Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 13 (1896)
- Issue
- 5 (31.1.1896)
- Date
- 1896-01-31
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 82 Dr. Bloch's Wochenschrift. Nr. 5 treu geblieben sind, die sind noch immer in das moderne Ghetto gewiesen, sie können ihren Erwerb nach wie vor nur an der Börse oder als Kaufleute und Hausirer suchen. Das ist die ungeheure Mehrheit der Juden und diese klagt man nun an, daß sie Mammonsdiener seien und ihren: biblischen Gotte untreu geworden sind. Wenn dem so wäre, wem: ihnen die alte mosaische Lehre mit ihren tiefsittlichen Grundsätzen, mit chrer idealistischen Weltanschauung nichts mehr bedeutete, was fesselt sie an das Judenthun:, das seinen Bekennern nur Nachtheile und Verfolgungen bietet? Aus unseren Universitäten sind,zahlreiche jüdischePrivatdocenten, deren Namen das Ausland mit Achtung nennt,zahlreiche jüdische Mittelschullehrer und jüdische Auscultanten hervorgegangen. Sie alle warten Jahrzehnte hinaus, und meist alle vergebens aus eine definitive Anstellung. Sind das Märtyrer des Mammonismus oder Märtyrer eines idealen Charakters? Wären sie Diener des goldenen Kalbes, warum bleiben sie noch Juden, warum tragen sie noch unverdrossen das Martyrium, das ihre Väter und Urväter getragen? Sie alle wissen, daß diese, angeblich von Idealismus triefende christliche Gesellschaft ihnen sofort alle Thüren öffnen würde, wenn sie sich taufen ließen. Und dennoch sind sie so eingefleischte „Materialisten", dies nicht zu thun,dennoch darben diese „Mammonsdiener" lieber, als daß sie sich einer Charakterlosigkeit schuldig machen! Ja, es ist wahr, die Juden haben, gezwungen durch die „ideale christliche Nächstenliebe", mit Allem Schachergetrieben, mit Geld, mit alten Hosen, mit zerlesenen Büchern und Handschriften, mit allem möglichen Trödelkram und thun es noch! Aber mit Einem haben sie nie geschachert und werden es nie thun: Mit dem Heiligthum ihres Herzens, mit ihrer religiösen Ueberzeugung! Nicht wahr, das ist eine sonderbare Art von „Materialismus"? Der berüchtigte Ausspruch: „Non ölet!" ist arischen Ursprungs. Was thut diese idealistische christliche Gesellschaft, wenn es einem Juden gelungen ist, Millionen zusammenzuscharren, sei es auf welchem Wege und durch welche Mittel immer? Sie öffnet einem solchen Hohenpriester des Mammons ihre Arme, sie macht chn zum Ritter, zum Baron, sie weiß nicht mehr und will es nicht wissen, daß seine Väter den gelben Fleck getragen und mit Hasenfell gehandelt haben, sie nimmt chn als vollwerthig an, als ob er auf sechzehn edelbürtige Ahnen zurückblicken könnte und arische Grafen und Fürsten verlieben sich in ihre millionenbehafteten Töchter! Hat.man schon je gehört, daß solch' ein arischer Edelmann seine Neigung einem armen Judenmädchen zugewendet und es zu seiner legitimen Gattin gemacht hätte? Seht Ihr, das ist — im Gegensätze zum jüdischen Mammonismus — der christliche Idealismus!. „Die Zeit" ist sonst ein sehr vernünftig geschriebenes Blatt, aber im Punkte der Judenfrage hat sie unsere Zeit nicht begriffen! Wie es überhaupt mit dem viel beneideten und angefeindeten Reichthum der Juden bestellt ist, mögen folgende Daten darthun. In Wien sind ungefähr 25.000 jüdische Familien, beziehentlich Haushaltungen. Von diesen sind die Familienväter ungefähr 15.000 derart situirt, daß sie zur Steuerleistung in die Cultusgemeinde gar nicht herangezogen w erd ex können, weil sie entweder ganz unbemittelt oder nicht im Stande sind, die Umlage aufzubringen. Von den 10.000 Steuerholden der Cultusgemeinde sind aber 90 Percent mit der g e r i n g st e n Quote von 10 Gulden eiugeschätzt, und von diesen 90 Percent ist gut dreiviertel nur mit knapper Noth in der Lage, jährlich diese 10 Gulden zu zahlen. Der allergrößte Theil dieser unbemittelten Juden ist aus den Erwerb im Handel und Gewerbe angewiesen. So wenig gilt dem Juden „der Besitz Selbstzweck", daß gerade seine stets offene Hand für Arme und Dürftige, die sprichwörtliche Freigebigkeit in allen Ausgaben für Unterricht und Kindererziehung ihn immer dem Verdacht größern Reichthums aussetzen. In Oesterreich gibt es nur ein ganz kleines Häuflein jüdischer Millionäre, und ihr Besitz ist nicht jüngeren Ursprungs als die Millionen der L i e b i g, S ch m i t t, Hämmerte, G e tz n e r, M e i:: e l, G e i p e l, E l tz, E n z i n g e r, A d e n s a m e r, W e r t h e i m, Schüller, Miller, D u t s ch k a, B a r e u t h e r, D u m b a, Grillmeier, Blaschka, Borken st ein, Bräunlich, Brevillier, Buj atti, Corn ides, Di erzer, D i t m a r, E i ch m a n n, F a lt i s, H a as e, Ri ch t er, W a l z e l, Kluge, P r o s k o w e tz, Schroll E :: d e r l i n, Schranz und hundert Anderer. Daten über den arischen Mammonismus bietet folgende Statistik, welche dem „Oesterreichischen statistischen Handbuche von 1882" entnoinmen ist. Nach den Erhebungen im Jahre 1880 besaßen die Mönchsorden in Oesterreich (ohne Ungarn) ein Vermögen: m Niederösterreich über „ Oberösterreich fast „ Salzburg fast . . „ Steiermark fast „ Kärnten fast . . „ Tirol fast . . . „ Böhmen fast . . „ Mähren über. . . „ Schlesien über . . „ Galizien über 27 Millionen Gulden ö. 8 3 „ 37« „ „ 2 n tt 4 „ „ 137. „ 13 v „ 3V. „ 10 :n 1865 1870 1875 1880 Man denke Das Gesammtvermögen der katholischen Ordenshäuser Oesterreich betrug in beständiger Steigerung: .... 75,374.595 Gulden. .... 81,675.263 „ .... 85,077.263 ... 87,971.687 „ an den Großgrundbesitz in Oesterreich und Ungarn, wo es auch nicht an Herren fehlt, welche Herzogthümer, sozusagen kleine Königreiche an Grund und Boden ihr Eigenthum nennen. Es gibt auch Juden, welche Bergwerke, Forste und Güter haben, auch Juden, welche Geld besitzen; der Reichthum der Juden aber ist ein Märchen, erfunden vom Neide und erzählt von seinen: Bruder, dem Hasse. Man sehe sich aber folgende Zusammenstellung an, die wir der „Reichenberger Zeitung" entnehmen. „Von der gesammten Fläche Böhmens im Ausmaße von 5,197.025 Hektar (9,027.231 Joch) gehören dermal nicht weniger als 102.315 Hektar (177.834 Joch oder 1-97 Percent) der todten Hand, der Katastral-Reinertrag beträgt 868,966 Gulden oder 1'77 Percent vom gesammten Katastralertrage Böhmens (50,828.060 Gulden.) Der größte Antheil von dieser Fläche entfällt auf das Erzbisthum Prag 41.467 Joch (24'8 Percent), auf den Orden der Prämonstrat en s r r 38.358Joch (21-7 Percent), aus das Metrop olitan-Domcapitel Prag 21.156 Joch (11-7 Percent), auf den Orden der Benedictiner 17.978 Joch (10'8 Perceni), der Zistercien ser 15.095 Joch (8'4 Perceni), derMal 1 he s e r 13.119 Joch (7'4 Percent) und der K r e n z h e r r n 9465 Joch (5 3 Percent), der Rest von 21.195 Joch (oder 11-62 Percent) auf den Orden der A u g u st i n e r, Dominicaner Piaristen, die Bisthümer von Königgrätz, und Leitmeritz, auf die Capitel in Prag, Königgrätz, Altbunzlau und Wyschehrad, auf die Domprobsteien in Krumau und Wyschehrad, auf den Religionsfonds auf den Fonds der Kirchen und des erzbischöflichen Alumnats zu Prag. Von Jndustien gehören: 1 Zuckerfabrik (Horomeritz), 51 Brauereien (7 Percent der gesammten Brauereien Böhmens), 13 Spiritusbrennereien, 17 Mahlmühlen, 13 Brettsägen und 45 Ziegeleien den geistlichen Orden, dem Clerus und den Kirchengütern. Die gesammte Grundsteuer dieser Besitzungen beträgt 191.172 fl. Der Werth der Grundfläche beträgt approximativ (annähernd) 52,057.950 fl., der Werth der Jndustrialien 28,460.000 fl. der Werth der anderen Oekonomiegebäude, 63 Herrschaftsschlösser, 237 Meierhöfe und 147 Förstereien 10,500.000 fl., des Fundus instructus (Unterrichtsfonds) 8,000.000 fl., der Ordensklöster und der Wohnhäuser 20,000.000 fl., der Stiftungscapitalien 24,000 000 fl. Außerdem bestehen in Böhmen 3448 Pfarreien, Dechanteien und Localien mit ansehnlichen Oekonomien, deren Werth approximativ 120,000,000 fl. beträgt. Man kann daher den Werth der unbeweglichen Gü 1er der todten Hand ohne Uebertreibung auf rund 300,000.000 fl. angeben. Die Gesammtzahl des Clerus in Böhmen beträgt nach dem neuesten catalogus cleri 3650 Personen; es entfällt daher in Böhmen auf eine Person geistlichen Standes ein unbewegliches Vermögen von mehr als 80.000 fl., während in Böhmen bei 5.843.250 Bewohnern — wenn man das gesammte unbewegliche Vermögen mit 3,500.000.000 fl. taxirt—auf einen Bewohner nur 600 fl. entfallen."