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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1896-01-24 · 4 (24.1.1896) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
13 (1896)
Issue
4 (24.1.1896)
Date
1896-01-24
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 74 Dr. Vlvch's Wochenschrifl. Nr. 4 aber hatte der Priester zu Weinhaus recht gutes Glück, in der Auslosung der Geschwornen. Der Loew that auch das Seine, er hatte viel Wasser um seinen Priester rein zu waschen. Pfarrer Fuß und „Magyar Allam" haben in Ungarn auf einen schwereren Standpunkt zu hoffen, als die Haman's in Wien. Budapest, 19. Jänner. (Zur neue st en Blutlüge.) Wie bereits mitgetheilt, hat das Budapester Preßgericht die Hauptverhandlung in dem Preßprocesse gegen den Zeliser Vfarrer Johann Fuß auf den 30. d. M. anberaumt. Der Justizminister forderte vor Kurzem die auf die Ermordung der kleinen Juliska B a l L ß bezughabenden Acten vom JpolysLger königl. Gerichtshöfe ein. Da man jedoch derselben auch am: Schwurgerichtsverhandlung bedürfen wird, bis zum 30. d. M. jedoch nicht alle beschafft werden können, mußte die auf den 30. d. M. anberaumte Hauptverhandlung vertagt werden. (Verleihung.) Durch allerhöchste Entschließung wurde dem Handelsgerichts - Beisitzer in Szabadka. unserem Glaubensgenossen Markus Freudenberg, der Titel eines königl. Commerzienrathes taxfrei verliehen. Prag, 20. Jänner. Der Prager Antisemitismus hat sich heute im Prager Landtag zum Worte gemeldet. Aber so geneigt und bereit sich die Landesvertretung gezeigt hat, gegen die von den Abgeordneten Herren G e b l e r und I r o besprochenen, die Landwirthschaft schädigenden Einflüsse der Produktenbörse in's Feld zu rücken, so indifferent erwies sie sich gegenüber den antisemitischen Arabesken, welche die genannten Redner um die Frage der Auswüchse der Getreidespeculation zu schlingen wußten. Der Aufforderung, dem Geireidewucher an den Leib zu gehen, wird Keiner die Gefolgschaft verweigern, der den Pflichten der Menschlichkeit Nachkommen will, aber es schien doch nicht so ganz den Interessen und Bestrebungen der beidenNationalitäten zu entsprechen, als ihnen Herr G e b l e r den Vorschlag unterbreitete, den nationalen und politischen Kampf einzustellen und sich gemeinsam auf die Juden zu werfen,welche die eigentlichen Feinde der beiden heimischen Volksstämme, die vaterlandslosen Vampyre seien. Herr I r o, der sich gleichfalls beeiferte, die Czechen zum Guten hinzuleiten, ist schon in der Jntroduction vom Oberstlandmarsch all aufgehalten worden, so daß er mit seinen Worten hinter der Zahl der Worte seines Vorredners Herrn G e b l e r zurückblieb. Die Redner erhielten eine scharfe Zurechtweisung von dem Führer der Deutschen Herrn Dr. Ruß und von dem Vertreter der Prager Josefstadt Landtags-Abgeordneten Scharf, welche dagegen protestirten, die Scenen aus dem niederösterreichischen Landtage in die Prager Landesstube verpflanzen zu wollen. Brünn. (Die Heinrich Gomperz-G a l e r i e in Brünn.) Aus Brünn wird uns gemeldet: Sonntag den 19. d.. Vormittags, wurde jene reichhaltige, einen Werth von mehr als 50.000 fl. repräsentirende Gemäldesammlung, welche der vor drei Jahren dahingeschiedene Brünner Gemeinderath Heinrich G o m p e r z dieser Stadt letztwillig gewidmet hat, durch den Bürgermeister Dr. Ritter v. W i es e r in Anwesenheit der Mitglieder der Gemeindevertretung, des Vorstandes des mährischen Kunstvereines, sowie der nächsten Verwandten des hochherzigen Stifters eröffnet werden. Die Sammlung, welche mehr als 500 Gemälde umfaßt und für unsere Stadt eine Sehenswürdigkeit ersten Ranges bildet, ist in dem neuresiaurirten. mit den berühmten Danielle Gran'schen Fresken geschmückten ehemaligen Ständesaale des alten Landhauses auf dem Dominicanervlatze und in zwei Nebenfälen untergebracht. Auf Ersuchen des Gemeinderathes führte der langjährige Freund des verstorbenen Stitters. der freisinnige Kunstkenner Eduard S y k o r a. die Aufstellung und Katalogisirung durch, eine Arbeit, die keine leichte war und mehrere Monate in Anspruch nahm. Von Dienstag den 21. d. M. angefangen wird diese Sammlung jeden Dienstag. Donnerstag und Sonntag zwischen 11 und 1 Uhr dem allgemeinen Besuche zugänglich sein, und zwar nach den Bestimmungen des Stifters unentgeltlich. Graz. 18. Jänner 1896. Herr I. Zucker (alias Tukar) bat von hier aus dem „Ball der Stadt Wien" einen hübschen Walzer gewidmet, der am Abend des Balles zur ersten Auffübrung gelangt. Das Comite hat an Herrn Zucker ein Schreiben gerichtet, worin ihm der Dank für die Widmung ausgesprochen und die Aufführung angekündigt wird. Es ist dies nicht seine erste''Composition. und zieren jetzt 2 seiner Compositionen (Elsa-Walzer und Ella-Schottisch, 2. Auflage) das Schaufenster eines hiesigen Musikalienverlegers. Herr Zucker hat auch dem hiesigen „Akademischen Verein Humanitas" eine reizende Polka gewidmet. Der junge Musiker ist in Czernowltz zu Hause und studirt hier im Abiturienten-Curse der hiesigen Handels-Akademie. Berlin. Herr Geheimrath Professor Lazarus ist von der Akademie der Wissenschaften in Petersburg zum correspondirenden Mitgliede ernannt worden. — Frau Louise Weißstein in Glogau hat dem Vorstand der Gemeinde 30.000 Mark zur freien Verfügung überreicht. Der verstorbene Gatte der Frau W e i ß st e i n hat bei seinen Lebzeiten und sodann durch letztwillige Verfügung beträchtliche Summen der dortigen Gemeinde geschenkt, wie überhaupt als Vorsteher um Aufbau und Schmuck des Prächtigen Gotteshauses sich große Verdienste erworben. Die Stiftung der Frau W e i ß st e i n soll zum Jnstandhalten des Tempels und für gottesdienstliche Zwecke verwendet werden. — In Oels wurde der Alterspräsident der Stadtverordnetenversammlung, Mendelssohn, in der ersten Sitzung dieses Jahres besonders gefeiert, da er gerade vor 30 Jahren in dieselbe eingeführt worden war. — In der Synagoge zu St. I n g b e r t in der Pfalz brach ein Feuer aus, welches das Innere vollständig zerstörte. Sämmtliche Thorarollen sind verbrannt. — Aus Anlaß der Feierlichkeiten bei Einweihung der Neubauten der technischen Hochschule zu Darmstadt hat der bewährte Gönner der Hochschule, Herr Rentner Ludwig Joseph Pfu n g st zu Worms, die von ihm auf 1000 Mark normirte Jahresscher.kung zu Stipendien für Studirende für das Studienjahr 1895 bis 1896 auf den Betrag von 2000 Mark erhöht und damit einer Anzahl Studirenden eine wesentliche Beihilfe gewährt. Für das Studienjahr 1896/97 hat Herr P s u n g st wieder die Summe von 1000 Mark zu Studienbeihilfen bereit gestellt. Paris. Besucher des Louvre finden seit einiger Zeit auf mehreren Kästen die Aufschrift: Geschenk des Barons Edmond de Rothschild. Dieses werthvolle Geschenk wird jedoch weitaus übertroffen durch die Widmung, mit welcher eine unserer Glaubensgenossinnen die Nationalbibliothek in der Rue Vienne bedacht hat. Madame Calmann Levy, Witwe nach dem bekannten Verleger, hat die ganze Bibliothek Renan's angekauft und dieselbe der Nationalbibliothek zum Geschenk gemacht. Die Bibliothek umfaßt 5516 Bände und enthält höchst werthvolle Werke über orientalische Alterthümer, die Anfänge des Christenthums und Islams, sowie allgemeine geschichtliche, philologische philosophische und politische Werke. Durch ihre hochherzige Widmung hat Mm. Calmann Levy nicht blos eine der landläufigenÄnklagen der Antisemiten nachdrücklichst widerlegt, sondern sich auch um die Förderung der Wissenschaft große Verdienste erworben. In der Neujahrsliste der Verleihung von Auszeichnungen der Ehrenlegion finden sich auch die Namen hervorragender Glaubensgenossen. Zum Commandeur (dem höchsten Grade der Ehrenleg-on) wurde ernannt M. Maurice Loevy, Subdirector der Pariser Sternwarte, Mitglied des Institut de France, welcher jüngst zum Mitgliede der königlichen Akademie der Wissenschaften in Berlin ernannt wurde. Unter den Ausgezeichneten finden sich auch M. Adolphe d'Ennery, der bekannte Dramatiker und Schriftsteller, und Oberst Marx, Artillerie- Director in Epinal. London. Die „Times" macht über den Proceß Deckert folgende Bemerkung: Der Freispruch des Pfarrers Deckert. des judenfeindlichen Geistlichen, welcher unlängst wegen einer Reihe zum Racenhaß aufhetzender Predigten vor den Geschwornen stand, hat allgemeine Indignation erweckt in allen außerhalb der antisemitischen Partei stehenden Bevölkerungskreisen. Dieselbe beweist, wie tief die unglückselige antisemitische Propaganda bei den kleinbürgerlichen Elementen eingedrungen ist. Die einflußreichen Persönlichkeiten, auf deren geheime Anstiftung die antisemitische Bewegung zurückzuführen ist, merken nun zu ihrem Schrecken das große Unheil, das sie angerichtet haben. Die Bewegung hat sich allem Anscheine nach schon ganz ihrer Leitung entwunden und wird über kurz oder lang sich gegen sie selbst wenden. Constanza, im Jänner. (Der rumänischeKönig und die Juden.) Mehrere Vorfälle, die sich während des Aufenthaltes des rumänischen Königspaares, der Hauptstadt der Dobrudscha (am Schwarzen Meere) ereigneten, bezeugen, daß Seine Majestät den Juden wohlgeneigt ist und es ihm, als constitutionellen Monarchen, nur nicht möglich ist, seine günstige Gesinnung in der Legislative zum Ausdrucke zum bringen.

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