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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-01-31 · 5 (31.1.1896) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
5 (31.1.1896)
Date
1896-01-31
Page
– (sequence 12)
Language
German
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«Leite 92 Dr. Bloch's Wochrnfchrifl. Nr. 5 aber abgesehen davon kann auf Grund des bereits Gesagten behauptet werden, daß gewisse Schöpfungen der Knust und gewisse Vorstellungen ves jüdischen Allerthums den Charakter von Apotropaeen hatten; man bezeichnet nämlich Kunstwerke, die zum Schutze da sind, mit dem griechischen Worte apotrapaion. - Dieses Motiv nun scheint auch beim Tempelban während des talmudischen Zeitalters und auch im Mittelalter vorzuherrschen. Doch sind diese Perioden zu wechselvoll, in Bezug auf Geschichte des Tempelbaues zu dunkel, als daß wir auf einzelne concrete Fälle verweisen könnten; wir Unterlasten es jedoch nicht, zu bemerken, daß Isaak Lampronti, ein italienischer Gelehrter des vorigen Jahrhunderts, in seiner großen talmudischen Realencyklopädie Pachad Jizchak über Figuren in der Synagoge einen ganzen Artikel hat. Man kann nicht behaupten, daß diese Folgerichtigkeit als eine Reminiscen; der alten jüdischen Baukunst zu gelten hat, denn, wie bemerkt, eine jüdische Kunst existirt überhaupt nicht, wohl aber existirt eine Beständigkeit in den Anschauungen und in dem Jdeengang der Menschen, der Geschmack und Nachahmungstrieb äußert sich in dem einen Zeitalter wie in dem anderen. Die Löwen der Synagoge sind nicht als Ausfluß der Tradition oder der Beharrlichkeit der Sitte zu betrachten, sondern als architektonisches oder ornamentales Motiv, welches ursprünglich einen ganz anderen Sinn hatte, jetzt aber blos da ist, weil wir daran gewöhnt sind und weil wir es für schon halten; aus dem Apotropaion ist eine Ornamentik geworden, welche überall gerne gesehen wird, weil sich unser Geschmack so entwickelt hat. Zum Schluffe bemerken wir noch, daß die Löwen in der Synagoge heutzutage einen specifisch jüdischen Zug bilden. Die Kirche welche den Bildern anfangs nicht minder scheu gegenüberstand wie die Synagoge, benützte dieses Motiv der Ornamentik auch dann nicht, als sie sich bereits ohne Rückhalt mit Bildern schmückte, unseres Wissens ist zwar der Löwe auch in christliche Gotteshäuser eingedrungen — er dient als Symbol des Evangelisten Marcus — er ist aber nur Symbol, tritt also auch nicht paarweise auf. Im romanischen Styl des Mittelalters sieht man ebenfalls Thiergestalten auf Säulencapi'tälen und Pfeilern, aber immer nur als dekorativen Bestandtheil des Gebäudes, nicht aber als innere Einrichtung, welche mit der Bestimmung des Gebäudes zusammenhängt, auch nicht als schon äußerlich sichtbarer Hinweis auf die Bedeutung des Gebäudes. Aus der mohammedanischen Kunst, deren Styl, der sogenannte maurische Styl, beim Synagogenbau so sehr nachgeahmt wird, kann das Motiv der Löwen noch weniger hergeleitet werden, denn die maurische Ornamentik besteht bekanntlich in dem Zusammenflüsse und in dem Spiele von geometrischen Figuren und vermeidet selbst Motive aus der Pflanzenwelt. Die Löwen der Synagoge wüsten also als ein Ueberreft des Apotropaion-Motivs angesehen werden, welches Motiv aus der primitiven' Kunst bereits im hohen Alterthum ins Judenthum eingedrungen, hier sich als Ornamentik bis auf den heutigen Tag erhalten hat. Budapest. Dr. Samuel Krauß. Das Parlament der Religionen. Vortrag, gehalten vor den Berliner Logen des Ordens B'ne Brith, am 17. October 1895 # von Maximilian Stein. M. D. u. H.! In einer kleinen hübschen Erzählung, „Das Kaffeehaus von Surate" betitelt, schildert Tolstoi, wie in einer indischen Schenke sich Leute verschiedenen Glaubens treffen, um alsbald in den alten Streit zu gerathen, welche Religion die allein wahre sei? Ein Chinese, ein Anhänger des Confucius, sucht schließlich den lärmenden Disput mit einer bildlichen Auslegung niederzuzwingen, indem er die Gottheit mit der Sonne vergleicht, die gleichmäßig Allen scheine, unbekümmert um die mehr oder weniger falschen Vorstellungen, die die Menschen, je nach ihrem Wissen und Bildungsgrade sich von ihr machen. In diesem kleinen Roman, den ich von den vielen schönen Dichtungen gleicher und ähnlicher Tendenz herausgreife, zeigt uns der Dichter eine Zusammenkunft von Religionsbekennern als Bild seiner Phantasie, wie es dem Poeten oft vorgeschwebt. Nichts hat ja von jeher die edelsten und besten Geister mehr beschäftigt, als das Problem der Religion und der Religionen. In der Religion erlauschen wir den Herzschlag der Menschheit. In reichen Bibliotheken stehen kostbare Bücher an Bücher gereiht, in denen Ideen mit Ideen kämpfen, Religionsideale und Geislesoffenbarungen sich ablösen und Religionsphilosophien für immer neue Auffaffungen eintreten — einem tobten Religionsparlamente von Folianten und Bänden zu vergleichen. — zum ersten Male aber in der Weltgeschichte fand i. I. 1893 bei Gelegenheit der Weltausstellung in Chicago dort ein wirklicher Religionscongreß statt, an dem Bekenner sämmtlicher Glaubensbekenntnisse sich persönlich gegenüberstanden, um in friedlichem Gedankenaustausch Auseinandersetzungen zu pflegen. Die mannigfachen Synoden und engeren Concile, die, mehr im Schooße der einzelnen Confessionen oft getagt, reichen an die stattliche Chicagoer Versammlung nicht heran. Unserem, unter dem Zeichen des Verkehres stehenden Zeitalter war es Vorbehalten, Männer aus so verschiedenen Ländern und entfernten Erdtheilen sich an einem Conferenztische zusammenfinden zu lasten. Aus sämmtlichen Ländern Europas, aus Egypten, Indien, Japan, China und Brasilien, den Vereinigten Staaten kamen hier Priester und Gelehrte, Prediger und Apostel zusammen. Die Gläubigen des Judenthums, des Christenthums in allen Schattirungen, des Islam, des Hinduismus, des Buddhismus, Taoismus, Shintoismus, Vertreter der Lehre des Confucius. und Zoroaster und vieler abzweigenden und neueren Religionen. Die Religionen, die sich oft hochmüthig ignorirt oder bitterlich befehdet haben, reichten sich die Hände, von der Schroffheit und Feindseligkeit schien man nichts mehr zu wissen; friedsam und einträchtig saßen hier zusammen: Der Rabbiner im Talar und der purpurbekleidete Cardinal, der griechische Erzbischof im goldgestickten Prachtgewande und hoher Mütze, neben dem japanischen Hohepriestcr im weißen Kleide, Buddhistenpriester mit glattrasirten Köpfen und regenbogenfarbigen Mänteln, den Fächer in der Hand, schwarze Negerbischöfe, Chinesen im blauen Ornat, die Gelehrten Hindus neben den Europäern im Frack und schwarzen Rocke — .es war ein farbenprächtiges und physiognomienreiches Bild. Der Religionscongreß ist verhältnißmäßig w>nig beachtet und wenig gewürdigt worden. Zum Theil mag dies an Aeußerlichkeiten des amerikanischen Arrangements gelegen haben, das nach dem Geschmacke jenes Landes einen Stich ins Reclamehaftpompöse hatte und ein theatralisches Schaugepräge vermuthen ließ, das manche Elemente abkühlen und abschrecken mußte. Und doch war der Eongreß, dessen Wichtigkeit und Wirksamkeit darum nicht unterschätzt zu werden braucht, ein durchaus ernstes Unternehmen. Zwei Jahre lang hatte Dr. Barrows, dem die kühne Idee zu danken war, und der sie in meisterhafter Organisation zur That werden ließ, an dem Zustandekommen gearbeitet, unterstützt von dem Vorberathungscomite, das aus Vertretern von 16 verschiedenen Religionsgesellschaften und Secten zusammengesetzt war. Biele Autoritäten, an ihrer Spitze der Papst, hatten Zustimmungsäußerungen gesandt, und mit Recht konnte con allen Seiten darauf hingewiesen werden, daß ein solcher Congreß ein natürliches und in seiner symptomatischen Bedeutung nicht zu unterschätzendes Product und Zeichen unserer Zeit sei! Ein Blick auf die Strömungen und Erscheinungen unserer reformraschen Epoche und auf die einschlägige Literatur läßt den starken inneren Drang unserer Zeit nach religiöser Einigung wahrnehmen, das Wort Ethik als Religionsextract ist rin beliebtes Schlagwort in jedermanns Munde; freireligiöse Gemeinden, Vereine für ethische Cultur, egydische Bestrebuncen für einiges Christenthum, als Neuestes eine Religion des Geistes, und andere ähnliche, oft kurzlebige Programme, die einer neuen Weltreligion vorzuarbeiten glauben, sind beflissen, die in der Luft liegende Neigung nach allerlei Neubildungen und Neu-Modellirungen religiöser Wahrheiten aufzufangen; und auch die streng wissenschaftliche Forschung arbeitet daran, aus allen bunten vielgestaltigen Religionsarten den ursprünglichen verbindenden Zug, der von Religion zu Religion geht, herauszuheben. Erscheint dergestalt das Religionsparlament mit im Rahmen der Zeitströmung, so kehrte es sich theilweise gegen dieselben, indem es den Atheismus ausgeschlossen und den ausgesprochenen Willen hatte, der Religion und der Religiosität zu dienen — der Religiosität, die, möchte ich sagen, oberhalb der Confession schwebt, und die wir mehr als das religiöse Gefühl überhaupt verstehen. So wie wir hier, die wir sämmtltch Juden sind, es principiell ablehnen, in unserer Mitte Erörterungen aufkommen zu lassen, die in die specifische intimere Glaubensschattirung der Einzelnen greifen könnten» so hätte man in Chicago nicht einen Tag beisammen bleiben können, wenn man es nicht verstanden hätte, die Klippen zu vermeiden, die aus einem, wenn auch noch so leisen Rütteln an der individuellen Religiosität entstanden wären. Wir wissen, m. D. u. H., daß wir die eigentliche Religiosität nicht aus Büchern lernen, nicht von Theologen und Philosophen erfahren, sondern sie erleben und durchleben im eigenen Gemüthe. Es hat wohl Jeder, wenn man so will, neben der officiellen Glaubensformel noch seine eigene Sprache mit

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