Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 5 (31.1.1896)
- Date
- 1896-01-31
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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Seite 96 Dr. Blvch's Wochen? christ Nr. 5 sie in ihrer Verbohrtheit merken wird,daß der Christenhaß in China mit denselben Waffen ficht, wie ihr eigener Judenhaß in Deutschland? Wir bezweifvln es. Der bestrafte Ueberlänser. Unter Friedrich dem Großen lebte in Berlin ein jüdischer Petschaflstecher, Salomvn Bücher mit Namen. Derselbe lieferte auch Modelle zu Münzen. Einmal ließ ihn der König zu sich kommen, bezeugte ihm seine Zufriedenheit und erlaubte den bereits Siebzigjährigen, sich eine Gnade auszubitten. Bücher ersuchte nun um eine Anstellung bei der königlichen Münze. Aber diesen Wunsch wollte der König nicht erfüllen. „Ja, wenn Er ein Christ wäre", sagte Friedrich II., „dann ließe sich darüber sprechen." Nach vier Wochen erschien Bücher wieder vor seinem Landesherrn und meldete, daß er „zur Christenheit" übergegangen sei, weil der König versprochen habe, ihm ein Amt zu geben, wenn er Christ geworden sei. Da sagte Friedrich zornig: „Melde Er sich bei ünserm Stallmeister als Vorläufer!" Bestürzt machte Bücher fein hohes Alter geltend. Aber der König erklärte: „Wenn er in vier Wochen überlaufen konnte zum Christenthum, dann wird Er auch Kraft genug haben, vor meinem Wagen herzulausen. Wir haben nie von solchen Menschen etwas gehalten, die ihren Glauben wechseln wie einen Rock." Correspondenzen. Wien. (Die silberne Hochzeit des Landesschulrathes Dr. Gustav K o h n.) Am 29. d. M. feierte der Herr Landesschulrath Dr. Gustav K o hn mit seiner Gattin Laura, geborene L ö w i t, im engsten Familienkreise das Fest der silbernen Hochzeit. Einer hochachtbaren alten Prager Patrizierfamilie entsproffen, zählt er zu den besten und vielbeschäftigten Rechtsanwälten der Residenz. Den uneigennützigsten Anwalt aber fi> den in ihm die Armen und Bedrückten unserer Gemeinde. Die Clientel unseres Jubilars nach dieser Richtung wurde und ist eine schier unübersehbare. Und auch die unangenehmsten Erfahrungen des Undankes und der Unwürdigkeit so mancher seiner Schutzbefohlenen waren nicht im Stande, sein goldenes Herz zu verhärten oder ihn auch nur weniger zugänglich zu machen den Klagen der Armen. Innig verbunden mit dieser Herzensgüte ist die vom Vater ererbte treue Anhänglichkeit, die Liebe zu unserer Gemeinde und ihren Institutionen. Im Jahre 1884 in den Vorstand der Wiener Cultusgemeinde gewählt, gehörte er seit dieser Zeit ununterbrochen demselben an und zählt zu dessen thätigsten und hervorragendsten Mitgliedern. Vornehmlich aber wendete er seine Obsorge der Schule zu. Im Jahre 1891 wurde er zum Obmanne der Schulsection gewählt und im Jahre 1892 über einstimmiges Votum des Vorstandes zum Vertreter der israelitischen Confession im niederösterreichischen Landesschulrathe ernannt. Mit hingebungsvoller Liebe, mit dem Aufgebote alles Fleißes, aber auch mit vollem Sachverständniß waltet Herr Dr. Gustav K o h n seines Amtes. Unter seiner Aegyde sind der Unterricht der Bibel im Urtexte an den Mittelschulen wieder eingcführt und neue entsprechende Lehrpläne für den Religionsunterricht geschaffen worden. Beamte und Lehrer der Gemeinde hängen ar ihm in inniger Liebe, er ist ihnen nicht blos Vorgesetzter, er ist ihr wärmster Freund. Er war es, der im Vereine mit gleichgesinnten Männern die materielle Existenz der Religionslehrer unserer Gemeinde zu einer der großen Cultusgemeinde würdigen machte! Nicht minder eifrig und ersprießlich wirkt Herr Dr. K o h n im Bethausvorstande, im Vorstande des Talmud- Thoravereines, im Vereine zur Errichtung eines israelitischen Hospitales in Gleichenberg und in anderen der Humanität gewidmeten Vereinigungen — überall gleichhoch geachtet, verehrt und geliebt! An seiner Seite aber waltet, im Wohlthun mit ihm wetteifernd, seine edle Gattin, eifrig und mit Erfolg bemüht, die Kinder nach dem Musterbilde ihres Gatten zu erziehen. Herr Dr. Gustav K o h n hat Sorge getragen, daß von der Feier Nichts in die Oeffentlichkeit dringt. Er konnte indessen nicht verhindern, daß in einzelnen Kreisen das Ereigniß früher bekannt wurde. Der Vorstand der israelitischen Cultusgemeinde ließ es sich nicht nehmen, das Silberpaar durch eine Deputation mit folgender Adresse zu beglückwünschen: . Seiner Wohlgcboren Herrn Dr. Gustav K o h n, Vertreter der israelitischen Cultusgemeinde, Mitglied des k. k. niederösterreichischen Landesschulrathes rc. rc. Wien. Hochverehrter Herr College! Sie begehen heute an der Seite Ihrer liebenswürdigen, Ihnen gleichgesinnten Frau Genialin das Fest der silbernen Hochzeit. Wenn die Festesfreude, die an diesem Tage Sie und Ihre Familie beherrscht, in die Kreise Ihrer zahllosen Freunde und Verehrer hinansdringt, so liegt das Motiv hiefür in dem ausgezeichneten Wesen Ihrer Person, die allen Mitmenschen nur Gutes und Angenehmes zu erweisen sich zur Pflicht macht und zur Lebensaufgabe stellt. Wer wie wir Ihr wohlthuendes und ersprießliches Wirken auf dem ausgedehnten Felde der Humanität, dem Gebiete des Religionsschulwesens und aller culturellen Bestrebungen zu beurtheilen und zu würdigen in der angenehmen Lage ist, wird den heutigen. Anlaß mit Freuden ergreifen, um Ihnen die wärmsten Sympathien und herzlichsten Glückwünsche entgegenzubringeu. Der Allmächtige möge Sie noch viele, viele Jahre bei frischem Geiste und voller Gesundheit für das allgemeine Wohl, insbesonders für unsere Gemeinde in Ihrer Schaffungskraft erhalten, auf daß Sie nach abermals fünfundzwanzig. Jahren im Vereine mit Ihrer hochgeschätzten Frau Gemahlin, umgeben von Ihrer Familie, mit Genugthuung auf Ihre Thätigkeit, glücklich und zufrieden zurückblicken niögen. Das walte Gott! W i e n, 29. Jänner 1896. D. V. Der Bethausvorstand überbrachte eine prachtvoll ausgestattete Adresse. Der Vorstand des österreichisch-ungarischen Cantoren-Vereines, vertreten durch den Präses Herrn Obercantor S i n g e r, den Präses-Stellvertreter Herren Obercantore Bauer und P.'.terselka und den Cassier Herrn Cantor Blatt, sah sich veranlaßt, in dankbarer Anerkennung der vom Herrn Jubilar dem Cantorenvereine seit vielen Jahren gewährten ersprießlichen Leistungen, deputativ zu erscheinen und durch eine Ansprache und Ueberreichung einer Adresse seine Glückwünsche darzubringen. Herr Dr. K o h n beantwortete die Ansprache des Obercantors Singer dahin, daß er nach wie vor bestrebt sein werde, die Interessen des Cantorenvereines wahrzunehmen. Von der „Oesterr.-Jsraelitischen Union" kam eine Deputation zur Beglückwünschung. Auch eine Deputation der Beamten erschien mit einer schönen Adresse, eine Deputation der Lehrer mit einer kunstvollen Adresse, eine Deputation der Bethausdiener ebenfalls mit einer Adresse. Außerdem erhielt das Silberpaar zahlreiche Zeichen der Sympathie und Verehrung. A. Wien. (Große Legate.) Wir haben kürzlich von dem Testamente der Witwe Frau Charlotte M e r o r e s, Haüseigenthümerin in der Währingerstraße 24, gesprochen, das eine Reihe wohlthätiger Legate enthält. Nun liegt uns der Wortlaut des Testaments vor, welches vom 5. August 1885 datirt ist. Die wichtigste Verfügung desselben widmet ungefähr 800.000 fl. für ein Waisenhaus und lautet wörtlich: Ich bestimme mein gesammtes bewegliches und unbewegliches Vermögen, insofern durch Codicill keine Abänderung getroffen werden sollte, der humanen Stiftung Waisenhaus für israelitische Mädchen, die da von einer gewissen Altersklasse bis zur Selbstständigkeit gute Verpflegung, lehrreiche nützliche Erziehung genießen sollen, damit sie einst tüchtige Frauen werden. Es ist ein derartiges Vermögen da, daß, bei guter Wahl vor einer Linie, ein schöner geräumiger Grund billig angekaust, dahin ein freundliches, luftiges Gebäude, ohne allen Prunk, dem gedachten Zwecke entsprechend, gebaut werden kann. Auch mit der inneren Einrichtung, auf das Zweckmäßigste vorregangen, kann viel für die armen Waisen geleistet werden. In allen Fällen, zu jeder Zeit soll die Stiftung meinen Namen auf ewige Zeit führen. Mein Haus soll als Stiftüngshaus meinen Namen führen, und soll das Erträgniß zu der genannten Stiftung verwendet werden. ' Damit ich aber versichert sein kann, daß mein Wille überall pünktlich vollzogen wird, so ernenne ich hiemit zu Vollstreckern meines letzten Willens, respective zu Curatoren der von mir zu errichtenden Stiftung, die Herren Freiherrn Moriz von Königs- Wärter (welcher inzwischen verstorben ist), Dr. Moses L ö w i, Dr. Leopold L i b i H k y, Dr. G ü d e m a n n, Rabbiner der Stadt Wien, und Julius Ritter von Goldschmidt; ich bitte zugleich vorgenannte Herren um Verzeihung und mir es nicht übel zu nehmen, daß ich ihnen diese mühsame Bürde übertrage; meinen innigsten Dank und Gottes Lohn. Es sollen die vorgenannten Herren Testaments-