Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 5 (31.1.1896)
- Date
- 1896-01-31
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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Seite 99 Dr. Blvch's Wochenschrift Nr. 5 und Kocheinrichtungen, wobei er verschiedene in- und ausländische Patente bekam. Der Text des eingangs erwähnten Diploms lautet: „Innung; Bund der Bau-, Maurer- und Zimmermeister zu Berlin. Herrn Maurermeister Marcus A d l e r zu Berlin! Zu Ihrem fünfzigjährigen Berufsjubiläum beehrt sich der Unterzeichnete Vorstand Ihnen im Namen der gefammten Innung die herzlichsten Glückwünsche aüszusprechen. Berlin, den 1. Jänner 1896. K. Menzel, Robert Otto, C. G a n s o w." Wir haben diesen Thatsachen nichts hinzufügen; sie sprechen für sich selbst und sind gewiß ein nachahmenswerthes Beispiel für unsere Jugend! Warschau, den 22. Jänner 1895. Trotz der sogenannten freiheitlichen Aera, deren Anbruch beim Regierungsantritt des jungen Kaisers und seiner Gemahlin (einer Enkelin der Königin Victoria!) die Bewohner des Landes hoffnungsfreudig entgegensahen, geschehen hier noch Mistbräuche, welche lebhaft an die Zeiten erinnern, da die Juden Polens, zur Unterscheidung von ihren christlichen Mitbürgern, gelbe Flecke auf ihre Röcke zu heften gezwungen wurden. Wie bekannt, müssen unsere Glaubensbrüder im Königreich Polen sich gegenwärtig ausschließlich ihrer verstümmelten jüdischen Namen bedienen und wimmelt es daher auf den Schildern der Läden von Schmuls, Sruls, Rajnes, Lajes u. s. w. Mit besonderer Schärfe wurde dieses Gesetz von dem gewesenen Oberhaupte der Warschauer Poliz.i, dem General Klejgels gehandhabt, (der gegenwärtig mit Rangerhöhung nach St. Petersburg versetzt wurde,) und unterziehen die „Birzewyje Wiedomosti" in einer ihrer letzten Nummern vom 2/14. d. M. diese Mißbräuche einer herben Kritik. Es ereignete sich nämlich, daß eine gewisse Frau Helene R.ska, Besitzerin eines großen Geschäftes auf der Bielanskastraße, in ihrem Matrikelschein nur unter ihrem europäischen Namen figurirte. In Folge dessen wurde ihr das Aufhängen eines Schildes über ihrem Laden verboten. Sie bat man möge ihr doch zeigen, auf welches Gesetz dieses Verbot sich stütze? Vergeblich. „Sie sind eine Jüdin und das kann man an Ihrem Namen nicht erkennen," dies war die einzige Antwort, die ihr zu Theil wurde. Nachdem nun Frau Helene R.ska vier Monate gewartet, alle möglichen Hebel in Bewegung gesetzt und während dieser Zeit durch den Mangel eines Schildes bedeutende Einbuße erlitten, gestattete die Polizei das Anbringen desselben, doch wurde die Besitzerin des Ladens gezwungen, unter ihrem Namen das Wort „Jüdin" in zwei Sprachen (Zydöwka Ewrejka) setzen zu lassen. Man denke sich das Ergötzen und die Belustigung sämmtlicher Einwohner der Straße, die zu den lebhaftesten Handelsarterien der Stadt gehört. Und welches ist nun der Zweck solcher Chikanen? Will man vermeiden, daß die Andersgläubigen für ihr christliches Geld jüdische Waare eintauschen? Oder auch ist dies ein Kennzeichen, damit bei einer etwaigen Judenhetze nur ja Niemand übersehen werde? „Gott wohnt hoch, der Kaiser weit." sagt ein russisches Sprichwort und leider dringen diese scheinbar unbedeutenden, nichtsdestoweniger jedoch empörenden Thatsachen nicht bis zu den Stufen des Thrones. Nun gibt es zwar Mittel und Wege, sich diese lästigen Sachen vom Halse zu schaffen, und kann man dies häufig vermittelst eines Drei-Rubelscheines erzielen: doch nicht Jeder will sich dieses Mittels bedienen, umsomehr als dieses bei häufigem Wechsel der untergeordneten Polizeiorgane ziemlich kostspielig werden dürfte. Auch die Nachrichten die aus entfernteren Gegenden einlaufen, lauten wenig tröstlich. So hat z. B. der „Credit Lyonnais" in Odessa, Filiale der Pariser Institution gleichen Namens, den Auftrag erhalten, die Zahl der jüdischen Beamten, die daselbst thätig sind, 60 Percent nicht übersteigen zu lassen. Da dieselbe nun bisher mehr als 80 Percent betrug, sieht sich die Direction zu ihrem Bedauern gezwungen, die Juden, bis das gewünschte Verhältniß erreicht wird — d. h. voraussichtlich für ziemlich lange Zeit — von der Aufnahme vollkommen auszuschließen. Trotz dieser traurigen Thatsache jedoch können und wollen wir den Glauben nicht aufgeben, daß es in den Geistern und Herzen doch endlich hell werden wird. „Und dräut der Winter noch so sehr, Mit trotzigen Gebärden, Und streut er Eis und Schnee umher. Es muß doch Frühling werden!" singt .der Dichter. Und Recht hat er! Denn kommt der Frühling auch spät, kommen wird er doch! X. . . London. Der Senat der Londoner Universität drückte in seiner letzten Sitzung das tiefste Bedauern über den Tod Sir Julian Goldsmid's aus. Sir Julian hatte nicht nur an dieser Universität studirt und dort seinen akademischen Grad erlangt. sondern war auch eine zeitlang zweiter Rector der Universität gewesen und hatte sich in jeder Weise um die berühmte Alma mater verdient gemacht. So hatte er beispielsweise der Universitäts-Bibliothek 1000 Pfund gespendet und sich auch parlamentarisch vielfach für die Interessen der Londoner Universität eingesetzt. London, 20. Jänner. Um Len durch den Tod Sir Julian Goldsmid's erledigten Parlamentssitz bewirbt sich dessen Schwiegersohn Capitän Herbert M. Josse l. — Die Einwanderung Fremdbürtiger in England betrug im vorigen Jahre 85 000, die Auswanderung 80.000 Seelen, ein Beweis, wie ungerechtfertigt die Bestrebungen auf ein Verbot der Einwanderung Fremder, das sich auch gegen unsere russischen Glaubensgenossen wendet, tatsächlich sind. — Die in Kerksdorp (Transvaal) ansäffigen 40 Glaubensgenoffen haben sich zu einer jüdischen Gemeinde organisirt. New Hork, 12. Jänner. Der große Wohlthätigskeitsbazar hat di? imposante Summe von 165.109 Dollars, also nahezu 700 000 Mark ergeben. Bereits im Jahre 1870 fand hier zu Gunsten des Mount Sinai Hospital eine solche „Fair4 statt, welche 630.000 Mark erzielte. Im Jahre 1875 wurden 550.000 Mark, in. Jahre 1886 für das Montefiore Home 670 000 Mark vereinnahmt. — Die Bereinigten jüdischen Wohlthätigkeitsvereine (United Hebrew Charities) haben im Monat December 7793 Personen mit insgesammt 40.000 Mark unterstützt. „The Jllustrated American" Nr. 1306. Bd. XVIll. 26. vom 28. December 1895 enthält folgende interessante Bemerkungen: „Bor einiger Zeit sprach Dr. Rainssord in seiner liberalen Art, wie unrichtig wir die Juden beurtheilkn. Er sagt, es ist ein allgemeiner Begriff geworden, daß die Juden alle Schwindler. Feiglinge und Heuchler leien, weil sie vor fast 1900 Jahren unseren Heiland nicht anerkannten. Vor Allem erbat er sich von seinen Zuhörern, daß, bevor sie sich der allgemeinen Meinung anschließen, sie erst Nachdenken sollen, was sie thun würden, würde sich Christus heutzutage so unter die Christen mengen, wie er sich unter die Juden gemischt? Sie würden ihn vielleicht nicht kreuzigen, weil wir schon im 19. Jahrhundert sind, und dies das geklärte Zeitalter ist, aber daß sie ihn bekämpfen würden und sich mit Händen und Füßen gegen die neue Religion webren möchten, das steht fest. Was würde geschehen? Ich bezweisie, daß unsere Nachkommen dafür büßen müßten, so wie es die Juden schon lange für ihre Vorfahren büßen müssen. Deshalb ist es sehr unrecht von der Gesellschaft, die Juden so auszuschließen, daß sie dann auf diese Weise für ihre Vorfahren büßen müffen. Ich für meine Partei bewundere die Juden!! Sie haben viele Charaktereigenschaften, welche uns anzueignen unsere Ambition sein sollte.Jhre Einigkeit untereinander, ihre große Freigebigkeit gegen Arme — wie selten sieht man jüdische Bettler — die Achtung und Verehrung gegen ihre Eltern, welche den Kindern von frühester Jugend an eingeprägt wird; die Ausdauer in der Erreichung ihres sich vorgesteckten Zieles ist zu bewundern und durchaus nicht zu tadeln. Es gibt wohl auch schlechte Menschen unter dem jüdischen Volke, aber nicht mehr als in unserem, was auch einst der Tag der Vergeltung zeigen wird. Bisher war es nur immer, daß wir uns durch schlechte Charaktere eine Meinung über das ganze Volk bildeten. Alles, was ihnen jetzt geschehen ist, ward Unrecht und jeder recht denkende Mensch muß zugeben, daß der Unschuldige, nachdem die Unschuld bewiesen ist, nicht mehr leiden darf. Ich hoffe, daß die Worte, welche Dr. R a i n s f o r d gesprochen, in aller Zuhörer Herzen gedrungen sind und daß jeder die bis daher schlecht gefaßte Meinung verdrängen soll und die Barriere niedergerissen werden soll. Wie eben der Gewinn eines Bazars zeigt, ist es mit der früher gerühmten Generosität sehr wahr, und ich denke, es wäre schon Zeit, mit dem Svötteln und Höhnen aufzuhören und lieber, anstatt die Zeit mit Nörgeln zuzubringen, die Tugenden der Hebräer nachzuahmen. Mogador (Marokko). Die Judenverfolgungen haben in Marokko wieder begonnen. Vor einiger Zeit war Jedermann des Lobes voll über die Tapferkeit Kaid Wida's, mit welcher er die Stadt gegen die Rebellen vertheidigt hatte. Nun