Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 5 (31.1.1896)
- Date
- 1896-01-31
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
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Seite 100 Dr. Vlmtz's Wochenschrift. Nr. 5 tritt er wieder in den Vordergrund, aber in welchem Lichte zeigte er sich! Welch? Unmenschlichkeit bewies er im folgenden Falle. Ein I2jähriger Knabe, Namens Simeon Bitton, folgte mit einem Trupp maurischer Knaben einer Abtheilung durch die Straßen marschirender Soldaten. Einige Fanatiker brachten das Kind vor Wida und bezeichnten es als Muselmann. Der Knabe leugnete, daß er ein Mohammedaner sei, worauf Seine Excellenz ihm 100 Peitschenhiebe verabreichen und ihn mit der Drohung einsverren ließ, er würde weitere 200 Peitschenhiebe bekommen, falls er nicht erkläre, daß er ein Muselmann sei. Aus die Intervention der jüdischen Gemeinde hin erklärte Wida, die Züchtigung würde „in Anbetracht des jugendlichen Alters" Bitton's in zwei Abtheilungen vollzogen werden. Nun wendete man sich an den britischen und französischen Biceconsul, und diese Herren versprachen bereitwilligst Hilfe. Sie schrieben an den Gouverneur von Mogador, indem sie die Unmenschlichkeit Wida's und Mustapha's der schärfsten Kriti* unterzogen und baten ihm zum Schluffe, sich an den Gouverneur der Stadt Marokko zu wenden, mit dem Ersuchen, er möge erstens den jugendlichen Gefangenen die Freiheit wiedergeben, ferner den jüdischen Unterthanen überhaupt eine bessere Behandlung zutheil werden laffen. Mit größter Spannung wartet man nun auf die Wirkung dieser Briefe. Nachträglich versicherte Wida, nicht er sei es, der das Kind nicht sreilassen wolle, sondern er würde auf Kadi's Befehl gefangen gehalten. Auf diese Nachricht hin, intervenirte man bei Kadi Mustapha, und was erklärte dieser? Wida fürchtet sich nun und schiebe deshalb ihm die Schuld zu. Es bleibe nichts anderes übrig, als schriftlich um die Befreiung des Knaben zu bitten. Er selbst (Mustavha) sei in dieser Angelegenheit machtlos. Johannesburg. (Die jüdischen Gemeinden im Transvaal.) In allen größeren Ortschaften der Transvaalrepublik leben einzelne jüdische Familien, aber i Johannesburg, die Stadt, welche durch die Entdeckung I der Goldquellen ein Centrum des Handels wurde, hat natur-! gemäß die größte Anziehungskraft auf zahlreiche jüdische Einwanderer geübt. So wie die Stadt Johannesburg sich in rapider Weise zu einem imposanten Emporium mit etwa 100.000 Einwohnern entwickelte, so hat sich auch in entsprechend kurzer Zeit eine recht ansehnliche jüdische Gemeinde daselbst gebildet, die bereits über zahlreiche Wvhlthätigkeits-Jnstitute, eine Chewra-Kadischa, zwei Synagogen u. s. w. verfügt. Die Einweihung der letzteren hat erst kürzlich einigen Blättern zu der albernen Fabel Anlaß gegeben, der Präsident Krüger hatte dieselbe — absichtlich oder durch einen lapsus linguae — im Namen des dreieinigen Gottes eingeweiht und dadurch die Juden in die Nothlage versetzt, eine neue Synagoge zu erbauen, die dann im Namen des einig-einzigen Gottes ihrer Bestimmung übergeben worden sei. Diese Geschichte ist ebenso wahr, als die andere, welche den Präsidenten a tout prix zum Judenstämmlinq machen will, während es notorisch ist. daß Krüger aus einer alten Burenfamilie stammt. Die Mitglieder der jüdischen Gemeinde in Johannesburg recrutiren sich aus Einwanderern aus allen Weltgegenden. Oesterreich, Ungarn, Galizien, Rußland, ja Frankreich und England sind da vertreten. Der Goldtraum hat sie hergelockt, aber nur wenige haben Reichthümer gefunden. Die meisten ernähren sich durch Handel und Gewerbe, namentlich ist die Schneiderei die Domäne. der ruffischen und polnischen Juden. Einzelne Juden, wie Bernato, sein Neffe S. B. Hall. Abraham Hyams, der ebenso reich als allgemein — bei Jud und Christ — verehrt ist. der Ingenieur Lionel Philipps, der Consul Bettelheim gehören, was ihre beneidenswerthen, materiellen Erfolge betrifft, zu den Ausnahmen. Kleinere jüdische Gemeinden existiren noch in Maskonaland, Fort Salzburg, und in Buluwago. Die Gesammtzahl der Juden im Transvaalgebiet dürfte etwa die Zahl 30.000 erreichen. Sie haben an den Kämpfen zwischen Boers und Engländern tapferen Antheil genommen und auf den Verlustlisten beider Theile figuriren viele Namen, deren Träger zweifellos Juden waren. Jsr. Wie«. Se. Majestät der Kaiser hat dem Fabriksbesitzer in Wien, Gustav Ritter v. L e o n, in Anerkennung der in dem Amte als Handelsbeisitzer bei dem Handelsgerichte in Wien durch eine Reihe von Jahren geleisteten erfolgreichen Dienste, taxfrei den Titel eines kaiserlichen Rathes verliehen. — Dienstag hat hier die Vermählung des emeritirten Assistenten am Maria-Theresien-Hospital, Herrn Dr. Sigmund P o hl itz er, mit Fräulein Martha S t e i n b er g er, der Tochter des Polizei-Bezirksarztes in der Leopoldstadt, Herrn Dr. I. Steinberger, stattgefunden. Wien. Der königlich rumänische General-Consul in Antwerpen Herr Gustav M e n d l hat für seine Verdienste als Präsident des österreichisch-ungarischen patriotischen Hilss- Vereines in Antwerpen den Orden der Eisernen Krone erhallen. Wien. (Schriftstellerjubiläum des Professors Benedikt.) Am 2. Februar l. I. wird dem Professor Moritz Benedikt die aus Anlaß seines Schriftstellerjubiläums geprägte Plaquette feierlich überreicht werden. Abends findet im „Grand Hotel" ein solennes Bankett statt. Der belgische Staatsminister Le Ieun e hat in einem für den Jubilar sehr schmeichelhaften Schreiben seinem Bedauern Ausdruck gegeben, zur Feier, der er im Geiste beiwohnen wird, nicht bieherkommen zu können. Unter anderen Celebritäten traten dem Comite neuerdings bei: Professor T rutsch el (Kiew), Professor Roth (Moskau), der italienische Unterrichtsminister B a ccell i und Professor H i r s ch f e l d e r (San Francisco). Wien. Im Hofo.perntheater ist die kommende Premiere G o l d m a r k's „Heimchen am Herde" Text von W i l l n e r. Das Werk wird auch in ungarischer Sprache für die Budapester Oper vorbereitet. Die Proben zu K a u d e r's „Walther von der Vogelweide" dauern in unserer Hofoper fort. Die Oper soll vierzehn Tage nach der Erstaufführung des „Heimchens am Herde" in Scene gehen. — Die Direktion des Deutschen Volkstheaters theilt uns mit, daß ihr Ludwig Fulda heute Vormittags sein neuestes Lustspiel „Fräulein Witwe" zur Aufführung übergeben hat. Demnach hätte der Dichter das Stück vom Raimund-Theater zurückgezogen. — Kürzlich fand die endgiltige Uebergabe und Einweihung des von Frau Furtados-Heine „den Land- und Seeofficieren gewidmet Heims" statt. Wien. (Generalversammlung des Talmud- Thora- und Bethaus-Vereins VI., Stumpergasse Nr. 42.) Sonntag am 19. Jänner 1896, Nachmittags 3 Uhr, fand im Restaurant Löbl VI., Kasernengasse 20 die IV. ordentliche Generalversammlung des Talmud-Thora- und Bethaus-Vereins VI., Stumpergasse 42 unter sehr reger Betheiligung statt. Obmann Herr Leopold Werter eröffnete die Versammlung, begrüßte auf's Herzlichste deu als Vertreter der Cultusgemeinde erschienenen Vorsteher Herrn Architekten Mar Fleischer und ertheilte dem Schriftführer Herrn Max Keller das Wort zur Verlesung des Protokolles der letzten Generalversammlung. Nach Verificirnng des Protokolles erstattete der Vorsitzende Herr Leopold Werter den umfangreichen, sehr interessanten Jahresbericht. Aus dem Jahresberichte entnehmen wir, daß, trotzdem der Verein in diesem Jahre mit manchen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte, derselbe sich erfreulicher Weise entwickelte. Vor Allem ist es dem Vorstande gelungen, einen geordneten, ruhigen, andachts- und weihevollen Gottesdienst einzuführen und in den Talmud-Thoraschülern religiösen Sinn und Verstaudniß der Gebete zu erwecken. Eine in diesem Jahre stattgefundene Schul-Prüsuug hat ein glänzendes Resultat ergeben. Der Vorstand hat Herrn Dr. Julius Max Bach für den Verein als Seelsorger gewonnen, um durch deutsche, gemeinverständliche anziehende Predigten das Interesse der Jugend für Gotteshaus und Gottesdienst zu erwecken. Der Vorstand erblickt in der Subvention der löblichen israelitischen Cultusgemeinde eine Anerkennung und Aufmunterung, daß der Verein in demselben Sinne wie bisher wirken soll. Gleichzeitig spricht der Vorstand dem Herrn Architekten Max Fleischer den Dank aus für seine dem Vereine zugewendete Zuneigung. Der Verein besteht aus 110 Mitgliedern; den Einnahinen von fl. 5336'66 stehen Ausgaben im Betrage von fl. 4760'71 entgegen und verbleibt somit einGebahrungsüberschuß von fl.575'66. Die Talmud- Thoraschnle besuchen 70 Schüler, wegen Raummangel mußte eine große Zahl abgewiesen werden. Cultusvorsteher Herr Architekt Max Fleischer ist erfreut von dem Jahresbericht und wird nicht ermangeln, der Cultusgemeinde zu berichten, deren Fürsorge und Unterstützung sich der Verein versichert halten kann. Die Herren Adolf Wiener und Max Keller erklären, im Falle einer Wiederwahl zur Aunahm. eines Mandates nicht geneigt zu sein. Es wurde aber denselben seitens der Generalversammlung ans Herz gelegt, von ihrem Entschluffe abzugehen, indem gerade jetzt der Verein solche fähige, thätige und energische Männer, die sich bereits im Vorstände bewährten, nicht entbehren kann. Es wird hierauf zur Wahl geschritten und erscheinen die Herren Leopold Werter zum Obmann, Adolf Wiener zum Obmann- Stellvertreter, Max Keller zum Schriftführer, D. Marie zum Caflier, Sam. Weiß und Dr. Heinrich Goldbaum zu Revisoren,