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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-02-07 · 6 (7.2.1896) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
6 (7.2.1896)
Date
1896-02-07
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 6 Seite 107 Dr. Bloch's Wochenschrift. rabbiner Dr. Adler hatte aus London ein Motto vorgeschlagen, in dessen Zeichen der Congreß tagte und in dem sich seine Tendenz am Prägnantesten ausspricht. Es ist das Wort des jüdischen Propheten Maleachi: „Denn haben wir nicht Alle einen Vater, hat nicht e i n Gott uns Alle erschaffen?" Die Bekräftigung dieser ethischen Wahrheit bildete zunächst ein Hauptelement des internationalen Religionscongreffes. „Zusammenschluß und Zusammenfassung aller echten Religiosität gegen jede Irreligiosität" war nie weitere Parole. Es leuchtet ein, daß da der Begriff der Religion ziemlich weit gefaßt werden mußte, um das Eigene und Bindende aller Religionen in ihrem ethischen Gebiete, losgelöst von dogmamatischer Färbung, zu betonen, so wurde die Religion in zwei Sätzen als „die Liebe zu Gott und die Liebe zu den Menschen" zusammengezogen, und das geschah, ohne daß der Einzelne sich in seiner speciellen Glaubensart etwas zu vergeben hatte, wie dies mehrfach und besonders scharf auch von dem deutschen Protestantischen Vertreter, dem Grafen Bernstorff, hervorgehoben wurde (der es mit seiner strengen Kirchlichkeit vereinen konnte, in die Hoffnung einzustimmen, daß unabhängig von den historischen Religionen alle Menschen sich in Gott finden würden). In den ersten 'Ansprachen gleich bekräftigten der Erzbischof von Chicago, der Erzbischof von Griechenland, der Cardinal Gibbons von Baltimore, ein einflußreicher Würdenträger der katholischen Kirche, daß. wie sehr auch die einzelnen Religionsanschauungen und Systeme auseinandergingen, man sich doch gut in dem gemeinsamen Ziele der Humanität, der Menschenerziehung und der Menschenveredclung treffen könne und müsse. Desgleichen hob mit vielen anderen R e u ch i S h i b a t a, der angesehenste und gelehrte Repräsentant der japanischen Staatsreligion, in vortreffl.chen Worten d^e civilisatorische Gemeinsamkeit aller Confessio» en hervor. „Alle Religionen," rief Erzbischof R e dw o od.„enthalten Werth und Wahrheiten, die gegenseitig anerkannt werden und geschätzt werden tönnen, anstatt daß man sich gegenseitig beschimpft und befehdet." Eine gewisse dramatische Wirkung verfehlte auch nicht der Brahmane Bivecanda aus Calcutta, der in warmen, zündenden Worten den Segen dessen auf die Versammlung herniederflehte, den, wie er sagte, die Juden Jehovah, die Hindus Brahma, die Christen Allvater, die Buddhisten Buddha nennen, und der der Gott Aller ist. So trat von allen Seiten die gläubige Versicherung zum Durchbruch, daß „die Einigkeit aller Religionen die wahre Religion sei und der Geist der Eintracht der wahre göttliche Geist". Wir Israeliten, m. D. u. H., haben keinen Grund, uns von einer solchen Manifestation einer als allgemeine Menschenliebe gedeuteten Religiosität auszuschließen, wenn wir uns auch gegenüber derartiger sich leicht wieder verflüchtigender Ueberfchwänglichkeit und Gelegenheitsbegeisterung etwas reservi.t verhalten werden. Trotz der erdrückenden Majorität der auf dem Congresse vertretenen nichtjüdischen Religionen kam das heute im Ganzen von nur wenigen Millionen Bekennern getragene Judenthum immerhin zur Geltung (zumal sehr viele Redner immer wieder jüdische Citate anzuwenden sich veranlaßt sahen und auf die jüdischen Religionsbücher Bezug zu nehmen nicht umhin konnten). In seiner Begrüßungsrede gedachte Dr. B a r r o w s als Präsident desGeneralcomites in herzlichem Danke der' Betheiligung der „andachtseifrigen" Juden, die die wunderbarste aller Racen und die standhafteste aller Religionen repräsentiren. „Willkommen den Männern von Israel, dem ewigen Wunder der Nationen und Religionen!" so hallte es von seinen Lippen in den Saal hinein, und als später Präsident B o n n e y den Vortrag des Rabbiner Hirsch über „Elemente der Universalreligion" ankündigte und den Redner einführte, geschah dies mit der Bemerkung, wenn irgend jemand berufen sei, sich zum Thema vernehmen zu lassen, so sei es der jüdische Repräsentant, „er vertritt ein Volk, dessen Verdienste um die Re'.igion bei weitem und sicherlich größer sind, als die irgend einer anderen Nation oder Race." Im Verlaufe der Verhandlungen hatte übrigens der Congreß auch einer vom Erzbischof von Zante formulirten Erklärung . gegen das Märchen ritualer Blutbenützung seitens der Juden zugestimmt. Der Congreß war 17 Tag? zusammen. Neben den Hauptverhandlungen, die sich auf Reden und Ansprachen ohne eigentliche Debatten beschränkten, arbeitelen wissenschaftliche Ausschüsse und Commissionen und gingen engere Zusammenkünfte der einzelnen Religionssecten einher, bei denen Gäste willkommen waren und eine Discussion stattfand. Die täglich vor vielen Tausenden von Zuhörern gehaltenen Borträge und Reden haben viel wissenschaftliches Material zur Geschichte der Religionen zu Tage gefördert, zumal angesehene Forscher von Weltruf, die am Erscheinen verhindert waren, schriftlich Beiträge und Abhandlungen beigesteuert hatte:»» die zur Verlesung kamen. So ziemlich sämmtliche Gebiete des Religiösen fanden Erörterung. Kirchlich dogmatische Besprechungen wechselten mit historisch theologischen Darlegungen ab, und auch die bei aller Reserve und Mäßigung zuweilen etwas scharf ausklingende religionsphilosophische und rein weltliche Kritik kam zum Wort. Der Gottesbegriff, die Unsterblichkeitslehre, das Bergeltungsprincip in der Auffassung der diversen Religionen, wurden ebenso vielseitig beleuchtet wie das Verhältniß der Religion zur Ethik, Moral und Humanität, zur Wissenschaft und Kunst und die Beziehungen der Religionen zu einander in ihrer geschichtlichen Entwicklung. Sämmtliche Religionen hatten vortreffliche und gewandte Männer entsandt, von denen jeder Einzelne es verstand, in anziehenderund fesselnder Weife die Sonnenseite seines Glaubens zu präsentiren. In der Beleuchtung die sein Vertreter I. I. M o n d y aus Bombay dem Parsenthume gab, erschien die Lehre Z o r o a st e r s als der fertige Monotheismus. Der Buddhismus, der sehr stark, unter Anderem auch von einem königlichen Prinzen und am glänzendsten von seinem unermüdlichen Reformator Dharmapala aus Cey'on vertreten war. hatte einen großenErfolg zu verzeichnen. Von Buddha heißt es, daß er alle Religionen studirt habe, ehe er seine Philosophie aufgestellt und in der „Kalama Sutta" ruft er: „Glaubet nicht nach Hörensagen, glaubet nicht an Traditionen, weil der Staub der Jahrtausende auf ihnen ruht, glaubet nicht aus Gewohnheit, sondern glaubet nur nach Prüfung und Untersuchung, wenn es zum Guten und Besten verhilft." Der Kaiser von China hatte einen Gesandten deputirt, der die Lehre des Confucius in ihrer Moral, Vernünftigkeit und Toleranz als völlig einwandsfrei schilderte. Es ist bekannt, wie in China der Kaiser officiell allen drei herrschenden Religionen angehört, um so' feinem Volke ein Beispiel der Toleranz zu geben. Der orthodoxe Brahmine Bivecanda, Prof. D'v i d e i von der gelehrten Gesellschaft in Bombay, suchten geschickt den indischen Götzendienst in seiner Sinnlosigkeit zu entkräften, ihn als harmlose Bilderverehrung auszulegen, hinter der die rechte Gottesliebe sich berge; die Götzen aus Stein, Holz, Metall erschienen nur mehr als Symbole und Objecte, um die Gedanken zu concentriren, ähnlich wie Rosenkranz, Kreuz und dergleichen in anderen Religionen diesem Zwecke dienen. Wozu der Lärm? War man fast versucht, auszurufen, wenn hier nach der Versicherung aller Glaubensschilderer alle Religionen dem gleichen Ziele zusteuern und die Uebereinstimmung der Ideale eine so große ist? — Es schienen sich weit mehr Einigungsals Trennungspunkte zu ergeben, und die Differenzpunkte mehr kirchlicher äußerer Natur zu sein. Man unterließ es auch nicht, zwischen Religion und Kirche wohl zu unterscheiden und hervorzuheben, daß unabhängig von priesterlichen Dogmen, mit denen die Kirchen oft aus strategischen und politischen Gründen sich von einander abschlössen, die Religionsstifter und Weisen im Großen und Ganzen alle die gleiche rechtliche Lebensführung zum Ziele hatten. An der Hand von Citaten aus den hauptsächlichen Religionsbüchern führte Rev. Alfred Momery diesen Gedanken aus. Den Satz des Propheten Jefaias, „was sollen mir eure Opfer, sprach der Herr, meidet das Böse, thuet Gutes, übet Rechtlichkeit", an die Spitze stellend, zeigte der Redner, wie Zoroaster gepredigt habe, daß nur „gute Gedanken, Worte und Thaten zum Paradiese, schlechte dagegen zur Hölle" führten; wie Confucms so sehr darauf bedacht gewesen sei. die Aufmerksamkeit der Menschen an ihre irdischen Pflichten zu fesseln, daß er es ablehnte, in irgend welche metaphysische Speculation über die Unsterblichkeit einzutreten und geantwortet habe: „Verstehe ich doch kaum das Leben, wie soll ich den Tod verstehen?"

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