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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-01-31 · 5 (31.1.1896) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
5 (31.1.1896)
Date
1896-01-31
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 5 Dr. Vloch's »ochenrchrifk. seinem Gotte, und so weit istwohl auch Jeder mehr oder weniger > sein eigener Religionsphilosoph. Ich glaubte daher nicht sehl zu gehen, wenn ich einen Religionscongreß, der den Berufs« Philosophen und Fachtheologen vielleicht weniger zu fesseln vermag, der aber eben das allgemein Religiöse als das allgemein Menschliche betont, der Antheilnahme von uns Nichtfachleuten für werth erachtet und da uns bis jetzt in unserem Kreise eine Darlegung des Kongresses non berufenerer Seite nicht geboten, worden, den bescheidenen Versuch machen will, Ihnen in durchaus anspruchsloser Plauderei Einiges von diesem Parlamente der Religionen zu erzählen. Ehe wir uns dem Bilde des Congresses selbst zuwenden, erscheint es nöthig, daß wir uns gewissermaßen als Hintergrund, wenn auch nur in flüchtiger Skizzirung, die hauptsächlichsten Religionen in einigen ihrer Grundlinien vor Augen führen. Es gibt, m. D. u. H., etwa 8 oder 9 Hauptreligionen, die heute noch in Frage kommen. Zunächst die uns geläufigeren und bekannten monotheistischen Offenbarungsreligionen: Das Judenthum, das aus dem Judenthum hervorgegangene Christenthum und der sich gleichfalls an das Judenthum anlehnende Islam. Im Mohammedanismus sowohl wie im Chrislenthum war jüdischer Gehalt zur Macht und Herrschaft gelangt, und um hier nur einen besonders populären Namen zu citiren, Schiller sagt in seiner „Sendung Moses": „Zwei Religionen, welche den größtln Theil der Erde beherrschen, das Christenthum und der Islam, stützen sich beide auf die Religion der Hebräer und ohne diese würde es niemals weder ein Christenthum noch einen Koran gegeben haben " Unabhängig von den drei Religionen semitischen Ursprungs sprossen in anderen Ländern und Erdtheilen die Naturreligionen empor. Die alt-chinesischen Religionen zeigten ein Gewirr von versuchter Abstraction, Vergeistigung und Verehrung des Himmels, der Erde, von guten und bösen Geistern in abgestufter Classification. Die Abwesenheit einer eigentlichen Mythologie läßt den Mangel an schöpferischer Phantasie bei dieser conservativsten aller Racen erkennen, und ihre alte Religion, die ursprünglich eine Priesterschaft io gut wie gar nicht kannte, erschöpfte sich in einem ausgeprägten Ahnencultus als hauptsächlichster Quelle religiösen Lebens. Im sechsten Jahrhundert vor Christi versuchte der weise Laotse die chinesische Religion als eine Bernunftlehre zu reconstruiren. Ausgangspunkt war das vieldeutige Tao, das wir uns als das alldurchdringeude Urprincip vorzustellen haben, und das die höchste Vernunft und das Denken symbolisirt. Das Tao, dem alles Leben entspringt, dem der Mensch den Athem, die Gestirne ihren Glanz, die Berge ihre Höhe verdanken, ist als unpersönliche und unwandelbare Urkraft, als Grund und Wesen der Weltordnung gedacht. Laotse, der die Tugenden der Demuth, Sparsamkeit und des Mitleids betonte, fordert weniger äußere Bethätigung und mehr seelische Jnnenarbeit. Er lehrt das Herausarbeiten der eigenen Tugendhaftigkeit als höchsten Zweck des auf sich selbst gestellten Menschen. Weitgehender und umfassender als die Philosophie dieses oft unklar, gebliebenen chinesischen Weisen war die reformatorische Thätigkeit seines jüngeren Zeitgenossen Confucius. In einer Zeit politischer Wirren und Gährung trat dieser kluge und nüchterne Staatsmann als Sittenprediger alter Weisheit auf und faßte in seinem Religionssysteme vor Allem das Wohl des Staatsganzen ins Auge. Allem Mysteriösen und Uebersinnlichen abgewandt, fundirte er die chinesische Reichsreligion auf Basis der Pflicht innerhalb Staat, Gesellschaft und Familie. Er zieht eine geistreiche Parallele zwischen der Ordnung des Weltalls und der sittlichen Ordnung im Menschen, die sich gegenseitig bedingen, und sieht in der Pflicht des Guten das Mittel, um die Gleichmuth der Seele und das Gleichgewicht der Gemeinschaft zu erhalten. Das Beispiel des Guten ist ihm höchste moralische Consequenz. Die Ordnung des Weltalls und die sittliche Ordnung im Menschen bedingen sich nach Confucius gegenseitig und die Pflicht des Guten ist das Mittel, um das seelische Gleichgewicht, das Jnsich ausgeglichen und mit sich selbst Zufriedensein der Person in Einklang zu bringen mit dem Gleichgewicht des Staatswohls und Gesammtwohls, das Gute hier also nicht eigentlich Selbstzweck, sondern mehr Mittel zum Zwecke der Staatsordnung, vor der die Person des Menschen vollkommen zurücktritt. Seite 93 Vom Kaiser als höchste Autorität, als Herr der Menschen und der Geister, sowie von allen Hochgestellten verlangt Confucius, daß sie mit gutem Beispiel vorangehen und gibt im übrigen in erster Reihe weltliche praktische Anweisungen und Ermahnungen ohne rechte idealisirende Erhebung und Erwärmung. Die Nützlichkeit für Staat und Gesellschaft, die Zufriedenheit in sich und mit sich selbst sind Grundmotive des Systemes, das sich hauptsächlich auf weltliche praktische Anweisungen und Ermahnungen zustutzt. „Thue nicht gegen andere, was andere nicht gegen dich thun sollen!" sagt auch Confucius und seine Religion trägt schätzenswerthe Merkmale an sich; doch hatte st? soviel Elemente des Aberglaubens und der Geisterverehrung beibehalten. daß vielfach diese Seite überwog und Zauberei, Götzendienst und Wahrsagerei empor wucherten. Einen phantastischeren Charakter als die chinesische Reichsreligion hat der später vom Buddhismus besonders stark beeinflußte japanische Shintoismus mit seiner götterr^ichen Mythologie, den Gottheiten himmlischen und irdischen Geschlechtes, den Märchen und Sagen, in denen die Phantasie zügellos sich^ ergeht. Reiche Religionen von oft großartiger Tiefe und Schönheit hat Indien hervorgebracht, das Land, das beute noch den Schauplatz imposanter Bewegung auf religiösem Gebiete abgibt. Die indische Religionsgefchichte, die sich in die Perioden des Vedismus, Brahmaismus, Buddhismus, Jainismus und Hinduismus gliedert, zeigt uns ein vielbewegtes Auf und Nieder von reifsten religionsphilosophischen Ideen und primitiver ^^^uranbetung, Vergöttlichung der Elemente, Naturerscheinungen und Kräfte. Der rege dem Mysteriösen geneigte Brahmanengeist spielt in geistreichem Natursinn mit Formulirung von Begriffen der Substanz, der Wellseele, des Schöpfungsprincips. gn dem Gefühle von der Einheit der Welt nimmt er einen Anlauf zu einer, wenn auch flüssigen Vorstellung vom höchsten Gott und Weltschöpfer im Wechsel mit allerlei anderen Gotthettsvorstellungen. Neben Brahma als das große Eine, das sich dann wiederum in eine dreifache Gottheit spaltet, entstehen und vergehen zwischendurch Götter und Gottheiten in reicher Fülle. Als Opposition gegen ein geistig gesunkenes in hochmuthige Priesterwirthschaft verfallendes Brahmanenthum, das schließlich eine unerträgliche asketische Menschenquälerei, einen menschentrennenden Kastengeist und einen ungeheueren Ceremonialdienst geschaffen hatte, erblühte im sechsten Jahrhundert vor Christi der Buddhismus. Ergriffen von dem Elende der Menschen, in der Erkenntniß der Nichtigkeit und Vergänglichkeit des Lebens, hatte der indische Königssohn Buddha, wie man ihn später nannte, Krone und Prunk von sich geworfen, um als Einsiedler die Wahrheit zu gründen, die Uebel des Daseins zu erforschen und der Menschheit Heil und Hilfe zu suchen. Er trat der Brahmanischen Engherzigkeit entgegen, machte Front gegen die Privilegien-Auswüchse der allmächtigen Priestersecte und predigte Menschengleichheit. Er hob den ganzen Gotteshimmel Brahmas auf, an Stelle von Opfern und Dogmen El'at eine dem gesammten Volke zugänglich gemachte Sittenlehre der Menschenliebe und des Wohlwollens. Die Seelenwanderung blieb als der Weg, den alles Menschenmaterial zu seiner Läuterung durchzumachen habe, bestehen. . Im Gegensätze zur bisherigen Brahmanischen Selbst- Peinigung und schweren Kasteiung und Abtödtung lehrte Buddha dre Selbstüberwindung, die Bändigung der Jnstincle an Stelle ihrer gewaltsamen Niederzwingung. Buddha stelltedie.Erlösung vom Leide des Daseins ohne Gott in Aussicht, die Erlösung ^9 selbst in der gründlichen Verneinung der Persönlichkeit, das Verlöschen und Verwehen des Ich bis zum Aufgehen in Nirwana, in den Zustand vollendeter Wunschlosigkeit. Der Buddhismus, der bald über Indien, China und V.apan hinaus an Ausbreitung gewann, zählt heute etwa den i vierten Theil der ganzen Menschheit zu seinen Bekennern und! spaltete sich bald in unzählige Sondersecten und Schulen, die theuweise auch schnell bei der Vergötterung des Stifters ancrelangt waren. Ungefähr um dieselbe Zeit mit Buddha in Indien erstand in Persien der etwas legendäre Reliqionsstifter Zoroaster oder Zarathustra. Die avestische Religion knüpft an den'Kampf des Urposen. mit dem Urguten an. Der Mensch hat sich an den Kämpfen zwischen den Reichen des Lichtes und der Finsterniß zu betheiligen und durch Erstrebung größter Reinheit an See

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