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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-01-31 · 5 (31.1.1896) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
5 (31.1.1896)
Date
1896-01-31
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nr. 5. Jahrgang XIII Centralorgan für die gesammten Interessen des Iudenthums. L. k. PostsxsrkaNen-Amt Clearingverkehr Nr. 810.976. Drdsrtion und Administration: Wir» Vntrrr Duga.trnstrgsji 1». Telephon-Nr. 6535. -V I Wien, 31. Jänner 1896. -—'1**—*H' •«(' - Erscheint jeden Freitag. -- & Wan abonnirt bei allen Postanstaltrn des In- und Auslandes. S-rugsprri» flir Vrstrrrstck: Halbjährig 4 fl. — 8 Ar. Einzelexemplare 25 kr. FLr's Ausland: halbjährig 5 fl. — 10 Ar. ganzjährig 10 „ so „ Anzeigen: Die 4mal gespaltene Petitzeile 12 kr. Inhalt! Leitartike l: Der Cultus des „Gottes Mammon". — Unsere edlen Junker. — Römische und griechische Schriftsteller über Juden und Judenthum. — Beitrag zur Geschichte der russischen Juden. — Zur Geschichte der Juden in Prag. — Das Judenthum und die sittlich-religiöse Erziehung. — Bilderschmuck in der Synagoge. - Das Parlament der Religionen. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Ein Aufruf an die Söhne vom Stamme Wurz. Racen-Trabuccos. Wieder Einer. Ein Duell aus antisemitischen Motiven. Ein Duell. Wo bleiben die Staatsgrundgesetze? „Talmudijcher" Racrnantisemitismus. Der Director der k. k. Lehrerbildungsanstalt in Trautenau. Gesetzlicher Schutz für den Religionsunterricht. Antisemitische Löhne. Die „Deutsche Tageszeitung" und ihre — jüdischen Schutzpatrone. Wie Christenverfolgnugen in China entstehen. Der bestrafte Ueberläuser. — Correspoud enzen: Wien, Groß-Enzersdorf, Brunn, Protznitz, London» New-Dork, Johannesburg. — Vermischtes: Wien, Budweis, Proßuitz, Nachod, Ung.-Ostra, Paris, Petersburg. — Feuilleton: Kinder des Ghetto. — Briefkasten — Inserate. Der Cultus des „Gottes Mammon".' Die Wiener Wochenschrift „Die Zeit" bringt in ihrer letzten Nummer vom 25. d. M. einen Artikel „Zur Judenfrage" aus der Feder eines „süddeutschen Bureaukraten", in welchem wir folgenden merkwürdigen Satz finden: „Die Geldgier, der Mammonismus ist bei den Juden in beson- * derem Maße entwickelt und es hängt dies mit der geschichtlichen Vergangenheit des jüdischen Volkes zusammen. Das jüdische Volk ist der vorzüglichste Träger des Monotheismus; seinen biblischen Gott hat es verlassen und an dessen Stelle einen anderen, aber Dank seiner monotheistischen Schulung nur einen, den Mammon, gesetzt; diesem dient es jetzt, wie früher Jehova, und dem Mammonismus wird alles Andere untergeordnet." Wenn solche Anschauungen von berufsmäßigen antisemitischen Hetzern vor einer Versammlung beim „Blauen Luchsen" oder beim „Stadtgut" geäußert werden, so kann das nicht Wunder nehmen. Billig erstaunen muß man aber darüber, wenn eine solche Behauptung in einem angesehenen demokratischen, mit dem Anspruch auf wissenschaftliche Bedeutung auftretenden Blatte und noch überdies von einem Manne aufgestellt wird, der sich zu den Gebildeten und Vorurtheilslosen rechnet. Wie? Der ob seines Glaubens und seiner unerschütterlich freiheitlichen Gesinnung verfolgte Jude soll seinem alten biblischen Gotte untreu geworden sein? Aber warum wird er dann noch gehetzt? Der Verfasser gesteht selbst zu, daß auch die christliche Gesellschaft von heute ganz und gar von Mammonismus, von der materialistischen Gier nach Gelderwerb und Genuß beherrscht wird. In den Augen einer solchen Gesellschaft müßte ja der Dienst des goldenen Kalbes eher ein Vorzug als ein Verbrechen sein — und trotzdem zieht die antisemitische Bewegung immer weitere Kreise! Blicken wir doch nur mit gesunden Sinnen um uns! Die christliche Gesellschaft wendet alle ihre Machtmittel — und man weiß, wie gewaltig diese sind ' — an, um die Juden zu corrumpiren, sie ihrem Idealismus oder was dasselbe sagen will, ihrem alten biblischen Gott untreu zu machen. Aber all' diese Mühe bleibt, von geringen Ausnahmen abgesehen. erfolglos! In den Zeiten der Bedrückung waren die Juden ausschließlich auf den Kleinhandel und Zinswucher angewiesen und man weiß, wie christliche Fürsten und Prälaten damals den „Realismus" der Juden anszubeuten wußten. Aber kaum hatten unsere Glaubensgenossen die Gleichberechtigung erlangt, als sich im Judenthume eine mächtige Strömung nach den gelehrten Berufen bemerkbar machte. Die neue Generation wollte nichts vom Handel, nichts von der Börse wissen, sie haßte diese Beschäftigungen, an denen die Schmach der Vergangenheit klebte, sie wollte ihre geistigen Fähigkeiten verwerthen, im Dienste der Gesellschaft, des Staates, der Wissenschaft, der Kunst, der ganzen Menschheit. Ist das etwa ein Beweis naturalistischen Geistes? So gewaltig war dieser Zug nach den geistigen Berufen, daß in wenigen Jahrzehnten eine empfindliche Ueberproduction an jüdischen Aerzten, jüdischen Rechtsbeflissenen, jüdischen Professoren, jüdischen Schriftstellern entstand und diese Ueberproduction wurde ebenso, wie seinerzeit die ausschließliche Beschäftigung mit dem Handel, zu einer Quelle des Hasses und Neides seitens der Christen. Wie verhält sich nun die christliche Gesellschaft gegenüber diesem Bildungsstreben der Juden, gegenüber dieser plötzlich hervorgebrochenen Verleugnung des Materalismus? Erkennt man in ihnen die modernen Culturmenschen an? O im Gegentheil! Solange der jüdische Rechtsbeflissene, der jüdische Gelehrte und Schriftsteller seinem Bekenntnisse nach Jude bleibt, wird er zurückgewiesen! Das Lehramt, die Beamtenlaufbahn bleiben ihm verschlossen, solange er sich nicht entschließt, seinen Glauben zu wechseln. Erst dann, wenn er es über sich gewinnt, seiner Carriöre zu Lieb ein charakterloser Heuchler zu werden und ein Bekenntniß nachzubeten, das seinem Herzen fremd ist, erst dann wird er als gleichberechtigt anerkannt, erst dann erscheint er reis für diese „abendländische Civilisation", deren Idealismus so hoch gepriesen wird. Solange er nicht die Religion seiner Väter, solange er nicht seinen alten biblischen Gott abgeschworen hat, ist und bleibt er der verhaßte, verachtete und geschmähte Jude! Wer dem altm Fluche entrinnen will, muß also Materialist werden; diejenigen Juden aber, welche sich ihren Jdealisums gerettet haben und chrem Glauben

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