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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-01-31 · 5 (31.1.1896) · page 18

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
5 (31.1.1896)
Date
1896-01-31
Page
– (sequence 18)
Language
German
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Seite 98 Dr. Vloch's Wochenschrift Nr. 5 Herr Dr. Stransky hat in einer von dem Geiste der Ehrlichkeit und des wahren Liberalismus durchdrungenen Rede das Sündenregister gewisser scheinliberaler Herren entrollt und nachgewiesen, daß die Ernennung des notorischen Antisemiten Dr. Hellwig zum Leiter der Anstalt einen Act crassester Parteilichkeit bedeute. Dr. Stransky scheute sich nicht, das Kind beim rechten Namen zu nennen. Er betonte nachdrücklich^ daß es ein Act der Barbarei sei. bei einer Humanitätsanstalt, die keine Unterschiede zwischen Hilfsbedürftigen machen darf, just einen Antisemiten zu bevorzugen, der seiner politischen Ueberzeugung nach Unterschiede zwischen Menschen und Menschen in den Vordergrund stellt. Ein Bewerber um diese Stelle, der die beste Qualification gehabt hätte, wurde nicht berücksichtigt wegen seiner — Confession. Das ist echt — scheinliberal. Das Verhalten der Deutsch-Liberalen. erklärte Dr. Stransky, bedeute eine schnöde Undankbarkeit gegen die Juden, denen diese Partei, in Mähren speciell, zu größtem Danke verpflichtet ist, denen sie manchen Sieg und viele Unterstützung verdanke. Dr. P r o m b e r. der anfangs sich bemüht hatte, den hiesigen Juden gegenüber jeden Antheil an der Ernennung H e l l w i g's in Abrede zu stellen, mußte selbst zugeben, daß er die Ernennung des Antisemiten durchgesetzt hat. Allerdings behauptete er. die Gründe, die ihn hiezu bestimmten, seien rein sachliche gewesen. Wenn es aber etwas Charakteristisches für die Gesinnungstüchtigkeit des Herrn Gr. P r o m b e r gibt, so ist es wohl folgende Thassache: Im Landtage hat er die antisemitische Gesinnung des neuen Directors der Landes-Jrrenanstalt gar nicht in Abrede zu stellen versucht, aber er hat vor Kurzem Personen gegenüber, die ihn darauf aufmerksam gewacht, daß eine Verstärkung des antisemitischen Elementes in Brünn gefährlich werden könnte, mit seinem Worte versichert, Dr Hellwig sei kein Antisemit! Die glänzende Rede Dr. Stransky's sollte wohl genügen. um den Juden in Mähren die Augen zu öffnen. Sie werden einerseits wegen ihrer Hingebung für die deutschliberale Partei auf das Leidenschaftlichste von den Czechen befehdet und haben dafür auch nicht einmal die Genugthuung, von jenen geschützt zu werden, für die sie kämpfen. Dr. Promb er scheint dies auch zu fühlen. Er beschwor die Berichterstatter der Wiener Blätter, die Affaire todtzuschweigen. Ob ihm dies nützen wird? Hoffentlich werden die Juden, die in seinem Wahlbezirke eine ausschlaggebende Bedeutung haben, seiner zweideutigen Doppelrolle sich erinnern. — Dann kann sich Herr Dr. P r o m b e r wohl nm einen anderen Wahlbezirk umschauen. —u — E. B. Protznitz (Stampiglius Schneider), wenn er nicht Stampiglien fälschen kann, so fälscht er Thatsachen. In der Sitzung des Niederösterrsichischen Landtages vom 23. Jänner perorirte Ehrenschneider, in Proßnitz werde im Schuhmachergewerbe Pofelindustrie von jüdischen Confectionären erzeugt. Die Schuhwaaren-Jndustrie hier ist aber ausschließlich arisch und die erste arische Firma dieser Branche, liefert derart vorzügliches Fabrikat, daß dasselbe auf dem ganzen Continente in bestem Renomme steht und dem Firmaträger zu großer Wohlhabenheit verholfen hat. Mögen sich die hiesigen ar fchen Schuhindustriellen bei Herrn Stampiglius bedanken, unsere Sache kann es nicht sein, sie vor dessen Insulten in Schutz ru nehmen. — Vor wenigen Jahren hat sich hier eine Hunya-Fußbekleidungsindustrie eingebürgert, d i e Hunderten vonFamilien reichlichen Erwerb bietet, indem die Herstellung keiner Vorkenntnisse oder längerer Uebung bedarf. Die Firma Rudolf Stern & Co. hat es in diesem neuen Industriezweige rasch zu großem Ansehen gebracht und deren Fabrikate sind nicht nur im Jnlande, sondern auch im Auslande wegen ihrer Vorzüge sehr belietb. Brody, 25.Jän. (H andelskammer-Präsidenr Ado lf B y k.) Auch das Bild des Todes hätten die alten Griechen mit der Binde um die Augen darstellen sollen, um seine Blindheit zu markiren; denn ohne Wahl und Prüfen greift seine Knochenhand ins Leben hinein, die Opfer würgend, die sie blind packt, gleichviel ob Blume oder Unkraut, ob ein nützliches oder verwerfliches Dasein ausgejätet, ob ein sieches oder blühendes Leben hingemäht wird. Einen solch' unseligen, von uns Allen schwer empfundenen und schmerzlich beklagten Mißgriff machte der Tod, indem er uns ganz unerwartet und unvermittelt einen trefflichen Menschen entriß, der. in noch fast ungeschwächter Kraft stehend, seine ihm durch das Vertrauen seiner Mitbürger übertragenen Ehrenposten mit Eifer, Pflichttreue und Ausdauer versah. Herr Adolf B y k, der Abkömmling einer vornehmen Familie, ein Kaufmann bester Qualität und reinster Mackellosigkeit, widmete sich schon im jugendlichen Alter dem öffentlichen Wohle als Mitglied des Gemeinderathes und der Spitalsverwaltung. Ein humanitärer Verein „Chesed wu Emed", der eine zahlreiche Mitgliederschaft zählt, verdankt ihm seine Entstehung und seinen Bestand. Als Cultusvorstand stand er lange Jahre unangefochten an der Spitze unserer jüdischen Gemeinde. Siebenundzwanzig Jahre zählte er als Mitglieo der Handelskammer und vierzehn Jahre war er ihr Präsident; am Tage seines Todes hätte er abermals gewählt werden sollen — die Einladungen waren ausgeschickt, die Vorbereitungen getroffen, als der Mann dem sie galten, schon den ewigen, traumlosen Schlaf schlief und ein Schmerzensruf durch die Stadt gellte! Diese hervorragenden Posten erwarb sich B y k nicht nach gemeiner Streberart, welche auch dem Unberufenen manche Thüre öffnet, sie wurden ibm entgegengetragen vermöge seines bewährten Charakters und concilianten Wesens und er klammerte sich so wenig an diese Posten, daß er, zum Bürgermeister unserer Stadt gewählt, bei einergeringen Widerwärtigkeit auf diese Ehrenstellnng v rzichtete. Solche Männer sterben bei uns ohne Ersatz aus und werden immer rarer, es sind 168 beaux restes des ehemaligen Brody, die letzren Strahlen des früheren Glanzes, der nach und nach verglimmt. Es werden wohl andere Männer an seine Stelle treten, ebenfalls ehrenhaft und pflichttreu, aber Adolf B y k bleibt unvergessen, weil er nicht nur seine Posten ganz ausfüllte, sondern weil sie ihn ganz und voll ausfüllten. Diese allgemeine Anerkennung manifestirte sich auch bei dem gestern stattgefundenen Leichenbegängnisse, dem eine feierliche Trauerkundgebung der Handelskammer vorausging und an dem eine unübersehbare Menschenmenge Antheil nahm. Schwarzumflorte Laternen umsäumten den Weg, den der Zug durch die Straßen nahm; der schmerzgebeugten Familie folgten die Spitzen einiger Behörden und trotz der großen Entfernung unddesSchneegestöbers, eine große Menschenmenge hinaus bis zur letzten Stätte, wo der Friede wohnt und die ewige Ruhe. In der Halle sprach Herr Director Dr. H e r z e l in ergreifender Weise über die Eigenschaften und die Verdienste des Verblichenen. An der offenen Gruft nahm Bürgermeister Herr Kulak schmerzlich bewegt Abschied vom verstorbenen Gefährten und der Schreiber dieser Zeilen von seinem langjährigen, bewährten Freunde, dem er stets ein dankbares und pietätvolles Erinnern bewahren wird. Leo Herzberg-Fränkel. Berlin, 20. Jänner. Bei dem gestrigen Ordensfestk sind folgende Glaubensgenossen ausgezeichnet worden: Die Herren: Dr. Bärwald. Director des „Philanthropin" in Frankfurt a. M.; Dr. Cohn, Professor der Nationalökonomie an der Universität Göttingen; Rechnungsrath Cohn, General-Postcassenbuchhalter in Berlin; Regierungsrath Samuel. Mitglied der Eisenbahndirection zu Berlin, und Justizrath Sutro, Vorsteher der jüdischen Gemeinde Bochum, mit dem Rothen Adler-Orden vierterClasse. Berlin, 19. Jänner. Am Neujahrstage ließ die Innung „Bund der Bau-. Maurer- und Zimmermeister" Herrn Maurermeister Marcus Adler ein prachtvoll ausgestattetes Diplom zu seinem 50jährigen Berufsjubiläum überreichen. Diese Auszeichnung verdient heute gewiß als gutes Beispiel hervorgehoben zu werden. Seit feiner Lehrzeit ist Adler den erziehlichen und belehrenden Zwecken der Innung treu geblieben, dafür in Wort und Schrift eingetreten. Die hierauf bezüglichen Arbeitenfachwissenschaftlichen und socialpolitischen Inhalts, sind in der Baugewerks-, in der Deutschen Bauzeitung, in anderen Fach, blättern, auch in Meyer's Conversations-Lexikon veröffentlicht worden. Der Aufmunterung und Erziehung unserer jungen Glaubensgenossen zum Handwerk und zu technischen Gewerben widmete er ebenfalls seit vielen Jahren seine freie Zeit; er ist Dezernent in der Abtheilung für Handwerk und Ackerbau beim D. I. G.-B. und einer der Jnspectoren bei der Gesellschaft zur Verbreitung des Handwerks und des Ackerbaues unter den Juden in Preußen. Auch der jüdischen Gemeindeverwaltung widmete sich Adler mit Eifer, in der Schätzungs- und Baucommisffon und bei der städtischen Verwaltung ist er ebenfalls zu mancherlei Arbeiten herangezogen. Ad ler's Lehrzeit fällt noch vor das Jahr 1848. die Wanderschaft in das Jahr 1849. Damals galt noch der Paß- und Herbergszwang! Mit „Gott und Stock" wanderte er zu Fuß von Schlesien nach München, mit Unterbrechung an mehreren Arbeitsstellen. Seine Ausbildung genoß er auf den Baugewerksschulen in Breslau und München, auch auf der Akademie in München, die Matrikel ist noch von Wilhelm Kaubach ausgefertigt. Von 1849—60 blieb er in München. Beim Bau der großen Spatenbrauerei, bei dem Bau der München-Rosenheimer Eisenbahn rc. war er vom Beginn bis zur feierlichen Eröffnung in Salzburg, theils im baierischen Staatsdienst, theils als Unternehmer thätig. Seit 1860 in Berlin, legte er sich später auf das Gebiet der Heiz-

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