deutlich zu ersehen: „Was die Juden, sowohl in Prag wohnenden, als die im ganzen Königreiche Böhmen sich zerstreut aufhaltenden anbetrifft, so werden unablässig von den Christen viele und mannigfaltige Beschwerden hinsichtlich des bösen Treibens derselben Uns vorgetragen und um baldige Abhilfe dringend gebeten. Auch wurden Uns die Bekenntnisse, welche zur Beweisführung des ausgesprochenen Urtheils abgelegt worden sind, gehörig eingesendet und zur Durchsicht und Würdigung unterbreitet. Die Juden widersprechen durch ihre an Uns abgeschickten Boten den geschehenen, ihr heilloses Handeln bestätigenden Aussagen, indem dieselben vorgeben, daß sie N i ch t s schuldig sein, und daß viele der Zeugen, theils durch Marterschmerzen und ausgestandenen Qualen, theils durch Ueberredung bestimmt worden wären, gegen sie und ihr Handeln Zeugenschaft zu geben? Da aber so viele begründete Klagen (!), so viele und oft wiederkehrende Berichte, die nur von der schlechten Handlungsweise der Juden sprechen, an Uns gelangen, und da überdies die Türken unsere größten Feinde, mittelst der euch unfern bevollmächtigten Abgeordneten zu befehlen und aufzutragen (?) mit den Ständen des Königreiches Böhmen verwiesen werden, insoferne die böhmischen Stände hierüber unter sich Übereinkommen und die nöthigen Beschlüsse fassen. Es soll den besagten Juden eine bestimmte Zeitfrist anberaumt und diese ihnen namhaft gemacht werden, damit sie im Verlauf der bewilligten Frist alle ihre Geschäfte gehörig in Ordnung bringen und beenden, dann die ausstehenden Forderungen einziehen und endlich lebenssicher sammt Hab und Gut, Weib und Kindern insgesammt (alle Diejenigen, welche sich nicht werden taufen laffen), sowohl aus dem ganzen Königreiche Böhmen, als aus allen Ländern ausziehen können. Wir wiffen Uns in dieser Lage keinen befferen Rath zu geben, als dafür zu sorgen, daß sowohl Wir, als Unsere lieben Unterthanen von solchen Leuten befreit werden möchten, und zwar zur Verhütung noch größerer und weiterer Uebel, welche durch dieselben erwachsen würden. Gegeben zu Linz, am 10. September 1541. („Die Juden in Oesterreich," S. 180). Als Ursache dieser herzlosen Ausweisung wurde angegeben: Die Juden hätten, da um jene Zeit gerade so viele Feuersbrünste in Prag und anderen Städten entstanden sind, die Mordbrenner hiezu gedungen; ebenso wurden sie beschuldigt, dem Sultan die heimlichen Kriegsrüstungen verrathen zu haben. In Folge dieser lügenhaften Verleumdungen wurden sie im Jahre 1542 aus Böhmen vertrieben. Blos zehn Personen erhielten die Erlaubniß, in Prag bleiben zu dürfen. Viele der C^ilirten gingen nach Polen und nach der Türkei: viele kamen unterwegs um oder wurden erschlagen; an anderen Orten verbrannte man sie. Wie es scheint, zielen auf diese Drangsale die Worte R. Abrahams aus Prag in der Selicha Onno Elauhe Awraham: „Möchtest Du, der Väter Gott, nicht fern bleiben, Wenn die Feinde uns aus der Wohnung treiben! Wir leben in schreckenvoller Noth, O gi^uns nicht Preis dem Tod! Stets sie sinnen Tücke, Uns zu plündern und zu plagen, Uns zu verbrennen, zu verjagen; Tödten möchten ihre Blicke. Lügenhaft sie uns anklagen, Und ihres Herzens Tichten Sie auf mein Verderben richten, Sie auf mein Unglück Lieder singen. Mit Galle sättigen uns die Christen, Möchten an das Schwert uns bringen Wenn sie nur das Wie schon wüßten. Du wirst auf uns're vielen Armen schauen Müßten weit wir wandern, Womit unser Leben fristen? Wer wird uns ein Haus erbauen, Die Einen oder die Andern? Ist von uns allen Deine Gnade abgewandt: So lasse uns durch Deine Hand, Nicht durch Menschen fallen." (Die syng. Poesie, S. 57.) Als sich jedoch noch im Laufe des Jahres die Unschuld, der als Brandstifter Hingerichteten herausstellte, verwendeten sich viele Große des Reiches für die Rückkehr der Juden, und so wurde Denjenigen, die sich in der Nähe der böhmischen Grenzen niederließen, die Rückkehr gestattet. Für diese Gnade mußten sie ein jährliches Schutzgeld von 300 Schock Groschen bei der königlichen Kammer erlegen und sich die große Schmach des sogenannten „Judenzeichens" das in einem gelben Tuchlappen bestand, gefallen lassen. Ferdinand I. also war es, dem die Juden in österreichischen Ländern das schmachvolle „Judenzeichen" zu verdanken hatten. Nichtsdestoweniger hüben die Prager Juden diesem Monarchen, als er nach dem Tode seines Bruders Kaiser Carl V., am 8. November 1558 zum ersten Male in Prag als Deutscher Kaiser seinen Einzug hielt, einen überaus feierlichen Aufzug bereitet. ,_ (Fortsetzung folgt.) Correspondenzen. Wien. (Ferienhei m.) Am 22. v. M. fand im Ballsaale des Hotel Sacher Central die Schlußfeier des Akademie-Comitäs ' des Vereines „Ferienhei m" statt und nahm einen überaus glänzenden Verlauf. Eine distinguirte Versammlung füllte den schönen Saal bis auf den letzten Platz, eine animirte Festesfreude, wie sie dem Gemüthe in erhebenden Momenten erwächst, brachte einen Zug allgemeinen Frohsinns und lieh dem Feste den Charakter seltensten Glanzes. Schönheit, Jugend und Würde paarten sich zu einem harmonischen Gefüge, über das der ideale Schimmer der Humanität, des edelsten Bestrebens, den Stiefkindern des Glückes Trost spendende Hilfe zu bieten, gebreitet lag. Der Sitzung präsidirte Frau Dr. Sofie Grünfeld als Präsidentin des Vereines „Ferienheim", umgeben von der Vicepräsidentin Frau Dr. Julie F i a l l a, der Schriftführerin Frau Antonie Graf, den Beiräthen: Herren S. Heit, Ludwig Lang, Docent Dr. Josef Grün seid, Dr. Alfred Berger und den Funktionären des A k a d e m i e - C o m i t 6 s. Herr Lang eröffnete die Reihe der Tischreden mit einem schwungvollen, warmempfundenen Toast auf die glänzende, menschlich schöne Individualität der Präsidentin, welcher es gelingen konnte, in einer Zeit der schärfsten socialen Conflicte und materiellen Erschütterungen eine Wohlthätigkeits-Akademie mit in finanzieller und gesellschaftlicher Beziehung so sensationellem Erfolge zu veranstalten. Die Gefeierte erwiderte in bescheiden ablehnenden' Dankesworten, indem sie ihr Verdienst auf ihre arbeitsfreudige Comilßgarde übertragen wollte, mit der — Arm in Arm — sie ein Hundert von Akademien in die Schranken zu fordern sich erkühnte. Herr Benno R o t h z ie g e l verlas den Cassebericht, der mit großem Beifall zur Kenntniß genommen wurde. Das Reinerträgniß betrug bis zu jenem Abende 3000 fl. Saxa le-