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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-01-31 · 5 (31.1.1896) · page 17

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
5 (31.1.1896)
Date
1896-01-31
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Nr. 6 Seite 97 Dr. Blvch's Wochrnschrifk. Curatoren berechtigt sein, sofort nach meinem Ableben meine Wohnung mit befand ererBorsicht zu sperren, meinen gesummten Nachlaß an sich zu nehmen und ganz in meinem Namen zu bandeln zum Frommen und Gedeihen der gedachten Stiftung, linier den vielen Bildern in meiner Wohnung sind zwei Bilder, jene Sr. Majestät des Kaisers und der Kaiserin, die im Speisesaale der gedachten Stiftung ihren hochgeehrten Platz finden sollen. Es folgen noch einzelne Legate an verschiedene Verwandte und Freunde, ferner an die Armen in Wien und in Prag, ohne Unterschied der Confession, und eine Stiftung von 10.000 fl. für würdige Studenten der Universität. Außer diesem Testamente haben sich noch mehrere letztwillige Bestimmungen in Testamentsform vorgefunden, welche jedoch älteren Datums sind und durch das zuletzt aufgefundene Testament gegenstandslos erscheinen. In allen diesen Testamenten ist bereits von einer Waisenstiftung die Rede. Jedesmal ist hiebei der Hof- und Gerichtsadvocat Dr. Leopold L i b i tz k y, welcher durch mehrere Decennien der rechtsfreundliche Vertreter sowohl der Verblichenen als auch seinerzeit ihres Gatten war, als Cnrator angeführt. Es heißt, daß die weitverzweigte Verwandtschaft der Erblasserin das Testament ernsthaft anzufechten gedenkt. Vorzüglich wird hiebei geltend gemacht, daß die vier Bogen, auf welchen das Testament von der Erblasserin eigenhändig geschrieben ist, nicht zusammengeheftet, sondern nur lose ineinandergelegt sind. Bemerkenswerth ist hiebei jedoch, daß gerade derjenige Theil des Testaments, welcher die große Stiftung von 800.000 fl. enthält, die Unterschrift der Erblasserin trägt. Ihr Vermögen besteht größtentheils in Effecten, welche in verschiedenen Aufbewahrungsorten ihrer Wohnung untergebracht waren. In der letzten Zeit befand sich Frau Merores in einem hiesigen Sanatorium. Auch war sie wegen andauernder Kränklichkeit vor Kurzem unter Curatel gestellt worden. Dieser letzte Umstand soll übrigens für den Proceß über das Testament, welches, wie erwähnt, schon aus dem Jahre 1885 datirt, durchaus ohne Belang sein. E B. Wien. (JudenHetze in einer Prager Bahnhofrestauration.) In der Bahnhofrestauration UI. Classe der Nordwestbahn in Prag, die auch als Wartesaal dient, erging sich ein czechischer Bänkelsänger vorige Woche in czechischen Spott- und Hetzliedern auf die Juden und hatte dazu noch die Unverschämtheit, für diese ..künstlerische" Leistung „a b z u s a m m e l n". Ein jüdischer Paffagier, der dm Restaurateur um Intervention behufs Abstellung des Scandals ersuchte, wurde mit der Antwort abge- .kanzelt, dies sei nicht seine Aufgabe, sondern Sache der Bahnhofspolizei. Da es unmittelbar vor Abgang des Zuges war, konnte der betreffende Passagier nicht mehr die Intervention des Stationsvorstandes in Anspruchnehmen, hatesabernichtunterlaffen, bei der Direction der Böhmischen Nordwestbahn Beschwerde zu führen, die hoffentlich zu dem Erfolge führen wird, daß nicht auch schon in den Wartesälen der Bahnhöfe antisemitische Allotrias getrieben und die jüdischen Reisenden beschimpft und verspottet werden. Groß-Enzersdorf. '(Friedhoffrevel.) Wir haben bereits vor mehreren Monaten an dieser Stelle berichtet, daß der linksseitig von der nach Wittau führenden Strafe gelegene israelitische Friedhof mehrmals von ruchlosen Attentätern Beschädigungen, ja sogar Entweihunaenausgesetzt war. Einmalwaren es erwiesenermaßen Knaben, im schulpflichtigen Alter stehend, welche Grabhügel zerstörten, die darauf befindlichen Nummerntafeln zerbrachen und auch einen Grabstein umwarfen. Dieselben wurden, da sämmtliche Attentäter noch im strafausschließenden Alter standen, der häuslichen Züchtigung übergeben. Ein anderesmal wurden sämmtliche Fenster des Friedhofgebäudes zertrümmert, so daß man sich gezwungen sah, dieselben durch Blechscheiben zu ersetzen; auch die daselbst befindlichen Bäume wurden schon oftmals derart beschädigt, daß sie verdorrten. Vor gar nicht langer Zeit fand man das in der Planke angebrachte Thor gewaltsam erbrochen und an der Außenthüre des Gebäudes die Schnallen zertrümmert. Nun haben wir einen completen Einbruch in das Innere des Friedhofsgebäudes, wie ihn nur ein Verbrecher „vom Fache" auszuführen im Stande ist, zu verzeichnen. Am 24. b. M. Nachmittags fuhr Herr Markus Rosenbaum, Obmann des Minjan-Vereines in Groß-Enzersdorf in Begleitung des dortigen Religionslehrers Samuel Eigner und das Moriz Schischa zum israelitischen Friedhofe, um die Grabstelle für einen am selbigen Tage Verstorbenen zu bestimmen. Da bemerkten sie eine in dem frisch gefallenen Schnee gut ausgeprägte Fußspur, welche auffallenderweise über die Planke in den Friedhof und von da zu der in den Leichenhof mündenden Thür des Friedhofsgebäudes führte. Wie erschrocken dieselben jedoch, als sie das der Straße zugewendete Hanptthor des Gebäudes aufschlsssen und sowohl die in den Leichenhof, als auch die in die Todtenkammer führenden massiven und sehr wohl versperrt gewesenen Thüren angekweit offen und sowohl Thüren. als auch Schlösser theilweise zertrümmert, daher in arg beschädigtem Zustande vorfanden. Ringsumher lagen die Utensilien, womit der Verbrecher den Einbruch bewerkstelligte. Auch ein Grabhügel war zertreten und die darauf angebracht gewesene Nummerntasel zerbrochen. Das k. k. Gendarmeriecommando in Groß-Enzersdorf wurde sofort auch diesmal von dem Vorfälle verständigt, welche auch sogleich den Thatbestand ausnahm und unverzüglich die Recherchen behufs Eruirnng des Verbrechers einleitete. Manche sind der Ansicht, daß der Thäter ein „Wilderer" sei, der an diesem abgelegenen Orte sein „Handwerk" betreibe und vor Unwetter im Friedhosgebände Schutz suchte; andere glauben wieder, ein Dieb vermuthete einen Opferstock in der Todtenhalle und sei eingedrungen, um ihn seines Inhaltes zu entleeren. Allenthalben wird jedoch angenommen, es sei dies nur ein Act der Böswilligkeit, um den hier — wenn auch mir sporadisch — vorkommenden Racenhaß zum Ausdruck zu bringen. Brünn, 27. Jänner. (Jubiläum des Kammerpräsidenten R. v. Gomperz.) Wie bereits telegraphisch berichtet, beging die hiesige Handels- und Gewerbekammer am 22. d. M. die fünfundzwanzigste Wahl des Kammermitgliedes Julius R. v. Gomperz zum Präsidenten dieser Körperschaft in einer für R. v. Gomperz äußerst ehrenvollen und schmeichelhaften Weise. Der Vicepräsident Gustav R. von S ch o e l l e r und der landesfürstliche Commiffär Hofrath Baron Hein, sowie die Reichsraths-Abgeordneten der Brünner Handelskammer, A n s p i tz und R. v. B a z a n t. feierten in schwungvollen Worten die Verdienste, welche sich R. von Gomperz während des Biertelsäculums seiner Präsidentschaft nm die Kammer erworben hat. Die Kammermitglieder haben Herrn R. v. Gomperz auch eine äußerst geschmackvoll ausgestattete Adreffe überreicht. Die eleganten Randleisten werden auf den drei Textblättern der Adresse durch stylvoll eingefügte Vignetten ergänzt, welche Miniatur-Aquarellbilder enthalten Eines derselben stellt das Gebäude dar, in welchem die Localitäten der Brünner Handels- und Gewerbekammer untergebracht sind; das andere die Fabrik L. A u s p i tz Enkel und das dritte das Schloß Habrowan, bekanntlich Eigenthum und Lieblingsaufenthalt des Präsidenten Julius R. v. Gomperz. In den Ecken der Enveloppe sind das Reichswappen, das Landeswappen, das Wappen der Stadt Brünn und jenes des Jubilars angebracht, dieserart die Beziehungen darstellend, welche R. v. G o m p e r z in seiner Eigenschaft als Präsident der Kammer, die bekanntlich das Reichswappen in Schild und Siegel zu führen berechtigt ist. als Mitglied des mährischen Landtages und der Brünner Stadtvertretung in sich vereinigt. Statthalter Freiherr v. Spens-Booden hat an den Jubilar ein Glückwunschschreiben gerichtet, in welchem es he ßt: „Euer Hochwohlgeboren haben durch rastloses, umsichtiges und verständnißvolles Wirken in der Stellung des Präsidenten der Brünner Handels- und Gewerbekammer sich nicht nur um die Jntereffen der Handel- und Gewerbetreibenden Ihres Kammerbezirkes und des engeren Heimatlandes, sondern auch um die Handels- und gewerblichen Jntereffen des Reiches unvergängliche Verdienste erworben und durch die vielen Beweise biederen Charakters und edler Gesinnung das Vertrauen der Handelskammer-Mitglieder, von welchem heute das beredetste Zeugniß gegeben wurde, zu rechtfertigen, wie nicht minder die vollste Achtung und Werthschätzung aller Kreise der Handels¬ und gewerbebcflissenen Bevölkerung zu verschaffen und zu erhalten gewußt." Die Schwesterkammer der Stadt Olmütz sendete ein Glückwunschtelegramm für Herrn R. v. G o m p e r z. Brünn. (Eine Auseinandersetzung.) (Original - Correspondenz der „Oesterreichischen Wochenschrift".) Im mährischen Landtag hat die Red', des Dr. Stransky zu einer Auseinandersetzung geführt, die ihre Wirkung aus die Scheinliberalen sowohl als auf die mährischen Juden, die sich noch immer von ihnen gängeln laffen, nicht verfehlen wird. Es handelte sich um den Voranschlag für die Brünner Landes-Jrrenanstalt und um die Ernennung des Dr. Hell wig zum Director dieser Anstalt. Es ist ein trauriges Symptom für die Vergiftung des öffentlichen Lebens, daß es nur wenige Fragen gibt» bei denen der Antisemitismus nicht irgendwie in's Spiel käme und so hat thalsächlich der Wahnsinn des Antisemitismus auch mit der mährischen Landes-Jrrenanstalt zu schaffen.

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